Große Filmkunst: Bardem brillant in Biutiful


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Heute habe ich endlich einen Film gesehen, den ich schon schauen wollte, seit er letztes Jahr in Cannes für so viel Furore gesorgt hatte. Bei den dortigen Filmfestspielen wurde Hauptdarsteller Javier Bardem u.a. als bester Schauspieler ausgezeichnet. Zu Recht. Der Film des Mexikaners Alejandro González IñárrituIch habe «Biutiful» letztes Jahr schon auf cibera vorgestellt und empfehle allen, die Spanisch können, das dort präsentierte Interview des Regisseurs, in dem er erklärt, warum er diesen Film gemacht hat. heißt und ist auf seine Art Biutiful.

Biutiful - Spanisches Filmplakat

Wie genial González Iñárritu ist, konnte ja schon in «Babel» oder «Amores Perros» bestaunt werden, aber hier hat er wieder einmal stilistisch ganz große Filmkunst abgeliefert. Eine so deprimierende wie authentische Geschichte, dass man jede Szene im Kino ganz dicht erlebt und sich dem Bann der Bilder und der durchweg guten Darsteller (bis in die Nebenrollen) nicht entziehen kann. Und der wohl komponierte Soundtrack des argentinischen Großmeisters Gustavo Santaolalla erschlägt die Bilder nicht, sondern begleitet sie angemessen.

Im Passage-Kino in der Mönckebergstraße, dort wo im Foyer der wunderbar imposante Deckenleuchter wie ein Relikt aus einer anderen Zeit hängt, habe ich jedenfalls heute Abend einen Film gesehen, den ich so schnell nicht vergessen werde. Wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt (den Film, gerne auch den Leuchter): schaut ihn euch an. Buitiful.

Kino, Spanisch

Neuer Imagefilm für Hamburg

Kaum ist die neue Bürgerschaft in Hamburg in Amt und Würden, hat sie auch schon fraktionsübergreifend einen neuen Imagefilm in Auftrag gegeben, der dem hansestädtischen Marketing neue Impulse geben wird und Hamburgs Ruf als Tor zur Welt in einem vollkommen neuen Licht darstellen wird. Geradezu futuristisch anmutend ist der Rückgriff auf das 70-er Jahre Styling, seht selbst:

Hamburg – Great City on a Great River from Friedemann Wachsmuth on Vimeo.

Mehr zum Hintergrund des Imagefilms bei Spreeblick, dem Blog aus Deutschlands drittschönster Stadt.

Hamburg, Video

Water Makes Money – Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen


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Trinkwasser ist ein kostbares Gut. Doch gerade in Europa verkommt es derzeit zur Ware. Immer mehr Städte und Gemeinden privatisieren ihre Wasserversorgung. Die Folgen sind ein nur kurzfristiger Geldsegen für die Kommunen und eine langfristige Verteuerung des Trinkwassers für die Verbraucher. Der Themenabend dokumentiert anlässlich des Weltwassertags die zunehmende Verlagerung der Wasserversorgung von der öffentlichen in die private Hand.
Quelle: arte

Der französische Wasserkonzern Veolia hat mit allen Mitteln versucht, die Verbreitung des brisanten Films von Leslie Franke und Herdolor Lorenz zu unterbinden. Erfolglos. Die morgige Ausstrahlung der deutsch-französischen Koproduktion Water Makes Money (Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen) solltet ihr euch unbedingt anschauen bzw. aufzeichnen.

Ausstrahlung auf arte, morgen am Welt-Wassertag, Dienstag 22. März, um 20:15 Uhr, Wiederholung am 24.03.2011 um 10:05 Uhr und am 31.03.2011 um 14:45 Uhr.

