Ein besonderer Tag in Rot am Millerntor: FC St. Pauli – Freiburg

Nicht nur unsere Nordkurve in Rot-Schwarz getaucht

Das war kein Spiel wie jedes andere gestern am Millerntor. Wir haben gegen Freiburg endlich mal wieder 2 Stürmer-Tore bewundern dürfen (Ebbers und Asamoah haben getroffen), leider hatte Cissé was gegen den sich abzeichnenden Heimspielerfolg und streute mit seinem Doppelschlag Salz in die Magische Suppe. Endstand 2:2 (Spielbericht Spox).

Was jedoch für den Rest der Rückrunde positiv stimmt: der FC ST. Pauli hat stark gespielt gestern, hat die Fehler im Defensivbereich reduziert (auch wenn hier noch Arbeit bleibt), und hat immer an sich geglaubt, auch und gerade nach den zwischenzeitlichen Anschlusstreffern. Das war ein Unentschieden mit Moral. Respekt!

Aber das Beste: die Stimmung am Millerntor. Ganz im Gegensatz zu der misslungen Boykott-Aktion gegen Rostock, die ein kleiner Teil der Fanszene gegen den Rest der Fans als Zwangsmaßnahme durchgesetzt hat (siehe mein Bericht dazu vom März 2010: Erzwungener Fan-Boykott im Rostock-Spiel am Millerntor: Ultras treten Fanrechte mit Füßen), war die Stimmung bei der gestrigen Protestaktion der Sozialromantiker sehr gut. Ich habe dieser Aktion sehr distanziert gegenübergestanden, weil ich einige der Forderungen für übertrieben halte, aber ich fühlte mich gestern nicht bevormundet und als Fan ernst genommen, der diese Aktion eben nicht zu Hundert Prozent unterstützt.

Falls es jemanden interessiert: Was mich an der Aktion der Sozialromantiker stört: Ich finde, dem Verein gelingt es immer noch relativ gut, den schmalen Grat zwischen dem wirtschaftlichen Zwang in der 1. Liga die notwendigen Summen über das Marketing einzunehmen und trotzdem das Gesicht des alternativen Vereins nicht zu verlieren. Mir persönlich ist es egal, ob es 39 oder 29 Logen gibt, oder wer wann die Haupttribüne verlässt oder wieder betritt. Nicht, dass ich da falsch verstanden werde: mir gefällt das natürlich auch nicht, doch ich kann das ignorieren, weil es meine Fanrechte nicht tangiert. Solange diese Einnahmequellen nur einen kleinen Teil der Fans betreffen, zumal man darüber trefflich streiten kann, ob solche Leute, die in einem Spiel nur noch ein Event sehen, überhaupt als Fans bezeichnet werden können. Doch diese Leute sind mir ehrlich gesagt egal. Ganz davon abgesehen, werden durch solche Maßnahmen die günstigen Stehplätze für die übergroße Zahl der Fans mit quer finanziert.

Aber nochmal: ich sehe die Aktionen der Sozialromantiker trotz meiner persönlichen Zurückhaltung durchaus mit Sympathie. Vielleicht war das gestern auch ein wichtiges Zeichen an die Vereinsführung, dass in Sachen Kommerz gewisse Grenzen erreicht sind und dass sich über die Köpfe der Fans doch eben nicht alles realisieren lässt. Und dass Entscheidungen der Vereinsführung transparent kommuniziert werden müssen.

Gestern war es jedenfalls eine großartige Stimmung am Millerntor und die Sozialromantiker haben gezeigt, dass Kritik an der Vereinsführung mit einem bedingungslosen Support der Mannschaft (die ja auch gar nicht kritisiert wird) durchaus vereinbar ist. Wie gut die Stimmung war, und wie toll das Millerntor in rote Farben getaucht aussah, wird beim Betrachten der Bilder in der MoPo («Millerntor in Rouge: Die größte Protest-Aktion aller Zeiten») [Update: bei Stefan Groenveld, dessen Server jetzt wieder online ist)] und beim Anschauen dieses Videos deutlich:


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Ironie der Geschichte: wie als sollte mein solidarischer Beitrag zur Protestaktion der Sozialromantiker doch noch eingefordert werden, musste ich das gesamte gestrige Spiel (und die darauf folgenden Abendstunden) mit einem fortwährenden Blutverlust durch Nasenbluten absolvieren. Es ging schon los mit einem riesigen Schrecken am Morgen: Ich wachte bereits in roter, da blutgetränkter, Bettwäsche auf und im Verlauf des ganzen Tages waren rot gefärbte Küchen- und Papiertaschentücher mein roter Beitrag wider Willen (natürlich gab es jede Menge Anspielungen darauf, wie zum Beispiel vom Modefotografen). Auch ich habe nicht am Support gespart, ging trotz der misslichen nasalen Umstände ans Millerntor und habe dort – auch tapfer singend – durchgehalten. Rechtzeitig zur Nacht, nachdem ich schon überlegt hatte, den Notarzt zu rufen, aus Angst in den kommenden Stunden womöglich zu verbluten, hatte die Blutung gestoppt. Alles wurde gut. Das Herzblut für die Kiezkicker bleibt. Gestern war wahrlich ein besonderer Tag: Forza FC St. Pauli!

5 Gedanken zu “Ein besonderer Tag in Rot am Millerntor: FC St. Pauli – Freiburg

  1. Lieber Markus, erstmal gute Besserung mit dem Nasenbluten & hoffe alles wieder gut!

    Die kleinen Clubs und die Finanzierung…als langjähriger Fan des SC Freiburg eine vertraute Fragestellung. Das System auf gewisse Weise zu nutzen, um an drei Mark fünfzig mehr zu kommen, das halte ich ebenfalls nicht für verwerflich. Ein gewisser Mittelweg kann, muss eingeschlagen werden. So lange sich Verein & Fans nicht zu weit voneinander entfernen…
    Das ist immer eine Gratwanderung. In Freiburg wurde es zwischen Fans und Verein damals sehr hässlich, als Volker Finke ging. War nicht schön.

    Ansonsten ist die Fan-Freundschaft Freiburg-Pauli doch intakt. Und ich hoffe, dass Du auch in der nächsten Saison wieder den Weg ins Dreisamstadion (äääh, Badenova-Arena) findest! 😉

  2. @Eva-Maria: Danke für Deinen Kommentar, der die Analogien von Freiburg und St. Pauli aufzeigt. Was uns hier im Norden betrifft: Es liegt jetzt beim Verein zu zeigen, dass sich beide Seiten durch die gestrige Aktion aufeinander zu bewegen, statt sich weiter zu entfernen. Wie oben angedeutet, vermute ich, dass die Leitung des Vereins das auch verstanden hat.

    An Freiburg habe ich nur beste Erinnerungen. Also gerne wieder. 😉 – Mit meiner Nase ist alles wieder in Ordnung, danke der Nachfrage.

  3. Ich kann das Problem mit dem Nasenbluten gut nachvollziehen. Im vergangen Winter war ich auch häufig davon betroffen. Bei mir lag die Ursache in einer trocknen Nase und mit Nasenöl wurde es schnell besser.

  4. @Tobias: Es gibt extra Nasenöl? Interessant. Sollte das bei mir nochmal vorkommen (hatte so was noch nie), geh ich sowieso zum Arzt und lasse das checken.

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