Georges Méliès‘ «Die Reise zum Mond» aus dem Jahr 1902 wurde von Air mit neuer Musik vertont. Großartig. Ein Farbentrip sondergleichen. Airs sphärische Klänge passen sehr gut. Hintergrund in der 3sat Kulturzeit, wo ich gerade eben den Beitrag gesehen habe:
Der Stummfilmpionier Georges Méliès drehte die „Reise zum Mond“ vor 110 Jahren, 1902. Der Film galt lange als verschollen, erst 1993 wurde er gefunden, aufwändig rekonstruiert und nachkoloriert. Für die Musik hatten sich die Produzenten etwas Besonderes überlegt: Sie baten das französische Elektropop-Duo Air einen Soundtrack für den 14 Minuten-Film zu gestalten.
Update: 3.2.2012: Beim Guardian kann man das AIR-Album nun komplett hören. Air – Le Voyage dans la Lune: exclusive album stream.
Es ist kalt in der Hansestadt, sehr kalt sogar. Klirrende Kälte, die aus Sibirien zu uns rüber zieht. Erinnerungen an den Aufenthalt vor fast drei Jahren in Nowosibirsk werden wach. Gestern und heute habe ich zwei Fotos aufgenommen, die ich euch zeigen möchte:
Gestern an der Schlittschuhbahn in Planten un Blomen habe ich diese Räder gesehen. Die Mauer, die man beim ersten schnellen Hinsehen auch für einen Strand halten könnte, täuscht ein Sommerbild vor:
Das zweite Bild hab ich heute Abend auf dem Rückweg von der Arbeit gemacht und via Instagram getwittert. Diese Fingerlosen Handschuhe sind bei Temperaturen deutlich unter Null sehr praktisch zum Twittern unterwegs:
[Update 30.01.2012: Am Montag-Abend um 23:30 Uhr wird der Film auch auf SWR/SR gezeigt.]
Heute Abend auf mdr um 23:40 Uhr zu sehen (oder aufzuzeichnen, weil so spät viele nicht mehr live schauen können): Geheimsache Ghettofilm – Das Warschauer Ghetto und die Propaganda der Nazis:
62 Minuten Archivmaterial: Unbetitelt, unvertont, nur teilweise geschnitten. Eine außergewöhnliche historische Quelle. Alles, was an Filmbildern aus dem Warschauer Ghetto überliefert ist. Bei näherem Betrachten – verstörende Bilder: das nackte Elend verhungernder Bettler neben auffallend wohl gekleideten Männern und Frauen im Restaurant oder beim Tangotanzen. Bittere Armut neben vermeintlichem Wohlstand, das eine das jeweils andere scheinbar ignorierend. Jahrzehntelang wurden diese Ghettobilder – bzw. wenige immer gleiche Ausschnitte daraus – von Dokumentaristen und Museen in der ganzen Welt als authentisches Archivmaterial verstanden und verwendet.
Die ersten Artikel des Grundgesetzes (Ursprungsfassung) am Jakob-Kaiser-Haus.
In was für einem Land leben wir eigentlich? Wer sich unabhängig informiert, fasst sich immer wieder an den Kopf, was sich unsere Gesellschaft alles bieten lässt (nein, damit meine ich nicht nur den armseligen Wulff, der nervt mittlerweile nur und man wünscht sich das Thema fast schon tot geschwiegen, so weit ist es schon!!). Nein, ich beziehe mich auf das viel ernstere Thema des Verfassungsschutzes und auf den Besorgnis erregenden parteipolitischen Einfluss, unter dem diese staatliche Behörde steht. Wir haben es mit einem Verfassungsschutz zu tun, bei dem sich immer mehr Menschen fragen, ob der wirklich noch die Verfassung schützt, oder ob diese Gesellschaft nicht eher einen Schutz vor diesem behördlichen Inlandsnachrichtendienst braucht. Oder deutlicher ausgedrückt: Der Verfassungsschutz gehört abgeschafft.
Verfassungsschutz: Das ist ein irreführender, ein falscher Name. Falschnamen gehören in die Welt der Geheimdienste. Und Verfassungsschutz ist der Falschname für den deutschen Inlands-Geheimdienst. Man tut damit so, als sei er so etwas Ähnliches wie das Verfassungsgericht. Das ist eine Anmaßung. Alljährlich präsentiert der Bundesinnenminister einen „Verfassungsschutzbericht“, und er tritt dabei auf, als verkünde er ein höchstrichterliches Urteil. Es handelt sich aber nur um die von ihm redigierten Tätigkeitsberichte des Inlandsgeheimdienstes, die man – wie man seit der neonazistischen Mordserie weiß – insoweit auch Untätigkeitsberichte nennen kann.
