‘Hallo Niedersachsen’: Ausschluss Piratenpartei aus Bericht ‘Wahlkampf im Internet’

Wahlkampf im Internet - NDR-Bericht 'Hallo Niedersachen' vom 2.1.2013

[Update 6.1.2013] Lieber NDR, wir haben Deinen Job dann mal zuende gebracht: [Ende Update]

Gestern habe ich mich sehr gewundert. Und zwar über eine NDR-Sendung zum Wahlkampf in Niedersachen (wo am 20.1. der neue Landtag gewählt wird). In der Ausgabe des Nachrichtenmagazins «Hallo Niedersachen» vom 2.1. wird die Frage gestellt, wie die zur Wahl stehenden Parteien das Internet für ihren Wahlkampf nutzen. Und eine Partei – dies war der Grund für meine Verwunderung – wird dabei nicht nur nicht berücksichtigt, sondern auch mit keinem Wort erwähnt: Die Piratenpartei. Also ausgerechnet die Partei, der man eine gewisse Affinität für den Online-Wahlkampf nachsagt, wird ausgespart. Seht selbst (solange der knapp vierminütige Beitrag noch nachzusehen ist, ich weiß nicht, ob die 7-Tagesgrenze mit Pflicht zum Depublizieren auch hier zuschlägt):

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/media/hallonds13283.html

Nach Betrachten der Sendung habe ich gestern Abend folgende Kritik an die Redaktion von «Hallo Niedersachsen» per E-Mail übermittelt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit einiger Verwunderung habe ich festgestellt, dass in der Sendung “Hallo Niedersachsen” vom 2.1.2013

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/media/hallonds13283.html

über den Wahlkampf im Internet der in Niedersachsen zur Wahl stehenden Parteien berichtet wurde, aber ausgerechnet die Piratenartei dabei vollkommen ignoriert wurde.

Es gibt im Sinne einer objektiven journalistischen Berichterstattung keinen Anlass eine Partei, die bei der Wahl in den niedersächsischen Landtag gewählt werden kann, dabei auszuschließen. Eine Begründung der Redaktion, wieso dies trotzdem geschehen ist, würde mich deshalb sehr interessieren.

Vielen Dank für eine Information in der Sache.

Mit freundlichen Grüßen
Markus Trapp

Reaktion des NDR:

Heute Mittag kurz nach 12 Uhr kam – dafür mein Lob – recht zeitnah eine Antwort. Von der Redaktionsleiterin Programmbereich Aktuelles:

…herzlichen Dank für das Interesse an unserer Sendung und Ihre Kritik.

In dem von Ihnen kritisierten Fall haben wir die Piraten berücksichtigt.
Wir haben die Piraten in unserer Anmoderation als beispielgebend benannt.
Der Test bezog sich darauf, wie weit die im niedersächsischen Landtag vertretenen, etablierten Parteien das Internet nutzen.

Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber ich fand das nicht besonders zufriedenstellend. Zumal sich eine Divergenz aus im TV Gezeigtem und im Netz Präsentiertem ergibt, die ja in Zeiten des veränderten Medienkonsums nicht ganz unwichtig ist. Und das Wichtigste: was beim Zuschauer hängen bleibt: die Piraten kommen im Netzwahlkampf nicht vor. Deshalb habe ich gerade eben geantwortet:

… vielen Dank für die zeitnahe Antwort auf meine gestrige Anfrage zur Sendung vom 2.1.2013. Ich habe im Rahmen meiner formulierten Kritik ja den Link mitgeschickt, auf den ich mich bezog, nämlich auf den Beitrag, so wie ihn auch der NDR zum Nachschauen auf seiner Website anbietet:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/media/hallonds13283.html

Dort ist mit keinem Wort von den Piraten die Rede. Selbst wenn sie in einer Anmoderation als beispielgebend genannt wurden, in der Onlineversion ist das, wie gesagt, nicht zu sehen – , ersetzt das doch nicht den Ausschluss aus dem Vergleich, weil sich die Zuschauer doch eben fragen, was machen die einzelnen Parteien im Netz? Wie unterscheiden sie sich in Bezug auf den Einsatz des Internets im Wahlkampf. Für die gezeigten Parteien haben sie ja gewisse Unterscheide herausgestellt und sogar die Erklärungen der verantwortlichen Parteienvertreter, sowohl für rasche Reaktionen auf Wähleranfragen als auch für Versäumnisse auf diesem Gebiet, gebracht. Beim Zuschauer bleiben natürlich die gezeigten Aufnahmen und Reaktionen in Erinnerung. Die Piratenpartei kommt also in der Erinnerung und beim Auswerten des Informationsgehaltes Ihres Beitrages nicht vor.

Vielleicht überdenkt die Redaktion der Sendung “Hallo Niedersachen” diese die Piratenpartei de facto ausschließende Haltung in der zukünftigen Wahlkampfberichterstattung und erfüllt so die sicherlich vom NDR angestrebte journalistische Ausgewogenheit.

