Kino

Rom brennt wieder in Cinecittà

Wer denkt bei dem verheerenden Brand in den Cinecittà Filmstudios in Rom nicht an die Szene aus «Quo Vadis?», in der Peter Ustinov in einer seiner für mich stärksten Rollen den wahnsinnigen Nero gibt und «Rom brennt!» ausruft. Das Feuer, das in Rom in den Filmbauten der britischen Serie «Rom» [sic!] ausgebrochen ist, konnte zum Glück gestoppt werden, ehe es historische Filmbauten zerstören konnte. Digital TV schreibt etwa:

Die Löschtrupps versuchten, ein Übergreifen des Feuers auf andere Film-Sets zu verhindern, was ihnen auch gelang. Etwa die weltberühmten Bauten für William Wylers Epos „Ben Hur“ (1959) mit Charlton Heston sowie Federico Fellinis „Schiff der Träume“ (1983) seien nicht beschädigt worden.

Auf der Suche nach Informationen über den Brand in Rom bin ich noch einmal auf den über fünf Minuten langen Trailer von «Quo Vadis?» gestoßen:


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Ja damals, vor über einem halben Jahrhundert, da hatte man noch Zeit für lange, ausgiebig die neuen technischen Errungenschaften (Technicolor, Massenstatisten-Szenen) lobende Trailer. Herrlich. Und ein Film mit einer Gesamtlänge von 171 Minuten, der darf dann auch mal überfünfminütig beworben werden. Sehenswert!

Kino, Video

Están vivos! – Sie leben noch 2.0

días estranhosIn den letzten Tagen sind so viele Menschen aus dem Filmbereich gestorben, dass man kaum noch hinterherkommt, sie zu betrauern: Mühe, Bergman, Antonioni, gestern auch noch Plenzdorf. Manchmal weiß man ja bei Namen, von denen länger keine Rede mehr war, gar nicht mehr, ob sie überhaupt noch leben. Dem will jetzt Martin Pawley in einem der meist gelesenen galizischen Blogs días estranhos (seltsame Tage) entgegenwirken und sammelt die Namen von Schauspielern, Regisseuren, Produzenten etc., die noch leben:
Están vivos! (v2.0).
Alle mit Geburtsjahren vor 1930, ihre Namen verlinkt mit der IMDB. Dort zu finden sind noch zum Beispiel Shirley Temple, Deborah Kerr, Luise Rainer, Stanley Donen, Luis García Berlanga oder Andrzej Wajda. In den Kommentaren ergänzt jemand Johannes Heesters. Schaut mal rein: Sie leben noch 2.0.

[via Libro de notas]

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Dustin Hoffmann: Glückwunsch zum 70.


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Dustin Hoffmann, der in dieser Szene beweist, dass gute Schauspieler nicht nur dann Humor haben, wenn es gilt, eine lustige Rolle zu spielen, wird heute 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

In der NZZ kann man heute (zurecht, wie ich finde) über ihn lesen:

Er ist einer der vielseitigsten Schauspieler Hollywoods und arbeitet mit einer Besessenheit an seinen Rollen, die Regisseure zur Verzweiflung bringt.

Weiter im Artikel «Schauspielern tut nicht weh».

Artikel, Kino, Video

Michelangelo Antonioni (1912-2007)

Jetzt auch Antonioni: Wie heute bekannt wurde, ist gestern Michelangelo Antonioni ist im Alter von 94 Jahren gestorben. An einem einzigen Tag verliert die Filmgeschichte zwei ihrer ganz großen Regisseure: Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni. Das heißt die Filmgeschichte verliert sie ja nicht, in ihren Filmen leben sie weiter: Antonioni zu Ehren hier zwei Szenen aus meinem Lieblingsfilm von ihm (Blow Up von 1966 mit David Hemmings und Vanessa Redgrave):


Tennisspiel ohne Ball           Photoshooting

Kino, Video

Filmtipp Shoppen: Schnäppchenjagd nach Liebe

Kennt ihr das? Ein Film ist aus und ihr denkt: «Wie, schon vorbei? Schade.» Wenn das einem Film gelingt, dann hat er genau das richtige Timing gehabt. Ein Paradebeispiel dafür ist der Speed-Dating-Film Shoppen von Ralf Westhoff.


