Mit «Waltz with Bashir» hat einer der besten Filme des Jahres 2008 verdient den Golden Globe als Bester ausländischer Beitrag gewonnen. Hier nochmal meine ausführliche Vorstellung des Films im August 2008.
Sicher wird er jetzt wieder in dem ein oder anderen Kino zu sehen sein. Unbedingt reingehen, wenn Ihr die Chance habt! Durch die aktuelle Entwicklung im Gaza-Krieg hat der Film zusätzlich zu seiner Vergangenheitsbewältigung eine traurige Aktualität gewonnen. Als in der Vorwoche die Bilder der israelischen Bodentruppen gezeigt wurden, die im Gaza Einzug hielten, waren die eindringlichen Bilder aus «Waltz with Bashir» sofort wieder in meinem Kopf.
Das 30. Max-Ophüls-Festival findet vom 26. Januar – 1. Februar 2009 in meiner Heimatstadt Saarbrücken statt. Leider kann ich nicht teilnehmen, doch ich wünsche allen Festivalbesuchern spannende Filme rund um die blauen Herzen, die auch im Trailer durch die Stadt flitzen:
Zum 25. Jubiläum hab ich mal im Auftrag des Kommunalen Filmamtes Saarbrücken eine Website zur Geschichte des Ophüls-Festivals angelegt, die mittlerweile von der Landeshauptstadt selbst fortgeführt wird. Dort findet man auch zahlreiche Dokumente (etwa ein DEFA-Schreiben an das Festival) und Fotos aus den frühen Tagen des Festivals.
Alle Infos zum aktuellen Programm und zur am 16. Januar stattfindenden traditionellen «Blauen Stunde» gibt es auf der Homepage des Festivals.
Was für ein wunderbarer Film, dieser Sch’ti. Als Übersetzer hat mich natürlich die besondere Herausforderung der Übertragung dieses ungewöhnlichen nordfranzösischen Dialektes und der damit zusammenhängenden innerfranzösischen Verständigungsprobleme ins Deutsche interessiert, doch dazu später mehr. Ich hatte zunächst mal die Befürchtung, dass der Film zu klamottig, zu sehr einfacher Schenkelklopfer sei, und war dann angenehm überrascht, als ich ihn vorgestern in Saarbrücken sah. Dem Regisseur Dany Boon ist eine liebevolle Hommage an seine nordfranzösische Heimat gelungen. Wer den Streifen sieht, kann verstehen, warum der Film mit über 20 Millionen Zuschauern in Frankreich so enorm erfolgreich ist. Hier der deutsche Trailer:
Sehr viele Interviewpassagen mit Regisseur und Schauspielern gibt es in diesem französischen Video mit Filmausschnitten zu sehen, wo man gegen Ende auch die Szene sieht, die im Deutschen recht gelungen den Verständnisfehler «Busch – Bus» im Original zeigt, wo der Sch’ti von les seines redet, sein aus dem Süden frisch versetzter Chef aber les chiens versteht:
Zur Übersetzung: Sie wurde von der Synchro-Regisseurin Beate Klöckner (Berliner Synchron) realisiert. Die Übersetzung selbst hat Tanja Frank gemacht. Das Duo Klöckner/Frank war auch schon für die Übersetzung von «Die Fabelhafte Welt der Amélie» (2001) verantwortlich. In einem Interview im Deutschlandradio erklärt Beate Klöckner die Herangehensweise an die schwierige Aufgabe die Sch’ti-Sprache ins Deutsche zu übertragen. Was meiner Meinung nach überzeugend gelungen ist. Das interessante Interview vom Oktober 2008 (zum Filmstart in Deutschland gesendet) kann hier nachgehört werden:
[flash]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2008/11/20/dlf_20081120_1538_93ffcd13.mp3[/flash]
Dazu passt auch das Interview mit Beate Klöckner auf Welt online: «So erfindet man einen neuen deutschen Dialekt».
Wer sich fragt, woher der Ausdruck Ch’ti eigentlich kommt, erfährt die Herleitung des Begriffes im Bonjour-Frankreich-Forum:
„Ch’timi“ oder verkürzt „Ch’ti“ bezeichnet die gebürtigen Nord-Pas de Calais-Einwohner und deren Sprache.
