Heinrich Steinfest in der Stabi: Gewitter über Pluto

Nachdem er sein halbes Leben als Pornodarsteller gearbeitet hat, eröffnet Lorenz Mohn mit knapp 40 in einer ehemaligen Bäckerei in Wien ein Wollgeschäft: „Plutos Liebe“.
Hört sich abgefahren an. Das Buch ist es auch. Heinrich Steinfest, der Autor dieser vermeintlich abwegigen Geschichte war heute Abend in der Stabi. Auf einer von Denis Scheck amüsant und kenntnisreich moderierten Lesung. Ich hab mich köstlich amüsiert über den Sprachwitz des in Stuttgart lebenden Österreichers. Wobei wir wieder bei abgefahren wären. Einen Führerschein hat er aber nicht. Doch einen guten Roman hat er geschrieben: «Gewitter über Pluto». Beim Piper-Verlag gibt’s ne Hör- und Leseprobe:
Gerne hätte Lorenz die Augen geschlossen, um sich besser auf den unsichtbaren Faden zu konzentrieren, der ihn leitete. Leider stand diesem Ansinnen der Straßenverkehr im Wege, welcher im übrigen so gut wie jedem Ansinnen im Wege steht. Während nämlich in der Tat eine schicksalhafte Bindung zwischen Menschen und Orten gegeben ist, eine schnurartige Passage, vor allem aber auch zwischen Menschen und Menschen sowie Menschen und Tieren, bildet der Straßenverkehr eine gleichzeitig gottlose wie unnatürliche, von keiner Evolution vorausgesehene oder eingliederbare Barriere. Der Straßenverkehr ist sehr viel weniger darum so schlimm, weil er unsere Luft verpestet, sondern weil er verhindert, daß Dinge und Lebewesen zueinanderkommen, die füreinander bestimmt sind. Würde der Straßenverkehr fehlen, könnten sich jene Menschen begegnen, die gemäß einem logischen Plan sich versprochen sind und wie kosmische Brocken aufeinander zu fliegen.
Unbedingt reinhören bzw. -lesen: Gewitter über Pluto.