Ich zitiere aus einer Information des Filmteams:

Die für ihre Praktiken bei der Privatisierung unseres Lebenselixiers Wasser im Film kritisierten Globalplayer VEOLIA und dessen Zwillingskonzern SUEZ versuchen alles, um dessen Verbreiten zu behindern: SUEZ „Patron“ Gérard Mestrallet ruft bei der ARTE-Präsidentin Véronique Cayla an und verlangt die Absetzung der Sendung – der Chef eines Milliarden schweren Weltkonzerns hat nichts wichtigeres zu tun! Und VEOLIA erhebt vor dem höchsten französischen Verwaltungsgericht Klage gegen den Film wegen Verleumdung!

Nein, selbstverständlich ist es nicht, dass ARTE und seine Präsidentin trotz des großen Drucks hinter WATER MAKES MONEY und dem Sendetermin am 22.3.2011 um 20h15 stehen! Es ist mutig und vorbildlich! ARTE hat noch einmal jedes Detail im Film jede Aussage genauestens überprüft. Und nach einer nochmaligen juristischen Expertise durch den Justitiar des Senders hat ARTE sich entschieden, das Risiko, als Verbreiter des Films mitangeklagt zu werden, auf sich zu nehmen! Dies stärkt den Filmautoren mächtig den Rücken in der künftigen juristischen Schlacht mit Veolia.

Weitere Infos, auch zum Zustandekommen des Filmes, der neben der Unterstützung durch die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH teilweise über private Spendengelder vorfinanziert wurde, auf watermakesmoney.com.

Wer den Film verpasst hat, kann ihn während der nächsten 7 Tage in der arte-Mediathek oder hier nachschauen:

Politik, TV

Der Super Moon ist aufgegangen…

Vollmond über Wandsbek

Was war das für ein atemberaubender Vollmond gestern Nacht. Wer freie Sicht hatte, konnte den Mond, der bis zu 14% größer erschien als normal (Erklärung siehe weiter unten), in voller Pracht und so klar wie selten bestaunen.

Obiges Bild hab ich in meiner Begeisterung gestern am späten Abend auf Twitter bzw. auf TwitPic gepostet, doch das ist natürlich nichts gegenüber den Kunstwerken des Super Moon, die hier oder vor allem auch auf Flickr unter dem Tag supermoon zu finden sind. Menschen laden weltweit ihre Mondfotos hoch, um sie mit der Netzgemeinschaft zu teilen. „Mein“ Mond kann sich immerhin zu Gute halten, dass er in Wandsbek abgelichtet wurde, dort wo Matthias Claudius einst das Abendlied dichtete:

1. Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

2. Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

[…]

4. Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Wer sich nun fragt, warum wir den Mond gestern Nacht so viel größer wahrgenommen haben, findet die Erklärung in unten zu sehendem wunderbaren NASA-Video. Der Mond war uns so nahe gekommen wie selten (kommt nur etwa alle 18 Jahre vor), er war „nur“ 356.577 km von der Erde entfernt. Alles Weitere dazu auf Super Full Moon und in diesem Video:


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Foto, Video

Zwei Highlights aus der Heuteshow: Nazi-Interview und (UN!-zensierte) atomare Autoerotik

Dass die Heuteshow eine sehenswerte politische Satiresendung ist, hab ich ja letzte Woche schon berichtet. Gestern gab es glatt zwei Highlights, die ich hier vorstellen möchte:

Martin holt den Püschel raus. NPD Wahlkampf Sachsen Anhalt (Osten)

Martin holt den Püschel raus. NPD Wahlkampf Sachsen Anhalt (Osten):


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Martin Sonneborn macht sich ein Bild von den rechtsextremen Kandidaten in Sachsen-Anhalt, die jeder Beschreibung spotten.

