Manche Filmszenen in Donostia spielen sich auch auf der Strasse ab. Diese „Szene“ habe ich heute Morgen in der Altstadt von San Sebastián auf dem Weg zum ersten Festivalfilm gesehen. Das Foto ist leider etwas unscharf, da schamhaft aus der Hüfte mit dem Handy aufgenommen.
Wunderbarer spanischer Kurzfilm von Álex Hernández. Und auf den zweiten Blick viel weniger kitschig und viel intelligenter als auf den ersten.
Wie Álex auf seiner Website schreibt, wird der Film in diesem Monat auch auf dem ersten Festival de Cortometraje Latino Americano Poetico in New York gezeigt. Diesem von Alex quasi gefilmten Gedicht «Compañia» wäre neben dem schon erhaltenen Preis Certamen Espacio Libre (2006), siehe Premios ein weiterer zu wünschen.
Unbedingt anschauen, Spanischkenntnisse sind dazu aber erforderlich!
Update 19:40 Uhr: Gute Nachricht für alle Nicht-Spanischsprechenden: Wie ich gerade von Álex erfahren habe, gibt es auch eine englisch-untertitelte Version seines Kurzfilmes:
Guter Song, wenn er auch nicht an meine EoC-Favoriten «Weißes Papier» und «Michaela sagt» heran kommt. Aber ’n schönes Hamburg-Lied, in der Tat. Schön wenn man liebt, was Mutter Natur einem gibt.
Ein wunderbares Beispiel, welchen Einfluss Schnitt und Musik auf unsere filmische Wahrnehmung ausüben, haben Christian und Tim geschaffen, indem sie den Trailer für einen der erfolgreichsten Filme des letzten Jahres, 300, mit Szenen aus vier Biene-Maya-Folgen gemixt haben. Großartig und ein zweieinhalbminütiger Angriff auf die Lachmuskeln.
Ein großartiger Erfolg für die gute Kinoarbeit des 3001 Kino im Schanzenviertel. Das Kino, das so viele spanischsprachige Filme zeigt und in dessen Auftrag Für die beiden Filmfestivals «Spanische Filmtage Hamburg» und «Lateinamerikanische Filmtage Hamburg» ich im nächsten Monat in San Sebastián den neusten Jahrgang des Kinos aus Spanien und Lateinamerika begutachten werde, hat diesen Preisdotiert mit 20.000 Euro ganz sicher verdient.
Für das beste Jahresfilmprogramm ist das Hamburger Lichtspielhaus „3001“ mit dem Kinoprogrammpreis 2008 ausgezeichnet worden.
An der Kontroverse Blogs vs. Journalismus mag ich mich ja gar nicht beteiligen, die langweilt mich nur noch. Aber wenn jemand so viel dummes Zeug schreibt wie Josef Schnelle (Was bitteschön sind Internet-Blogs? Gibt es auch noch lokale, nicht im Netz zugängliche Blogs?) platzt mir echt der Kragen. Das von ihm gebrauchte Wort zersetzen stammt dazu noch aus der Begriffsschatulle der Nazis und sollte unbedacht nicht eingesetzt werden. Inhaltlich haben ansonsten Thomas Groh im Filmtagebuch (Die Filmkritik braucht Blogs):
Das Bild, das Schnelle zeichnet, könnte verzerrter, falscher nicht sein. Es sagt nichts aus über den wirklichen state of the art der Film-Netzkultur, wohl aber viel über Schnelles mangelnde Befähigung, sich dem noch immer frischen Medium Internet zu nähern. Das Internet ist seinem Wesen nach ausufernd, weitläufig und differenziert sich rapide immer weiter aus. Eine pauschale Zuspitzung wie die Schnelles ist schon deshalb nicht zulässig: Das Internet ist seiner Tendenz nach nicht homogenisierend, wie es auch keine glasklare Repräsentation desselben gibt: Das Internet als Angebotstätte von Inhalten ist nicht einfach etwas, das in seinen Bestandteilen ganz einfach vor einem liegt (etwa wie die Zeitung auf dem Frühstückstisch), sondern ist in diesem Punkt immer vor allem das, was sich der jeweilige Nutzer, im Sinne eines Navigators, daraus er-fährt.
