Twitter hat in dieser Woche wieder mal eine Neuerung eingeführt, von der nicht alle – sagen wir’s mal vorsichtig – unbedingt begeistert sind. In der linken Abbildung ist das Drama zu sehen: Sich aufeinander beziehende Tweets werden nun untereinander, verbunden mit Linien zwischen den Avataren der Dialogpartner. Wie so oft, wenn Twitter etwas Neues macht, wird das nicht als abschaltbare Option angeboten, sondern uns lustigen Kommunikationsgestalten alternativlos aufgezwungen.
Das geht vielen Nutzern gegen den Strich. Im Tweet der Woche bringt die gute Frau @kaltmamsell das Dilemma auf den Punkt:
Einzige Möglichkeit, den Unfug zu umgehen: Twitter nicht im Webbrowser, sondern im Client nutzen.
Bei der Deutschen Welle gibt es ein gutes Interview mit Wolfgang BlauWolfgang Blau, auf Twitter @wblau, war Chefredakteur von ZEITonline, ehe er im April 2013 zur britischen Tageszeitung Guardian nach London wechselte, s. Wikipedia. zur Wahrnehmung von Prism und Tempora in den deutschen Medien:
I would hope that the NSA files have made it blatantly obvious to many traditionally trained political journalists, that it is their duty to society to deepen their technical and philosophical understanding of the net. And while I am impressed by many of Germany’s efforts to shed light on the NSA scandal, there is not a single newsroom in the world that is not facing the challenge that it is comparatively easier to report about the messengers of this scandal and their challenges than about the actual content of Edward Snowden’s revelations.
Hoch interessantes – und für die meisten noch zu entdeckendes – Thema in der heutigen Ausgabe des Elektrischen Reporters: Fan-Fiction. Es gibt Menschen, die schreiben die Geschichten aus Romanen, Filmen oder Serien, die sie gerne mögen, selbst weiter und veröffentlichen diese im Netz. Das im Film vorgestellte Portal ist unter fanfiktion.de erreichbar.
Die weiteren Themen der Ausgabe Nr. 076 unter dem Titel «Ausgedachtes, Abgefahrenes und Automaten»: „140 Sekunden“: Wenn einer eine Reise tut (mit der Vorstellung eines beeindruckenden Reiseblogs über eine Rad-Reise aus dem Südharz nach Barcelona und zurück!) und „Social Bots“: Mittlerweile tarnen sich Maschinen sehr gut als Menschen.
Frage im MoMa: Haben wir denn konkret für Deutschland weitere Enthüllungen zu erwarten?
Glenn Greenwald: Da kommen noch viele weitere Enthüllungen […] Oder auch Aktionen, an denen die deutsche Regierung beteiligt ist. […] Und jede wahre Demokratie sollte das berücksichtigen, wenn entschieden werden muss, ob eine Regierung bleiben soll, die zumindest teilweise dabei war, und nicht sehr ehrlich die eigene Rolle beschrieben hat.
Es liegt sehr viel Sprengstoff in den Worten von Glenn Grennwald, die heute Früh im Morgenmagazin der ARD ausgestrahlt wurden. Ich bin gespannt, wie lange die deutsche Bundesregierung mit ihrem Versuch noch durchkommen wird, die Abhöraffaire durch die NSA – und ihre eigene Verwicklung darin – herunter zu spielen bzw. zu leugnen. Die Menschen sind jedenfalls nicht bereit, die von Merkel gewünschte Mär von Pofallas Ende der Geschichte zu schlucken. Die Menschen sind genauso wenig bereit, der SPD oder den Grünen ihre Heuchelei abzunehmen, mit der beängstigenden Tatsache nichts zu tun zu haben, dass die Geheimdienste massenweise die deutsche Verfassung brechen. Am 22. September 2013 sind Wahlen zum Deutschen Bundestag. Möge jeder gut über seine Verantwortung nachdenken, wem er für die kommenden vier Jahre Glauben und seine Stimme schenkt.
