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Desinteresse vieler Politiker am Internet als Gefahr für die Demokratie

Ein sehr guter Kommentar vom stellvertretenden Chefredakteur ZEIT online, Karsten Polke-Majewski, über das Desinteresse vieler Politiker am Internet und weshalb diese fatale Wissens- und Interessenslücke zum Risiko für die Demokratie werden kann:

Nur sechs Jahre lag die Parteigründung der Grünen zurück, da berief Helmut Kohl 1986 den ersten Bundesumweltminister. Die etablierte Politik erkannte die Umweltfrage als zentrales Zukunftsthema an.

Heute hat das Internet in der Lebenswirklichkeit der Deutschen eine ähnliche Bedeutung erlangt. Mehr als 52 Millionen Bürger organisieren mit seiner Hilfe ihren Alltag. Doch im Bundestag gibt es nicht einmal einen eigenen gewichtigen Ausschuss, der sich damit befasst, wie diese kritische Infrastruktur geschützt werden kann.

Weiter auf ZEIT online: Reguliert das Netz!

Artikel, Politik

Wasser wird knapp und Lebensmittel werden weggeworfen

FASZ-Titel fotografiert von Frau @Apfelmuse Dass wir in der nördlichen Hemisphäre verschwenderisch mit den Rohstoffen der Welt umgehen ist allseits bekannt und wird doch immer wieder gerne von uns verdrängt. Die FASZ titelt heute «Knapp und umkämpft: Wasser». Der Artikel ist leider nicht online, die Titelseite der FASZ (s. Abb.) kann aber bei Frau @Apfelmuse eingesehen werden. Die SZ hat das Thema neulich aufgenommen und ist so schlau ihren Artikel auch online zugänglich zu machen: Wassermangel: Bis zum letzten Tropfen.

Wie wenig vom gigantischen Wasservorkommen auf der Welt als Trinkwasser zu gebrauchen ist, macht dieser Hinweis des kanadischen Umweltministeriums (siehe Info-Grafik arte H2O in Zahlen) deutlich:

Wenn das gesamte Wasser der Erde in einem 5 Liter-Kanister untergebracht wäre, würde das Trinkwasser gerade einmal einen Teelöffel davon ausmachen.

Zu diesem Thema möchte ich hier zwei Denkanstöße geben, die zeigen, dass jeder Einzelne von uns auch etwas tun kann…

… einmal in cuncto Wassermangel. Dazu ein 2-minütiges Interview mit Prof. Rolf Kreibich, dem Leiter des IZT Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung Berlin:


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… und einmal in puncto: Sensibilität für den Umgang mit Lebensmitteln, dazu ein Ausschnitt aus dem Film «We feed the world»:


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Zu letzterem empfehle ich auch den Artikel «Brot zum wegschmeißen» von Frau Apfelmuse, der mir sehr aus dem Herzen spricht. Ich bringe es auch nicht fertig Brot weg zu werfen (zumal ich meines selbst backe) und habe vollstes Verständnis, wenn ich in den Auslagen der Lebensmittelhändler kurz vor Ladenschluss keine umfassende Auswahl an Frischeproduktion mehr vorfinde.

Artikel, Politik

Kroatisches Bärenwaisenhaus in Kuterevo


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Was es nicht alles gibt! Ein Bärenwaisenhaus in Kroatien. Die Deutsche Welle berichtet heute darüber:

Kroatien ist Bärenland. Bis zu tausend Braunbären sollen sich in den kroatischen Wäldern tummeln. Ein eigener Bärenmanagement-Plan soll dafür sorgen,dass diese Zahl stabil bleibt.Größte Gefahr für die Bären ist der Straßenverkehr. Über die Autobahn nach Zagreb führen inzwischen mehrere Grünbrücken,bis zu 100 Meter breit,die Bären und anderen Tieren die sichere Überquerung möglich machen sollen. Und es gibt sogar ein eigenes Waisenhaus für Bären.

Ivan Pavenka, ehemals als Sozialarbeiter in Deutschland tätig, stellt in dem kurzen Filmbeitrag das kroatischen Kuriosum vor: das Bärenwaisenhaus von Kuterevo.

Weitere Infos liefert auch ein NZZ-Bericht aus 2008 «Der Bärenzahn von Kuterevo» (Geschichten von Menschen und Bären aus dem Velebit-Gebirge).

