Ray Cokes bei Harald Schmidt

Der Brite Ray Cokes gehört zu den ganz großen TV-Moderatoren. Was er als Moderator auf MTV gemacht hat, als dieser Sender noch ein Musik-Video-Kanal war, ist großes Kino gewesen. Ein ganz kleines bisschen des großartigen Stils von damals schien durch, als Cokes neulich (22.03.2012) bei einem anderen – zumindest früher guten – Moderator, bei Harald Schmidt, gewesen ist. Multinationales Sprachkurs-Geplauder mit deutschen Untertiteln und Cokes-Grimassen vom Feinsten. Seht selbst.

[via 2muchin4mation]

TV, Video

Kulturzeit-Tipp: Pablo Decoder – Stockholm

Keine Frage, Kulturzeit (werktags von 19:20 – 20 Uhr auf 3sat) ist eine der besten deutschsprachigen Kultursendungen im TV. Heute wurde zum Abschluss obiger Song «Stockholm» von Pablo Decoder vorgestellt und ich war spontan begeistert von diesem Lied und vor allem von diesem Video voll kreativer Energie. Wer steckt hinter Pablo Decoder? Über ihre Soundcloud-Site hab ich folgende Info auf discogs gefunden:

Duo based in Berlin (Germany), formed by Pablo (vox, guitars, programming) and Lohtta (backing vocals, synths).

Apropos Kulturzeit: Die heutigen Beiträge waren durch die Bank [sic] wieder hoch interessant (und können einzeln nachgeschaut werden):

Update 21:00 Uhr: Nachdem ich auf Soundcloud in das ganze Album «When We Fall Down» von «Pablo Decoder» rein gehört habe, habe ich es mir gerade auf Amazon gekauft. Sage noch einer, das kostenlose Zurverfügungstellen von Musik im Netz führe nicht zu Erlösen für die Künstler. 😉

Musik, TV, Video

Aufrechtes Eichhörnchen

Aufrechtes Eichhörnchen

Als ich heute Abend dieses Eichhörnchen hinter dem Wagen einer Kollegin ein Männchen machen sah, fragte ich mich, warum es wohl so aufgeregt da stand und so lange in dieser Position erstarrte. Doch alsbald wurde mir klar, dass es ein zweites Eichhörnchen war, das der Auslöser dieser bizarren Haltung war:

Verspielte Eichhörnchen

Foto

Tweet der Woche: Vergesst Mörike

In dieser Jahreszeit wird gerne von Gefühlen gesprochen. Das Blut – und anderes – ist aller Orten in Wallung. Eizellen locken – zugegeben nicht nur im Frühling – Spermien. Frühlingsgefühle führen laut Wikipedia dazu, dass man sich besonders leicht zu anderen Menschen hingezogen fühlt. Eduard Mörike drückte es vor einhundertachtzig Jahren anno 1832 in seinem berühmten Gedicht «Er ist’s» (hier auch als Video-Collage) so aus:

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

In einer besonders kurzen Form hat sich auch ein Twitterer der Frühlingsgefühle angenommen. Ihm ist meines Erachtens damit der «Tweet der Woche» gelungen. Es war @Agent_Dexter, der in diesen Tagen Mörikes blaues Frühlingsband zu folgender Kurzprosa verdichtete:

Tweet der Woche von @Agent_Dexter

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Bluesky, Literatur

The 2 Bears – Liebeserklärung an Platten fürs Leben

Seit ich am 1. April zum ersten Mal The 2 Bears auf byte.fm gehört habe, bin ich begeistert von der Musik der beiden Londoner Bären, die Raf Rundell und Joe Goddard heißen. Der recht eingängige Sound von Work hatte es mir so sehr angetan, dass ich mir auch die restlichen Songs des Albums «Be Strong» anhörte und es kaufte. Ich finde ja, es ist mehr als eine «wunderbare Party-Platte», wie Rolling Stone kurz rezensiert.

Ein Song, den ich auch sehr genial finde, gerade auch, weil er so eine schöne Geschichte erzählt, ist «Heart of The Congos», hier in einem großartigen Video einer Livesession zu sehen:

Dieses Lied ist eine Liebeserklärung an die Tatsache, dass es Platten gibt, die man als Jugendlicher gehört hatte, und die einen dann das ganze Leben begleiten. Im konkreten Fall ist das «Heart Of The Congos» der Reggae-Band «The Congos» aus dem Jahr 1977. Hier zum Abschluss ein Titel aus dem Album, «Ark of the Covenant»:

Musik, Video

Elektrischer Reporter: Netzmusik, Liquid Feedback und der Abmahnwahn

Es ist mal wieder an der Zeit auf den Elektrischen Reporter hinzuweisen. In der heute veröffentlichten Folge 038 Tönendes, Flüssiges und Störendes geht es um Netzmusiker, der gute Enno erklärt, was Liquid Feedback ist und im letzten Beitrag wird die abartige Unsitte der Abmahnanwälte angeprangert. Kurzum: ’ne knappe Viertelstunde Netz-TV, die sich lohnt.

