Kino

Átame mal anders rum und auf französisch: «In Fesseln – Le Lien»

Camille ist fast dreißig Jahre alt und lebt allein mit ihrer geistig verwirrten Mutter. Eines Tages fährt sie versehentlich einen Mann an und hält dies für einen Wink des Schicksals: sie entführt ihn, entschlossen ihn an ihr Bett zu fesseln, bis er einwilligt sie zu lieben.

Quelle: atelier-ludwigsburg-paris.de

Almodóvars Átame (Fessle mich) mal anders rum: Le Lien (In Fesseln). Drehbuch Adriana Soreil, Regie: Jonathan Desoindre. 9 Minuten. Sehenswert.

Kino, Video

3 TV-Tipps für den Sonntag-Abend auf Google+

Von diesem beeindruckenden Film war hier im Blog schon öfter die Rede. Heute Abend kommt er im Fernsehen (23:40 Uhr, MDR). Überhaupt, wenn man sich das TV-Programm am Sonntag-Abend anschaut, erwartet einen viel Interessantes (und das schon ab 20:15 Uhr!). Da sage noch einer, es käme nix Gutes im Fernsehen. Für die, die meinen Google+-Account nicht lesen, ausnahmsweise der Hinweis hier im Blog, weil das sonntagabendliche TV-Programm wie gesagt heute ganz außergewöhnlich gut zu werden scheint:
3 TV-Tipps für den Sonntag-Abend.

Noch ’ne Anmerkung zu G+ (vor allem auch, weil ich aufgehört habe, Facebook-Updates zu machen, denn Twitter, Facebook und G+ wurde mir einfach zu viel):

Google+-Einträge, die öffentlich geteilt werden, also die man nicht nur einem bestimmten Kreis zugängig macht, können von allen gelesen werden. Auch von denen, die G+ nicht nutzen. Ich teile deshalb so gut wie alle meine Beiträge öffentlich. Mein Google+-Account ist oben im Blogheader verlinkt und auch sonst vom Blog aus ganz leicht aufzurufen, wenn man nach textundblog.de/ ein + eingibt: https://textundblog.de/+.

Wer Google+ noch nicht kennt, und es selbst einmal testen möchte, kann gerne diesen Einladungslink von mir benutzen.

Kino, Ophüls, Software, TV

Dauerregen im August: Animationsfilm «En Agosto»

En agosto from Andres Barrientos on Vimeo.

Strömender Regen im August? Ihr meint, das gibt es doch gar nicht? Mhmm… ok, stimmt, sehr unwahrscheinlich. Aber mit den Mitteln des Animationsfilmes könnte man sich ja vorstellen, wie es wohl wäre, wenn es im August ständig regnen würde. Und wenn die Welt unter zu gehen schiene. Schiene?

Seht selbst: Andrés Barrientos und Carlos Andrés Reyes haben in zwei Jahren liebevoller Detailarbeit mit «En Agosto» (Kolumbien, 2008) einen wunderschön gezeichneten Film geschaffen, dessen wie Aquarelle anmutende Szenenbilder teilweise von atemberaubender Schönheit sind. Deshalb das kleine Kunstwerk mit der großen Ausdruckskraft bitte unbedingt im Vollbildschirmmodus betrachten. Und keine Angst vor der spanischen Sprache: die wenigen Dialoge des knapp 15-minütigen Filmes sind englisch untertitelt.

Aus der Inhaltsbeschreibung der Produktion dia fragma:

It is the distant future, and Verónica, a young indigenous shaman woman, walks across a bridge in a diluvian world, and has a powerful premonition that something cataclysmic is about to happen. In the present time, Pedro, an old man, is anticipating the end of the world on a day prophesized by Isabel, his late wife, and he remembers other predictions that she foresaw and later came true. Pedro reflects on Isabel’s premonitions and takes comfort from events that never occurred, yet he is overcome with a sense of impending doom. Returning to the future, Verónica performs an ancestral ceremony, during which, a gigantic wave engulfs the city. In the present, Pedro remembers that his wife had mentioned a precise hour and as he looks at the clock he sees there’s less than a minute for her prediction to become a reality…

En Agosto

Kino, Spanisch

Christian Petzold – Jerichow

Die ARD zeigt heute von 22:45 – 0:10 Uhr Jerichow. Großes Kino von Christian Petzold, einem der besten deutschen zeitgenössischen Regisseure.

