Zeitreise

Dies ist der Artikel eines unbekannten Blogwichtels (wie hier angekündigt). Ich bedanke mich sehr über die nette Überraschung und wünsche meinen Lesern eine angenehme Lektüre:

“Wenn ich all meinen Mut zusammen nehme”, war hier am 8. Dezember zu lesen, “scanne ich vielleicht ein Bild von mir ein und lade es hoch, wie ich als 16-Jähriger vor der Absperrung des Brandenburger Tors damals in Ost-Berlin gesessen hatte (auf der obligatorischen Berlin-Klassenfahrt, die so ziemlich jede Schule im Westen in den Achtzigern machte).”

Vor dem Fall
© RainerSturm / PIXELIO

Ich musste grinsen, als ich das las. Und wenn ich auch nur den Hauch einer Chance gesehen hätte, ein Berlin-Klassenfahrt-Foto von mir zu finden, hätte ich wohl im nächsten Moment mit dem Suchen angefangen. Aber ich kann mich nicht mal dran erinnern, ob ich jemals welche zu sehen bekommen hab.

Andere Erinnerungen an das große Abenteuer “Berlin-Klassenfahrt”, das bei mir Ende der 70er-Jahre stattgefunden haben muss, sind dagegen noch sehr präsent. Vor allem die an die Vorbereitungen: Meinen Eltern war offenbar sehr daran gelegen, mich wieder in heimischen Gefilden in Empfang nehmen zu können, und entsprechend nachdrücklich waren ihre Instruktionen. “Grins die Vopos an den Grenzübergängen nicht frech an!”, lautete eine. “Sag nur was zu ihnen, wenn du gefragt wirst”, hieß eine andere. Je öfter sie mir das eintrichterten, desto gespannter war ich auf das, was passieren würde. Die Realität sah dann hingegen einigermaßen unspektakulär aus und sowohl die Hin- als auch die Rückreise verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Von den Tagen in Berlin kann man das allerdings nur mit zwei zugedrückten Augen behaupten – jedenfalls aus der Perspektive der begleitenden Lehrer. Doch die interessierte uns damals nicht.

Heute sind einige, die mit mir die Schulbank drückten, selber Lehrer. Berlin-Klassenfahrten, sagen sie, sind immer noch der totale Stress – obwohl es keine Vopos, Transitstrecke und keine Berliner Mauer mehr gibt, die den Westteil vom Ostteil der Stadt trennt.

2 Gedanken zu “Zeitreise

  1. Auch unsere Berlin-Fahrt war chaotisch, kurios und obwohl wir alle schon im Studium waren; wir hätten auch als Schülergruppe durchgehen können: Berlin lässt einen Dinge machen, da käme man im normalen Leben nie drauf.

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