Was für ein paranoides Szenario. In den USA zeigt sich, dass das glatte Gegenteil der Fall ist: Die Blogger sind längst da, wo sich die Print-Kritik den Platz, die Zeit und die Radikalität nicht mehr leisten will oder kann oder darf, die es für eine gründliche Auseinandersetzung so unabdingbar braucht.
Da ich den einzigen Spanier (Escalofrío), der auf dem Fantasy Filmfest in Hamburg läuft, schon auf der Berlinale gesehen habe, gibt es für mich nur noch einen Film des gestern in der Hansestadt gestarteten Festival-Programmes, den ich unbedingt sehen möchte: Der im Wettbewerb von Cannes viel beachtete israelische Film «Waltz with Bashir». Den Inhalt bringt die Stuttgarter Zeitung in wenigen Worten auf den Punkt:
Zwei Männer sitzen rauchend, schnapstrinkend in einer Bar – der eine (der Regisseur) erzählt dem andern, dem Freund, von einem wiederkehrenden Albtraum, in dem er gejagt wird von einer Meute schnapptoller Hunde. Die Männer gelangen zu der Vermutung, dass es da einen Zusammenhang geben muss mit ihrer israelischen Armee-Mission vor einem Vierteljahrhundert im Libanon. Ari stellt fest, dass er sich kaum an die Zeit erinnern kann, und befragt Freunde und ehemalige Kameraden – so setzt sich ihm Stück für Stück das Puzzle der verdrängten Wahrheit zusammen.
Das Faszinierende an dem Film ist vor allem die Form, in der er umgesetzt wurde: Statt ins Alter gekommene Männer in ihren Wohnstuben über das Trauma des Krieges (oder über dessen Verdrängung) reden zu lassen, wird das in Originaltönen Erzählte als Animation gezeigt. Das sieht dann in etwa so aus:
Die ausführliche Besprechung des Filmes von Nana A.T. Rebhan auf arte (mit einem Gespräch mit dem Regisseur) macht neugierig auf den Film:
WALTZ WITH BASHIR versucht das Grauen des Krieges auf eine höchst individuelle, so bisher noch nie gesehene, höchst eindringliche Form zu verarbeiten. Ari Folman selbst hat sich mit diesem ehrlichen Film seinen verdrängten Erinnerungen gestellt, in einer Art Selbsttherapie. Aber er versteht den Film auch als Erbe: „Vielleicht habe ich den Film auch für meine Söhne gemacht, die während der Entstehungszeit geboren wurden. Wenn sie einmal groß sind und sich den Film ansehen, wird es ihnen vielleicht helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Damit meine ich, nie an irgend einem Krieg teil zu nehmen.“
Wenn ich es schaffe, werde ich mir den Film nächsten Mittwoch, am 20. August um 19:30 Uhr, im CINEMAXX 1 am Dammtor anschauen (Version: hebräische OmdU). Offizieller deutscher Kinostart ist am 6. November 2008. Weitere deutsche Ausstrahlungstermine und Infos zum Film auf der Site des Fantasy Filmfestes. Homepage des Films (bisher nur mit Trailer), weitere Infos beim deutschen Vertrieb Pandora.
[Update 21.8.08: Ich habe den Film gestern Abend gesehen und bin schwer beeindruckt. Unbedingt anschauen, sehr sehenswert!]
Während Tierfilm-Star Flipper den Freitod gewählt hat, lebt Schimpansen-Star Cheeta, der schon in den 30er Jahren neben Johnny Weissmuller für die Tarzan-Filme vor der Kamera stand, erstaunlicherweise immer noch.
Quelle Autogrammkarte: Flickr (Abb. rechts) Mehr zu Cheeta, veranschaulicht mit einer urkomischen Szene aus dem 50er-Jahre-B-Picture «Bela Lugosi Meets A Brooklyn Gorilla» in der Videotheke.