Wie die Geheimdienste mit Prism & Co unsere Privatsphäre verletzen

Was machen Prism und XKeyScore? from Markus Trapp on Vimeo.

Welche Informationen sammeln die Abhörprogramme Prism und XKeyScore eigentlich ein und wo setzen die Geheimdienste welches Programm ein? Einblicke in die Datensammeltechnik in den USA und Deutschland.

Manchmal hab ich den Eindruck, die Leute schenken deshalb der Verletzung der Privatsphäre durch die Geheimdienste kaum Beachtung, weil das Thema so abstrakt ist und trotz breiter Behandlung in den Nachrichten viele nicht so recht verstehen, was da überhaupt passiert. Deshalb finde ich solche Beiträge wie dieser kurze Bericht in den heute-Nachrichten (ausgestrahlt am 20.8.2013, um 17:54 Uhr) so wichtig. In zwei Minuten wird mit einfachen Worten erklärt, was Programme wie Prism und XKeyScore überhaupt bedeuten, und wie sehr sie unsere Rechte auf Privatsphäre anlasslos und beinahe flächendeckend verletzen.

Politik, TV, Video

Angriff auf den Guardian: Es gilt die Pressefreiheit zu verteidigen

Bin immer noch fassungslos ob der Geschehnisse am Sonntag im London. Erst das mehr als zweifelhafte Festhalten von David Miranda auf dem Flughafen Heathrow und dann die Aufforderung des britischen Geheimdienstes, der Guardian solle die Festplatten mit dem Recherche-Material zerstören, das sie von Snowden bekommen haben. Beides sind Einflussnahmen von Regierungsseite auf den Journalismus, die uns alle wach rütteln sollten. Unfassbar das Ganze. Ein «Anschlag auf die Pressefreiheit», wie es die Piraten-Fraktion in NRW zu recht nennt. Jacob Appelbaum dazu in der FAZ: «Ein Akt staatlicher Anfeindung».

Die Süddeutsche schreibt heute über den Angriff auf den Guardian:

Britische Geheimdienstmitarbeiter bedrängen die Redaktion der Zeitung „Guardian“ und lassen Festplatten und Computer mit Dokumenten von Edward Snowden zertrümmern. Was ist der Sinn hinter der staatlich beaufsichtigten Aktion und warum hat sich der Chefredakteur darauf eingelassen?

Weiter im SZ-Artikel: «Szenen wie aus einem Spionagethriller».

Der Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger über den Fall: «David Miranda, schedule 7 and the danger that all reporters now face». Alan Rusbridger im Interview auf Sky News:

http://youtu.be/BaJHypTRgZ8

Und zum Schluss ein sehr interessantes BBC2-Interview, in dem der oben bereits zitierte Jacob Appelbaum auf Louise Mensch, Politikerin der Conservative Party, trifft, die das dubiose Festhalten von David Miranda durch die Geheimpolizei auch noch verteidigt. Gut zu sehen, dass Appelbaum ihr aber gelassen in die argumentationslose Parade fährt:

Update 00:25 Uhr: Kommentar auf G+ von Stefan Heßbrüggen zum BBC2-Video: This should only be watched after reading Miranda’s first letter to the UK government: https://s3.amazonaws.com/s3.documentcloud.org/documents/759779/miranda-protocol-letter.pdf?.

Aktuellste Informationen im Guardian-Blog: «David Miranda detention – latest developments and reaction».

Artikel, Politik

Wenig Wahlkampfmittel clever einsetzen: App für Piratenplakate

Eigentlich ist es ja Wahnsinn, wie viel Geld sich die Parteien den aktuellen Bundestags-Wahlkampf kosten lassen. Die SPD gibt 23 Millionen € aus, die CDU 20 Millionen €, die Piratenpartei hat dagegen nur 400.000 €Quelle für die Wahlkampfbudgets der Parteien: Spiegel Online (12.06.2013). Um so wichtiger ist es, die wenigen vorhandenen Mittel clever einzusetzen. Deshalb finde ich die App „Piratenkarte“ (für Android und iOS), mit der Piraten die Plakatierung besser organisieren können, sehr beeindruckend:

Gute Initiative von @Michamo. Die im Video angegebene Adresse der Piratenkarte: wiki.piratenpartei.de/Wahlen/Bund/Logistik.