Es gibt manchmal Tweets, die nur bestimmte Leute auf Anhieb verstehen. Mein persönlicher «Tweet der Woche» ist so einer. Was @emtiu, aka Michael Büker, letzte Nacht schrieb, ist sicher nicht für alle direkt verständlich:
Wer aber weiß, was gemeint ist, lacht um so mehr. Während man einen Witz nicht erklären sollte, weil er dann nicht mehr funktioniert, soll dieser Tweet hier ausnahmsweise erklärt werden. Wahlkämpfer nicht etablierter Parteien (die etablierten Parteien lassen diese Aufgabe meist gegen Bezahlung von Firmen erledigen), bringen Plakate mit Kabelbindern an Laternen und Bäumen (siehe Piraten-Wiki NRW). Da man meist eine große Menge Plakate anbringen muss – siehe meinen voll beladenen Golf) –, hat man beim Aufstellen nicht nur die Plakate in den Händen, sondern immer auch eine gute Anzahl von Kabelbindern, um die Plakate fest zu zurren. Edward mit den Scherenhänden lässt grüßen.
Wenn viele „Edwards mit Kabelbinderhänden“ in einer Stadt unterwegs sind (wie etwa die Piraten in der Hansestadt), sieht die Karte von Hamburg zum Beispiel so aus – nach Anmeldung werden auch die Details zu den einzelnen Aufstellplätzen angezeigt. Ihr erinnert euch: ich hatte das Tool Piratenkarte neulich hier vorgestellt: «Wenig Wahlkampfmittel clever einsetzen: App für Piratenplakate».
Welche Informationen sammeln die Abhörprogramme Prism und XKeyScore eigentlich ein und wo setzen die Geheimdienste welches Programm ein? Einblicke in die Datensammeltechnik in den USA und Deutschland.
Manchmal hab ich den Eindruck, die Leute schenken deshalb der Verletzung der Privatsphäre durch die Geheimdienste kaum Beachtung, weil das Thema so abstrakt ist und trotz breiter Behandlung in den Nachrichten viele nicht so recht verstehen, was da überhaupt passiert. Deshalb finde ich solche Beiträge wie dieser kurze Bericht in den heute-Nachrichten (ausgestrahlt am 20.8.2013, um 17:54 Uhr) so wichtig. In zwei Minuten wird mit einfachen Worten erklärt, was Programme wie Prism und XKeyScore überhaupt bedeuten, und wie sehr sie unsere Rechte auf Privatsphäre anlasslos und beinahe flächendeckend verletzen.
Bin immer noch fassungslos ob der Geschehnisse am Sonntag im London. Erst das mehr als zweifelhafte Festhalten von David Miranda auf dem Flughafen Heathrow und dann die Aufforderung des britischen Geheimdienstes, der Guardian solle die Festplatten mit dem Recherche-Material zerstören, das sie von Snowden bekommen haben. Beides sind Einflussnahmen von Regierungsseite auf den Journalismus, die uns alle wach rütteln sollten. Unfassbar das Ganze. Ein «Anschlag auf die Pressefreiheit», wie es die Piraten-Fraktion in NRW zu recht nennt. Jacob Appelbaum dazu in der FAZ: «Ein Akt staatlicher Anfeindung».
Die Süddeutsche schreibt heute über den Angriff auf den Guardian:
Britische Geheimdienstmitarbeiter bedrängen die Redaktion der Zeitung „Guardian“ und lassen Festplatten und Computer mit Dokumenten von Edward Snowden zertrümmern. Was ist der Sinn hinter der staatlich beaufsichtigten Aktion und warum hat sich der Chefredakteur darauf eingelassen?
Und zum Schluss ein sehr interessantes BBC2-Interview, in dem der oben bereits zitierte Jacob Appelbaum auf Louise Mensch, Politikerin der Conservative Party, trifft, die das dubiose Festhalten von David Miranda durch die Geheimpolizei auch noch verteidigt. Gut zu sehen, dass Appelbaum ihr aber gelassen in die argumentationslose Parade fährt:
Falls ihr euch gewundert habt, warum es hier so ruhig war. Ich war acht Tage im Untergrund in der Heimat, in einem saarländischen Baumhaus. Morgen fahre ich zurück nach Hamburg. Spätestens ab Dienstag geht es hier wieder im normalen Rhythmus weiter.