Kurzfrist-TV-Tipp für heute Abend: ARD, 22:45- 00:45 Uhr: «Das Meer in mir». Sollte es wirklich noch jemanden geben, der diesen Film noch nicht gesehen hat, dann kann ich euch nur empfehlen, ihn unbedingt anzuschauen.
Vor zwei Jahren hatte ich auf den Spanischen Filmtagen in Hamburg die Ehre vor der Vorführung des Filmes von Alejandro Amenábar eine Einführung in das Werk und zur Hintergrundgeschichte des galizischen Schriftstellers Ramón Sampedro zu geben. Über Mar Adentro habe ich hier im Blog so viel geschrieben, wie über keinen anderen Film. Für mich ist es nach wie vor einer der besten spanischen Filme ever, und das nicht nur, weil ich den Regisseur Alejandro Amenábar persönlich kenne und außerordentlich schätze, sondern weil er eine bewegende wahre Geschichte – brillant gespielt von Javier Bardem – umsetzt. Um noch etwas Neues zum Film beizutragen, hier ein Video mit einer Live-Performance von Carlos Nuñez mit der Titelmelodie des Films:
Ich habe ja versprochen ein paar Filmtipps aus San Sebastián vorzustellen und so fange ich heute mal mit dem Film an, der mich am meisten beeindruckt hat: Control von Anton Corbijn über das kurze Leben von Joy Division-Sänger Ian Curtis, der sich am 18. Mai 1980, kurz vor der damals geplanten US-Tour von Joy Division, mit erst 23 Jahren umgebracht hat.
Wie ich in den Kommentaren bei popkulturjunkie schon geschrieben habe, sind die schauspielerischen Leistungen von Sam Riley (als Ian Curtis) und Samantha Morton (in der Rolle seiner Frau Debbie) absolut herausragend. Selbst Zuschauern des Films, die keine Fans von Joy Division sind, wird dieser Film beeindrucken. Etwa, wenn das Auseinanderleben des Paares mit der Musik und dem Text von «Love will tear us apart» begleitet wird. Hier nochmal zum Reinhören ein paar Musiktitel von Joy Division:
Der Film basiert auf der Biographie «Touching from a Distance» (dt: «Aus der Ferne») von Ians Frau Debbie Curtis, die das Projekt auch co-produziert hat. Auch Regisseur Corbjin hat Curtis noch persönlich gekannt. Der Film ist also sehr nah am viel zu kurzen Leben des Sängers, der gleichzeitig ein Kapitel Musikgeschichte mit geschrieben hat und an einem intensiven Leben zwischen Alkohol, Drogen, der Epilepsie und dem sich Nicht-Entscheiden-Können zwischen zwei Frauen zugrunde gegangen ist.
Ein paar Links zum Film:
Interview mit Anton Corbijn, der betont, keinen Joy Division-Film gemacht zu haben, sondern einen Ian Curtis-Film.
Filmstart in Deutschland ist, wie ich eben bei popkulturjunkie gelesen habe, leider erst im Januar. In vielen Ländern läuft der Film bereits (in Frankreich schon seit letzter Woche). Aber die Kinogänger in Hamburg haben Glück: sie können ihn morgen oder übermorgen im Original auf dem Filmfest Hamburg sehen:
Mittwoch, 3.10., um 21:30 Uhr im Grindel 1, und Donnerstag, 4.10. um 19 Uhr im Metropolis (Links führen zur Online-Reservierung). Laut Abendblatt wird nicht nur Regisseur und Star-Fotograf Anton Corbijn anwesend sein, sondern auch Sam Riley und die deutsche Schauspielerin Alexandra_Maria_Lara, die im Film seine Geliebte Annik Honoré spielt, und die beide seit den Dreharbeiten zum Film auch im Reallife ein Paar sind.
[Update 7.10.07: Control wurde inzwischen als Gewinnerfilm das Hamburger Filmfestes gekürt.]
Und alle anderen sehen Control eben ab Januar 2008. Das Warten lohnt sich. Ein außergewöhnlich guter Film.
Update 20.01.08: Mittlerweile ist Sam Riley nach Berlin (zu seiner Freundin Alexandra Maria Lara) gezogen und schreibt für den Guardian einen «Insider’s guide to Berlin» in dem er Grönemeyer («who played my doctor in Control») als «Germany’s Bono» bezeichnet und seine Liebe zu Schnitzels gesteht.