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Steffen Büffel zu Sozialen Netzen & Freiem Arbeiten

Edlef Stabenau, Markus Trapp, Steffen Büffel
v.l.n.r.: Edlef Stabenau, Markus Trapp, Steffen Büffel. Dieses Foto entstand im Sommer 2007 bei einem Plausch zum Thema Bibliothek 2.0 im Café Schmidt in Hamburg.

Steffen Büffel (oben ganz rechts im Bild) schätze ich sehr. In mehrfacher Hinsicht: sowohl persönlich als sympathischen, hilfsbereiten Zeitgenossen, als auch fachlich als ausgewiesenen Kenner der medienwissenschaftlichen Betrachtung des Internets. Heute hat er in seinem Blog media-ocean einen längeren, überaus lesenswerten Blogartikel veröffentlicht, der drei Jahre in ihm herangereift ist. Dort beschreibt er unter anderem, dass der Schritt in die Selbstständigkeit, den als als Berater vor drei Jahren vollzogen hat, zu Beginn auf eine zentrale Sicherheit baute, das soziale Netz:

Das soziale Netz, die fachlichen und privaten Kontakte im und außerhalb des Netzes, würden mir vom Ufer jederzeit ein Leuchtturm sein. Und genau das war damals nicht nur eine stille Hoffnung, sondern war und ist auch noch heute Realität: Das Sozialkapital, die Hilfsbereitschaft, die Uneigennützigkeit, die Freundlichkeit und der wertschätzende Umgang, der mir mein soziales Kontakte-Netz entgegenbringt und die ich umgekehrt auch selbst versuche ständig in meine Netze und die Netze meiner Kontakte hineinzugeben, bilden als Grundwerte quasi das Rettungsboot in diesen stürmischen und gerade deswegen so spannenden medialen Zeiten.

Steffen Büffel: «Über freies Arbeiten und das digitale Erwachsenwerden»

Artikel, Internet, Literatur

Fünf populäre Irrtümer über die Piratenpartei

Piratenpartei - Wordle aus dem Artikeltext auf Futurezone gebildet
Grafik aus dem Futurezone-Artikeltext mit Wordle erzeugt.

Die Piratenpartei erfährt momentan in Deutschland sehr viel Zulauf. Immer mehr Menschen werden (so wie ich) Mitglied, haben sich (erfolgreich) dafür eingesetzt, dass die Piratenpartei zur Bundestagswahl zugelassen wird und wollen sie auch wählen. Es gibt aber auch viele Vorurteile gegenüber den Piraten (etwa: «Die wollen nur kostenlose Downloads im Internet», oder «Das ist doch eine Spartenpartei, die nur wenige Themen abdeckt» usw.). Deshalb finde ich es gut und wichtig, dass sich das österreichische Magazin Futurezone mal vorgenommen hat, Punkt für Punkt auf die populären Irrtümer einzugehen:

In nur drei Jahren ist die Piratenpartei in Schweden zu einer ernst zu nehmenden politischen Kraft herangewachsen und mittlerweile im EU-Parlament vertreten. In Deutschland tritt sie zur Bundestagswahl im September an. Ist die Piratenpartei eine politische Eintagsfliege, oder wird sie nachhaltig Felder besetzen, die von den traditionellen Parteien seit Jahren vernachlässigt werden? Ein Erklärungsversuch anhand von Vorurteilen.

Weiter in «Fünf Irrtümer über die Piratenpartei».

Autor des angenehm sachlichen und nicht parteiischen Textes ist Günter Hack. Der 38jährige aus Bayern stammende Wahlwiener ist Leiter der ORF Futurezone.

Artikel, Politik

Duden und Trendbüro Hamburg: Szenesprachenwiki

Szenesprachenwiki Ihr Hohlroller, sagt bloß, das kanntet Ihr noch nicht? Statt übelst rumzuspacken, solltet ihr lieber mal dort abhängen.

Nein, ich bin kein Freund der Szenesprache. Aber die Aufgabe sie zu entschlüsseln, die sich die Duden-Redaktion und das Trendbüro in Hamburg gemeinsam mit der „Szene“ im Szenesprachenwiki vorgenommen haben, ist eine hehre. Knapp 1.500 Wörter sind bereits verzeichnet und erklärt. Jeder kann mitmachen.

