Tweet der Woche: Philosophische Statistik

Auf Twitter werden viele Statistiken verbreitet. Sind sie kurz, so werden sie komplett im Tweet publiziert, längere Statistiken – womöglich mit dazu gereichter Analyse – werden gern verlinkt. Der gestern von @function veröffentlichte Tweet gehört ob seiner Kürze zur ersten Kategorie der kurzen Statistik und ist für mich der Tweet der Woche:

Tweet der Woche von @function

Ein Tweet der zeigt, dass Zahlen immer auch philosophische Fragen aufwerfen. Der Rezipient dieser Kurzbotschaft sieht sich automatisch der Frage ausgesetzt, zu welchem Teil der Twitterschaft er sich zählt. Zur breiten Masse der 74 Prozent oder eher zu den elitären 26 Prozent? Möchte man Teil des großen Ganzen oder auserwählte Minorität sein? Wer zieht die Grenzen und teilt die Twitterer – so sie nicht selbst dazu in der Lage sind – ein? Wir wissen es nicht.

Was ich aber weiß und im Nachklapp für jene, denen das entgangen ist, zum Besten geben möchte: obiger Tweet der Woche hatte ein Vorspiel. Genau zehn Minuten zuvor (gestern, am 1. März, um 16:18 Uhr) twitterte @der_handwerk:

Dem Tweet der Woche ging dieser Tweet von der_handwerk voraus

Der angesprochene @Agent_Dexter reagierte auf die Fotostatistik übrigens gewohnt schlagfertig um 16:28 Uhr zeitgleich mit dem zuoberst vorgestellten Tweet der Woche. Genug der Zahlen. Schönes Wochenende für 100 Prozent meiner Leser.

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Bluesky, Literatur

Marietta Slomka und das Geheimnis eines guten Interviews

Warum Marietta Slomka so gute Interviews führt, wird klar, wenn man hier von ihr erfährt, wie sie diese führt und vorbereitet. Keine Fragen aufschreiben (außer der ersten, da die den Gang des ganzen Gesprächs bestimmt), sich nicht als Stichwortgeber(in) für Botschaften des Interviewten missbrauchen lassen, zuhören, nachfragen. Und vor allem: gut vorbereitet reingehen («Manchmal bereite ich mich 3 Stunden auf ein 3-Minuten-Interview vor»).
Respekt, Marietta!

[via Markus Jakobs auf Google+]

Politik, TV

Gutes Vor- und Nachspiel auf St. Pauli

Choreo in der Süd vor dem Spiel FCSP -Eintr. Braunschweig

Das Beste am Spiel des FC St. Pauli gegen Eintracht Braunschweig fand gestern davor und danach statt. Davor entzückte uns bei strahlendem Sonnenschein die Choreo in der Süd. Wahrlich großes Fußball-Kino. Hier (Update: oder dort) bis zur Löschung im Bewegtbild zu sehen:

Danach wie immer nettes Beisammensein in der Dom-Schenke, gefolgt von einem lauschigen Abschluss im Café Absurd, das ich erst wiedererkannte, als ich drin saß. War schon mal dort gewesen und fand es gut. Gestern auch. Wie gesagt, was fehlte, war ein gutes Spiel (was beim müden 0:0 alles nicht passierte, kann man im Kicker-Spielbericht lesen), und einige liebe Menschen aus der Bezugsgruppe, die dieses Mal nicht dabei waren.

FC St. Pauli, Fußball, Hamburg

Mein persönlicher Berlinale-Bericht 2012: Ansichtssache

Immer, wenn ich von der Berlinale zurückkomme, werde ich gefragt, welche Filme ich denn empfehlen könne. Das ist eine schwer zu beantwortende Frage, weil ich a) so viel unterschiedliches und b) doch auch nur eine Auswahl gesehen habe. Wie immer fasse ich das Gesehene (dieses mal waren es 45 Filme in 9 Tagen) in einem Festivalbericht zusammen, der selbstverständlich sehr subjektiv ist. Diese Berichte helfen übrigens auch mir selbst, wenn ich später nochmal wissen möchte, welche Filme ich auf welchem Festival gut fand. Ich schau das hier immer wieder nach. Aber erstmal schreib ich das für euch. Also, los geht’s:

