Besser ‚La Brass Banda‘ mit ‚Nackert'(-en Füßen) beim ESC in Malmö

Natürlich hätten auch meine sibirischen Freunde1 von «La Brass Banda» gegen den ebenfalls barfuß vorgetragenen dänischen Ohrwurm «Only Teardrops» von der bezaubernden Emmelie de Forest gestern Abend keine Chance gehabt. Aber weiter vorne wären wir schon gelandet. Und vor allem: man hätte sich nicht schämen müssen, mit der stumpfen Euphoria-Kopie von Cascada in Malmö anzutreten.

Zur Erinnerung: Das Publikum hatte sich beim deutschen Vorentscheid in der Radioabstimmung mit übergroßer Mehrheit für «La Brass Banda» entschieden (»Fast hätten sie mit dem Traktor nach Malmö fahren müssen», siehe SZ), aber die „Experten“-Jury hat uns den dämlichen Cascada-Titel eingebracht. Auch wenn ich ihn nicht leiden kann: vielleicht sollte nächstes Jahr wieder Stephan Raab den Vorentscheid in die Hand nehmen:

Im Jahr eins nach dem Rückzug von Stefan Raab aus dem ESC-Vorentscheid ist Deutschland wieder ungefähr dort, wo es 2009 aufgehört hat: auf Rang 21. Ab und an ein Almosenpünktchen für die magere Performance von Cascada, das war’s. Welten lagen zwischen dem deutschen Beitrag und dem dänischen Siegersong.

Weiter in der SZ: «Dankbar für Almosenpünktchen».

Update 16:15 Uhr: Lesenswert auch die präzise Analyse des gestrigen ESC-Abends von Jan Feddersen auf taz.de: Die Unschuld vom dänischen Land.

Prima der Ungar ByeAlex mit „Kedvesem“, eine Mitsummgeschichte, die in Kreuzkölln hätte erfunden sein können; ein rockiger Isländer, der mit „Hell’s Angels“-artigen Fingerringen starke Gefühle heraus gröhlt; eine maltesische Formation, die einfach nur ein freundliches, irgenwie loungiges Lied singt. Und ein Italiener, der, man muss es offen sagen, bei den heterosexuellen Frauen hinter den ESC-Kulissen sehr starke Resonanzen weckte; und eine minimalistisch orientierte Niederländerin, die erstmals in zwei ESC-Wochen lächelte. Charmant, gelegentlich rätselhaft, lustig auch – und extrem unterhaltend.

  1. Der Ausdruck „sibirische Freunde“ bezieht sich darauf, dass ich die Band und die einzelnen Bandmitglieder vor 4 Jahren in Nowosibirsk kennen gelernt habe. []

6 Gedanken zu “Besser ‚La Brass Banda‘ mit ‚Nackert'(-en Füßen) beim ESC in Malmö

  1. Natürlich lag LaBrassBanda in der Internetabstimmung vor Cascada, doch nicht zu vergessen, bei der Zuschauerabstimmung lagen die Jungs hinter ihr. Meines Erachtens auch zu recht: Die CD-Version von Nackert hatte noch was, doch die Liveperformance war schlichtweg grottig.

  2. @Julius: Darauf (auf die besondere Abstimmungssituation in den einzelnen Bereichen im Vorentscheid) geht ja der oben zitierte SZ-Artikel auch ein. Schade, dass Du La Brass Banda – im Gegensatz zu mir und zur damaligen Netzabstimmung – so schlecht gesehen hast.

  3. Wie bereits geschrieben: Die CD-Version war gut, die Liveversion nicht. Und letztgenannte war nicht Gegenstand der Netzabstimmung, die war schon vorher beendet.

  4. Ich hatte den Vorausscheid für den ESC nicht verfolgt und mir den deutschen Beitrag erst am Tag vor dem Finale auf YouTube angetan. Mich überraschte dann die Gewißheit vieler Leute, besonders auch Urbans – was wahrscheinlich mit Betriebsblindheit zu begründen ist -, die Cascada einen guten Platz prophezeiten. Seit ich Dobelli las, weiß ich zumindest die Gründe. Man stuft das Eigene oder zu einem Gehörige immer besser ein als das Fremde. Dieser verzerrte Blick kommt immer wieder zum Tragen. Und Leute wie Stefan Raab, den ich auch nicht mag, aber dessen Leistung ich anerkenne, verfügen vermutlich über die Fähigkeit, diese Subjektivität abzustellen und einen objektiven Blick auf Chancen für etwas zu werfen, was ihren Erfolg ausmacht.

  5. @Markus Kolbeck: Kluge Worte zu einem banalen Wettbewerb. Da sieht, man mal wieder: Lesen bildet (kenne kaum einen, zu dem dieser Spruch besser passt als zu Dir, weil Du doch so wahnsinnig viel liest). 😉

    Rolf Dobelli kenne ich gar nicht, was er hier über eines seiner Bücher sagt, gefällt mir aber: http://www.youtube.com/watch?v=gEr1cNoXT2M

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