BibCamp 4 in Hamburg – Meine besuchten Sessions

Sessionplanung am 2. Tag
Sessionplanung am 2. Tag – Die Qual der Wahl auf gelben Zetteln

Vor einer Woche waren wir noch alle auf dem BibCamp zusammen. Ehe die Erinnerung an die einzelnen Sessions, an denen ich teilnahm, zu sehr verblasst, schreibe ich sieben Tage danach meine Erfahrungen auf, nachdem ich das BibCamp als Ganzes aus der Sicht des Mitorganisators schon zusammengefasst hatte.

Vorbemerkung, warum ich nicht selbst eine Session anbot: Ich hatte das Glück, dass Themen, die mich vor allem interessierten, bereits vorgeschlagen wurden. Deshalb brachte ich keinen eigenen Sessionvorschlag mehr ein, sondern besuchte die jeweiligen Diskussionsrunden, um mich dort aktiv zu beteiligen und meine Fragen und Erfahrungen dort einzubringen. Es können ja auch bei 150 Teilnehmern keine 150 Sessions abgehalten werden. 😉

Zur Qual der Wahl: Auch wenn ich gerne, wie wohl die meisten Teilnehmer, mehr als fünf der insgesamt 33 Sessions besucht hätte, musste ich mich – aufgrund von jeweils sieben parallel stattfindenden Sessions – notgedrungen für einige wenige, genauer gesagt für maximal fünf – entscheiden. Bei mir waren das (in chronologischer Reihenfolge, zwei am Freitag und drei am Samstag):

Welche Sessions es noch gab, ist im Sessiongrid (leicht merkbarer Kurzlink: kurl.de/bib4) im BibCamp-Wiki erfasst. Ich hatte dort ja live während der Sessionplanung die Veranstaltungen eingetragen. Wir haben dort zusätzlich die Dokumentationen und Blogartikel zu den Sessions verlinkt. Noch eingehende Berichte werden nachgetragen. Das Themenspektrum war jedenfalls sehr weit: E-Books, Preisverhandlungen mit Verlagen, Normdaten, Softwareentwicklung, Leidenschaft…

BibCamp 4 in Hamburg - 11./12.3.2011

Ich werde jetzt nicht zu allen Sessions was schreiben (bei Kollaborative Plattform Infokompetenz und Fachkommunikation im Bib- und Infobereich verweise ich auf die guten Sessiondokumentationen von Lambert Heller), aber zu folgenden dreien, die ich oben in meiner Übersicht auch innerhalb dieses Artikels unterverlinkt habe:

 

Facebook:

In der Facebook-Session fiel mir auf, dass viele Bibliotheken sich zu sehr an der Anzahl der Fans orientieren. Die Zahl dieser mag ein Gradzähler für eine gewisse Akzeptanz sein, besagt aber per se noch nicht viel. Wichtiger sind für mich die Punkte: wie interagiert der Nutzer mit der Bibliothek und vice versa? Inwieweit werden Nachrichten der Bibliothek in die Netze der Nutzer weiter getragen? Virales Marketing ist hier nicht nur ein Schlagwort aus der Werbeindustrie, sondern besagt ganz einfach: die Nutzer machen Werbung für die Bibliothek, nicht die Bibliothek selbst. Für mich folgt die Präsenz einer Bibliothek in Facebook der Maxime: dort sein, wo die Nutzer sind. Das setzen wir auch so mit dem Stabi-Account in Facebook um, den meine Ex-Kollegin Anne Christensen damals anlegte und den ich seit März 2010 redaktionell betreue, seit die in der Stabi – von einer der ersten Bibliotheken Deutschlands – neu eingerichtete Stabsstelle Social Media mit mir besetzt wurde. Ansonsten gilt bei der Frage «Müssen Einrichtungen wie Bibliotheken überhaupt in Facebook präsent sein?» das, was generell für den Einsatz von Social Media gilt, und was ich neulich in einem häufig geretweeteten Tweet so ausgedrückt habe:

Was Soziale Netzwerke anbelangt, ist der größte Fehler, den Bibliotheken machen können, in ihnen nicht vertreten zu sein. #socialmediaFri Mar 04 09:32:04 via TweetDeck

Virtuelle Fachbibliotheken/Bibliotheksportale

Ich muss ganz ehrlich sagen, erst wollte ich in diese Session gar nicht gehen, denn ich bin die häufig pauschal vorgebrachte Ablehnung von ViFas in Teilen der Bibliotheks-Community etwas Leid. Pauschal kritisiert ist schnell, und wenn Veränderungen von ViFas, deren Grundkonzept auch ich nicht in allen Belangen unterstütze, als nicht radikal genug vorgenommen werden, ist es trotzdem meiner Meinung nach wenig Sinn stiftend, sie komplett abzulehnen. Aber dann dachte ich mir, Michael Hohlfeld macht eine prima Arbeit bei Vascoda. Wenn er so eine Session vorschlägt, sollte man sich der Diskussion dort stellen. Außerdem sollte es ja um Bibliotheksportale im Allgemeinen gehen. Also ging ich hin und habe es nicht bereut.

