Das Ausrufen des letzten „Gefahrengebiets“ kam für die meisten Hamburger noch überraschend. Damit beim nächsten Mal alle vorbereitet sind, ein paar Fakten und Tipps von unserem Experten.
Also mein lieber Herr Strunk: ein guter Komiker lacht nie, wirklich nie, über sich selbst. Damit zerstört er doch die ganze Komik. Und dann noch bei einer Thematik, die überhaupt nicht zum Lachen ist. Aber, da sein Auftritt bei extra3 trotzdem eine tolle Nummer ist, sei er hier zur Ansicht empfohlen. Dass der Heinzer in der Expertenrolle auch durchaus ernst – und für uns damit um so lustiger – bleiben kann, hat er schon bei seinen «5 Schritten zum Erfolg» gezeigt.
Zurück zum Lachen über das „Gefahrengebiet“: Über wen wir in Hamburg momentan absolut gar nicht mehr lachen können, ist der Regierende Bürgermeister, „Gefahrengebieter“ Olaf Scholz, dem die ganze Geschichte vollends entglitten ist, oder wie formschub es ausdrückt:
In Hamburg sind viele Bürger derzeit nicht besonders scholz auf ihren Bürgermeister.
Am Sonntag-Morgen hab ich wieder mal eine meines Lieblings-Radiosendungen gehört. In Fluxfm Spreeblick hatte Johnny Haeusler von 10 – 12 Uhr Christoph Amend, den Chefredakteur des ZEIT-Magazins, zu Gast. Das war ein so sympathischer wie interessanter Talk, den man hier nach hören kann:
Was man nicht nach hören kann, weil die unselige, kulturverhindernde GEMA es so will, ist die Musik, die dabei gespielt wurde. Einer der Titel der Flux.fm-Sendung am Sonntag hatte es mir besonders angetan: Lilly Wood & The Prick – Let’s Not Pretend. Die Stimme der Sängerin erinnert mich irgendwie an Stevie Nicks. Hab mir nach der Sendung über Deezer gleich das komplette Album «The Fight» geholt, das ich seither schon ein paar Mal auf dem Weg zu Arbeit (und zurück) gehört habe. Am 1.2. tritt die französische Band übrigens in Hamburg auf, im Indra. Besonders angetan hat es mir, wie gesagt, der Song «Let’s Not Pretend». Wenn ich euch den zeigen will, kommt wieder die GEMA ins Spiel und untersagt das Abspielen auf Youtube. Seht selbst:
Nun, ihr könnt es auch auf tape.tv sehen. Aber ich hab noch einen viel besseren Tipp für euch, wie ihr die lästigen Sperren von Videos umgehen könnt. Mit der wunderbaren Erweiterung für Chrome – die es hoffentlich bald auch für Firefox gibt: ZenMate. ZenMate hilft einem nicht nur, die Internetverbindung zu verschlüsseln, sondern es eignet sich wunderbar dazu, das unsinnige Geoblocking („Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar…“) zu umgehen, um die Inhalte zu sehen, die man sehen möchte. Egal, wo man sich befindet. Gute Nachricht also für Sherlock-Fans: damit kann man auch prima die BBC in Deutschland sehen. Oder das Schweizer Fernsehen. Oder eben auf YouTube oder anderen Musik- und/oder Videoportalen gesperrte Songs. Zu dem in Berlin entwickelten Dienst gibt’s auch einen Artikel auf netzwertig: ZenMate bringt VPN-Funktionen für die Masse.
Einfach nur faszinierend. Ein gefilmtes Foto-Kunstwerk, das uns in geraffter Zeit Porträts von zufällig anwesenden Personen auf dem Bahnsteig der New Yorker U-Bahn-Station 42 Street zeigt. Schöpfer diese Bilder ist Adam Magyar, der uns 4 Sekunden, aufgenommen mit einer Optronis Highspeed Camera, 56-fach verlangsamt zeigt. Mehr zum Hintergrund der Entstehung bei Schlecky Silberstein:
So faszinierend die Bilder aussehen, so schwierig waren sie auch zu bekommen. Im Medium-Artikel von Joshua Hammer erklärt Magyar, wie er den Motion Blur austrickste und wie er die ohnehin schon speziell für ihn gebaute Optronis weiter hackte, bis das Projekt Urban Flow möglich war. Rechts oben findet Ihr die Real Time Sekunden.
Und so wie Magyar es in New York gemacht hat, ist es ihm auch in Berlin am Alexanderplatz gelungen:
Wer mein Blog kennt, weiß, dass es alles andere als ein monothematisches Blog ist. Es ist eher ein Kraut- und Rüben-Blog, das sehr unterschiedliche Themen behandelt. Ganz einfach, weil ich mich eben für ganz unterschiedliche Themen interessiere. Ausnahmsweise soll es nun aber zwei mal hintereinander um das gleiche Thema gehen, und zwar um Bibliotheken:
Das Internet ist eine riesige Bibliothek. Und alle drücken sich an der dreckigen Pinnwand im Eingang herum und kichern über dumme Zettel.
Der Tweet der Woche von @peterbreuer handelt zwar vom Internet, doch wenn er es mit einer riesigen Bibliothek vergleicht, sagt er gleichzeitig auch viel über Bibliotheken als Wissensräume für die unterschiedlichsten Interessen aus, die ja längst nicht mehr nur gedruckte Informationen bereit halten, sondern auch elektronische, leicht zugänglich für jederman über das Internet. Und wer sich mal wieder in eine Bibliothek begibt, und sich dort über den Eingangsbereich oder die Abholtheke für bestellte Literatur hinaus umschaut, wird womöglich riesige Entdeckungen machen können.