Die Chronique scandaleuse des Verfassungsschutzes seit 1950 zeigt vor allem eins: Er ist überflüssig und gehört schleunigst abgeschafft.
[…]
Wäre es nicht besser, Rechts- und Finanzausschuss des Parlaments untersuchten einmal, ob eine Behörde zum Schutz der Verfassung überhaupt noch notwendig ist? Immerhin kostet das Bundesamt die Bürger jährlich an die 200 Millionen Euro, dazu kommen die Millionenetats der einzelnen Landesämter.
Wegen solcher Funde liebe ich das Internet. Der kolumbianische Videokünstler Dicken Schrader covert mit seinen beiden Kindern Milah und Korben Lieder von Depeche Mode. Hier zu bestaunen: Everything Counts gespielt auf einem Xylophon, einem alten Yamaha Keyboard und einer Reihe selbst gebastelter Instruments wie leere Plastikflaschen. Eine – sicher nicht wenig aufwendige – Inszenierung, die von einer Herzlichkeit ist, dass es nur so eine Freude ist, sich das anzusehen. Papa Dicken (was für ein Name, btw!) sagt am Ende der Aufnahme: «Perfecto!» – Das trifft’s. Und nicht nur «Everything Counts» haben sie zu bieten, sondern auch «Shake the Disease» …
Ich mag ja besonders die absurden Tweets. Dieser hier beschreibt eine so herrlich absurde Szene, dass er für mich der «Tweet der Woche» ist:
Doch nicht nur mir scheint dieser Tweet besonders zu gefallen, bis dato (Freitag, 17:30 Uhr) wurde er 455 mal gefavt und 294 mal geretweetet (siehe Favstar). Der Erfolg seines Tweets bleibt auch @rohkotzt nicht verborgen. Bezeichnend, dass der Autor einen Mad Men Twitter-Avatar hat. Die im Tweet beschriebene Szene hätte auch gut in der Serie aus der Werbewelt der Sixties statt finden können.
Es ist schwer, sich der Magie dieses Films zu entziehen. Vollkommen zu recht wurde «The Fantastic Flying Books of Mr Morris Lessmore» für den Oscar nominiert. Unabhängig von einer möglichen von älteren Herren und Damen vergebenen Auszeichnung in Hollywood, ein sehenswertes Stück animierter Film. Ein kleines Kunstwerk, das es auch als App für’s iPad gibt. Was man dort so tun kann, wird bei PadLive beschrieben: Interaktives Buch oder interaktiver Film? – Aber unbedingt zuerst den wunderbaren Film ansehen. Im Großbild selbstverständlich.
Von Null auf 15 – Fünfzehn Abgeordnete der Piratenpartei wurden am 18. September 2011 ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Ein Erfolg, der seit den Grünen keiner anderen Partei-Neugründung in Deutschland mehr gelungen ist. Innerhalb weniger Wochen liegen sie in den Umfragen bundesweit zwischen acht und zehn Prozent. Nicola Graef und Torsten Mandalka begleiten vier Abgeordnete während ihrer ersten 100 Tagen im Berliner Parlament: Andreas Baum, den Fraktionsvorsitzenden und besonnenen Vermittler zwischen den parteiinternen Strömungen; Susanne Graf, die einzige Frau und die mit 19 Jahren jüngste Abgeordnete; Christopher Lauer, enfant terrible und „Medien-Rampensau“; Schließlich: Martin Delius, der redegewandte parlamentarische Geschäftsführer der Piratenfraktion in Berlin.
Wie erleben die Newcomer den Einstieg in den Parlamentarismus, erste Gespräche in Botschaften, mit Lobbyisten oder auf dem Bundespresseball? Die Piraten testen die absolute Transparenz unter den Bedingungen der parlamentarischen Demokratie, doch wie lange lässt sich das im Alltag durchhalten? Die Presse stürzt sich auf die Fehler der jungen Wilden. Wie gehen die vier mit den ersten kleinen oder größeren „Skandalen“ um, die vor allem der Boulevard ausgräbt?
Die Piraten müssen schnell viel lernen: über die Regeln des Politikbetriebs und die Logik der Medien. Der viel beschworene „Dilettantenbonus“ ist irgendwann nicht mehr wirksam. Es kommt zu Querschlägen innerhalb der Partei, zu Überforderungen und Fragen nach den Inhalten. Was wollen, was können die Piraten in den ersten 100 Tagen leisten? Wie sehr ist Ideal und Wirklichkeit voneinander entfernt und wie gehen die Protagonisten persönlich mit den neuen Erfahrungen um? Die Piraten auf dem Prüfstand. Der Film zeigt: alles ist neu, aufregend, frustrierend, ernüchternd und dennoch hoch motivierend.