Zum Inhalt (zitiert aus der leider flashverseuchten Website):

Drei Menschen treffen mit schicksalhafter Zufälligkeit aufeinander. Thomas (Benno Fürmann), jung, kräftig, wortkarg, ein ehemaliger Soldat, unehrenhaft aus der Armee entlassen; Ali (Hilmi Sözer), vom Leben schon ein wenig mitgenommen, aber immer noch leutselig, ein türkischer Unternehmer in Deutschland, der mit seinen Imbissbuden reich geworden ist; Laura (Nina Hoss), seine Frau, attraktiv, reserviert, wie jemand, die schon vieles hinter sich hat.

Auf den Landstraßen des deutschen Nordostens, in den Wäldern des weiten, flachen Landes, an den Klippen über dem Meer entfaltet sich das Drama dieser drei Menschen, deren Sehnsüchte sich immer wieder in einem anderen, tieferen Traum brechen. Zwischen Schuld und Freiheit, Kalkül und Leidenschaft liegen Wünsche, deren Erfüllung bald nur noch um den Preis des Verrats möglich scheint.

Christian Petzold – Jerichow

Ein Wunder, dass Petzold in der schwierigen Kinolandschaft Deutschland so einen großartigen Film hin bekommen hat. Typisch wiederum, dass die ARD ihn mutlos zu einer Zeit zeigt, in der ein Großteil des Publikums sich diesen Film nicht mehr anschaut. Dazu passend: Ein Interview mit Petzold in DIE ZEIT (01/2009) über die Abhängigkeit der Autorenfilmer vom Geld, über das große Geschäft mit den Gefühlen und über „Jerichow“:
«Arm filmt gut? Das gefällt mir nicht».

Kino, TV

Bilder einer Literaturverfilmung

Jurek Becker: Nach der ersten Zukunft Jurek Becker ist ein hervorragender, leider mit 59 viel zu früh gestorbener, Schriftsteller. Sein «Jakob der Lügner» hat mich seit dem Deutsch-Abi nicht mehr losgelassen. Später im Studium hab ich «Bronsteins Kinder» mit großem Interesse gelesen und auch eine Arbeit darüber verfasst. Becker hat aber auch Erzählungen geschrieben. Und eine seiner Erzählungen, «Das Bild», erschienen im Erzählband «Nach der ersten Zukunft» (1980), haben wir uns 1991/92 an der Uni Saarbrücken im Rahmen eines Germanistik-Seminars in der dortigen Medienkunde zur Verfilmung vorgenommen. Eine über zwei Semester dauernde Literaturverfilmung, die einige filmliebende Menschen zusammen gebracht hat, die sich heute noch gut kennen. Ich habe im Rahmen dieses Seminares zwei sehr liebe Menschen kennen gelernt, die ich immer noch zu meinen Freunden zähle.

Einer aus der damaligen Truppe, Achim, lebt mittlerweile in den USA und hat mir heute morgen diese Bilder gemailt, die ich euch nicht vorenthalten will. Was aus dem Film geworden ist, über dessen Metaebene wir ein Jahr lang gebrütet haben, weiß ich nicht. Den will auch sicher niemand sehen. Glaubt es mir. Wir haben zwar viel gelernt bei der Geschichte. Es gab aber auch den verhängnisvollen Ansatz, dass jeder alles macht. Wir haben alle gespielt, wir haben alle Requisite gemacht, Kamera, Regie, Schauspielführung. Alles. Und nichts quasi. Trotzdem war es eine tolle Geschichte. Einige sind dem Thema Film auch treu geblieben und haben danach auch Anständiges ganz professionell auf die Beine gestellt. Ich gehöre nicht dazu.

