Ein kurzes Lebenszeichen aus dem Festivaltrubel. Wie man auf Twitter fortlaufend verfolgen kann, geht es mir gut. Ich komme halt nur nicht zum Bloggen. Hier zu sehen, eines der neuen Festivalkinos auf der Berlinale, der Friedrichsstadtpalast. Von den über 20 Filmen, die ich bisher gesehen habe, gefielen mir besonders El niño pez (Update 12.02.09: siehe dazu auch den taz-Artikel: „Wie der Gesang von Vögeln„), Nord und Double Take.
Bin ab heute bis zum 15.2.09 – wie jedes Jahr um diese Zeit – auf der Berlinale. Unter anderem wegen der dort gezeigten spanischsprachigen Filme (siehe Artikel der Spanischen Botschaft im ciberaBlog) und wegen all der anderen Streifen, die es im Wettbewerb, im Panorama und um Forum auf der Berlinale zu entdecken gibt. Hier wird’s deshalb vermutlich etwas ruhiger zugehen. Aber es gibt ja auch noch Twitter. 😉
Foto: Wikipedia, aufgenommen in San Sebastián im September 2008
Meryl Streep wollte als Kind Übersetzerin werden. In der Mitte ihres Lebens erkennt sie, dass der von ihr gewählte Beruf der Schauspielerin auch sehr viel mit Übersetzung zu tun hat. Zum Start ihres neuen Films Glaubensfrage (Start 5.2.09, Streep gehört zu den 5 Oscar-Nominierungen des Films) veröffentlicht die FAZ ein Gespräch, das sie schon im September auf dem Internationalen Filmfestival in San Sebastián mit der großartigen Schauspielerin geführt hat. In diesem Ausschnitt erklärt sie, wie sie das mit der übersetzerischen Leistung des Schauspiels gemeint hat:
M.S.: […] Denn hinter jedem von uns steckt eine Geschichte. Wir brauchen nur Autoren, die sie aufschreiben. Und Schauspieler, die sie übersetzen.
FAZ: Übersetzen? Wie meinen Sie das?
M.S.: Ich meine, dass wir Schauspieler im Grunde genommen Übersetzer sind: Für das Publikum übersetzen wir die Erfahrungen von Menschen, die Hunderte von Jahren vor uns oder Tausende von Kilometern von uns entfernt gelebt haben. Wir sammeln Erfahrungen und geben sie der Welt zurück, so dass andere Menschen sie nachempfinden können. Interessanterweise wollte ich schon als Kind Übersetzerin werden: Meine Mutter nahm mich mit in die UN-Vollversammlung, und ich fand es großartig, wie die Simultandolmetscher dazu beitrugen, Frieden zu stiften zwischen all den Leuten, die einander nicht verstehen konnten. Heute habe ich erkannt, dass die Schauspielerei ähnliche Chancen bietet. So schließt sich der Kreis zu meinem Kindheitstraum!
Im ZDF kommt um 20:15 Uhr der oscarprämierte deutsch-österreichische Film Die Fälscher. Stefan Ruzowitzkys Kinofilm über die Geldfälscheraktion Unternehmen Bernhard.
Und um 23:15 Uhr zeigt arte – wie hier schon getwittert – einen der besten lateinamerikanischen Filme der letzten Jahre: En la cama – Im Bett (meine Vorstellung des chilenischen Films hier im Blog). Wiederholung «En la cama»: 12.02.2009 um 00:30 Uhr.
Mit «Waltz with Bashir» hat einer der besten Filme des Jahres 2008 verdient den Golden Globe als Bester ausländischer Beitrag gewonnen. Hier nochmal meine ausführliche Vorstellung des Films im August 2008.
Sicher wird er jetzt wieder in dem ein oder anderen Kino zu sehen sein. Unbedingt reingehen, wenn Ihr die Chance habt! Durch die aktuelle Entwicklung im Gaza-Krieg hat der Film zusätzlich zu seiner Vergangenheitsbewältigung eine traurige Aktualität gewonnen. Als in der Vorwoche die Bilder der israelischen Bodentruppen gezeigt wurden, die im Gaza Einzug hielten, waren die eindringlichen Bilder aus «Waltz with Bashir» sofort wieder in meinem Kopf.
Das 30. Max-Ophüls-Festival findet vom 26. Januar – 1. Februar 2009 in meiner Heimatstadt Saarbrücken statt. Leider kann ich nicht teilnehmen, doch ich wünsche allen Festivalbesuchern spannende Filme rund um die blauen Herzen, die auch im Trailer durch die Stadt flitzen:
Zum 25. Jubiläum hab ich mal im Auftrag des Kommunalen Filmamtes Saarbrücken eine Website zur Geschichte des Ophüls-Festivals angelegt, die mittlerweile von der Landeshauptstadt selbst fortgeführt wird. Dort findet man auch zahlreiche Dokumente (etwa ein DEFA-Schreiben an das Festival) und Fotos aus den frühen Tagen des Festivals.
