Warum reagieren die Fans von Guttenberg so realitätsfern?

Grafik erzeugt aus Herrn Haekelschweins Kommentar zu den Guttenbergern

Grafik erzeugt mit Wordle. Basierend auf diesem Kommentar von Herrn Haekelschwein.

Dass es gerade die Leser der BILD sind, die nun jammern, dass ihr geliebter Guttenberg zurück treten musste, verwundert kaum, hat dieses Blatt ihn doch als politischen Star geradezu in den Himmel geschrieben. Grundlos, wie wir nicht erst seit seinem Plagiat wissen. Und natürlich sehen die Fans von Guttenberg nicht das Vergehen ihres Stars, sondern sie sehen eine – aus ihrer Sicht linke – Medienhetze als Ursache für einen vermeintlich ungerechtfertigten Rücktritt (Update: siehe eindrucksvolle Beschwerde einer BILD-Leserin). Das muss man sich mal vorstellen. Nach allem, was der Kerl sich erdreistet hat zu tun und zu leugnen. Bis zum Schluss. Ein Blender vor dem Herrn.

Es verbietet sich trotzdem, sich über diese Menschen lustig zu machen, die nun Kommentare in Blogs oder auf Facebook schreiben wie:

Er war der Beste Aussenmenisster denn es gab und den einen fehler mit dem DR. title ist nicht so das man ihm nicht mehr glauben kann, jeder macht mal fehler.

Dieser Kommentar wurde heute Abend im Artikel «Ihre Meinung zum Rücktritt von zu Guttenberg» abgegeben im quer Blog des Bayerischen Rundfunks (via @BR_quer).

Eine sehr gute Einschätzung der so realitätsfernen Reaktion der Guttenberg-Fans auf dessen Rücktritt habe ich heute bei Herrn @Haekelschwein gelesen, der folgendes auf netzpolitik.org schrieb:

Es bringt nichts, sich über unpolitische Menschen mit einfacherer Bildung lustig zu machen.

Was sollen die daraufhin tun, plötzlich klug werden? Wie soll das gehen?

Stattdessen muss man sie da abholen und annehmen, wo sie sich emotional und intellektuell befinden. Das ist nicht die abstrakte Welt dröger Politik mit ihren ellenlangen Diskussionen und meterhohen Papierstapeln, sondern es ist die Welt des Events, der Tat, der bewegenden Bilder.

Guter Kommentar zum möglichen Umgang mit den Guttenbergern, komplett zu lesen auf netzpolitik.org.

4 Gedanken zu “Warum reagieren die Fans von Guttenberg so realitätsfern?

  1. Der Kommentar ist zweifelsohne sehr gut, lediglich die Konklusion kann, bzw. will ich nicht teilen. Warum soll man nicht versuchen diese Leute zu “bekehren”. Das sind ja nicht Wenige und ihr Einfluss auf die Politik und deren Protagonisten ist imanent und ich will nicht wegen desinteressierten und bildungsfernen Menschen von Blendern wie Guttenberg regiert werden. Da es ja schlecht möglich ist einen “Intelligenztest” als Voraussetzung für’s “Wählendürfen” zu etablieren, bleibt also nur das permanente Gespräch, auch wenn es oberlehrerhaft daherkommt.

  2. @Foxxi: Korrekter Einwand. Ich habe den Kommentar aber eher als Appell gelesen, dass sich Politiker durchaus bemühen können, Politik besser zu verkaufen. Nicht im Sinne eines «Blenders», wie des gerade abgetretenen Karl-Theodors, sondern im Sinne von besser motivierten, vielleicht auch transparenteren politischen Entscheidungsprozessen.

  3. Er (Häkelschwein), als auch andere Komentatoren wie etwa Micha Brumlik äußern sich ein wenig arrogant oder behauptend wie etwa die Aussage: “Es bringt nichts, sich über unpolitische Menschen mit einfacherer Bildung lustig zu machen.”

    Ich komme aus Bayern und fühle mich mit meiner Meinung eher in der Minderheit. Es wundert mich manchmal nicht, wenn A. Hitler hier in München einen fruchtbaren Boden vorfand, denn die Leute lassen sich hier leichter einlullen oder bild ich mir das nur ein?. Nächsten Mittwoch Passau wird wieder ein Mob an Fanatikern einer CSU blind zujubelen und sich wohl fühlen dabei in der Masse mizutrinken und mitzuklatschen wie Lemminge. Dieser Rücktritt wird hier anders gesehen, aber auch über eine Facebookfreundin, die in Hamburg wohnt und aus Niedersachsen kommt, las ich in schutznehmende Wort für Hr. und zu Guttenberg. Sie studiert u.a. Politikwiss. und stand der SPD nahe. Dennoch will ich nicht bestreiten, dass viele Leute ihn gut finden die gerne die “BILD”-Zeitung lesen, aber die Betrachtung war mir etwas zu kurz gegriffen. Es wäre mal etwas neues gewesen, wenn diese Zeitung ausnahmsweise nicht die niederen Instinkte einer verunsicherten Bevölkerung unterstützt. Fan ist genau der richtige Ausdruck. Denn Fans verzeihen jeden Fehler. Es gab wohl selten einen Popstar in der Politik, der noch dazu konservativ nach außen auftrat, trotzdem AC-DC hört und gewisse Werte vorgibt nach denen sich andere sehnen. Trotz aller Enthüllungen um sein Verhalten sind Fans im Allgemeinen so veranlagt, dass ihrem Idol jedem Fehler verzeihen. In einem will ich Brumlik aber recht geben, da dies in den Bierzelten und Stammtischen in Bayern ganz besonders zutrifft: “…aber dafür in Glanz und ganz ohne Mühe einem Führer folgen wollen. ”
    Er kann den Leuten erzählen was er will und sie himmeln ihn immer noch an. Ich halte diesen Politkertypus für gefährlich und er erinnert stark an J. Haider, aber auch an Berlusconi, der unter den einfachen Italienern ebenso als Idol gilt, als einen wie man gerne selbst sein will. Sollte er eines Tages zurückkommen, hoffe ich auf die Vereintenten Nationen Europas oder einem Global Governance Modell, denn ich halte ihn für äußerst gefährlich.

  4. @Hans Hofmeier: Danke für den ausführlichen Kommentar, den ich mit Interesse gelesen habe. Ja, zu Guttenberg könnte nochmal zur Gefahr werden, wenn er zurückkommen würde. Gründeten er und Sarrazin jetzt eine Partei, kämen die beiden Populisten aus dem Stand über 5 %. Eine bedenkliche Entwicklung.

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