Und dann gab es noch einige Aufregung, als am Ende der Sendung einfach Schwarzbild kam und plötzlich die nachfolgende Sendung (ausgerechnet Wolfgang Herres mit aspekte) eingeblendet wurde, mitten in die noch anhaltende Unterhaltung zwischen Olli Welke und einem zur Hochform auflaufenden Michael Mittermeier (der es ein bisschen viel mit atomarer Autoerotik hatte, weshalb Zensurverdacht aufkam):


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Da sieht man mal, wie wichtig ein microgebloggter Livesupport ist: @ZDFonline hat prima reagiert, versprach auf Twitter den Hintergrund des plötzlichen Ausblendens aufzuklären und lieferte nach telefonischen Recherchen auch eine Erklärung, die mehr als 100 x geretweetet wurde:

Grund des Abbruchs: menschlicher Fehler. Zuspielleitung aus Köln wurde zu früh gekappt. Morgen komplette Show in der Mediathek. #heuteshowFri Mar 18 23:28:06 via TweetDeck

In der ZDF-Mediathek kann man auch das komplette Ende sehen und erkennen, dass nur noch ein paar Sekunden (mit der harmlosen Verabschiedung Mittermeiers) fehlten. 😉

Politik, TV, Video

Wär‘ doch gelacht: Papier oder doch lieber papierlos?


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Da hat @Edlef in der Tat ein witziges Video aufgetan und es als Beispiel angeführt, «warum wir auf Papier auf keinen Fall verzichten können». Wenn auch der Beschreibungstext unter dem Video, wie @librarymistress zu bedenken gibt, ein eher trauriger ist:

8-month-old boy laughing hysterically while at-home daddy rips up a job rejection letter. It was so much fun that he moved on to credit card solicitations.

Wer doch lieber weitestgehend auf Papier verzichten möchte, findet – passend verortet im Themenkreis Kinder/Papier 😉 – nützliche Informationen auf instant-thinking.de:

Ein Arbeitszimmer in ein Kinderzimmer zu verwandeln ist ein durchaus ambitioniertes Projekt, das aus diversen, nicht weniger ambitionierten, Unterprojekten besteht… […]
Die nützlichen Informationen, die auf dem Papier gespeichert sind, werden digitalisiert und platzsparend auf einer Festplatte gespeichert.

Weiter im Artikel: Papierkram – Zettelwirtschaft zu PDF-Management

Literatur, Software

BibCamp 4 in Hamburg – Meine besuchten Sessions

Sessionplanung am 2. Tag
Sessionplanung am 2. Tag – Die Qual der Wahl auf gelben Zetteln

Vor einer Woche waren wir noch alle auf dem BibCamp zusammen. Ehe die Erinnerung an die einzelnen Sessions, an denen ich teilnahm, zu sehr verblasst, schreibe ich sieben Tage danach meine Erfahrungen auf, nachdem ich das BibCamp als Ganzes aus der Sicht des Mitorganisators schon zusammengefasst hatte.

Vorbemerkung, warum ich nicht selbst eine Session anbot: Ich hatte das Glück, dass Themen, die mich vor allem interessierten, bereits vorgeschlagen wurden. Deshalb brachte ich keinen eigenen Sessionvorschlag mehr ein, sondern besuchte die jeweiligen Diskussionsrunden, um mich dort aktiv zu beteiligen und meine Fragen und Erfahrungen dort einzubringen. Es können ja auch bei 150 Teilnehmern keine 150 Sessions abgehalten werden. 😉

Zur Qual der Wahl: Auch wenn ich gerne, wie wohl die meisten Teilnehmer, mehr als fünf der insgesamt 33 Sessions besucht hätte, musste ich mich – aufgrund von jeweils sieben parallel stattfindenden Sessions – notgedrungen für einige wenige, genauer gesagt für maximal fünf – entscheiden. Bei mir waren das (in chronologischer Reihenfolge, zwei am Freitag und drei am Samstag):

Hamburg, Internet, Literatur

Mexiko: Ein Land versinkt im Drogenkrieg

Mexiko - die Gewalt der Drogenkartelle ist besonders in den rot gefärbten Staaten akut.