Musik, Politik, Video

Prokrastinierer Oblomow auf besonderer Lesung

Gustav-Peter Wöhler liest Oblomow bei Felix Jud Diese Woche war ich in der Buchhandlung Felix Jud auf einer ganz besonderen Lesung. Besonders war sie aus mehreren Gründen.

1. Wurde mit Oblomow (1859) ein klassischer Text gelesen, der ob seiner Neuübersetzung durch Kollegin Vera Bischitzky viel Beachtung und Aufmerksamkeit erregte. Lesenswert auch, was Vera Bischitzky zu dem schier unmöglichen Unterfangen geschrieben hat:

Wenn Übersetzer literarische Transportarbeiter sind, die ihre Fracht streckenweise auch über Drahtseile transportieren müssen, so war für die Beförderung von Ilja Iljitsch Oblomow über Sprachbarrieren, Zeit- und Ländergrenzen hinweg ein ganz besonderer Kraftakt vonnöten. Auch stand die Devise „Vorsicht – zerbrechlich!“ als Menetekel immer an der Wand, weshalb die Logistik und schließlich die Ausführung des Unterfangens viel Fingerspitzengefühl, Geduld und Ausdauer erforderte. Oblomow wollte sich ja um keinen Preis vom Fleck bewegen – schon gar nicht in die Fremde.

2. Der zweite Grund, warum die Lesung eine Besondere war: es las Gustav-Peter Wöhler, ein Schauspieler den ich sehr schätze, und dem es gelang diesem lustlosen Phlegmatiker Oblomow in der Lesung eine Stimme zu geben, die dem Niveau der Übersetzung angemessen war.

3. Es war die heißeste Lesung, der ich je in meinem Leben beiwohnte. In den engen Räumen der Buchhandlung Felix Jud herrschte eine Hitze, dass ich mich nicht gewundert hätte, wenn alle Anwesenden ihre Saunatücher ausgepackt und sich hemmungslos entkleidet hätten, um den russischen Klassiker befreit von der Last zusätzlich wärmender Kleidung zu lauschen.

Ein Textauszug aus der Neuübersetzung (Leseprobe komplett bei Hanser einsehbar), mit einem typischen Dialog zwischen Oblomow und seinem Diener Sachar, dem Oblomow vorwirft, es sei nicht sauber genug in der Wohnung:

»Fege und räume den Dreck aus den Ecken, dann ist Ruhe«, belehrte ihn Oblomow.

»Da räumt man auf, morgen aber sind wieder welche da«, sagte Sachar.

»Sind sie nicht«, unterbrach ihn der Herr, »das kann nicht sein.«

»Sind sie wohl, ich weiß das«, beharrte der Diener. »Wenn das so ist, dann musst du eben wieder fegen.« »Wie? Jeden Tag alle Ecken kehren?« fragte Sachar.

»Was soll das denn für ein Leben sein? Dann mag Gott lieber gleich meine Seele zu sich nehmen!«

»Und wieso ist es bei anderen sauber?« entgegnete Oblomow. »Guck dir den Klavierstimmer von gegen- über an: eine Augenweide ist das, und die haben bloß eine einzige Magd …«

»Woher soll der Kehricht bei den Deutschen auch kommen«, entgegnete Sachar plötzlich. »Sehen Sie sich doch nur an, wie die leben! Die nagen ja allesamt die ganze Woche über nur an Knochen. Der Rock geht vom Vater auf den Sohn über und vom Sohn wieder auf den Vater. Und was die Frau und die Töchter für kurze Kleider anhaben: dauernd ziehen sie die Beine ein wie die Gänse … Woher soll der Kehricht bei denen kommen?

Während Wöhler aus dem achten Kapitel las, wurde mir die ganze Zeit über klar, der Oblomow, das war ein reiner Prokrastinierer. Bin allerdings nicht der Erste, dem das auffiel. Kathrin Passig hat das schon mal in der Lesemaschine getan. Statt ihre weisen Worte zu duplizieren, verlinke ich lieber auf das bereits 2008 Geschriebene: Iwan Gontscharow: Oblomow:

Wenn man die Prokrastination einmal ernst nimmt und nicht immer nur nebenbei verfolgt, stellt man schnell fest, dass in dem, was man bisher für gefestige Prokrastinationskenntnisse hielt, beschämende Lücken klaffen. Weder Oblomow noch sein Autor waren mir bisher ein Begriff, dabei wird gleich auf den ersten Seiten lehrbuchmässig prokrastiniert: Der Protagonist liegt im Bett herum und versucht aufzustehen, was ihm nicht vor Seite 56 gelingt.

Ein recht moderner Klassiker also, dieser Oblomow 😉 . Mit sehr viel Respekt für die Sprache (siehe oben) von Vera Bischitzky in zeitgemäße deutsche Worte gekleidet.

Hamburg, Literatur
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