Die Tatsache, dass die DFG die Bibliotheken nach Auslaufen der Förderung quasi im Regen des Dauerbetriebs alleine stehen lässt, ist genau so zu kritisieren, wie das nicht mehr zum raschen Geschehen im Web passende mühsame Procedere der Antragsverfahren, die sich von der ersten Planung bis zur endgültigen Bewilligung oft über Jahre hinziehen. Meine Haltung zu ViFas ist ja bekannt: sie basieren nicht grundsätzlich auf dem falschen Konzept, sie müssen nur ganz dringend – genau wie die gesamte Bibliotheksarbeit als solche – in die Welt der Sozialen Medien überführt werden (siehe dazu mein Vortrag «Web 2.0 als Chance für Virtuelle Fachbibliotheken»). Ich habe als Projektkoordinator der Virtuellen Fachbibliothek cibera gemeinsam mit den Kollegen in der Stabi versucht, dies in die Praxis umzusetzen. Wir haben die ViFa erweitert durch ein ForscherWiki (das sehr gut von den dort mitarbeitenden Wissenschaftlern angenommen wird) und durch das ciberaBlog, das längst nicht mehr darauf angewiesen ist, dass die dortigen Beiträge von mir selbst verfasst werden, sondern das regelmäßig von cibera-Kollegen und unterschiedlichen Autoren aus der Fachwissenschaft und Institutionen aus dem Umfeld von Lateinamerika, Spanien und Portugal befüllt wird. Gerade diese Aufteilung des ViFa-Angebotes in einzelne Module wurde in der BibCamp-Session als erfolgversprechend diskutiert. Darüber hinaus ist es ratsam, die Ergebnisse der ViFas auch mittels Widgets (in andere Websites einbindbare Suchabfragen) auch außerhalb der Portale anzubieten. Mein Kollege Jens Wonke-Stehle, der sich in kürzester Zeit bei uns in der Stabi hervorragend in die Thematik der Anforderungen an Virtuelle Fachbibliotheken eingearbeitet hat, nahm auch an der Session teil und drückte es in seinem BibCamp-Bericht im Blog zum Aufbau einer Virtuellen Fachbibliothek Verwaltungs- und Kommunalwissenschaften, in der Projektakte, so aus:

Ich nehme als Anregung u. a. mit, dass neben der portaleigenen Suche immer darauf zu achten ist, dass die Daten (Volltexte, Metadaten, Inhaltsverzeichnisse) “im Netz sind”, d. h. von anderen Applikationen oder Suchmaschinen gefunden werden können. So zwingt man nicht den Nutzern die eigene Suchlogik auf. Wichtig ist, dass Suchende finden, nicht “wie”, oder “nur bei uns”…

Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde: ich möchte, was die Defizite vieler Virtueller Fachbibliotheken anbelangt, nichts schön reden. Die meisten ViFas sind in der Tat veraltet und werden folglich kaum noch genutzt. Viele Bibliotheken sind nach Auslaufen der DFG-Projektförderung mit der auch nicht leicht zu schulternden Aufgabe überfordert, die Fachportale an die rasant fortschreitenden Belange der Webrecherche und Netzkommunikation anzupassen. Um so wichtiger sind solche Zusammenkünfte wie die auf dem BibCamp, damit ViFas gegenseitig von einander lernen können, wie man die Portale benutzerfreundlicher und damit letztlich auch erfolgreicher umsetzen kann.

Webauftritt der Bibliothek

Webauftritt der Bibliothek – Tafelbild
Webauftritt der Bibliothek – Tafelbild (hier in groß, hier noch größer)

Diese Session war sehr interessant und zeigte den großen Vorteil eines BibCamps: Webauftritte sind ein wichtiges Thema für alle Bibliotheken. Da ist es doch sehr gut, zu hören, wie machen es die anderen. Welche Probleme haben sie bei der Umsetzung, welches Konzept steht hinter dem Webauftritt (wenn es denn eines gibt), womit haben sie besonderen Erfolg? Wie haben sie es gemacht? All diese Fragen kamen zur Sprache und wurden auch teilweise beantwortet. Natürlich haben wir von der Stabi, die wir unserer Website – oder besser gesagt unseren Nutzern – im Oktober letzten Jahres einen Relaunch “gönnten”, den Erfahrungsaustausch mit großem Interesse verfolgt. Obige Mindmap entstand während der Session. Zuvor zogen sich einzelne Arbeitsgruppen zur Diskussion im kleinen Kreis zurück. Da es meiner Gruppe im großen Plenum zu laut war, zogen wir uns kurzerhand auf den Flur zurück:

Diskussion im Flug zum Webauftritt von Bibliotheken
Foto: Thomas Hapke auf Flickr.

Ein Dilemma, das ich auch als Webdesigner im Kontakt und in der Beratung mit meinen Kunden kenne: das Grundproblem, das Anbieter von Inhalten im Web haben, ist folgendes: Sie konzipieren die Inhalte aus der falschen Perspektive. Statt zu denken: «Was suchen meine Besucher?» setzen sie an bei der Frage: Was habe ich alles, was ich zeigen kann. In der Diskussion und im Tafelbild wurde das mit den Punkten Selbstdarstellung und Informationsportal zusammengefasst. Es wurde auch die Frage angesprochen, ob Bibliothekswebseiten auch für Mitarbeiter gedacht sind. Meiner Meinung nach (und, ich glaube mich zu erinnern, das war auch der Tenor in der Diskussion) muss diese Frage verneint werden. Das sollte man trennen: im Intranet können Infos für Mitarbeiter als interner Wissensspeicher der Bibliothek zusammengetragen werden. Auf der Website haben diese Infos nichts zu suchen, bzw. dort müssen sie – konsequent aus der Nutzersicht gedacht – präsentiert werden.

Ich kann nur allen Kolleginnen und Kollegen, die das BibCamp nicht besuchen konnten, empfehlen, sich die Berichte der sie interessierenden Sessions im Sessiongrid anzuschauen. Darüber hinaus empfehle ich die Übersicht der Blogartikel zum BibCamp, die von Dörte Böhner auf bibliothekarisch.de dankenswerterweise zusammengefasst werden.

3 Gedanken zu “BibCamp 4 in Hamburg – Meine besuchten Sessions

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