ZDF löscht Umfrage zu Netzsperren ohne Kommentar

Update II, 8.7.2009, 15:30 Uhr: Wie mir heute.de-Redaktionsleiter Michael Bartsch per E-Mail mitgeteilt hat, gibt es nun eine Stellungnahme des ZDF, in der die Online-Redaktion die Schließung der Umfrage offiziell kommentiert: In eigener Sache.
[Ende Update II]

Netzsperrenumfrage ZDF - letzter bekannter Screenshot ehe das ZDF die Umfrage kommentarlos gelöscht hat
Screenshot via TwitPic

In dieser Angelegenheit habe ich soeben über das Kontaktformular des ZDF folgende Anfrage an den Sender gerichtet:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mir ist aufgefallen, dass die Umfrage zum Thema „Die gezielte Sperrung von Internetseiten im Kampf gegen Kinderpornografie ist heftig umstritten. Was halten Sie davon?“ ( zuvor veröffentlicht unter: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/22/0,3672,7596214,00.html ) plötzlich aus dem Online-Angebot Ihres Senders entfernt wurde. Das ist natürlich gerade bei so einem brisanten Thema wie der Internetzensur zumindest als unglücklich, wenn nicht sogar als ungeheuerlich zu bezeichnen, so lange das ZDF dies tut, ohne eine Erklärung dazu zu veröffentlichen.

Wurde die Umfrage wegen Manipulationsverdacht vom Netz genommen, oder etwa weil man bei der hohen Ablehungsrate gegen Webseitensperren (zuletzt gestern Abend 97% gegen Netzsperren, siehe http://twitpic.com/96c41 ) aus politischer Sicht beim ZDF nicht mit dem eindeutigen Votum einverstanden war?

Um sich dem im Raum stehenden Zensur-Verdacht bei einem so sensiblen Thema nicht weiter auszusetzen, sollte das ZDF hier dringend Stellung beziehen.

Mit freundlichen Grüßen,

Markus Trapp

Sollte ich eine Antwort bekommen, werde ich berichten.

Update 6.7.09, 14:30 Uhr: Mittlerweile hat Michael Bartsch, der Redaktionsleiter von heute.de, per Kommentar hier im Blog auf meine Anfrage reagiert.

Politik, TV

Zerstört die Politik den Rechtsstaat?


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Es läuft einem eiskalt den Rücken herunter, wenn man bedenkt, wie die Gesetze in Deutschland angesichts der vermeintlichen oder der tatsächlichen Bedrohung unserer Sicherheit zunehmend nicht mehr in Einklang mit unserer Verfassung zu bringen sind. Ich zitiere aus dieser Transkription des Interviews von Frontal21Die komplette Frontal21-Sendung «Die 1000 Augen des Staates» kann auch in der ZDF-Mediathek gesehen werden. Erstausstrahlung war am 8. Mai 2007 mit dem Strafrechts-Professor Peter-Alexis Albrecht von der Uni Frankfurt:

Frontal21: Herr Professor Albrecht, was für eine Entwicklung in dem Bereich Prävention sehen Sie, wenn Sie die Veränderung in der Strafprozessordung bei Gesetzen, die der inneren Sicherheit dienen sollen, in den letzten Jahren betrachten?

Prof Albrecht: Die Gesellschaft vergibt das wichtigste was sie hat, nämlich das Recht. Die Demokratie lebt vom Recht. Das Recht hat Stärke zu beweisen, dass ist das, was unser Staat und unsere Gesellschaft hat und vorzuweisen hat. Und das wird aufgegeben. Wir wandeln uns von einer Rechtsgesellschaft in eine Sicherheitsgesellschaft und das geht über den Apparat der Militarisierung und das ist das Bedrohliche.

Am 27. September 2009 sind Bundestagswahlen. Jeder sollte die Postion der Kandidaten und der Parteien, denen er bei der Bundestagswahl seine Stimme geben möchte, auch auf die Haltung zu den Gesetzen der Inneren Sicherheit hin überprüfen.

[via @Franz]

Politik, TV, Video

Historischer Wandel in Kommunikation durch Twitter & Facebook: Konsumenten werden zu Produzenten


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Medienprofessor Clay Shirky von der University of New York, den es vor einem Jahr schon beim Elektrischen Reporter zu sehen gab, beschäftigt sich bei seiner Forschung mit der Frage, wie das Internet menschliche Beziehungen, Kommunikation und Gesellschaft verändert.

In dem oben eingebauten sehenswerten TED-Vortrag macht Shirky deutlich, dass Social-Media-Tools wie Twitter und Facebook die gesellschaftliche Kommunikation genauso revolutioniert haben und es noch tun werden, wie es zuvor die Erfindung des Buchdrucks, der Fotografie, des Films und des Telefons getan haben. Die Stärke der neuesten Entwicklungen im Netz – unabhängig von den konkreten Diensten wie Twitter und Facebook (die hier nur exemplarisch zu sehen sind, und die auch durch andere Dienste ersetzt werden können) – liegt darin: Konsumenten werden zu Produzenten.

Folglich ist die offene Kommunikation im Internet für totalitäre Systeme auch so gefährlich. Deshalb kämpft China zum Beispiel durch staatliche Zensur vehement dagegen an. Westliche Demokratien, und leider gehört Deutschland seit letzter Woche wegen Zensursula auch dazu, schließen sich diesen Zensurbetrebungen an. Dies nicht hinzunehmen, ist die Aufgabe aller, denen die Bedeutung der Bürgerrechte im Netz wichtig ist. Dies nicht akzeptieren zu wollen oder gar als übertrieben zu bezeichnen, ist der große Fehler der Bundestags-Abgeordneten, die dem unsere Verfassung missachtenden Gesetz zur Sperrung von Webseiten in Deutschland zugestimmt haben.

Meine Empfehlung: Unbedingt den Vortrag von Clay Shirky anschauen, indem er aufzeigt, wie die Kontrolle von oben nach unten durch die medialen Umbrüche zu Beginn des 21. Jahrhunderts umgekehrt wird. 17 gut investierte Minuten.

Bluesky, Internet, Politik, Video
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