Damit ihr, die ihr auf den ersten Blick keinen anderen Zugang zu dem Projekt habt, als den Autor dieses Blogs zu kennen (oder ihn auch nur ab und an zu lesen), auch was davon habt, zeige ich hier nun mal die Bilder von damals. Ich bin übrigens der mit dem Schnurrbart. Heute auf Twitter, wo ich ein Bild schon mal vorab gezeigt hatte, wurde ich schon mit Johnny Depp und Fernando Pessoa verglichen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Doch seht selbst: Aufnahmen von den Dreharbeiten in der Nacht des 30. Mai 1992 im Saarbrücker Bürgerpark:

Film AG

Film AG

Film AG

Tja, was soll ich sagen. Fast 20 Jahre ist das her. Ich habe hier noch alle Unterlagen. Skripte, Zeichnungen, Drehpläne, ein köstliches Archiv. Gut, dass ich immer alles aufhebe. Abschließen möchte ich das Posting mit einem Bild, das Achim damals von Alexander und mir gemacht hat: Eine Impression von den Dreharbeiten bei Tage (auch im Saarbrücker Bürgerpark):

Film AG

Jurek, verzeihe uns, wir haben es nur gut gemeint mit Deinem „Bild“. Und Du hast mit dieser Erzählung mehr angerichtet, als Du Dir jemals vorstellen konntest. 😉

Foto, Kino, Literatur, Saarland

San Sebastián: Europäische Kulturhauptstadt 2016

San Sebastián – Europäische Kulturhaupstadt 2016

Über keine andere spanische Stadt ist in diesem Blog so viel geschrieben worden wie über San Sebastián. Was natürlich damit zusammenhängt, dass ich seit 1995 jedes Jahr mindestens einmal im Jahr dort bin (wegen des Filmfestivals). So wird jeder sicher gut verstehen können, dass ich mich wahnsinnig freue, dass diese wunderbare baskische Stadt Donostia (so heißt San Seb. auf baskisch) heute zur Europäischen Kulturhauptstadt 2016 ausgerufen wurde. Meine spanische Lieblingsstadt hat sich gegen harte Konkurrenz aus Burgos, Segovia, Las Palmas und Zaragoza durchgesetzt.

Seit 2004 wird der Titel immer an zwei Städte parallel vergeben. San Sebastián teilt sich die Nominierung für 2016 mit Breslau. Dieses Jahr sind die beiden europäischen Kulturhauptstädte Turku (Finnland) und Tallinn (Estland). Info: Wikipedia.

Also alle nach San Sebastián, die diese wunderbare Stadt noch nicht kennen oder die unbedingt mal wieder hin wollen. Wer noch kein Spanisch kann, sollte es bis dahin lernen. Oder wahlweise baskisch, aber das dürfte schwieriger zu lernen sein. Wer Spanisch kann, findet eine passende Meldung zur heutigen Auswahl in El País: San Sebastián será capital europea de la cultura en 2016.

Filmfestival-Plakat Donostia 2011 Vom 14. – 25. September werde ich meinen Freunden vor Ort, im Casco Viejo, in der Altstadt von San Sebastián, gratulieren können, denn natürlich werde ich auch im 17. Jahr in Folge beim Festival in San Sebastián sein. Auf die 59. Ausgabe des vielleicht schönsten Filmfestivals Europas wird die Vorfreude auf 2016 sicher noch erhöhen. Donostia ist selbstbewusst genug, bei all den Filmen und all den Stars, die stets vor Ort sind, die Hauptrolle des Festivals zu spielen. Zeit für den Strand wird selbstredend auch wieder bleiben. Ich werde berichten. 😉

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Kino, Spanisch

Michelangelo Frammartino Film „Vier Leben“


Direktlink YouTube – Original-Ausschnitte Le Quattro Volte


Direktlink YouTube – Deutscher Trailer

Darauf wird man sich wohl freuen dürfen: «Le Quattro Volte» von Michelangelo Frammartino (1968 in Mailand geboren; Foto). Deutscher Kinostart unter dem Titel «Vier Leben»: 30.6.2011, nicht wie ursprünglich vorgesehen am 7.7.2011. In der FAS, wo ich heute auf den Film gestoßen bin, zeigt sich Bert Rebhandel begeistert von diesem außergewöhnlichen Dokumentarfilm, der ohne Dialoge auskommt:

Gleichwohl gibt es aber auch für dieses außergewöhnliche Werk eine konkrete Produktionsumgebung, zu der mit ZDF/Arte und dem Medienboard Berlin-Brandenburg auch deutsche Geldgeber zählen, welchem Umstand es wohl vor allem zu danken ist, dass „Vier Leben“ in diesem Land einen Kinostart bekommt. Er hat ihn in jeder Hinsicht verdient, denn eindringlicher und aufregender wird man wohl für längere Zeit nicht mehr auf die grundlegenden Bedingungen unseres Blicks auf die Welt verwiesen werden – je fremder das ist, was uns als Bild entgegentritt, desto stärker sind wir versucht, dieses Bild wie einen Spiegel zu nehmen.

Die Filmvorstellung in der FAS ist leider nur für Abonnenten frei zugänglich: «Was die Gesichter der Ziegen erzählen» (nach ein paar Tagen schaltet die FAS die Artikel aber meistens frei).

Vier Leben - Poster

Deutschlandradio Kultur (Beitrag zum Nachhören und -lesen): Staub zu Staub:

Ein Film fast ohne Worte, der mit den Klängen der Natur das Ohr ebenso anspricht wie mit seinen ruhigen, poetischen Einstellungen die Augen. Michelangelo Frammartino erzählt in „Vier Leben“ die Geschichte einer Seelenwanderung.

Ebenfalls auf DRadio Kultur: Interview mit Regisseur Michelangelo Frammartino: «Auch ein politischer Film»:

Der neue Film von Michelangelo Frammartino erzählt die Geschichte einer Seelenwanderung: Vom Menschen zum Tier über die Pflanze zum Mineral. Ein Film auch mit vielen religiösen Motiven, still und langsam und spirituell. Keine alltägliche Kost.

Langsames Kino, auf das man sich als Zuschauer einlassen muss, von dem man nicht einfach nur unterhalten wird, ist ja nicht jedermanns Sache. Aber ich freue mich auf diesen Film. Sehr.

Kino, Video

Page One: A Year Inside the New York Times

Auf diesen Film bin ich schon sehr gespannt:

Trailer auch auf YouTube.

Page One: A Year Inside the New York Times in dem Regisseur Andrew Rossi ein Jahr lang in den heiligen Räumen der NYT filmen durfte, fand schon viel Beachtung auf dem Sundance-Festival. Ab heute läuft er in den USA, ab dem 9.11. (welch historisches Datum!) in Großbritannien. Ob und wann bei uns, steht noch nicht fest.

Page One: A Year Inside the New York Times
Szene aus «Page One: A Year Inside the New York Times». Foto: Magnolia Pictures

Passend zum heutigen Filmstart in USA erschien gestern auf Gothamist ein lesenswertes Interview mit dem NYT-Journalisten David Carr: Never Been A Better Time To Be A Journalist. Dort gesteht er seine Begeisterung für den Film, an dessen Erfolg er im Vorfeld wohl gar nicht so richtig geglaubt hatte:

What is your general reaction to the film? I can’t believe how good it is. I write about the media all the time, and it seems like such a worked over, sort of boring topic. The weird thing is he is filming in an office with people typing on computers, wearing headsets. What about that says movie? Nothing. I didn’t think it would be a very good documentary, let alone…I think he turned it into kind of a movie movie. It’s exciting to watch. I would have never predicted that. I don’t know how he did it. I wish I could do it with the media writing I do. We screened it at UCLA a couple weeks ago, or for a UCLA audience, and the kids were so into it. And I thought, well, god, none of you even read a newspaper, why would you care about a movie about a newspaper. But they did! I don’t know, it surprised me.

Siehe auch Movie Review in der NYT [sic!]: «A Hyperactive Fly on a Newsroom Wall».

Kino, Literatur
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