Atlas zur Bundestagswahl 2009

Wahlbeteiligung Bundestagswahl 2009 Ich finde die Unterschiede der Wahlbeteiligung in Ost und West schockierend. Knapp 20 Jahre nach dem Fall der Mauer ist deren Verlauf immer noch deutlich auf der Landkarte des Wahlverhaltens zu erkennen.

Aber auch viele weitere interessante Daten zur regionalen Verteilung der Parteienergebnisse und zum Vergleich zur letzten Bundestagswahl lassen sich aus dem Wahlatlas ablesen. Zum selbst Ausprobieren hier (siehe auch die Info dazu) und im Vorführvideo des Anbieters:


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11 Gedanken zu “Atlas zur Bundestagswahl 2009

  1. Wirklich sehr interessant dieser Wahlatlas!

    Ich finde es gar nicht so verwunderlich, dass die Unterschiede in der Wahlbeteiligung zwischen Ost und West immer noch so deutlich sind. Wenn die Menschen dort z.B. zwanzig Jahre nach dem Mauerfall immer noch nicht den gleichen Lohn erhalten wie im anderen Teil Deutschlands, warum sollte sich dann sowas wie die Wahlbeteiligung angeglichen haben? Und ehrlich, wenn ich mir anschaue, wie NPD&Konsorten in vielen östlichen Landesteilen abgeschnitten haben, dann können wir vielleicht sogar noch froh sein, dass die Wahlbeteiligung dort nicht höher war.

  2. @Liisa: Ähnliche Gedanken sind mir auch durch den Kopf gegangen. Aber gerade um extremen Parteien keine Chance zu geben, wäre es natürlich wünschenswert, dass sich mehr Menschen an demokratischen Wahlen beteiligen. Schwierig natürlich, wenn ihnen kaum realistische Alternativen angeboten werden, die 20 Jahre nach dem Fall der Mauer immer noch bestehenden Barrieren und Ungerechtigkeiten in der Anpassung von Ost & West zu überwinden.

  3. Ein paar Gedanken noch dazu. Ich denke, es gibt auch gerade im Osten eine Reihe potentieller Wähler, die eigentlich der SPD die Stimme geben würden, ihr aber zur Zeit nicht über den Weg trauen. Die bleiben dann eben zu hause.

    Und dann spielt vielleicht auch die Bevölkerungsdichte eine Rolle. Wenn ich das richtig interpretiere sind ja gerade die dünnbesiedelten Gebiete besonders wahlmüde. Vielleicht ist es so, dass da, wo im Alltag keine Politik zu sehenn ist, auch kein gesteigertes Interesse an Wahlen ist.

  4. Schaut Euch mal in der Zwei-Karten-Darstellung nebeneinander die Wahlbeteiligung und die Arbeitslosenquote an, denn es gibt neben dem sehr auffälligen Ost-West Gegensatz auch noch im Westen einen zwischen Großstadt und deren Umland (das meinte ich im Video mit “wohlbehüteteren Gegenden”). Die beiden Karten sind nahezu komplementär.

  5. @Michael: Ja, Du hast vollkommen Recht. Ich hab das mal mit einem Screenshot festgehalten:

    Arbeitslose verweigern sich eher der Wahl

    links: Wahlbeteiligung BTW09 | rechts Arbeitslosigkeit Dez. 2008

  6. Als Ossi hab ich eine andere Theorie:

    Im “Westen” haben sich in der Zeit des Wirtschaftswunders bestimmte Hochburgen gebildet. man wählte schwarz oder rot aus Überzeugung.

    Bei uns hingegen kamen SPD und Union in einer Zeit an, in der sich beide Parteien zum Verwechseln ähnlich waren. Die SPD kann nicht glaubhaft vermitteln, was sie unter “sozialer Kompetenz” versteht, denn ernste gesellschaftliche Umbrüche sind seit der Niederlage des Kommunismus nicht mehr gewünscht. Und mit dem dämlichen Slogan “Sozial ist, was Arbeit schafft” der INSM schafft es die Union, sich als “Anwalt des kleinen Mannes” aufzuspielen. Man mag die Union vielleicht nicht, aber warum dann eine schlechte Kopie der Union wählen?

    Wir im Osten wählen gern etwas aus Überzeugung, aus Hoffnung auf Änderung – und nicht “aus Anstand” oder weil es eben alle machen. In den Zeiten, in denen niemand den Politikern mehr irgendwas zutraut, sind das sehr viel Nichtwähler, und es sind eben auch Extremisten wie SED (für mich bleiben die Linken die SED, egal wie sie sich umbenennen) oder die “Arbeit erst für Deutsche!”-Spinner, die ja auch so tun als könnten sie was ändern.

    Angesichts der Performance aktueller Regierungen sehe ich eine hohe Wahlbeteiligung nicht als “uh, wir sind so demokratisch”, sondern eher als stoische Handlung.

    BTW: Landkreis Magdeburg: Piraten haben auch dank meiner Stimme 3.1% geholt 🙂

  7. @TrueTigger: Danke für Deine andere Sichtweise, die mir auch sehr nachvollziehbar erscheint. Außer dass ich von der immer noch andauernden Stigmatisierung der Linken (und ihrer Wähler) nichts halte. Zu Deinem Beitrag zum recht erfreulichen Abschneiden der Piraten in Magdeburg – über 3 %, wow! – möchte ich Dich aber wiederum ausdrücklich beglückwünschen.

  8. Die 3% liegen ja auch an der miesen Wahlbeteiligung in einer Region, die eh schon von Abwanderung geprägt ist, also wenig Leut (eine Stimme hat mehr Kraft) und nochdazu weniger Wähler (eine Stimme bekommt noch mehr Kraft) => die 3% in Magdeburg sollte man nicht überbewerten, es gibt dort auch nicht mehr Leut als im Rest Deutschlands, die von den Ideen der Piraten überzeugt wären. Leider.

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