Karte Mexikos nach Bundesstaaten, die rot gefärbten leiden besonders unter der Gewalt des Drogenkrieges. Quelle: Wikipedia

So schlimm und unfassbar das Leid der Menschen in Japan oder Libyen zur Zeit auch ist, so grausam ist doch auch die Situation der Menschen in Mexiko, die unter einem seit Jahrzehnten anhaltenden, und in den letzten Jahren immer schlimmer gewordenen Drogenkrieg leiden. Alleine in den Jahren 2006 – 2010 sind über 34.000 Todesopfer zu beklagen (Zahlen siehe Wikipedia). Mexiko gehört zu den gefährlichsten Staaten für Journalisten. Wer wagt darüber zu berichten, oder das Machtspiel der Mafia nicht mit zu spielen, riskiert sein Leben. Im nicht unumstrittenen Blog del Narco (Vorsicht: grausame Bilder!) werden die Gräueltaten der Drogenkartelle dokumentiert. Was als Abschreckung gedacht war, ist teilweise der (indirekte) triumphierende Bericht der Mörder, die sagen: seht, zu was wir in der Lage sind. Ich habe in Mexiko oft Leute kennen gelernt, vor denen mich andere, die es gut mit mir meinten, warnten: «Pass auf, die haben was mit Drogen zu tun». Damals war ich naiv und dachte, das wäre reine Paranoia. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich damals, als ich in Mexiko lebte, vorsichtig war im Umgang mit Unbekannten.

Wer die hier im Blog schon vorgestellten und verlinkten Filme El Sicaro / Der Auftragskiller oder Medien und Mafia in Mexiko gesehen hat, fragt sich vielleicht, wie ist das möglich, dass Mexiko dieser Entwicklung ohnmächtig gegenüber steht und dass von staatlicher Seite nichts unternommen wird, diesen Krieg – an dem auf Seiten der Drogenkartelle schätzungsweise 150.000 Menschen beteiligt sind – zu beenden. Heute ist auf ZEIT Online ein Artikel erschienen, der das ganz gut erklärt. Der Korruptionsexperte Edgardo Buscaglia liegt richtig mit seiner Einschätzung, dass der Drogenkrieg von Präsident Calderón bloß eine Show ist. Der mexikanische Staat ist längst in der Hand der Kartelle. Und die verstecken sich hinter ganz korrekt angemeldeten Unternehmen:

Wie jedes Unternehmen brauchen auch kriminelle Unternehmungen eine Produktions-, Verteilungs- und Transportinfrastruktur. Hunderte von Maschinen, Lagerhallen, um Drogen, Waffen und Menschen aufzunehmen, Hunderte von Fahrzeugen. Sie erwerben die Ausrüstung auf dem Schwarzmarkt oder erpressen legal tätige Unternehmer. Die Kartelle sind im Baugeschäft tätig, in der Landwirtschaft, in der Pharmazie, im Bergbau. Neben der Infrastruktur bringt ihnen das zusätzliches Geld ein. Und über ihre legalen Unternehmen können die kriminellen Gruppen ganz leicht Wahlkampagnen finanzieren, um sich vor politischem Druck zu schützen. Der Kreis schließt sich.

Das komplette Interview auf ZEIT Online: «Mexiko ist eine Mafiakratie».

so sah ich vor 20 Jahren in Chihuahua aus

Ich verbinde mit Mexiko seit zwei Jahrzehnten eine tiefe Liebe. Dort, im Staat Chihuahua, wo ich mein Auslandsstudium absolviert hatte, hat man mich für einen Engel gehalten, der ich natürlich nicht bin. Dort bin ich auf Mennoniten getroffen, eine aus Deutschland stammende evangelische Glaubensgemeinschaft, die dort heute noch plattdeutsch redet und beinahe jeden Fortschritt ablehnt. Ich bin durch die Cañons von Chihuahua geritten (ja, es gab hier auch schon mal mexikanischen Pferde-Content). Und ich bin, wie treue Leser meines Blogs wissen, großer Fan der TRI, der mexikanischen Nationalmannschaft. Mich verbindet immer noch sehr viel mit diesem wunderbaren Land und ich habe viele Freunde dort in Mexiko, von denen einige inzwischen das Land verlassen haben. Wer will es ihnen verdenken. Zu sehen, wie Mexiko zusehends im Drogenkrieg versinkt, ohne dass auch nur eine Besserung abzusehen wäre, schmerzt. Sehr.

Politik, Spanisch
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