80 Jahre Bücherverbrennung in Hamburg: Gedenken und Wiederentdeckung

Hab ja neulich schon mit Begeisterung von der Tante-Clara-Ausstellung berichtet, aber ich glaube, was in der Stabi ab Mittwoch den 15. Mai sechs Wochen lang (bis zum 28. Juni) gezeigt werden wird, könnte das Ganze noch toppen. Wenn man bei diesem ernsten Thema überhaupt den saloppen Begriff der Steigerung ins Spiel bringen darf.

Ausstellung zur Bücherverbennung in Hamburg im Lichthof der Stabi

In Hamburg jährt sich die Bücherverbrennung am kommenden Mittwoch zum 80. Mal. Daran erinnert die Ausstellung „Wo man Bücher verbrennt…“ Verbrannte Bücher, verbannte und ermordete Autoren Hamburgs. Auf einzigartige Weise – angelehnt an den monumentalen Charakter, wie auch die Nazis gerne inszenatorisch vorgegangen sind – wird der Lichthof der Stabi gerade mit den Stelen und Fahnen der Ausstellung bestückt. DRadio-Kultur hat am Freitag in einem Interview mit dem Kurator Wilfried Weinke auf die Ausstellung hingewiesen:

Aus Anlass des 80. Jahrtestages der faschistischen Bücherverbrennung zeigt die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg eine große Sonderausstellung: „Wo man Bücher verbrennt…“ Verbrannte Bücher, verbannte und ermordete Autoren Hamburgs“ wird ab 15. Mai im Lichthof der Bibliothek an zahlreiche, bis heute aus dem historischen Gedächtnis gelöschte Schriftstellerinnen und Schriftsteller erinnern. Der Großteil der historischen Quellen stammt aus Sammlung des Hamburger Historikers und Publizisten Wilfried Weinke, der seit vielen Jahren das einstige jüdische Leben in der Stadt erforscht.

In dem 4-minütigen Beitrag wird auch darauf eingegangen, wie das Schicksal der durch die Bücherverbrennung um den Lohn ihrer Arbeit gebrachten Autorinnen und Autoren in der Ausstellung gewürdigt wird und wie deren Werk wieder entdeckt werden kann:

Grete Berges

„Greta Berges, die nur durch die Hilfe von Selma Lagerlöff nach Schweden entkommen konnte – eine Kinderbuchautorin aus Hamburg-Eppendorf – … Sie musste sich ständig um neue Jobs, neue Berufsfelder bemühen. Sie war Übersetzerin, sie war Pressereferentin, sie hat viele Jobs annehmen müssen, um für sich aber auch für ihre Tochter zu verdienen.

Andere schlugen sich als Packer oder Taxifahrer durch. Die wenigsten konnten ihre literarische Laufbahn fortsetzen, an ihre bisherigen Erfolge anknüpfen. In ihrer einstigen Heimat blieben sie vergessen. Zahlreiche Briefe, Bittschreiben, Anfragen belegen, woran das lag: Nach der Befreiung vom Faschismus rührte sich in der Bundesrepublik nicht ein Finger, um die Verfolgten zurückzurufen, ihnen ihre Professuren wiederzugeben, ihre Bücher zu verlegen. Sie wurden weiterhin totgeschwiegen.“

Alle Infos im Stabi-Blog. Dort auch aktuelle Fotos vom Aufbau, die zeigen, wie der Lichthof inszenatorisch in einen Ausstellungsbereich für ein ganz besonderes Thema verwandelt wird. Ich empfehle euch, diese Ausstellung bis zum 28. Juni zu besuchen (Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-18 Uhr): „Wo man Bücher verbrennt…“ Verbrannte Bücher, verbannte und ermordete Autoren Hamburgs.

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