Historischer Wandel in Kommunikation durch Twitter & Facebook: Konsumenten werden zu Produzenten


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Medienprofessor Clay Shirky von der University of New York, den es vor einem Jahr schon beim Elektrischen Reporter zu sehen gab, beschäftigt sich bei seiner Forschung mit der Frage, wie das Internet menschliche Beziehungen, Kommunikation und Gesellschaft verändert.

In dem oben eingebauten sehenswerten TED-Vortrag macht Shirky deutlich, dass Social-Media-Tools wie Twitter und Facebook die gesellschaftliche Kommunikation genauso revolutioniert haben und es noch tun werden, wie es zuvor die Erfindung des Buchdrucks, der Fotografie, des Films und des Telefons getan haben. Die Stärke der neuesten Entwicklungen im Netz – unabhängig von den konkreten Diensten wie Twitter und Facebook (die hier nur exemplarisch zu sehen sind, und die auch durch andere Dienste ersetzt werden können) – liegt darin: Konsumenten werden zu Produzenten.

Folglich ist die offene Kommunikation im Internet für totalitäre Systeme auch so gefährlich. Deshalb kämpft China zum Beispiel durch staatliche Zensur vehement dagegen an. Westliche Demokratien, und leider gehört Deutschland seit letzter Woche wegen Zensursula auch dazu, schließen sich diesen Zensurbetrebungen an. Dies nicht hinzunehmen, ist die Aufgabe aller, denen die Bedeutung der Bürgerrechte im Netz wichtig ist. Dies nicht akzeptieren zu wollen oder gar als übertrieben zu bezeichnen, ist der große Fehler der Bundestags-Abgeordneten, die dem unsere Verfassung missachtenden Gesetz zur Sperrung von Webseiten in Deutschland zugestimmt haben.

Meine Empfehlung: Unbedingt den Vortrag von Clay Shirky anschauen, indem er aufzeigt, wie die Kontrolle von oben nach unten durch die medialen Umbrüche zu Beginn des 21. Jahrhunderts umgekehrt wird. 17 gut investierte Minuten.

Bluesky, Internet, Politik, Video

Twitter ist eine mächtige Quelle

Aus Teheran übermittelte TwitPics von Shadishd173
Twitpic-Fotos Shadishd173 von Pro-Mousavi-Demos in Teheran 17.+18.6.09: 1, 2, 3.

Wenn private Internet-Nutzer Twitter nicht verwenden, den Sinn und die ungeheure Bedeutung von Twitter (noch) nicht verstehen oder diese Kommunikationsform gar als Zeitverschwendung oder Info-Müll bezeichnen, kann ich – obwohl ich weiß, das diese Einschätzung falsch ist – trotzdem Verständnis für diese Haltung aufbringen. Ich sage ja immer wieder:
Twitter versteht nur, wer es nutzt.

Wo mein Verständnis aber aufhört, und worüber ich heftigst den Kopf schütteln muss: wenn Informationsexperten, wie zum Beispiel Journalisten, keinen Zugang zu dieser wichtigen Informationsquelle finden. Wir sehen es ja dieser Tage durch die ungeheure Bedeutung, die Twitter zweifelsohne im Iran hat: Gerade dort, wo der Zugang zu direkten Informationen über herkömmliche Wege – etwa in Krisen- oder Katastrophengebieten – erschwert wird, ist die vernetzte Struktur des Microbloggingdienstes eine unschlagbare Waffe gegen Desinformation. Das auf Twitter übermittelte Informationen genauso verifiziert werden müssen, wie andere Quellen, oder eben als unsichere Quelle bezeichnet werden müssen, solange keine Verifizierung möglich ist, versteht sich von selbst.

In diesem Sinne kann ich allen, die eventuell immer noch unsicher sind, wie Twitter einzuschätzen ist, bzw. die gerne mehr über Twitter erfahren möchten, den sehr gut geschriebenen Artikel von Fabian Mohr auf ZEIT online empfehlen: «Twitter – Die Medien-Revolution, die keine ist». Dort äußert er sich aus aktuellem Anlass der Demonstrationen im Iran zu…

…Twitter, das in der Iran-Berichterstattung unverzichtbar geworden ist. Es bleibt auch in Zukunft unverzichtbar, Informationen zu verifizieren oder ihren ungeprüften Charakter wenigstens kenntlich zu machen. Hält man sich an diese bewährte Methode und widersteht der Versuchung, jede angebliche „News“ weiterzutrompeten, ist Twitter eine mächtige Quelle.

