270 Filme in 6 Minuten. Ein filmischer Ritt durch das Kinojahr 2010. Klasse gemacht und sehr nett anzusehen, auch wenn man die meisten Filme vielleicht gar nicht oder nur von den Trailern her kennt. Welche Ausschnitte zu sehen sind, kann man dieser Filmliste entnehmen.
Nora und José waren einmal ein verliebtes Paar. Nun sind sie ins Alter gekommen und seit 20 Jahren geschieden, wohnen aber gegenüber in derselben Strasse in Mexico City. Eines Tages findet José seine Ex-Frau tot in ihrem Bett: Ihr fünfzehnter Selbstmordversuch war erfolgreich. Vorher aber hat Nora noch alles für das anstehende Pessach-Fest vorbereitet und Verfügungen getroffen. So soll José ihre Beerdigung organisieren. Das ist leichter gesagt als getan, denn während des Pessach-Fests und am drauffolgenden Sabbat dürfen keine Beerdigungen stattfinden, und außerdem befindet sich der gemeinsame Sohn Rubén gerade im Ausland.
Also muss José fünf Tage im Appartement seiner Frau durchhalten, während der Rabbi-Schüler Moisés neben der unter Trockeneis gelegten Toten betet.
Wer in Hamburg und Umgebung lebt und Kino aus Lateinamerika mag bzw. kennen lernen möchte, hat Glück. Einen Überblick über aktuelle Produktionen aus América Latina gibt es bei den 21. Lateinamerika Filmtagen im 3001 Kino zu entdecken. Los geht es am Donnerstag, 2.12. um 21 Uhr, mit dem in obigem Trailer zu sehenden Fünf Tage ohne Nora (Cinco días sin Nora) von Mariana Chenillo. Ich finde ja, das sieht schon mal sehr viel versprechend aus. Der Film läuft in der spanischsprachigen Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Das komplette Programm vom 2.-15.12. gibt es auf der Website des 3001 zu sehen. Oder im praktischen PDF-Flyer zum Ausdrucken (liegt auch im Kino aus). Vielleicht sieht man sich ja im 3001…
[Update 17.3.2011: Leider ist der vormals hier eingebundene arte-Film nicht mehr online. Zur Zeit kann er noch in vier Teilen auf YouTube (1 – 2 – 3 – 4) gesehen werden. Gesamtdauer der Doku: 80 Min.]
Ein ehemaliger Auftragskiller des mexikanischen Drogenkartells berichtet über die letzten 20 Jahre seines Lebens: Er hat Hunderte von Menschen getötet, entführt und gefoltert, war Polizist im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua und hat sich vom FBI ausbilden lassen. Von seinem Wohnort Juárez aus konnte er sich frei zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten bewegen. Jetzt ist er auf der Flucht, auf seinen Kopf sind 250.000 Dollar ausgesetzt. Der Film wurde an der amerikanisch-mexikanischen Grenze in einem Motelzimmer, das die Nummer 164 trägt, gedreht.
«El Sicario» ist ein sehr harter Film des italienischen Dokumentarfilmers Gianfranco Rosi, den es aber lohnt anzuschauen, wenn man verstehen möchte, wie der wahnsinnige Drogenkrieg in Mexiko funktioniert. Ein Aussteiger, ein ehemaliger Auftragskiller, berichtet: Wie wurde er angeworben. Weshalb durchlaufen Killer eine Polizeiausbildung. Wie werden Entführungen und Morde geplant. Es kostet sehr viel Energie den bewusst schlicht gehaltenen Bildern zu folgen, wenn der maskierte Mann im Motelzimmer auf seinem Block schematische Zeichnungen macht und dabei von geradezu ungeheuerlichen Machenschaften berichtet. Die grausamen Bilder entstehen dabei im Kopf der Zuschauer. Der Dokumentarfilm hat den FIPRESCI-Preis bei der diesjährigen Mostra in Venedig gewonnen.
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Dubai ist ein Emirat der Vereinigten Arabischen Emirate und liegt am Persischen Golf. Jeky macht gerade ihren wohlverdienten Urlaub dort. Sie wird morgen hoch hinaus kommen und sicher tolle Fotos mitbringen. Für viele ist Dubai ein hoch interessantes Reiseziel. Die Stadt Dubai hat ungefähr so viele Einwohner wie Hamburg (ca. 1,8 Mio.). Aber ansonsten hat die Stadt wenig mit der Hansestadt gemein. Laut World Wealth Report hat Dubai 68.000 US-Dollar-Millionäre, was knapp 4,6 % der dortigen Bevölkerung ausmacht. Dies ist – so lesen wir in der Wikipedia – eine der höchsten Millionärsdichten der Welt.
Mit seinem Film The Dubai in me wirft Christian von Borries einen Blick hinter die Fassaden des Emirates, das so eine außerordentliche Entwicklung mitgemacht hat. Der Film des Komponisten, der einmal gesagt hat «Das Sampeln ist eine uralte europäische Kulturpraxis» (Quelle: FAZ), kann morgen, Sonntag, 21.11.2010 um 15:00 Uhr, in Berlin im Haus der Kulturen der Welt gesehen werden, oder hier im Netz:
Dubai verkörpert den Wirklichkeit gewordenen Traum eines entfesselten Wachstums. Die Bilder, die davon um die Welt gehen, verdecken jedoch nicht nur das Leid ungezählter Arbeiter, auf deren Rechtlosigkeit das Wunder am Persischen Golf erbaut wurde. Sie beeinflussen auch unsere eigenen Vorstellungen von einem idealen Ort, von dem „Dubai in uns“. Borries’ Film nähert sich diesem Phänomen spielerisch. Er widersetzt sich den klassischen Regeln des Dokumentarfilms und sucht auf metaphorische Weise hinter den Fassaden die Wahrheit zu entdecken.
Den Sender 3sat kann man wirklich nur loben. Für ein durchweg gutes TV-Programm im Allgemeinen und für die aktuelle Doku-Reihe im Speziellen. Nachdem ich letzte Woche den Lesern der Stabi schon den Dokumentarfilm «How to Make a Book with Steidl» – einen wirklich grandiosen Film über den leidenschaftlichen Drucker und Verleger Gerhard Steidl – empfohlen hatte, zeigt der deutschsprachige Kulturkanal heute Abend den auf der Diagonale 2009 als besten österreichischen Dokumentarfilm prämierten «In die Welt» von Constantin Wulff:
Mit das Beste, was es in diesem Jahr im Kino (auf der Berlinale) und im TV (auf arte) zu sehen gab, kommt ab heute Abend in der ARD. Die erste Doppelfolge wird ab 21.45 Uhr ausgestrahlt. Wer’s noch nicht gesehen hat, unbedingt anschauen. Alle Ausstrahlungstermine der 10-teiligen Serie in ARD und Einsfestival.
Ausführliche Infos zum TV-Highlight des Jahres habe ich ja hier schon im April anlässlich der Ausstrahlung auf arte vorgestellt: Dominik Graf: Im Angesicht des Verbrechens.