Alle Infos zum aktuellen Programm und zur am 16. Januar stattfindenden traditionellen «Blauen Stunde» gibt es auf der Homepage des Festivals.
Was für ein wunderbarer Film, dieser Sch’ti. Als Übersetzer hat mich natürlich die besondere Herausforderung der Übertragung dieses ungewöhnlichen nordfranzösischen Dialektes und der damit zusammenhängenden innerfranzösischen Verständigungsprobleme ins Deutsche interessiert, doch dazu später mehr. Ich hatte zunächst mal die Befürchtung, dass der Film zu klamottig, zu sehr einfacher Schenkelklopfer sei, und war dann angenehm überrascht, als ich ihn vorgestern in Saarbrücken sah. Dem Regisseur Dany Boon ist eine liebevolle Hommage an seine nordfranzösische Heimat gelungen. Wer den Streifen sieht, kann verstehen, warum der Film mit über 20 Millionen Zuschauern in Frankreich so enorm erfolgreich ist. Hier der deutsche Trailer:
Sehr viele Interviewpassagen mit Regisseur und Schauspielern gibt es in diesem französischen Video mit Filmausschnitten zu sehen, wo man gegen Ende auch die Szene sieht, die im Deutschen recht gelungen den Verständnisfehler «Busch – Bus» im Original zeigt, wo der Sch’ti von les seines redet, sein aus dem Süden frisch versetzter Chef aber les chiens versteht:
Zur Übersetzung: Sie wurde von der Synchro-Regisseurin Beate Klöckner (Berliner Synchron) realisiert. Die Übersetzung selbst hat Tanja Frank gemacht. Das Duo Klöckner/Frank war auch schon für die Übersetzung von «Die Fabelhafte Welt der Amélie» (2001) verantwortlich. In einem Interview im Deutschlandradio erklärt Beate Klöckner die Herangehensweise an die schwierige Aufgabe die Sch’ti-Sprache ins Deutsche zu übertragen. Was meiner Meinung nach überzeugend gelungen ist. Das interessante Interview vom Oktober 2008 (zum Filmstart in Deutschland gesendet) kann hier nachgehört werden:
[flash]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2008/11/20/dlf_20081120_1538_93ffcd13.mp3[/flash]
Dazu passt auch das Interview mit Beate Klöckner auf Welt online: «So erfindet man einen neuen deutschen Dialekt».
Wer sich fragt, woher der Ausdruck Ch’ti eigentlich kommt, erfährt die Herleitung des Begriffes im Bonjour-Frankreich-Forum:
„Ch’timi“ oder verkürzt „Ch’ti“ bezeichnet die gebürtigen Nord-Pas de Calais-Einwohner und deren Sprache.
Das Wort „Ch’ti“ soll aus dem ersten Weltkrieg stammen.
„Ch’ti?“=“c’est toi?“/“Bist du’s“? und „ch’mi“=“c’estmoi!“/“Ich bin’s!“/“C’est moi!“.
Die sprachwissenschaftliche Bezeichnung für „ch’ti“ heißt „Picardisch“, eine nordromanische Mundart.
In der gleichen Quelle gibt es auch ein kleines Glossar: Französisch/Ch’ti/Deutsch zu bewundern:
Petit = TCHIO (klein)
CHAUD = KO (warm)
C’EST BEAU = CH’EST BIAU (es ist schön)
PLEURER = BRAIRE (weinen)
CHIEN = KIEN (Der Hund)
CHOSE = KOSE =(Ding,Gegenstand)
[…]
Filme aus Spaß in Dialekten synchronisiert, sind ja mittlerweile ein eigenes Genre auf Videoportalen wie YouTube & Konsorten. Aber Johnny Depp in tiefstem Saarländisch ist bisher mit das stärkste, was ich derart entdecken durfte. Wenn Johnny Jack the Ripper im Saarland jagt und den Mörder im Obschd- unn Gaddebauverein vermutet, hört sich das so an:
Ein Klassiker saarländischer Mundart auf der Kinoleinwand ist jedoch auch ganz stark: Kinskis Wutausbruch. Nach dem Betrachten dieses Mash-Up-Kunstwerkes könnte man glauben, Klaus Kinski sei als Saarländer auf die Welt gekommen: