BibCamp³ Hannover: Bibliotheken nehmen Herausforderungen an

Lesesaal TIB/UB Hannover

Über Jahrhunderte waren Bibliotheken “nur” Aufbewahrungsorte von bedrucktem oder von Hand beschriebenem Papier, recherchiert wurde in Zettelkatalogen und beim Gang durch die Regale1.

links: Library Mistress & Anne betrachten den Zettelkatalog, rechts: Magazin TIB/UB Hannover

Während in den heutigen Bibliotheken weitestgehend elektronisch recherchiert und sowohl digital als auch physisch Kulturgüter und Wissenschaftserzeugnisse aufbewahrt werden, ist das Themenspektrum und sind die zu erfüllenden Aufgaben der öffentlichen und der wissenschaftlichen Bibliotheken im Lauf der Zeit immer komplexer geworden. Moderne Bibliotheken nehmen diese Herausforderungen in einem – für mich als Seiteneinsteiger – immer wieder beeindruckenden Ausmaß an. Doch die Umsetzung des enorm gestiegenen Aufgabenpaketes bei meist gleich bleibenden oder gar rückläufigen Mitteln ist nicht immer einfach. Um sich darüber auszutauschen, wie Bibliotheken dem Ziel nachkommen können, gedruckte und elektronische Literatur und Medien weiter zu bewahren und zur Recherche anzubieten und sich gleichzeitig den in gewaltigem Tempo voran schreitenden Umbrüchen der Informationsgesellschaft zu stellen, haben wir uns vor einer Woche mit ca. 150 Teilnehmern auf dem BibCamp in Hannover getroffen.

In meinem positiven Fazit direkt nach der Rückkehr aus Hannover hatte ich ja angekündigt, noch einmal auf das BibCamp einzugehen. Ich fand alle angebotenen Sessions durchgehend sehr interessant und das an den BarCamps orientierte Konferenzformat bringt es mit sich, dass in der Tat ein reger Austausch statt findet und dass es keine langweiligen Monologsituationen (wie bei Vorträgen sonst üblich) gibt, bei denen eine schweigende Mehrheit kaum zu Wort kommt und wo ein Diskurs so gut wie nicht geführt werden kann.

Einen Überblick über die gehaltenen Sessions findet Ihr im BibCampWiki, die Berichte dazu sind dort direkt im Timetable verlinkt.

Ende der Schlange Sessionvorschläge 2. Tag: Vorne: Lambert Heller

Ich möchte noch kurz auf die von Lambert Heller initierte Session «Die Professionalisierung von Bibliothek 2.0» eingehen (die ich sonst auch vorgeschlagen hätte, und an der ich mich natürlich – da unmittelbar davon betroffen – stark beteiligt hatte). Hier haben wir darüber diskutiert, was es denn bedeute, dass nun einige Bibliotheken extra Stellen zum Thema Social Media einrichten und inwiefern es beurteilt wird, dass vermehrt in Anforderungsprofilen für Stellen im bibliothekarischen Bereich der Punkt Web 2.0-Kompetenz auftaucht. Die in der dankenswerterweise sehr offen geführten Diskussion angedeutete Gefahr, die Kollegen in der Bibliothek könnten sich was dieses wichtige Thema angeht, danach zurück lehnen und sagen «Für das Thema Web 2.0 haben wir ja jetzt einen Experten, da brauche ich mich nicht mehr drum zu kümmern», sehe ich so nicht. Viel mehr finde ich, es gehört zu den Aufgaben des Personenkreises, der – wie ich – eine Social Media-Stelle im Bibliothekswesen inne haben, die Kollegen für dieses Thema weiter zu gewinnen. Keine leichte Aufgabe für beide Seiten, schon klar, aber auch keine, die nicht gestemmt werden könnte.

Thomas Hapke danke ich für die nette Betitelung in seinem BibCamp-Resüme:

«In Erinnerung der Diskussion bleibt mir … die Beschreibung des strategischen Bloggens durch Markus Trapp, der den Begriff Community Technology Stewards für mich mit Leben ausfüllte.»

Weitere Blogartikel zum BibCamp³ hat Dörte auf bibliothekarisch.de zusammengefasst.

  1. Die Bilder zu Beginn des Blogartikels wurden bei einer unmittelbar vor dem Start des BibCamps extra für die TeilnehmerInnen abgehaltenen Führung durch die TIB/UB Hannover aufgenommen. Die beiden interessiert den Zettelkatalog betrachtenden Damen sind Library Mistress und meine Bürokollegin Anne Christensen aka @xenzen. []

4 Gedanken zu “BibCamp³ Hannover: Bibliotheken nehmen Herausforderungen an

  1. @Weißnicht: Es gibt vereinzelt an Bibliotheken Fachpersonal, das sich des Themas Web2.0 annimmt, und seit Kurzem auch einige KollegInnen, die auf eigens für den Bereich Social Media bzw. Elektronische Medien neu eingerichteten Stellen wirken. Um nur zwei zu nennen: Silvia Czerwinski (an der Hochschulbibliothek Zwickau für Social Media zuständig) und Rudolf Mumenthaler an der ETH Zürich (mit dem schönen Titel head innovation and management).

    Zu Deinem Avatar: den hattest Du im Vorjahr mal auf gravatar.com festgelegt. Falls Du ihn ändern möchtest, dort einloggen und neues Bild hochladen.

  2. Meine schicke Stellenbeschreibung lautet übrigens “Mitarbeiterin für innovative Medien- und Informationsdienste”. Darunter läuft die Aufgabe Social Media im Unternehmen sprich Bibliothek zu verankern, aber auch anderes wie bspw. Mobile Dienste oder neue Entwicklungen wie Semantic Web vorzustellen bzw. vorstellen zu lassen.
    Im Zusammenhang Social Media und Bibliotheken sollte auf jeden Fall auch Julia Bergmann genannt werden. Sie ist Mitbegründerin der Zukunftswerkstatt und freiberufliche Trainerin für Informationskompetenz.

  3. @Silvia: Danke für die Präzisierung Deiner Stelle – hört sich gut an 😉 – und die Erwähnung von Julia Bergmann. Sie ist ein gutes Beispiel für die Professionalisierung von Social Media/Infokompetenz im Bibliothekswesen, da sie sich selbstständig gemacht hat und Bibliotheken ihre beratenden Dienste anbietet.

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