Wir müssen umdenken: Gesunde Städte durch gesellschaftliche Teilhabe

Alles rosa oder was? Idyll in Wandsbek Im Vorfeld der Wahlen zu den Bezirksversammlungen ist Bürgerbeteiligung ein wichtiges Stichwort. Irgendwie haben sich das Thema Partizipation alle Parteien auf die Fahnen geschrieben. Mit der konkreten Umsetzung scheint es aber nicht so weit her zu sein. Ich habe den Eindruck, dass bisherige Mitglieder der Bezirksversammlung die Kommunalpolitik durch die rosa Brille sehen (dazu passend dieses schöne Foto rechts, ein in Wandsbek aufgenommenes Motiv eines rosaroten Idylls in der Kattunbleiche) und behaupten, sie böten die Bürgerbeteiligung bereits an. Hört man sich auf Podiumsdiskussionen im Bezirkswahlkampf die Fragen und Sorgen der Bürger an, stellt man aber fest, dass die sich nicht einbezogen fühlen in die bisherigen Entscheidungen ihr unmittelbares Leben vor Ort betreffend. Für die kommende Kommunalpolitik – zum Beispiel auch für uns Piraten, sollten wir es in Wandsbek schaffen, in die Bezirksversammlung gewählt zu werden, aber auch für alle politischen Parteien – wird es daher eine der zentralen Herausforderungen sein, wie man Bürgerbeteiligung nicht nur irgendwie anbietet, sondern wie die Verwaltungen und die Bezirkspolitiker vor Ort aktiv dazu beitragen können, dass eine direkte Einflussnahme der Menschen auf das stattfindet, was in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft passiert.

Ich habe heute einen sehr klugen Text gelesen, der genau an diesem Punkt ansetzt: Wer Partizipation umsetzen will, darf nicht von der Politik aus denken (im Sinne von «Wie können wir die Bürger beteiligen?»), sondern es muss von den Bürgern aus gedacht werden: Wie können wir den natürlichen Drang, auf die Dinge in der eigenen Umgebung größtmöglichen Einfluss zu nehmen, am besten zur freien Entfaltung führen und damit für alle ein gutes Organisieren des Zusammenlebens in der unmittelbaren Nachbarschaft ermöglichen?

partizipation
Wortwolke aus dem Text, erstellt mit Wordle.net.

Partizipation nutzt viele Orte, aber in keinem ist sie so wesentlich, wie in der Umgebung der Menschen selbst, im Stadtraum, in der Nachbarschaft. Daher sei hier die These vorangestellt: Nur eine Stadt, die die Partizipation der Bewohner nicht behindert, ist eine gesunde Stadt. Und nur eine gesunde Stadt meistert die Herausforderungen der Zukunft.

Wie bereits erwähnt, wenden wir uns nicht der Frage zu, wie Partizipation implementiert und in Gang gesetzt werden kann, sondern wie sie sich frei entfalten kann. Dies ist eine Änderung der Denkrichtung, denn das bedeutet, unsere Städte von den Bewohnerinnen und Bewohnern aus zu denken: hier geht es also um eine Beendigung der Entfremdung der Menschen von der Gesellschaft und letztlich auch von sich selbst im städtischen Leben. Eine Stadt, die sich in diese Richtung entwickelt, wird ohne weitere Anstrengungen zu einer sozialen und umweltgerechten Stadt. Deshalb ist dieser Prozess Aufgabe aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, der Politik und der Verwaltung in einer ressortübergreifenden, integrativen Arbeitsweise.

Der Text mit dem Titel «Partizipation als Rezept: Gesunde Städte durch gesellschaftliche Teilhabe» (im Newsletter Wegweiser Bürgergesellschaft als 6-seitiges PDF verlinkt) stammt von Jeanne Grabner. Sie ist leitende Mitarbeiterin der Stiftung SPI in Berlin. In ihrem Geschäftsbereich Stadtentwicklung werden zahlreiche Modellprojekte im Bereich Kinder- und Jugendbeteiligung wie auch zu Bürgerbeteiligung bei Baumaßnahmen entwickelt und durchgeführt.

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