Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin. Wenn ich heute Nachmittag um 16 Uhr im Zug nach Berlin sitze, mache ich drei Kreuze. Freue mich schon sehr auf meine 16. Berlinale (es ist die 61., die stattfindet, wie ich die Zahlen verdrehend anmerken möchte). Natürlich schaue ich alle Spanischen Filme (und auch möglichst alle spanischsprachigen, d.h. auch die von der anderen Seite des Atlantiks), sowie ganz viel Forum, Panorama und Wettbewerb.
Wir werden durch die aktuellen Unruhen im Norden Afrikas nochmals schmerzlich daran erinnert, wie furchtbar es für die Menschen ist, wenn das Militär statt den Staat nach außen zu beschützen ins Innere wirkt und die Privatpersonen terrorisiert. In beispielloser Brutalität hat das auch die Argentinische Militärdiktatur gezeigt. Ein filmisches Dokument über diese Zeit wird heute Abend (23:15 – 01:00 Uhr) im WDR ausgestrahlt. Wer dieses Meisterwerk des argentinischen Regisseurs Marco Bechis sieht, wird es nicht mehr vergessen:
Lange vor der Aufhebung des Amnestiegesetzes im Jahr 2003 und der Verurteilung des Folterpolizisten Julio Simón im August 2006 widmete sich der Spielfilm Junta (Garage Olimpo, 1999) der schonungslosen Aufarbeitung der Militärdiktatur Argentiniens (1976-1983).
[…]
Das Porträt einer Gesellschaft, die sich in einem nicht gelebten Ausnahmezustand befindet, in dem die Spuren von Gewaltherrschaft zur Bagatellelle degradiert werden, setzt Bechis aus den unmittelbaren Erfahrungswelten seiner Figuren zusammen. Diese, durch eine filmische Verengung evozierte, subjektivierte Perspektive beschränkt sich nicht nur auf die Ängste und das Gefühl von Desorientierung der Hauptfigur Maria, sondern wird als Inszenierungskonzept durch das handlungsrahmende Bombenattentat auf einen Polizeichef besonders deutlich.
Zitiert aus der Rezension von Junta auf critic.de. Der Film wird heute Abend auf deutsch [Korrektur:] als OmU ausgestrahlt. Auch wer kein Spanisch kann, dürfte trotzdem einen Eindruck vom Gezeigten bekommen, wenn er sich diesen Filmausschnitt betrachtet:
Ausführliche deutschsprachige Infos und umfangreiches Foto- und Pressematerial zum Film auf http://www.flaxfilm.de/movies/junta/ (Vorsicht: ausschaltbares Audio poppt auf!).
Update 4.2.11: Auch heute kommt wieder ein großartiger argentinischer Film zu diesem düsteren Kapitel der Geschichte des südamerikanischen Landes: Ebenfalls um 23:15 im WDR: Crónica de una fuga (den ich hier schon mal ausführlich vorgestellt hatte: Neues Argentinisches Kino im BR.
Was Google in Sachen Digitalisierung von Malerei alles im Stande ist zu leisten, hab ich schon Anfang 2009 im ciberaBlog vorgestellt: Meisterwerke aus dem Prado in Google Earth. Anhand von Virtuellen Museumsgängen Kunst zu entdecken, kann durchaus seinen Reiz haben.
Bis dato sind im heute von Google vorgestellten Art Project durch Zusammenarbeit mit Madpixel in Madrid u.a. mit der National Gallery in London, dem MoMA in New York, den Uffizien in Florenz oder der Alten Nationalgalerie in Berlin nochmals weitere Museen dazu gekommen, in deren Kunstwerke man sich auf die feinsten Pinselstriche heran zoomen kann. Absolut faszinierend. Auch wenn die Aura des Originals im Digitalen nie erreicht werden kann, so ist eine Annäherung an die Arbeit der Künstler durch die teilweise in extrem hoher Auflösung vorliegenden Digitalisate eine atemberaubende Erfahrung. Jedes der 17 teilnehmenden Museen hat ein Werk im Gigapixelbereich digitalisiert.
Obiger Bildausschnitt aus dem Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid zeigt eines davon, und zwar ein Detail aus Vittore Carpaccios Portrait of a Knight (aus dem Jahr 1510, siehe Wikipedia). Doch schaut, zoomt und staunt selbst: googleartproject.com.
Hier gab’s schon länger keine Musik mehr zu hören. In Anknüpfung an die spanische Musik aus den Sommerblogartikeln zum GSC2010 gibt’s nun wieder was von der Iberischen Halbinsel zu entdecken. Bei frostigen Außentemperaturen kommt «La Bien querida» gerade recht, etwas Sonne in unsere eingeschneiten Stuben zu zaubern. Für NPRs Musikprogramm Alt Latino gehört «Romancero» von «La Bien querida» zu den Alben des Jahres 2010 (auch wenn es schon aus dem Jahr 2009 ist, doch das soll uns hier nicht weiter stören). Ich mag die Musik sehr gern und hoffe, Euch geht es auch so.
Neben dem oben vorgestellten «De momento abril» gibt es in der YouTube-Playlist La-Bien-querida-Mix etliche weitere Lieder, u.a. aus ihrem Album Romancero zu entdecken. Ach so: La Bien querida heißt eigentlich Ana Fernández-Villaverde, aber das kann man sich nicht so gut merken. «La bien querida» ist eingängiger, genau wie ihre wunderbare Musik.