Politik, Software

Maren Möhring: «Fremdes Essen»

Maren Möhring: «Fremdes Essen» Über die Migration von Gastarbeitern in die BRD hat sich die deutsche Ernährung stark verändert. Spaghetti, Pizza, Döner gehören längst zu unserem Ernährungs-Alltag. Die Historikerin Maren Möhring (vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam) hat dieses Thema wissenschaftlich untersucht und wurde dafür viel gelobt und ausgezeichnet (u.a. mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2012). De Gruyter bietet das von Maren Möhring verfasste Buch «Fremdes Essen» für kurze Zeit zum freien Download an. Die einzelnen Kapitel kann man sich frei als PDF herunter laden.

Die Geschichte der ausländischen Gastronomie in der Bundesrepublik kennt viele Geschichten. Gastwirte aus Italien, Jugoslawien, Griechenland und der Türkei brachten ein Stück verlockender, aber auch irritierender Fremde nach Deutschland. Ihre Trattorien, Grillrestaurants, Tavernen und Imbisse veränderten nicht nur die Stadt- und Dorfbilder, sie wurden auch zu Zentren interkultureller Kommunikation, die nicht immer konfliktfrei verlief. Vor allem aber veränderten diese neuen Konsumorte die Ernährungsgewohnheiten – mit Pizza, Döner und vielen anderen Köstlichkeiten, die heute vom deutschen Speiseplan nicht mehr wegzudenken sind. Maren Möhring erzählt erstmals die aspektreiche Geschichte wechselseitiger Akkulturation, wobei sie auch die andere Seite der Medaille, die Folgen der oftmals entbehrungsreichen Arbeitsmigration aus Südeuropa, aufarbeitet. Ausgezeichnet mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2012.

Das ist ein sehr interessantes Thema und ich bin schon gespannt auf die Lektüre. DKultur warnt aber in seiner Rezension, dass es sich hierbei um ein wissenschaftliches Buch und nicht eines zum Schmökern handelt:

Insgesamt ist das Buch weder literarisches Fast-Food noch ein elegant zu lesender Gourmet-Happen, sondern vielmehr echte Wissenschafts-Rohkost. Zum Schmökern kann es nicht empfohlen werden. Für den Fachmann aber enthält das Buch viele feine Noten und Nuancen, wichtige Positionierungen innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses: So kritisiert Möhring die These von der Liberalisierung der Bundesrepublik, denn für Nicht-Deutsche träfe sie keinesfalls zu.

Hier geht’s zum Buch: «Fremdes Essen».

[via G+ Stevan Paul]

Literatur

Sprachlos ob der Ignoranz gegenüber Prism

Tweet der Woche Wir stehen mit den Abhörskandalen um Prism und Tempora und der Verstrickung des deutschen Geheimdienstes und der deutschen Bundesregierung(en) der vergangenen Jahre vor einem der schlimmsten politischen Skandale seit Langem. Es wird von Seiten der fünf daran beteiligten Parteien (CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne) größtenteils gelogen, sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben oder die Ernsthaftigkeit der Lage wird bagatellisiert. Die Bevölkerung wird – trotz und gerade vor des/m Wahltermin/s am 22.9. – für blöd verkauft. Und dem Großteil der Bevölkerung ist das auch noch vollkommen egal. Um die 40 % wollen etwa die CDU wählen. Angesichts von so viel Ignoranz und Teilnahmslosigkeit gegenüber Regierungen und politischen Vertretern, die den Boden der Legalität längst verlassen haben, und angesichts massenhaft begangener Verfassungsbrüche bleibt einem nur noch die Sprache weg. Ich bin jedenfalls komplett ratlos, wieso so viele Menschen das mit sich machen lassen. Mehr als @UltraBiblioteka dazu gesagt hat, kann man auch nicht mehr sagen. Deshalb ein klarer «Tweet der Woche»:

Tweet der Woche von @UltraBiblioteka

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Bluesky, Politik

The Human Scale – Wie leben Menschen in Städten

The Human Scale Trailer 2013 from Final Cut for Real on Vimeo.

Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten. Bis 2050 werden 80% der Menschheit ihr Leben im urbanen Raum verbringen. Auf diesen Dokumentarfilm freue ich mich schon jetzt. Ab 10. (Update:) 31. Oktober 2013 wird es «The Human Scale» auch in unseren Kinos zu sehen geben.

Die beeindruckenden Bilder des Trailers sprechen schon für sich. Vertiefend zwei Zitate aus dem Presseheft:

Seit über 40 Jahren steht für den Architekten und Städteplaner Jan Gehl das Leben der Menschen in Großstädten im Mittelpunkt seiner visionären und revolutionären Arbeit. Jan Gehl und seine Kollegen haben es sich zur Aufgabe gemacht, neues Leben in die Innenstädte zu bringen, sie wieder lebenswert zu machen. Ihre Städteplanung zielt auf die Optimierung der Beziehung zwischen gebauter Umwelt und der Lebensqualität ihrer Bewohner. Sie wollen die Großstädte von der Überflutung durch Autos bewahren, Platz für Fußgänger und Fahrradfahrer schaffen, öffentliche Plätze „zurückerobern”.

Prominente Beispiele dafür sind die Fußgängerzone und die Fahrradwege in Kopenhagen, die Wiederbelebung der Innenstadt von Melbourne, die Fußgängerbereiche mit Sitzgelegenheiten auf dem Times Square in New York, der Wiederaufbau nach einem Erdbeben der Innenstadt von Christchurch, Neuseeland, in enger Zusammenarbeit mit den Bewohnern, die Millionenstädte Chongqing in China und Dhaka in Bangladesch – der nachhaltige Ansatz Jan Gehls und der Architekten, die seinem Weg folgen, veränderten diese Innenstädte merklich zu Gunsten ihrer Bewohner.

THE HUMAN SCALE präsentiert die einzigartigen Möglichkeiten der Städtebauer und Architekten, Visionen von menschlichem und nachhaltigem Stadtleben aufzuzeigen. Regisseur Andreas M. Dalsgaard hat mit THE HUMAN SCALE ein ästhetisches Experiment geschaffen, einen wichtigen und inspirierenden Film – für alle Seiten: Verantwortliche in der Städteplanung, Architekten, aber auch für ein breites Kinopublikum.

Und Regisseur Andreas M. Dalsgaard sagt über seinen Film:

In THE HUMAN SCALE wollte ich zeigen, wie wir heute in den Städten leben und wie abhängig unsere sozialen Einstellungen und Gewohnheiten von der Umgebung um uns herum sind. Sozusagen der Mensch in einer von ihm gebildeten Umgebung. Der dänische Architekt Jan Gehl und seine Anhänger arbeiten lieber mit Menschen als mit Gebäuden. Es ist der Raum zwischen den Gebäuden, sagen sie. Das ist es auch, was mich als Künstler antreibt: Die Menschen!

The Human Scale

Weitere Infos auf englisch auf der Webite des Films thehumanscale.dk. Deutsche Infos beim Verleih Filmwelt. 11-seitiges Presseheft (PDF).

[via @archvideo]

Internet

Twitter ist mehr als das Verfassen von 140 Zeichen

Tweet der Woche Was kann eine Mutter Besseres tun, als ihrem Sohn ein lebenswichtiges Organ zu spenden? Sie kann zum Beispiel auch noch anfangen zu twittern. Der Westen hat den Hintergrund im Artikel «Wie @Fischblog seine Nierentransplantation zum Twitter-Thema macht» geschildert. Der Tweet der Woche, stellvertretend für die Heldentat von @MuddiFischblog, die ihrem Sohn zum Weiterleben eine ihrer beiden Nieren gespendet hat, kommt von @Terrorzicke:

Tweet der  Woche von @terrorzicke

Und wieder einmal haben alle Beteiligten erfahren, dass Twitter mehr ist als das Abschicken von Kurzbotschaften in einer maximalen Länge von 140 Zeichen.

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Bluesky, Literatur
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