Dominik Graf: Im Angesicht des Verbrechens


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Nicht verpassen oder wenigstens aufzeichnen und zu gegebener Zeit schauen:
Heute startet auf arte die Ausstrahlung von Dominik Grafs von allen in den Himmel gelobter TV-Serie «Im Angesicht des Verbrechens». Auf der Berlinale wurde das Mammutwerk ja in 2 Teilen gezeigt (2×5 Stunden, das hab ich mir aber in meinem persönlichen Marathonprogramm der Filmfestspiele nicht “angetan”).

Ein paar Stimmen:

Filmdienst:

Im Zentrum aber steht die Geschichte einer Familie, ihrer Schicksale und Verzweigungen. Verbrechen und Strafe gibt es dort, Krieg und Frieden, Polizisten und Gangster. Nicht unwichtig ist es, dass diese Familie deutsch, aber aus Lettland emigriert ist, also einen jüdischen Hintergrund hat und nicht nur verfolgt wurde, sondern gegen die Nazis auf Seiten der Russen stand – große Geschichte im Kleinen, auch dafür ist „Im Angesicht des Verbrechens“ ein Musterbeispiel.

Szenenfoto. © ARD/Julia von Vietinghoff
© ARD/Julia von Vietinghoff

FAZ:

„Im Angesicht des Verbrechens“ – was ist das also? Eine Serie, natürlich, ein Glücksfall fürs Publikum und ein Stück Kino, wie wir es viel zu selten zu sehen bekommen.

Peter Körte schrieb schon im Februar zur Berlinale-Ausstrahlung in der FASZ (Text leider nicht online):

Wenn man diese zehn Folgen gesehen hat, am Stück, in zwei oder zehn Teilen, dann kann man nur staunen über diese wunderbar austarierte Ökonomie des Erzählens. Dann nimmt man erst die Schauspieler wahr, die man ja zum Großteil kennt, aber so gut noch nie gesehen hat. Max Riemelt als Marek, Marie Bäumer als seine Schwester Stella, Misel Maticevic als ihr Mann, ein gefährlicher Mafioso, oder Ronald Zehrfeld als Mareks Kollege Lottner, um nur ein paar zu nennen. Ihre Leistung hat auch mit der Fallhöhe der Geschichte zu tun, mit ihren Verästelungen, mit der Zeit, die Graf sich nimmt. Man begreift, dass eine Trauerfeier im Restaurant “Odessa” sechs, sieben Minuten dauern muss, ohne dass der Plot auch nur einen Millimeter vorangetrieben würde, weil man auf diese Weise so viel mehr über diese Welt erfährt, über Hierarchien, Auftritte, Rituale. Und man spürt, wie dieser narrative Überschuss, diese Konzentration aufs Detail den Film nicht zerfasern lassen, sondern ihn bereichern.

Regisseur Dominik Graf im Spiegel-Interview («über seine Serie, die Vitalität der Russenmafia und deutsche Krimi-Depression»).

Und zum Abschluss der Stimmen noch ein sehr hörenswertes Interview im Deutschlandfunk: Neue Filmkunst im Fernsehen. Der Regisseur Dominik Graf im Gespräch mit Josef Schnelle. Dauer 25 Min., hier nachhörbar:

[flash]http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/04/18/dlf_20100418_1705_bb1542ac.mp3[/flash]

Die Ausstrahlungstermine auf arte:

Teil 1 und 2 DI, 27.04.: 22.05
Teil 3 und 4 SA, 01.05.: 21.50
Teil 5 und 6 DI, 04.05.: 22.05
Teil 7 und 8 SA, 08.05.: 22.50
Teil 9 und 10 DI, 11.05: 22.05

Das Making of DI, 11.05.: 23.40

Los geht es heute Abend mit Folge 1: Berlin ist das Paradies. Schau’n wer mal.

Update 00:15 Uhr: Die ersten beiden Folgen waren schon mal großartig. Bin hin und weg. Wer’s verpasst hat kann “Im Angesicht des Verbrechens” in der arte-Mediathek nachschauen.

12 Gedanken zu “Dominik Graf: Im Angesicht des Verbrechens

  1. Schade. Ich kann mit Krimis, ob nun in Form eines Romans oder einer Serie, wenig anfangen. Allerdings bin ich auch deine Meinung gespannt. Einige Episoden von Bella Block empfand ich zu ihrer Zeit auch gar nicht so schlecht.

  2. @tradem: Bella Block ist mit dem, was Dominik Graf hier geschaffen hat, ganz sicher nicht zu vergleichen. Vlt. schaust Du ja doch mal rein. 😉

  3. Ich habe von dieser Krimi-Serie auch schon gehört und bin schon sehr gespannt darauf und dass Du jetzt hier darüber bloggst und auch eine Empfehlung aussprichst, bestätigt mich, das es berechtigt ist auf diese Serie gespannt zu sein. Danke für die Auflistung aller Serientermine!!

  4. Ein guter Tipp. Hier übrigens noch ein lesenswertes Zeit-Interview mit Dominik Graf: „Ein Meilenstein der deutschen TV-Geschichte.“

  5. @Liisa: Alle, die die Serie bisher gesehen haben (und sich dazu geäußert haben), sind begeistert. Ich denke, uns wird es da auch so gehen.

    @Piet: Sehr schön, danke für den Hinweis auf das ZEIT-Interview. Mein Satz von Graf daraus:

    Es macht Spaß, diese Trinkorgien und suizidalen Aktionen der östlichen Gangster, die Basedow beschrieben hat, zu inszenieren.

  6. @Stefan: Bin gerade noch rechtzeitig zur Ausstrahlung nachhause gekommen. Hab’s aber sicherheitshalber auch zur Aufnahme programmiert. Empfehl’ ich Dir für Samstag auch.

  7. Und heute abend der 3. & 4. Teil?

    Also ich bin auch kein Tatortfan, diese Serie jedoch – letztens erst durch Zufall davon erfahren – find ich nach den ersten beiden Folgen ganz prima.

  8. @jke: Garantiert werde ich die beiden Teile heute Abend sehen, auch wenn der BR ein gutes Parallelprogramm im Rahmen seines Themenabends Fußball hat, mit zwei Filmen, die ich zwar schon kenne und trotzdem auch parallel aufzeichnen werde:

    22:0o Uhr: «Die Hand Gottes» – Emir Kusturica trifft Diego Maradona

    23:35 Uhr: «Der Weg nach San Diego»

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