Nora und José waren einmal ein verliebtes Paar. Nun sind sie ins Alter gekommen und seit 20 Jahren geschieden, wohnen aber gegenüber in derselben Strasse in Mexico City. Eines Tages findet José seine Ex-Frau tot in ihrem Bett: Ihr fünfzehnter Selbstmordversuch war erfolgreich. Vorher aber hat Nora noch alles für das anstehende Pessach-Fest vorbereitet und Verfügungen getroffen. So soll José ihre Beerdigung organisieren. Das ist leichter gesagt als getan, denn während des Pessach-Fests und am drauffolgenden Sabbat dürfen keine Beerdigungen stattfinden, und außerdem befindet sich der gemeinsame Sohn Rubén gerade im Ausland.
Also muss José fünf Tage im Appartement seiner Frau durchhalten, während der Rabbi-Schüler Moisés neben der unter Trockeneis gelegten Toten betet.
Wer in Hamburg und Umgebung lebt und Kino aus Lateinamerika mag bzw. kennen lernen möchte, hat Glück. Einen Überblick über aktuelle Produktionen aus América Latina gibt es bei den 21. Lateinamerika Filmtagen im 3001 Kino zu entdecken. Los geht es am Donnerstag, 2.12. um 21 Uhr, mit dem in obigem Trailer zu sehenden Fünf Tage ohne Nora (Cinco días sin Nora) von Mariana Chenillo. Ich finde ja, das sieht schon mal sehr viel versprechend aus. Der Film läuft in der spanischsprachigen Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Das komplette Programm vom 2.-15.12. gibt es auf der Website des 3001 zu sehen. Oder im praktischen PDF-Flyer zum Ausdrucken (liegt auch im Kino aus). Vielleicht sieht man sich ja im 3001…
[Update 17.3.2011: Leider ist der vormals hier eingebundene arte-Film nicht mehr online. Zur Zeit kann er noch in vier Teilen auf YouTube (1 – 2 – 3 – 4) gesehen werden. Gesamtdauer der Doku: 80 Min.]
Ein ehemaliger Auftragskiller des mexikanischen Drogenkartells berichtet über die letzten 20 Jahre seines Lebens: Er hat Hunderte von Menschen getötet, entführt und gefoltert, war Polizist im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua und hat sich vom FBI ausbilden lassen. Von seinem Wohnort Juárez aus konnte er sich frei zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten bewegen. Jetzt ist er auf der Flucht, auf seinen Kopf sind 250.000 Dollar ausgesetzt. Der Film wurde an der amerikanisch-mexikanischen Grenze in einem Motelzimmer, das die Nummer 164 trägt, gedreht.
«El Sicario» ist ein sehr harter Film des italienischen Dokumentarfilmers Gianfranco Rosi, den es aber lohnt anzuschauen, wenn man verstehen möchte, wie der wahnsinnige Drogenkrieg in Mexiko funktioniert. Ein Aussteiger, ein ehemaliger Auftragskiller, berichtet: Wie wurde er angeworben. Weshalb durchlaufen Killer eine Polizeiausbildung. Wie werden Entführungen und Morde geplant. Es kostet sehr viel Energie den bewusst schlicht gehaltenen Bildern zu folgen, wenn der maskierte Mann im Motelzimmer auf seinem Block schematische Zeichnungen macht und dabei von geradezu ungeheuerlichen Machenschaften berichtet. Die grausamen Bilder entstehen dabei im Kopf der Zuschauer. Der Dokumentarfilm hat den FIPRESCI-Preis bei der diesjährigen Mostra in Venedig gewonnen.
…
Heute Nacht bzw. heute Morgen hatte ich einen sehr netten Tweetaustausch mit dem mexikanischen Plattenlabel LovRecs. Nachdem ich hier neulich schon im Blog auf diese großartige Band aus dem Norden Mexikos hinwies (im Artikel Nortec Panoptica Orchestra – Complejo de Amor), twitterte ich heute Nacht, dass Nortec Panoptica das komplette Album „Panoptica Tijuana Remixes“ (aufgen. 2002 in London) zum freien Download anbiete.
Prompt bedankte sich @erickcc dafür und retweetete mich. Doch damit nicht genug, es schloss sich auch noch ein Tipp an, den ich mit der ausdrücklichen Erlaubnis von @erickcc gerne an Euch weiter gebe:
@textundblog Aquí un mixtape de Panoptica, ojalá te guste!
Ich finde, wer soviel frei anbietet, soll auch was verdienen dürfen. Also bei Gefallen bitte auch das kommende Album käuflich erwerben. Ich werde mir das Mixtape «Ámonos pal Dancing Vol. 2» jedenfalls zulegen. Bei Interesse @Nortec_NPO folgen. Bis dahin obige Alben genießen oder in dem reichhaltigen Fundus in Roberta Mendozas (das ist der Gründer von Nortec Panoptica) Soundcloud stöbern.
Update 17.11.2010: Wie mich lovrecs heute morgen auf Twitter informierte, steht das hier angekündigte 2. Mixtape nun auch zum kostenlosen Download bereit: Amonos Pal’ Dancing Vol. 2.