Momentan lerne ich gerade für eine Klausur im Rahmen meines bibliothekswissenschaftlichen Fernstudiums, die wir am Samstag am IBI (HU Berlin) schreiben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es dabei um Bibliotheksbau gehen. Dazu passt sehr gut dieser TED-Vortrag von Pam Sandlian SmithPam Sandlian Smith wurde 2010 zur ‚Colorado Librarian of the Year‘ ernannt. Quelle: Wikipedia. aus Colorado, die darüber spricht, was wir von Bibliotheken im 21. Jahrhundert zu erwarten haben. Ihre Worte sind so herzergreifend (etwa, wenn sie die Geschichte eines neunjährigen Jungen erzählt, der eines Tages in ihre Bibliothek kam) wie inspirierend. Unbedingt anschauen:
Wer sich fragt, ob wir in Zukunft überhaupt noch Bibliotheken brauchen, wo doch immer mehr Informationen digital vorliegen und rezipiert werden, dürfte spätestens nach den 11 Minuten des Vortrages von Pam Sandlian Smith verstehen, dass Bibliotheken vielleicht sogar stärker als identitätsschaffende, gemeinsame Lern- Arbeits- und Wissens-Räume gebraucht werden, als zu früheren Zeiten, in denen sie „nur“ Gedrucktes aufbewahrt und ausgeliehen hatten. Am liebsten würde ich am Samstag bei der Klausur, sollte sie die Frage beinhalten „Wie sehen Sie die Bibliothek der Zukunft?“, hinschreiben: textundblog.de/?p=5777.
Ein guter, und – wie ich finde – ausgewogener Bericht über die politische Arbeit von Lukas Lamla (30, auf Twitter: @maltis), der für die Piratenpartei im Landtag in in Nordrhein-Westfalen sitzt. Der ehemalige Berufsfeuerwehrmann gibt einen Einblick in seine politische Arbeit.
Die „WDR Hier und heute„-Reportage (verantwortlicher Redakteur: Jörg Laaks) spannt den Bogen von der Feierstimmung mit 7,8 % bei den Landtagswahlen im Mai 2012 in NRW über die Ernüchterung der stark zurückgegangenen Umfragewerte bis hin zum Wahlkampf für die Europawahl im Mai diesen Jahres, wo sich zeigen wird, ob die Arbeit von Menschen wie Lukas Lumla dazu führen wird, wieder das Vertrauen in die Piraten zu stärken.
Was mir große Sorgen macht: Die Bundesregierung möchte sich vom Prinzip der Unschuldsvermutung verabschieden. Sie will die Rasterfahndung und die Onlinedurchsuchung. Sie möchte die Vorratsdatenspeicherung durchdrückenEs soll sich niemand täuschen lassen, dass Maas im aktuellen Spiegel ankündigt, die Vorratsdatenspeicherung (VDS) zunächst auf Eis zu legen und die Entscheidung des EU-Gerichtshofes abzuwarten. Denn dies kann durchaus auf der Erwartung beruhen, dass die VDS auf EU-Ebene bewilligt wird, siehe den Tweet von @jensbest. Man sollte bedenken, dass Maas womöglich einen besseren Zeitpunkt zum Durchdrücken der VDS abwarten möchte, da momentan die Wogen wegen des Überwachungsskandals durch die NSA noch sehr hoch sind. Zugegeben: Spekulation. Aber Misstrauen ist durchaus angebracht, sonst hätte die Regierung ja die VDS nicht in den Koalitionsvertrag aufgenommen., obwohl diese verfassungswidrig ist. Die Hamburger Polizei erklärt auf politischen Druck der Hamburger SPD, die, seit sie regiert, schon mehrfach gegen die Verfassung agiert hat, Gebiete in mehreren Hamburger Stadtteilen (St. Pauli, Schanze, Altona) zum „Gefahrengebiet„. Vollkommen unverhältnismäßig und dazu noch auf unbefristete Zeit! Man fasst sich nur noch an den Kopf und fragt sich, worüber man sich mehr entsetzen soll: über die Dreistigkeit der Politik oder die Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung, mit der diese das verfassungswidrige Handeln der Regierenden scheinbar zu akzeptieren bereit ist.
Mit überaus deutlichen Worten warnte Peter-Alexis Albrecht (em. Prof. der Uni Frankfurt) bereits 2007 in der Sendung Frontal21 vor einem Wandel Deutschlands von der Rechts- in eine Sicherheitsgesellschaft:
Der Rechtsstaat ist mitten drin in der Auflösung. Weil es eine Herstellung von Sicherheit in dem Maße, wie es der Politik vorschwebt, nicht gibt. Wenn man diese Sicherheit herstellt, hat man die Staatssicherheit. Und die haben wir in der DDR abgeschafft.
Update 18 Uhr: Zu den ungeheuerlichen Vorgängen in Hamburg ist heute ein guter Artikel von Sebastian Hammelehle auf Spiegel Online erschienen:
Rechtlich korrekt ist nicht immer auch politisch richtig: In Hamburg lässt sich derzeit beobachten, wie falsche Symbolpolitik funktioniert. Olaf Scholz schafft sich große Probleme dort, wo zuvor nur kleine bestanden. Er kann mit diesem Kurs nur verlieren.
Der Tweet der Woche wurde in den ersten Stunden des neuen Jahres, am Vormittag des 1. Januar abgesetzt. Was @pfefferstreu hier in 120 Zeichen bietet, ist die hohe Kunst der epischen Brechung. Eine nicht aufgelöste Frage. Irgendwo verordnet zwischen Absurdität und dem – sagen wir – Boden der Tatsachen: