Der Texaner Wes Anderson ist ohne Zweifel ein großer Regisseur. Gerade läuft bei uns in den Kinos der Berlinale-Eröffnungsfilm «Grand Budapest Hotel». Schon bei den «Royal Tenenbaums» konnte man sich von Andersons Originalität überzeugen. Was seine Filme auszeichnet, zeigt Paul Waters in diesem nicht minder originellen Kurzfilm. Eine wahre Freude und ein unterhaltsam bis lehrreicher Einblick in filmische Begrifflichkeiten:
Update 18.3.2014: Auch ganz groß: eine Zusammenstellung von Szenen aus Wes Anderson Filmen, die seine Liebe zum zentrierten Bildaufbau herausstellt (via kino-zeit.de):
Meine 19. Berlinale war vielleicht die anstrengendste. Und das nicht, weil ich während des Festivals auch noch 2 Tage Masterstudium zu absolvieren hatte. Nein, wegen des täglichen Anstehens am frühen Morgen (90-120 Min., davon den größten Teil auf der Straße und somit in der Kälte) für die Karten des Folgetages, das schlaucht auf Dauer. Danach täglich 5-6 Filme. Schlaf pro Nacht auf selbige Anzahl Stunden reduziert. In die Hansestadt reise ich deshalb für gewöhnlich als bildüberfluteter Zombie zurück. Aber gelohnt hat sich das Festival allemal. Once again. Von den 46 Filmen, die ich aus Wettbewerb, Panorama, Forum, Generation14+ und Retro sah, stelle ich die zehn vor, die mich am meisten faszinierten, und von denen ich euch wünsche, dass ihr sie im Kino sehen könnt.
Vor den Filmen noch der heimliche Gewinner des Festivals: der nach drei Jahren aufwendiger Renovierung wieder eröffnete Zoo Palast:
Er hat seine 80er-Jahre West-Berliner Plüschigkeit bewahrt und wurde mit feinster Ton- und Bildtechnik ausgestattet. Ein Kino-Genuss ganz unabhängig vom Film, den man dort sieht. Die Sessel sind so bequem, dass ich Angst hatte, im gleichen Moment, in dem ich in einem von ihnen versank, sofort einzuschlafen. Aber nein, ich blieb wach und sah dort gute Filme. Einmal davon sogar in Begleitung einer treuen Text & Blog-Leserin – danke nochmals an dieser Stelle für die nette Gesellschaft.
So, nun aber zu den Filmen (Titel verlinkt immer zur Berlinale-Filminfo):
Der Film, der mir mit Abstand am besten gefiel, kommt aus Brasilien. Und dabei wär‘ ich fast gar nicht rein gegangen. Ein 15-jähriger Blinder verliebt sich in einen Mitschüler. Ich befürchtete schlimmstes (Coming-of-age-) Drama, das auch noch gleich zwei Randgruppen thematisierte. Aber was der brasilianische Regisseur Daniel Ribeiro (geb. 1982 in São Paulo) abgeliefert hat, ist Anlass genug, sich seinen Namen zu merken. Dieser Film ist aber auch dank der hervorragenden jugendlichen Darsteller so gut. Allen voran Ghilherme Lobo, der gar nicht blind ist. Belohnt wurde «The Way He Looks» auf der Berlinale mit dem 2. Platz im Panorama-Publikumspreis – ungewöhnlich für einen brasilianischen Film – und mit dem Teddy als bester Spielfilm. Der Film hat übrigens auch eine Vorgeschichte. Er basiert auf dem in Brasilien enorm erfolgreichen Kurzfilm von Daniel Ribeiro mit den gleichen drei Hauptdarstellern aus dem Jahr 2010 «Eu Não Quero Voltar Sozinho» («Ich möchte nicht allein zurückgehen»), den ihr hier sogar mit deutschen Untertiteln sehen könnt (Länge: 17 Minuten):
Nach 20 gesehen Filmen hat mich bislang Güeros (Inhalt & Fotos) des mexikanischen Regisseurs Alonso Ruizpalacios am meisten beeindruckt. Eine Mischung aus Nouvelle Vague und Down by Law in schwarz-weiß gedreht. Hier ein Bericht über die Dreharbeiten.
Das sind die Art Filme, für die es sich lohnt, all die Strapazen der Berlinale (mit stundenlangem Anstehen in de Kälte für Karten und ständigem Schlafmangel) auf sich zu nehmen. Und dem Film sowie dem an gutem Kino interessierten Publikum ist es zu wünschen, dass er es auch danach in unsere Kinos schafft.
Hier ein Foto des Regisseurs Alonso Ruizpalacios, dessen Name man sich getrost merken darf, mit Teilen seines Teams bei der Premiere im Panorama der Berlinale:
Update 15.2.2014: Es freut mich, dass die Berlinale-Jury meine Einschätzung teilt, dass Güeros eine Entdeckung ist. Heute Abend wurde der Film als Bester Erstlingsfilm des Festivals ausgezeichnet.
Ich freue mich auf die Berlinale. Jedes Jahr aufs Neue ist die Vorfreude auf das Festival groß, das ich schon seit 1995 besuche. Oha, fast 20 Jahre ist das schon her, seit ich in sturer Regelmäßigkeit für 10 Tage in den dunklen Kinosälen der Bundeshauptstadt verschwinde. Ich freue mich auf Filme wie den im Forum gezeigten mexikanischen «Los Ángeles» von Damian John Harper, hier in einem deutschen Interview zu sehen. So ein wunderbarer Satz, wie der aus der Filmbeschreibung…
Regisseur Damian John Harper vermeidet mit sicherer Hand jedes Klischee, wenn er zeigt, wie Engel gegen Dämonen aufbegehren.
…muss natürlich mit der Wahrheit des Filmes abgeglichen werden. Aber ich habe ein gutes Gefühl dabei. Sollte der Film wider Erwarten eine Enttäuschung sein, bleiben ca. 45 andere Filme, die mich potentiell begeistern könnten. Ich würde diese Strapazen nicht Jahr für Jahr auf mich nehmen, wenn es sich nicht lohnen würde. Von daher ist auch dieses Mal die Vorfreude groß auf die am Donnerstag beginnende 64. Berlinale mit dem stimmigen Trailer:
Heute hab ich’s endlich mal geschafft, «Die Andere Heimat» von Edgar Reitz zu sehen. Alle, die ihn bisher gesehen haben, waren ja voll des Lobes und auch die Kritik (z. B. DIE ZEIT) überschlug sich förmlich. Ich war ja ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch, ob man den Film in seiner epischen Länge von fast vier Stunden überhaupt wird aushalten können. Aber nun kann auch ich vermelden: er ist großartig. Und keine Minute zu lang. Gleich beim Verlassen des Kinos – noch überwältigt vom eindrücklichen Eintauchen ins 19. Jahrhundert – twitterte ich:
"Die andere Heimat" von Edgar Reitz. Was für ein Film. Mir fehlen die Worte. Ich versuch's mal mit zwei: Ein Meisterwerk.
Das Drehbuch hat Reitz mit dem wunderbaren Schriftsteller Gerd Heidenreich zusammen geschrieben. Die Schwarz-Weiß- (und ab und zu farbbeklecksten) Bilder sind so großartig, dass die Pupillen gar nicht mehr aus dem Staunen raus kommen. Und die Geschichte von der aus der Sehnsucht entstandenen und von der Not gedrungenen Auswanderung aus dem Hunsrück in die Andere Heimat – nach Brasilien – trägt den Film von der ersten bis zur letzten Minute. Gezeigt wird nicht nur die Idee der Emigration, sondern auch die Veränderung für diejenigen, die in der alten Heimat zurückbleiben. Reitz spricht in diesem kurzen arte-Interview von „emotionalem Erinnern“.