Mit freundlichen Grüßen
Markus Trapp

Was meint ihr? Hat sich der NDR bei diesem Bericht und der Form, wie er ihn ins Netz stellt, korrekt verhalten oder hätte man auch die Piratenpartei mit in den Vergleich aufnehmen müssen?

16 Gedanken zu “‘Hallo Niedersachsen’: Ausschluss Piratenpartei aus Bericht ‘Wahlkampf im Internet’

  1. Der NDR bzw. die Verantwortlichen wissen schon sehr genau, wie Bilder funktionieren und beim Zuschauer wirken. Selbst wenn die faule Ausrede annähernd ernsthaft gemeint sein könnte, wäre da noch immer die absehbare Wirkung.

    Ich hätte jetzt eher mit einem Verweis auf die aktuelle Parlamentszugehörigkeit gerechnet, die man ganz leicht entkräften könnte (realistische Einzugschancen). Ein “aber die Anmoderation…” ist zwar ungewöhnlich aber sehr billig. Ich würd mich nicht mal auf nur die Einführung einlassen, sondern wenn sie weiter auf diesem Level “argumentieren”, fragen ob es Zusammenhänge zum (politischen) Aufsichtsgremium gibt… nach der Aktion des NDR in Bremen, ist mir deren Verhalten aber oft sehr suspekt..

  2. Also ich empfinde die Erklärung des NDR auch als reichlich dünn und das ist gerade so kurz vor der Wahl für die Piratenpartei sicher ärgerlich. Ich vermute, dass man im Sender davon ausgeht, dass die Piraten in Niedersachsen nicht ins Länderparlament kommen werden und darum auch nicht unbedingt beachtet werden müssen (die anderen kleineren Parteien, die ebenfalls auf der Landesliste stehen, sind alle ja auch nicht berücksichtig worden, bei diesem Vergleich). Wenn die Piratenpartei nicht gerade so “vorbildlich” wären, was die Nutzung des Internets für den Wahlkampf angeht, wären sie vermutlich nicht mal in der Anmoderation erwähnt worden.

  3. Angesichts der Umfragewerte der FDP trägt aber doch das Argument meiner Meinung nach nicht, die Piraten aufgrund vermeintlichem Scheiterns an der Fünf-Prozent-Hürde nicht zu erwähnen.

    Denn eben genau dann dürfte auch niemand über die FDP berichten. Diese Partei ist aber gerade aufgrund der knappen Umfragewerte auf mediale Berichterstattung angewiesen.

    Aber warum dann nicht auch die Piratenpartei? Ist sie etwa weniger auf mediale Berichterstattung angewiesen? Oder gibt es anderweitige Kriterien, welche die Journalisten möglicherweise dazu bewegen könnten, die Piraten aus ihrer Berichterstattung heraus zu selektieren?

  4. Falls ihr es noch nicht gemerkt habt, das sind von dem Wohl oder Wehe der Politker abhängige bezahlte Medien, die von den jetzigen Politikern abhängig sind und ausserdem sitzen die doch dick in allen möglichen Gremien auf den höchsten Ebenen. Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe: alter Spruch.
    Was da hilft, ist massive Kritik und öffentlich machen auf allen Kanälen, die wir zur Verfügung haben.
    Öffentlicher Druck ist das einzige, was hilft.
    Lg
    Gilbert und ich würde es selbst machen, bin aber über beide Ohren mit Wahlkampfhilfe für die Piratenpartei beschäftigt. Danke

  5. Ich denke man hätte das Linke-twittern-nicht Gate erwähnen müssen wenn man sich schon auf Parlamentsparteien beschränkt.

  6. Ach, ja, Probleme gibt es überall. DAS war auch so ein Burne. Kopf schütteln ohne Ende. Aber watt willste machen. Das war eine wahrscheinlich eindeutige Racheaktion von derjenigen. Und dann noch die “Frechheit” habe, es im Nachhinein aufgrund 1 oder 2 “positiver” Artikel für gut zu verkaufen. MIR fehlen die Worte.
    Aber da gibt es noch mehr Strategen, die sich mit zweifelhalfen Ruhm bekleckert haben. Die Liste ist lang,…

  7. Moin, nichts neues. Es scheint immer so, dass nicht gewollte Parteien ausgespart werden. Was für ein Armutszeugnis ist es auch, dass z.B. bei der Linken ein Fragezeichen steht? Hatte die Redaktion keine Zeit mehr mal nachzufragen (wenn man schon zu Faul ist selber nachzuschauen!).

  8. Generell kann ich die Herangehensweise, nur bereits im Landtag vertretene Parteien bei einer solchen ‘Untersuchung’ zu berücksichtigen, schon nachvollziehen. Wo will man sonst die Grenze ziehen? Man müsste ansonsten ja auch die PBC oder gar die NPD berücksichtigen. Und das kann (gerade bei letzteren) niemand wollen.

  9. @René: Die Linken haben in NDS keine regionalen Social-Media-Accounts, daher die Fragezeichen.