1. «Un mundo secreto» – A Secret World

Un mundo secreto Ich beginne mit dem Film, der mir am besten gefiel: «Un mundo secreto» des jungen mexikanischen Regisseurs Gabriel Mariño. Die Entdeckungsreise der jungen María – nach ihrem letzten Schultag auf der reise durch das Land, aber vor allem auf der Suche nach sich selbst – lief in der Sektion Generation 14plus. Die großartige Kamera, die gelungenen, sehr sparsamen Dialoge sind nur schwer in einem Trailer darzustellen. Die nie langweilende, sondern stets spannende Lakonie des Filmes erschließt sich erst bei seiner Betrachtung (ganz ehrlich, würde ich nur diesen Trailer sehen, würde ich mir den Film wohl nicht anschauen wollen):
…

Kino

Tweet der Woche: Die Internationale in der Elbchaussee

Die Elbchaussee (Bilder) ist eine der nobelsten Straßen Hamburgs. Da stehen keine Häuser, das sind Villen, teilweise kleine Schlösser sind das. So viel muss man wissen, um den Tweet der Woche zu verstehen, der in dieser Woche von @peterbreuer kommt:

Tweet der Woche von @peterbreuer

Ich hab ja sehr gute Erinnerungen an die Elbchaussee, die sich von Ottensen bis Blankenese auf einer Länge von fast 9 km erstreckt. Als ich vor beinahe sieben Jahren von Saarbrücken nach Hamburg zog, wohnte ich im ersten Monat, bis mein wunderschönes Häuschen in Wandsbek frei wurde, in der Parallelstraße der Ebchausse, in der Bernadottestraße (Google Maps). Aus Parkplatznot musste ich ab und an meinen alten schwarzen Golf dort parken, und der passte irgendwie nicht so recht in die noble automobile Nachbarschaft. Zu den Bildern dieser Straße, die ich immer überquerte, um runter an die Elbe zu gehen, hat sich nun das Bild des faustrausstreckenden, die Internationale singenden Peter Breuers hinzugefügt.

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier. Die durch die Berlinale entstandene kurze Pause bitte ich mir nachzusehen. Apropos Berlinale: ich weiß, mein heiß ersehnter Bericht (Kinners, ich komme doch zu nix) steht noch aus. Der kommt am WE – versprochen.

Bluesky, Literatur

Piotr Czerski: Wir, die Netz-Kinder

Wir, die Netz-Kinder
Grafik mit Wordle aus dem Artikeltext «Wir, die Netz-Kinder» erstellt.

Ein großes Dankeschön an den polnischer Dichter, Autor, Musiker und (Ex-)Blogger Piotr Czerski, (Jahrgang 1981), und an die beiden Übersetzer Patrick Beuth und Andre Rudolph für diesen wunderbaren TextDer Text ist in der polnischen Originalfassung sowie in der englischen Übersetzung unter CC BY-SA 3.0 erschienen. Auf Twitter weist Czerski auch auf die bei ALT1040 veröffentlichte spanische Übersetzung hin: «Nosotros, los niños web». Dies sollten alle lesen und verstehen lernen, die von Netzgemeinde reden, und die seltsamste Vorstellungen von einer Art Parallelwelt Internet haben, die nur in den Köpfen derer existiert, die die Bedeutung des Netzes, und vor allem die Bedeutung der Freiheit des Netzes entweder nicht verstanden haben oder die diese Freiheit ob der Macht des freien Internets mutwillig beschneiden wollen.

Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns. Technologien entstehen und verschwinden in unserem Umfeld, Websites werden gebaut, sie erblühen und vergehen, aber das Netz bleibt bestehen, denn wir sind das Netz – wir, die wir darüber in einer Art kommunizieren, die uns ganz natürlich erscheint, intensiver und effizienter als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Hier der auf ZEITonline veröffentlichte Text: «Wir, die Netz-Kinder».

Artikel, Internet, Politik
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