Siehe auch Süddeutsche Zeitung: Duden: Szenesprachenwiki – Der Abfuck der Opferkinder.

Artikel, Literatur

Wir sind das (virtuelle) Volk

Gerald HimmeleinInteressant sein Kurzporträt als «Schwarzes Schaf der c’t-Redaktion» auf der Website des Heise-Verlages (dort nach unten scrollen). bringt es im Editorial der aktuellen c’t (16/2009, S. 2) auf den Punkt: Die Politik hat nichts verstanden und kümmert sich so gut wie gar nicht um das, was im Moment an Mobilisierung im digitalen Umfeld geschieht:

Die vernetzte Gesellschaft reagiert ihren Frust digital ab. Ihr versteht gar nichts, ihr Politikdinosaurier! Und dann wird es erklärt, immer und immer wieder: Warum das Gesetz eine Farce ist, warum es mehr schadet als nützt, warum es einen neuen digitalen Untergrund schaffen wird, statt den existierenden auszutrocknen.
[…]
Währenddessen sitzen die Politikdinosaurer im Café, blättern durch die Zeitung und freuen sich, wie gut das neue Gesetz beim Volk ankommt. Die Bild hat sie gelobt; Mütterchen haben sich auf der Straße bedankt, dass endlich was gegen den bösen Kinderschänder von nebenan passiert.

Weiterlesen in der c’t: Das virtuelle Volk (PDF).

Artikel, Politik

Twitter ist eine mächtige Quelle

Aus Teheran übermittelte TwitPics von Shadishd173
Twitpic-Fotos Shadishd173 von Pro-Mousavi-Demos in Teheran 17.+18.6.09: 1, 2, 3.

Wenn private Internet-Nutzer Twitter nicht verwenden, den Sinn und die ungeheure Bedeutung von Twitter (noch) nicht verstehen oder diese Kommunikationsform gar als Zeitverschwendung oder Info-Müll bezeichnen, kann ich – obwohl ich weiß, das diese Einschätzung falsch ist – trotzdem Verständnis für diese Haltung aufbringen. Ich sage ja immer wieder:
Twitter versteht nur, wer es nutzt.

Wo mein Verständnis aber aufhört, und worüber ich heftigst den Kopf schütteln muss: wenn Informationsexperten, wie zum Beispiel Journalisten, keinen Zugang zu dieser wichtigen Informationsquelle finden. Wir sehen es ja dieser Tage durch die ungeheure Bedeutung, die Twitter zweifelsohne im Iran hat: Gerade dort, wo der Zugang zu direkten Informationen über herkömmliche Wege – etwa in Krisen- oder Katastrophengebieten – erschwert wird, ist die vernetzte Struktur des Microbloggingdienstes eine unschlagbare Waffe gegen Desinformation. Das auf Twitter übermittelte Informationen genauso verifiziert werden müssen, wie andere Quellen, oder eben als unsichere Quelle bezeichnet werden müssen, solange keine Verifizierung möglich ist, versteht sich von selbst.

In diesem Sinne kann ich allen, die eventuell immer noch unsicher sind, wie Twitter einzuschätzen ist, bzw. die gerne mehr über Twitter erfahren möchten, den sehr gut geschriebenen Artikel von Fabian Mohr auf ZEIT online empfehlen: «Twitter – Die Medien-Revolution, die keine ist». Dort äußert er sich aus aktuellem Anlass der Demonstrationen im Iran zu…

…Twitter, das in der Iran-Berichterstattung unverzichtbar geworden ist. Es bleibt auch in Zukunft unverzichtbar, Informationen zu verifizieren oder ihren ungeprüften Charakter wenigstens kenntlich zu machen. Hält man sich an diese bewährte Methode und widersteht der Versuchung, jede angebliche „News“ weiterzutrompeten, ist Twitter eine mächtige Quelle.

Fabian Mohr kommt zu dem harten, aber durchaus berechtigten Schluss:

Dass klassische Medien in dieser Debatte keinen Fuß auf den Boden bekommen, liegt großenteils an der analytischen Schlichtheit des bisher Vorgetragenen. […] Doch journalistisch besehen war die Twitter-Berichterstattung in deutschen Leitmedien ein Dokument der Ahnungslosigkeit.

Wie gesagt, lesenswert: «Twitter – Die Medien-Revolution, die keine ist».

Artikel, Bluesky, Politik
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