ESC 2011 hat viele Gewinner: Ell & Nikki, NDR, Düsseldorf und Anke Engelke
Vielleicht sollte ich mich auf Grand-Prix-Vorhersagen spezialisieren. Ich hatte ja schon mal vor ein paar Jahren Serbien als Sieger des ESC 2007 vorausgesagt und bei der Grand-Prix-Wette ein vom ESC-Experten und Berichterstatter Stefan Niggemeier als Hauptgewinn ausgelobtes handsigniertes TV-Lexikon gewonnen. Dieses Mal habe ich im Vorfeld den Song «Running Scared» von Ell & Nikki (Eldar Qasimov und Nigar Camal) aus Aserbaidschan als bestes Lied auserkoren und es gewann tatsächlich. Wie ich fand, verdient. Ein in Stuttgart lebender Aserbaidschaner hat sich auch sehr darüber gefreut und ist – wie er mir heute Morgen auf Twitter gestand – vor Freude alleine einen Autokorso gefahren.
Neben den sympathischen Siegern aus Aserbaidschan gibt es aber auch noch einige weitere Gewinner des diesjährigen Grand-Prix: Die ARD mit dem sehr guten Zuschaueranteil von 49,3 Prozent. Der im Senderverbund der Öffentlich Rechtlichen verantwortliche NDR hat, dank Auffrischung des ESC-Konzeptes gemeinsam mit Raabs TV-Firma Brainpool, dem Songcontest eine bitter notwendige Erneuerung verpasst. Und in Düsseldorf, einem weiteren Gewinner des ESC, der sein Image deutlich aufwerten konnte, wurde eine prima Show hingelegt. Sagenhaft auch der Showauftakt mit der Live-Performance von Lenas Satellite. Da die ja ihren Titel verteidigen wollte (was wie vorhersehbar nicht gelang, aber in einem anständigen 10. Platz endete) und sich auf ihren Auftritt mit Startnummer 16 konzentrieren musste, löste man das einfach so – gaaaanz großes Showkino:
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So, nun kommen wir zu der ganz großen Gewinnerin des ESC. Ich komme dazu nochmal auf den oben schon zitieren ESC-Experten Stefan Niggemeier zurück, denn dieser hat heute in der FAS, in seiner TV-Kolumne Teletext, eine sehr verdiente Hommage auf die ESC-Moderatorin Anke Engelke geschrieben:
Sie schaffte es scheinbar mühelos, die Rolle der würdevollen Gastgeberin mit Momenten des Slapsticks oder auch nur des Augenzwinkerns zu mischen. Sie erstarrte nicht auf dieser großen Bühne mit dem engen Ablauf-Korsett, sondern erspielte sich kleine Freiräume, in denen sie ihre Begeisterung für diesen Wettbewerb zeigen konnte. Sie tanzte ausgelassen albern zu den Titeln, die es ins Finale schafften, und konnte spontan den italienischen Beitrag singen, als der (zufällig bestimmt) in der Generalprobe gewann. Sie jonglierte mit Namen und Sprachen, Haltungen und Rollen.
Leider ist Niggemeiers Text «Anke Engelke» noch hinter einer Paywall verborgen, doch in ein paar Tagen ist er sicher frei zugänglich. Ich liefere den Link dann nach. Und liebe Frankfurter Allgemeine Zeitung: Falls ihr euch jetzt darüber beschweren möchtet, dass ich einen Text von euch zitiere, der für Nichtabonnenten nur kostenpflichtig zugänglich ist: das ist meine kleine Rache dafür, dass ihr mich, bzw. meinen Blogartikel, in eurem Feuilleton zitiert, ohne mich zu verlinken. Nun sind wir quitt. 😉
P.S.: Leider hat Spanien nicht nur im ESC schlecht abgeschnitten – Lucía Pérez ist mit «Que Me Quiten Lo Bailao» auf dem drittletzten, dem 23. Platz gelandet –, sondern auch im GSC, einem in deutschen Blogs veranstalteten alternativen Grand-Prix. Bei letzterem schaffte Bebe mit «Me Fui» immerhin den 2. Platz in der Zuschauerabstimmung. Doch insgesamt wurde sie – für mich sehr enttäuschend – im GSC 2011 nur Fünftletzte, Platz 24. Im Gegensatz zur Zuschauerabstimmung konnten die Fachjurys, bestehend aus den teilnehmenden Bloggern, von denen sich einige offenbar untereinander gut kennen, mit dem wunderbaren Song von Bebe wenig anfangen.
P.P.S.: Wer mit dem ESC nichts anfangen kann (hat sicher auch nicht bis hierhin gelesen, hehe), sollte sich bei dem Thema, sowie bei anderen Themen, von denen er sich genervt fühlt, in Toleranz üben. Dazu hatte ich am Freitag auch in meiner Twitkrit aufgerufen: «Toleranz ist das Stichwort».