Fabian Mohr kommt zu dem harten, aber durchaus berechtigten Schluss:

Dass klassische Medien in dieser Debatte keinen Fuß auf den Boden bekommen, liegt großenteils an der analytischen Schlichtheit des bisher Vorgetragenen. […] Doch journalistisch besehen war die Twitter-Berichterstattung in deutschen Leitmedien ein Dokument der Ahnungslosigkeit.

Wie gesagt, lesenswert: «Twitter – Die Medien-Revolution, die keine ist».

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Lieber Onkel Bill oder die rührende ‚Family Affair‘

Das Kuriose an YouTube als medialer Zeitmaschine ist ja, dass man dort nicht nur Serien oder Filme aus seiner Kindheit wiedersehen kann, sondern dass man sie als Erwachsener mit ganz anderen Augen sieht. Dass man sie im Gegensatz zur Synchronfassung aus Kindertagen nun im Original schauen kann (so man denn soviel Englisch kann, dass man es kann). Dass man gerührt ist, wenn man ein mediales Wiedersehen mit Figuren aus einer fernen Zeit feiert und sie einem plötzlich wieder ganz nah sind. Mir geht es jedenfalls so, wenn ich die kleine Buffy aus der Serie Mein Lieber Onkel Bill sagen höre:

Misses Beasley is not a doll, it’s my friend.

Das Video aus der im Original Family Affair heißenden Serie, die zwischen April 1968 und Februar 1972 im deutschen TV ausgestrahlt wurde, darf leider nicht direkt in andere Websites eingebunden werden, daher nur der Link auf den wunderbaren Misses Beasley-Satz (ab 0:53).

Die allererste Folge, in der die kleine Buffy zu Onkel Bill kam, und in der sie auch den oben zitierten Satz sagt, ist komplett auf YouTube zu sehen. Ich fühlte mich eben richtig in die frühen Siebziger versetzt, als ich nochmals – und zum ersten Mal nach all den Jahren – die Titelmelodie hörte: Season 1 Episode 1.

Tja und in einer der späteren Folgen, wo mittlerweile alle drei Kinder, Jody, Buffy und Cissy, bei Bill Davis leben, erklärt der gute Onkel Bill die Geschichte mit den Vögeln und den Bienen. Ein Rührstück in (leider) unscharfen Bildern:


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Kurioser Fund am Rande: der britische Schauspieler Sebastian Cabot, der Butler aus der Serie, hat 1967 eine Bob Dylan-Nummer gecovert, oder sagen wir „eingesprochen“, «It Ain’t Me, Baby»:


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Post-Its in Stop-Motion

Animatonsfilme mit Stop-Motion-Technik sind ja gerade sehr beliebt. Der Wolf und das Schwein ist hier im Blog der meist aufgerufene Artikel der letzten Wochen. Jetzt hab ich wieder so ein tolles Stop-Motion-Kleinkunstwerk entdeckt, dieses Mal wird eine Geschichte via Post-Its erzählt. Sehr geekig und beim Zuschauen ahnt man schon, was es für eine wahnsinnig detailversessene Arbeit gewesen sein muss, diesen Film herzustellen. Schaut mal rein zur wunderbaren Musik von Röyksopp (Eple):


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Und im Detail zu sehen, wie Bang-yao Liu seinen Film am Savannah College of Art and Design vorbereitet und realisiert hat, macht noch mal so viel Spaß. Deshalb empfehle ich Euch auch in das Making-Off reinzuschauen. Flash-animierte Post-Its gingen der Umsetzung mit über 6.000 Post-Its in vier Drehtagen voraus, faszinierend auch dies zu sehen:


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[Beide Filme via ALT1040: Original und Making-Off]

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Zensursula sei Dank: Bevölkerung wehrt sich gegen Netzzensur

T-Shirt eines Teilnehmers der Hamburger Mahnwache: Zensursula Die 389 Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD, die am Donnerstag (wider besseres Wissen? oder gegen alle Vernunft? oder einfach nur schlecht vorbereitet?) dem Zugangserschwerungsgesetz zugestimmt haben, ahnen noch gar nicht, welche weitreichende Auswirkung dies auf die Politisierung der Bevölkerung haben wird.