Das Wort „Ch’ti“ soll aus dem ersten Weltkrieg stammen.
„Ch’ti?“=“c’est toi?“/“Bist du’s“? und „ch’mi“=“c’estmoi!“/“Ich bin’s!“/“C’est moi!“.
Die sprachwissenschaftliche Bezeichnung für „ch’ti“ heißt „Picardisch“, eine nordromanische Mundart.
In der gleichen Quelle gibt es auch ein kleines Glossar: Französisch/Ch’ti/Deutsch zu bewundern:
Petit = TCHIO (klein)
CHAUD = KO (warm)
C’EST BEAU = CH’EST BIAU (es ist schön)
PLEURER = BRAIRE (weinen)
CHIEN = KIEN (Der Hund)
CHOSE = KOSE =(Ding,Gegenstand)
[…]
Filme aus Spaß in Dialekten synchronisiert, sind ja mittlerweile ein eigenes Genre auf Videoportalen wie YouTube & Konsorten. Aber Johnny Depp in tiefstem Saarländisch ist bisher mit das stärkste, was ich derart entdecken durfte. Wenn Johnny Jack the Ripper im Saarland jagt und den Mörder im Obschd- unn Gaddebauverein vermutet, hört sich das so an:
Ein Klassiker saarländischer Mundart auf der Kinoleinwand ist jedoch auch ganz stark: Kinskis Wutausbruch. Nach dem Betrachten dieses Mash-Up-Kunstwerkes könnte man glauben, Klaus Kinski sei als Saarländer auf die Welt gekommen:
Heute läuft der außergewöhnliche argentinische Film ‚La Antena‘ (2007) von Esteban Sapir zum letzten Mal auf den Lateinamerika-Filmtagen Hamburg. Er wird um 19 Uhr im 3001 Kino auf der Schanze gezeigt, direkt im Anschluss läuft der bereits empfohlene Mexikaner «La Zona», der um 21 Uhr heute auch zum letzten Mal zu sehen ist. Da ich «La Zona» schon kenne – wie hätte ich ihn sonst empfehlen können? 😉 – werde ich mir heute Abend «La Antena» ansehen. Ich bin wirklich sehr gespannt auf diesen Film, der von der Kritik (siehe unten) sehr gelobt wurde, und der in der Tradition der expressionistischen Filme von Lang und Murnau steht. …
Heute Abend um 20:15 Uhr werde ich mir wohl «Birth» von Jonathan Glazer auf Tele5 ansehen.
Die FASZ schreibt heute im Feuilleton zu diesem Film:
Es gibt in diesem Film von Jonathan Glazer, der von der Wiedergeburt eines Mannes in Gestalt eines Jungen erzählt, drei Minuten, die man nicht vergisst. Da wird das Gesicht von Nicole Kidman zum Gedicht, das alle Bedeutungen zulässt. Nicole Kidman sitzt in der Oper: Wagners «Walküre». Um sie herum Schemen im Halbdunkel. Sie schaut, die Kamera sieht sie an, die Musik rauscht, und man weiß, dass sie sie nicht hört. Sie sieht auch nicht die Bühne, sie sieht eine andere Welt.
Wer sich diesen magischen Moment in jenem Trailer anschaut, möchte auch unbedingt den Film drumherum sehen:
In einer ausführlichen Filmkritik wurde diese Szene auch schon einmal in der FAZ herausgestellt:
Man sieht sie noch zu den Takten von Wagners „Walküre“ ihre Plätze einnehmen, und dann hat die Kamera nur noch Augen für Anna, gleitet über die anderen Zuschauer in einer endlosen Fahrt auf sie zu, und man kann miterleben, wie diese Frau in ein schwarzes Loch stürzt, wie sie das Gesehene zu begreifen sucht, wie sie sich wehrt, wie ihr Geist sich im Kreise dreht und dann allen Widerstand aufgibt. Minutenlang nur dieser Blick auf eine Schauspielerin, die so feinnervig und durchsichtig wirkt wie keine andere zur Zeit, und der Schauder, der einen in dieser Szene befällt, erinnert nicht nur deswegen an „Rosemarys Baby“, weil Kidman ihre Haare so kurz wie Mia Farrow trägt.