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Wie lange braucht man, um einen Menschen kennenzulernen? Reichen 5 Minuten wirklich aus? Natürlich nicht. Aber es gibt Singles, die gehen auf der Suche nach der Liebe zum Speed-Dating, jeder sitzt sich 5 Minuten gegenüber, redet miteinander und betrachtet sich wie auf dem Pferdemarkt und gibt später an, welche der Personen die eigene Telefonnummer bekommen darf. Wo’s passt, bringt die Agentur die Paare im Anschluss per Brief in Verbindung.
Ralf Westhoffs mit genialen Münchner Theaterschauspielern inszenierter Film ist so voller Klischees und doch so realistisch, dass es eine wahre Freude ist, diesen kurzweiligen Film zu sehen.
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Hamburg, Kino

Ulrich Mühe – muere un gran actor

Wie gestern morgen erst veröffentlicht wurde, ist am Sonntag Ulrich Mühe seinem Krebsleiden erlegen. Ich war nicht in der Lage gleich nach Erfahren dieser traurigen Nachricht darüber zu schreiben (hab es nur getwittert). Ein ganz Großer ist zu früh gegangen. Klingt so banal, ist aber so wahr.
Heute habe ich auch die große Anteilnahme in Spanien (in den Nachrichtensendungen, Zeitungen und Blogs) beobachten können, wo „Das Leben der Anderen“ einen riesigen Erfolg hatte. Etwa im El País-Artikel «Muere el actor Ulrich Mühe, protagonista de ‚La vida de los otros‘», der auf die Parallele von Stasi in Film und Leben von Ulrich Mühe hinweist:

El propio Mühe pudo revivir en esta película parte de su propia biografía. Al igual que el actor de la película descubre que su mujer se ha „vendido“ a la Stasi, también a Mühe se le reveló que su primera esposa, actriz al igual que él, trabajó para esta policía secreta.

Viele Spanier haben Mühe erst durch «La vida de los otros» als begnadeten Schauspieler kennengelernt. Ich hatte ja im Februar zum Filmstart in Spanien den Trailer hier vorgestellt: «La vida de los otros». Dort kann man Ulrich Mühe spanisch synchronisiert sehen, so wie ihn das spanische und lateinamerikanische Publikum kennengelernt hat.

Das Deutsche Fernsehen ändert aus dem aktuellen traurigen Anlass sein Programm und strahlt mehrere Filme mit Mühe aus, u.a. läuft auf Tele 5 in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 0:15 Uhr der Michael Haneke Film „Funny Games“ mit ihm und seiner nun trauernden Frau Susanne Lothar in den Hauptrollen. Weitere Termine in einer Übersicht bei Digital TV.

Kino, Spanisch, TV, Video

Muxmäuschenstill


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Sollte es wirklich noch jemanden geben, der diesen fantastischen Film von Markus Mittermeier (Regie) und Jan Henrik Stahlberg (Buch und Hauptrolle) noch nicht gesehen hat, dann empfehle ich ihm oder ihr heute Abend um 23.30 Uhr den Fernsehsender des Bayrischen Rundfunks einzuschalten und Muxmäuschenstill zuzuschauen.

Dieser Film hatte vollkommen zurecht reihenweise Preise beim Max Ophüls-Festival 2004 in Saarbrücken abgeräumt (darunter den Hauptpreis, den Preis für das beste Drehbuch und den Publikumspreis). Die Jury begründete die Vergabe des Hauptpreises des wichtigsten deutschsprachigen Nachwuchsfilmfestivals damals mit den Worten:

„Muxmäuschenstill“ wirft sich mit bewundernswertem Mut dem Publikum entgegen. Er wagt eine Gratwanderung und hält uns in Atem. Eine zeitgemäße Geschichte, die sich dem Konsens vorgefertigter Meinungen konsequent entzieht. Auf originelle, witzige und pointierte Weise jongliert der Film mit unseren kulturellen Ikonen. Wir sind davon überzeugt, dass „Muxmäuschenstill“ in seiner Komplexität, seinem satirischen Humor und seinem gesellschaftlichen Anspruch Maßstäbe setzen wird.

Nach erneutem Betrachten des Trailers dachte ich eben, der Mux (die Hauptfigur des Filmes) hat so was Schäublesches, aber vielleicht täusche ich mich auch.

Update: 26.07.07, 2:00 Uhr: Auch in Merkel steckt ein Mux. Ich bin vielleicht ein Spielverderber in Zeiten eines Merkel-Umfrage-Hochs dieses Video noch an den TV-Tipp über den Sicherheits- und Ordnungsfanatiker Mux anzuhängen, aber es ist schockierend und beunruhigend genug, die Kanzlerin im Kontext von Videoüberwachung und Innerer Sicherheit im Wahlkampf einen solchen Satz sagen zu hören:

Das sind aber Dinge, über die darf man nicht diskutieren, die muss man einfach machen.

[Update via Rollmops im Kanzlerbunker]

Kino, Ophüls, Politik, TV, Video
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