Das 61. Internationale Filmfestival (20.-28.9.2013) war gleichzeitig mein 19. Festival in Folge (bin ununterbrochen seit 1995 dort). Ich habe 49 Filme gesehen – und btw in der Mitte des Festivals schrecklich unter den Wahlergebnissen aus Deutschland gelitten. 10 der gesehenen Filme, die ich für besonders sehenswert halte, sollen hier – wie immer – kurz vorgestellt werden. Resümee vorneweg: Das Festival hat sich wieder einmal gelohnt. Mein Schwerpunkt liegt immer auf den spanischsprachigen Filmen, das entspricht auch dem Großteil der auf dem Festival gezeigten Filmen, von daher sollte der hohe Anteil des Cine aus España und aus Latinoamérica also hier nicht verwundern. Aber selbstverständlich schaue ich auch immer fast den kompletten Internationalen Wettbewerb und einige Filme aus den Nebenreihen (dieses Jahr waren die Reihen z.B.: Neue Regisseure, Perlen anderer Festivals, Animationsfilme, Abenteuer Kino, japanisches Kino, siehe «Sections and Films» auf der Website). Das Programm ist so voll gepackt, man kann gar nicht alles sehen, selbst wenn man es wollte. Ich schaue – wie langjährige LeserInnen dieses Blogs schon wissen – immer 5-6 Filme pro Tag, das ist für die Dauer von 9 Tagen das Maximum an Aufnehmbarem und außerdem recht anstrengend. So viel zu den Zahlen.
Ich fange an mit dem verdienten Gewinner, ausgezeichnet mit der Concha de Oro, der goldenen Muschel, als bester Film (Filmbeschreibungen aus dem Festival jeweils in den Titeln auf spanisch und englisch verlinkt):
In diesem wunderbaren Sozialdrama geht es um einen kleinen Jungen (9) und seinen ganz besonderen Blick auf die Realität. Und um die Angst seiner alleinerziehenden Mutter, das Junge könne „kein richtiger Mann“ werden – oder am Ende sogar schwul sein. Denn, wenn er bei der Großmutter ist, singt und tanzt er, zieht einen von der Oma geschneiderten Künstler-Anzug (wie den in untigem Video des Vorbildes zu sehenden) an und gelt sich das Haar. Das „schlechte“, da krause, Haar (pelo malo – so der Filmtitel) missfällt ihm am meisten. Er möchte glattes Haar haben. Dafür schmiert er sich sogar Mayonnaise rein. Und das Lied, dessen Text er nach Einweisung durch die Oma lernt, ist ein Ende der sechziger Jahre in Venezuela sehr polulärer Song von Henry Stephen, dem ersten Rock’n-Roller des Landes (Vorsicht: Ohrwurm-Charakter):
…
Nur damit ihr nicht denkt, ich sei noch in Spanien: Bin gestern Abend gut, und wie geplant, aus San Sebastián zurückgekommen. Einen Tag zuvor hab ich dort noch obiges Foto aufgenommen. Filmbericht folgt, hab viel Gutes gesehen, der Blogartikel dazu dauert aber noch.
Es geht hier gerade ein bisschen drunter und drüber. Erstmal stehen morgen und übermorgen – wie hier berichtet – die Open-Access-Tage in der Stabi im Fokus. Wer sich für das Thema OA interessiert: es wird auch einige Live-Streams und Aufzeichnungen geben. Infos dazu, wann was gestreamt wird, gibt’s auf der Website open-access.net/… oder via Twitter: @OATage.
Gestern Abend haben wir den sehr sehenswerten peruanischen Film „Sigo Siendo“ von Javier Corcuera gesehen. Regisseur und Sängerinnen haben beim Gespräch angekündigt, dass es am Abend in einer Bar ein Konzert der beiden geben wird. Vor allem Sara Van hat es uns dabei angetan. Schon im Kino dachte ich: was für eine unverwechselbare Stimme. Und auch am Abend beim Konzert. Oben im Video ein kleiner Ausschnitt von dem Live-Auftritt von Sara Van und hier der Trailer zum Film:
Der Titel des Dokumentarfilms leitet sich von einem Gruß in der indigenen Quechua-Sprache ab: „kachkaniraqmi“, das bedeutet so viel wie „sigo siendo, aún estoy aquí“ (mich/uns gibt es noch, ich/wir sind noch daQuechua unterscheidet nicht zwischen Singular und Plural.) und findet Anwendung, wenn zwei Personen sich wieder treffen, die sich längere Zeit nicht mehr gesehen haben. „Sigo Siendo“ ist ein sehr poetischer und auch ein politischer Film (es geht u.a auch um ein sehr aktuelles Thema in Peru: den Kampf um das Wasser). Ich kann ihn nur empfehlen.
Ansonsten möchte ich, nach mittlerweile 27 Filmen, nur sagen: Sigo siendo – mich gibt es noch. 😉