Twitter bringt Gedanken in die Nähe der Follower

Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon In Pascal Merciers1 Roman «Nachtzug nach Lissabon» habe ich in diesen Tagen einen Satz gelesen, der mich sehr stark an eine der Motivationen für das Kommunizieren via Twitter erinnert hat. Es ist nur ein Aspekt der zahlreichen Funktionen, die das Microbloggingtool Twitter erfüllen kann, aber eben einer, der in Bezug auf bestimmte Follower (das sind die Menschen, welche die Twittermeldungen einer Person verfolgen) sehr zutreffend sein kann; zumindest gilt das für mich. Den Satz schreibt innerhalb des Romans (auf S. 162) der fiktive portugiesische Autor Amadeu de Prado in einem Brief aus Oxford an seine Schwester in die Heimat nach Lissabon:

Vielleicht kann ich mich auf diese Weise mit meinen Gedanken in Deine Nähe bringen.

Dieser Aussage geht ein Satz voran, der das Briefeschreiben in seiner Funktion des Kontakthaltens beschreibt. Entfernungen zu den Menschen, die einem wichtig sind, werden durch das Briefeschreiben überbrückt. Eine gedankliche Nähe wird – wenn auch durch die lange Zustelldauer des Briefes zeitversetzt – versucht herzustellen. Beide Sätze hintereinander lesen sich so:

Ich vermisse Dich, und deshalb schicke ich Dir, was ich letzte Nacht aufgeschrieben habe. Vielleicht kann ich mich auf diese Weise mit meinen Gedanken in Deine Nähe bringen.

twitter.com/textundblog Ja, das geschieht manchmal (nicht immer!) auch auf Twitter: Meine Gedanken in Deine Nähe bringen. Mit dem Unterschied, dass aus Deine Nähe Eure Nähe wird, schließlich richten sich Twittermeldungen nicht an eine Person sondern an mehrere. Doch mir gefällt der Vergleich und die Vorstellung mit Twitter meine Gedanken in die Nähe der Follower zu bringen.

  1. Der Name Pascal Mercier ist nur ein Pseudonym, in Wahrheit handelt es sich bei dem Autoren um den Schweizer Philosophie-Professor Peter Bieri. []

5 Gedanken zu “Twitter bringt Gedanken in die Nähe der Follower

  1. @sabbeljan: Schöne Idee. Da bin ich ja mal auf die verlosten Tweets gespannt.

    Also, Leute: wer noch keinen Twitter-Account hat und das mit dem Twittern mal – ohne einen Account anzulegen – ausprobieren möchte, rüber zu Herrn Sabbeljan.

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