So schwärmt auch Dieter Wunderlich in seinem Filmtipp:
Auch wenn es lange Zeit so aussieht, als würde Jonathan Glazer eine Gespenstergeschichte erzählen, gibt es für alles in „Birth“ eine rationale Erklärung. Ebenso außergewöhnlich wie die schauspielerische Leistung von Nicole Kidman sind das Drehbuch und die Inszenierung.
Das Drehbuch hat Glazer übrigens mit Jean-Claude Carrière zusammen geschrieben (siehe Wikipedia), der ja auch viele Drehbücher mit Luis Buñuel geschrieben hatte.
Es ist wieder soweit, in zwei Tagen beginnen die Lateinamerika-Filmtage Hamburg. Zum 20. Mal (!) gibt es im 3001 Kino im Schanzenviertel (Lageplan) aktuelles lateinamerikanisches Kino zu sehen. Natürlich in den spanischsprachigen Originalfassungen, größtenteils englisch oder deutsch untertitelt. Eine prima Gelegenheit Einblick in das aktuelle höchst spannende Filmschaffen Lateinamerikas zu bekommen.
Im Mittelpunkt der Programauswahl steht das aktuelle chilenische Kino. Regisseur Luis R. Vera, aus dessen Film «Miss Ameriguá» auch das hier zu sehende Festival-Plakat stammt, wird an fünf Tagen bei den Vorstellungen seiner Filme anwesend sein. Eine einmalige Gelegenheit für das Publikum, gleich im Anschluss an die Projektionen seine Fragen zum Film los zu werden, oder einfach nur zuzuhören, was der Regisseur zu den jeweiligen Produktionen zu erzählen hat.
Aus dem durch die Bank sehenswerten Programm kann ich Euch diesen mexikanischen Film von Rodrigo Plá besonders empfehlen, der am Dienstag, den 9. 12. und am Mittwoch, den 10.12.08 jeweils um 21 Uhr gezeigt wird: «La zona» mit einer irrsinnigen- und wahnwitzigen Bürgerpolizei in einer wie ein Hochsicherheitstrakt abgeschotteten Siedlung; leider schon beinahe traurige Realität im unter der steigenden Kriminalität leidenden Mexiko von heute:
Ein Actionthriller von dem sich kaum sagen lässt, ob es sich um eine düstere Zukunftsvision oder die Zuspitzung realer Verhältnisse handelt. Die «Zone» ist ein mit modernster Sicherheitstechnik abgeriegelter Stadtteil, dessen wohlhabende Bewohner mit der Regierung einen Vertrag geschlossen haben, der ihnen innerhalb ihrer Zone de facto die Staatsgewalt überträgt.
Die Eröffnung des Festivals findet am kommenden Donnerstag, den 27.11.2008 um 19 Uhr statt. Gezeigt wird zum Start der Reihe der chilenischen Film «Fiesta Patria» (dt.: «Nationalfeiertag») aus dem Jahr 2007, in Anwesenheit des schon erwähntes Regisseures Luis R. Vera (siehe auch Trailer von «Fiesta Patria» auf YouTube, im schicken Breitbandformat). Wiederholungstermine: Di. 2.12. 19 Uhr und Do. 4.12. 21 Uhr.
Hier gibt es das gesamte Festival-Programm mit allen Terminen und Filminfos im Überblick. Karten vorbestellen sinnvoll (Tel. 040/43 76 79), es gibt aber meistens auch noch Karten an der Abendkasse.
Es gibt zahlreiche Gründe, warum ich manchmal das Saarland vermisse. Ab kommendem Donnerstag gibt es vier Wochen lang wieder so einen Grund. Mehr dazu im ciberaBlog: «Reihe des spanischsprachigen Films in Saarbrücken».
Do, 20.11.08, 20:00: »Te doy mis ojos«
von Iciar Bollaín. Spanien 2003, 103 min.
Do, 27.11.08, 20:00: »Mataharis«
von Iciar Bollaín. Spanien 2007, 95 min.
Do, 4.12.08, 20:00: »Habana Blues«
von Benito Zambrano. Spanien/Kuba 2005, 119 min.
Do, 11.12.08, 20:00: »El método«
von Marcelo Piñeyro. Argentinien/Spanien 2004, 117 min.