Wer momentan im Netz unterwegs ist, spürt regelrecht, wie sich die Webcommunity zunehmend stärker politisch äußert. Wenn durch die Hintertür des vorgeschobenen Argumentes, es solle Kindesmissbrauch bekämpft werden (was nach Meinung aller ernst zu nehmenden Experten ja überhaupt nicht der Fall ist), eine Infrastruktur zur Netzzensur eingeführt werden soll, dann sehen sich die Menschen, für die das Internet ein bedeutender Teil ihres Lebens ist, gezwungen, auf diesen Verfassungsbruch und auf diese ernst zu nehmende nicht rechtsstaatlich kontrollierbare Freiheitseinschränkung hinzuweisen. Eine maßlose Fehlentscheidung, die mich immer noch fassungslos macht, und die exemplarisch zeigt, wie offensichtlich dem Wahlkampf geschuldete und parteipolitisch gewollte Entscheidungen gegen die Argumente der Experten und gegen 134.014 Petitionsunterzeichnende durchgeboxt werden.

Die beste persönliche Stellungnahme zu diesem Thema habe ich heute bei Christoph Thurner gelesen, einem mittelständischen Unternehmer und Familienvater aus der Nähe von Kiel, der bisher die CDU gewählt hat, und der in einem überaus lesenswerten Text seine Position in gut nachvollziehbaren Worten jenseits aller Parteipolitik deutlich macht:

Dank der systematischen Beschränkungen und Kontrolle der Bürger (speziell im Zusammenhang mit dem Internet) der aktuellen Bundesregierung wuchs mein Interesse (genau genommen meine Verärgerung) an der aktuellen Politik. Den Vogel abgeschossen hat dann schließlich der Vorstoß von Ursula v.d. Leyen, mit offensichtlich unbrauchbaren Methoden Kindesmissbrauch (schwachsinnigerweise Kinderpornografie genannt) bekämpfen zu wollen. Nachdem ich zunächst, wie sicherlich viele andere auch, die Sache vernünftig fand, wurde ich durch einen Blogbeitrag auf die Hintergründe aufmerksam – fing an zu zweifeln und begann mich mit dem Thema zu beschäftigen. Für diesen Anstoß, den ich offenbar gebraucht habe, um mich endlich ernsthaft mit Politik zu beschäftigen, Danke ich ganz besonders Ihnen, Frau v.d. Leyen!

Unbedingt weiterlesen auf Wir sind das Volk:
Vielen Dank Ursula v.d. Leyen (ernst gemeint)!

Hamburg, Rathhausmarkt: Mahnwache

Die Piraten-Partei hat bundesweit unter dem Motto Löschen Statt Sperren zu Mahnwachen aufgerufen. Auch ich bin diesem Aufruf gefolgt und habe mich gemeinsam mit mehreren Hundert Leuten von 12 bis 14 Uhr am Rathausmarkt in Hamburg eingefunden. Kurios zu beobachten war die Bewegung der Menge beim mehrfach einsetzenden starken Regen: Die meisten suchten in den umliegenden Überdachungen oder im Rathaus-Eingang Schutz vor dem von oben kommenden Nass. Ein Häufchen tapferer, regenresistenter Piraten verharrte alleine in der Mitte des Platzes und schwenkte die orangenfarbene Piraten-Flagge:

Hamburg, Rathhausmarkt: Mahnwache  bei RegenHamburg, Rathhausmarkt: Mahnwache bei Sonnenschein

Ich weiß nicht, wie viele Personen vor Ort waren, das war auch ob der geschilderten Bewegungen schwer zu schätzen. Vielleicht so etwa 300 Menschen, vielleicht auch einige mehr. Jedenfalls ein gutes Zeichen, dass sich Personen gegen Versuche der Netzzensur engagieren. Und das ist ja alles erst ein Anfang. Die Hundertausende, die jetzt schon enttäuscht sind, von der bürgerfernen Politik einer Generation von Volksvertretern, die das Internet offensichtlich überhaupt nicht begreift, werden dafür eintreten, dass solche Fehlentscheidungen nicht einfach hingenommen werden. Sie wachzurütteln ist das Verdienst der Debatte um #zensursula. Insofern gebe ich Christoph Thurner recht: Vielen Dank Ursula v.d. Leyen!

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