    @Hans W. Metzger: Es handelt sich ja nicht über einen Bericht, wie die im Landtag vertretenden Parteien das Internet nutzen, sondern wie die bei der Landtagswahl antretenden Parteien das Internet nutzen. Und hier wäre im Sinne der interessierten Zuschauer eine Begrenzung auf Parteien, die laut aktuellen Umfragen eine Chance auf Einzug in den Landtag haben, die Messlatte. Und das sind die gezeigten Parteien und die – leider von der Redaktion ausgeschlossene – Piratenpartei.

  10. Das ist nicht das erste mal, dass der NDR die Piratenpartei konsequent ignoriert.
    in der Sendung HalloNiedersachsen wurden die Spitzenkandidaten der kleinen Parteien ausführlich vorgestellt. Dabei ignorierte man aber die Piratenpartei ebenso vollkommen wie hier.

  11. Tja, wenn die Piraten ein Recht oder einen Anspruch darauf hätten, in solchen Tabellen erwähnt zu werden, wie sieht es dann aus mit ÖDP, PDV, Grauen Panthern oder der NPD?

    Irgendwo muss eine Grenze gezogen werden. Und da ist die Regelung, alle im Landtag vertretenen Parteien zu nennen eine vernünftige Lösung, Mag dies für Piraten ärgerlich sein, aber Wahlkampf ist kein Ponyhof.

  12. Die Berichterstattung eines Öffentlich Rechtlichen Senders hat in der Regel journalistisch ausgewogen und objektiv zu erfolgen, so die Vorgaben im Staatsvertrag Rundfunk und Telemedien § 11 Abs. 2.

    Mit dem o.g. Beitrag in seiner aktuellen Version hat der NDR bewiesen, dass er sehr gut in der Lage ist, auch an Gesetzen und am Interesse der Zuschauer vorbei Bericht zu erstatten.

    Die Begründung, man habe einer ausgewogenen journalistischen Berichterstattung Raum gegeben, indem man die Piratenpartei in der Anmoderation erwähnt habe, ist gut gemeint, aber zu vernachlässigen. Die Piratenpartei wurde mit keinem Wort im Beitrag erwähnt. Und der Zuschauer bewertet nur das, was er hört und sieht, wie M.T. bereits richtig festgestellt hat. Argument Nummer zwei, man gäbe nur das Online-Verhalten der großen, bereits im Landtag vertretenen Parteien wieder, stimmt.
    Der Beitrag selbst verspricht dem Zuschauer jedoch mit seiner Überschrift und dem Text im Untertitel etwas völlig anderes: eine umfassende Berichterstattung über den Dialog per Internet „mit Spitzenkandidaten“. Sechs weitere mit den zugehörigen Parteien liefert der Sender dankbarerweise mit seiner Fotostrecke „Die kleinen Parteien zur Landtagswahl“ am 06.12.2012 selbst.
    Der NDR muss sich also völlig zu Recht vorwerfen lassen, einseitig und nicht objektiv zu berichten.

  13. Es ist die Aufgabe der Massen Medien so vorzugehen wie gefordert, da kann seitens der Kritik anderer egal sein. Die Stimme der Ungerechtigkeit wird sowieso verwischt ,( wenn denn auch das Gefühl bei dem Menschen aufkommen sollte )darauf aufmerksam zu machen das es nicht richtig sei, ist meiner Meinung nach reine Zeitverschwendung.

    Wie wollt Ihr die nach Gerechtigkeit streben etwas daran ändern, wenn doch nicht Ihr den längeren Hebel habt ,sondern die Massen Medien, denn Sie sind in der Lage das verstehen für die Menschen so rüber zu bringen, dass man denen mehr glauben wird, auch wenn diese falsch liegen .

    Die einzige Möglichkeit überhaupt, um hier an der Ungerechtigkeit etwas zu ändern, ist das aufzeigen und erklären der Menschen , wieso es so Wichtig ist das in den Massenmedien auch Progamme laufen sollen ,wo Argumente und Meinungen anderer die für das Grundgesetz kämpfen ausgestrahlt wird ( Sendezeit und Programm für das Volk , unabhängige Studien )

    solange diese Probleme in diesem Land da ist, ist meiner Meinung nach eine reine Zeitverschwendung nach der Gerechtigkeit zu suchen !

    Seht zu das Ihr den Menschen erklärt Warum in den Massen Medien es ungemein Wichtig ist Unabhängigkeit auszustrahlen ohne voreingenommene Meinungen zu verdrehen und zu lenken was der Mensch für richtig bzw. nicht richtig denken soll.

    Propaganda ist das Wort des Jahrtausends!

    Und Sie wirkt auch heute noch wie auch damals, nur in einer anderen Art wird es heute getan. !
    Traurig, aber ich erwarte auch schon nichts mehr Positives für die Zukunft ,was auf mich zukommt!
    Ich lasse mich nicht manipulieren und rate jedem möglichst viele Meinungen sich anzuhören( und nicht nur von Massenmedien ) und nicht nur deren die Hauptsächlich das Mund bekommen haben es zu verstreuen was andere denken sollen bzw.- wer sie sein sollen.

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