Visuelles Suchen mag ich sehr gern. Natürlich ist es kein erschöpfendes Rechercheinstrument, aber ein ästhetisch ansprechendes Durchstöbern auf einem «virtuellen Büchertisch» (Zitat Dr. Web), wie es zum Beispiel die Suche von oSkope ermöglicht, kann eine trockene, eher auf Textinformationen beruhende Suche durchaus sinnvoll ergänzen (Anne, ein Wink mit dem Blog-Zaunpfahl für den Katalog 2.0 von beluga ;-)!).
oSkope durchsucht auf Wunsch amazon, Flickr, YouTube und ebay. Schön anzusehen, wie zum Beispiel bei einer Bücher- und Filmsuche auf amazon die einzelnen Cover in den Raum schweben. Angenehmer Nebeneffekt des Tests für mich: Mit meinem Lieblingssuchwort Buñuel habe ich über die amazon-Suche entdeckt, dass es bereits seit 2005 eine Taschen-Ausgabe zum mexikanischen Regisseur gibt, dem sich meine Doktorarbeit widmet. Nun wird die Ausgabe sicher nicht in die Diss einfließen (Bild- und Filmmaterial habe ich mehr als genug), aber bestellt hab ich mir den Taschen-Bildband trotzdem sofort.
Zehn Jahre nach OK Computer ist Radiohead dabei, wieder Geschichte zu schreiben. Das neue Album heißt In Rainbows und den Preis für den Download bestimmt der Käufer. Kein Witz.
Ab nächsten Mittwoch, dem 10.10.2007, kann das neue Album auf der Webseite von Radiohead heruntergeladen werden. Die CD- und(!) Vinyl-Diskbox in Sonderaustattung gibt es ab dem 3.12.2007, mit vorherigem Downloadrecht ebenso ab 10.10., allerdings für nicht gerade schlappe 40£ (57,43€).
Im Radiohead-Blog Dead Air Space heißt es ganz schlicht:
Hello everyone.
Well, the new album is finished, and it’s coming out in 10 days;
Bin wieder gut aus San Sebastián zurückgekommen. 56 Filme gesehen, gute Gespräche geführt, ein paar Bilder gemacht. Eines davon hier schon mal als Vorgeschmack, ehe es Näheres zum Festival und zu den Filmen geben wird.
Oben zu sehen ist Linda, die Hündin von Sonia und Beloki, die die Bar oben auf dem Monte Urgull haben. Linda war letztes Jahr schon Thema hier im Blog und sie ist so fotogen wie im Vorjahr (siehe Foto rechts).
Ein kurzer Gruss aus San Sebastián, das Internationale Filmfestival geht morgen Abend zu Ende. Bisher schon über 40 meist gute Filme gesehen, mehr dazu in den nächsten Tagen. Meine Pupillen sind schon so an das Leinwandformat gewöhnt, dass das Sehvermögen ausserhalb der Kinosäle sich erst wieder auf das Real-Life-Format umstellen muss. 😉
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU), der im kleinsten Flächenstaat der Bundesrepublik mit absoluter Mehrheit regiert, hat zu Monatsbeginn einige Umstrukturierungen im Saarländischen Kabinett vorgenommen. Die bedeutendste ist wohl die Zusammenlegung von Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium zu einem neuen Super-Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaften. (Am Rande bemerkt: Die damit verbundene personelle Umbesetzung erspart dem Saarland schon mal ein gravierendes Problem.) Neuer Minister für Wirtschaft und Wissenschaften ist der ehemalige Homburger Bürgermeister Joachim Rippel (CDU), der sich im Deutschlandfunk zu Befürchtungen äußerte, die Geisteswissenschaften könnten hinter dem wirtschaftlichen Fokus zu kurz kommen:
Der Minister für Wirtschaft und Wissenschaften garantiert in seiner Person, dass die Geisteswissenschaften auch an der Universität des Saarlandes, auch in den anderen Bereichen unseres Hochschulwesens, nicht zu kurz kommen, weil er die Geisteswissenschaften zu sehr schätzt, weil er sie selbst studiert hat, weil er weiß, dass zu einem attraktiven Standort mehr gehört, als nur eine erfolgreiche Wirtschaft, sondern dass ein Gesamtbild eines erfolgreichen Wirtschaftsstandortes sehr viel Kulturgut, sehr viel Geisteswissenschaft einschließen muss.
Bleibt zu hoffen, dass den heeren Worten Taten folgen werden. Allzu oft wird in den Sonntagsreden das Hohe Lied der Geisteswissenschaft angestimmt und unter der Woche knallhart gekürzt. Das war auch in den vergangenen Jahren im Saarland so. Als Geisteswissenschaftler, der das Saarland aus beruflichen Gründen gen Norden verlassen musste, weiß ich, wovon ich rede.