Danke FC St. Pauli für ein großes Spiel in Wolfsburg

Lächerliche Werbemaßnahmen in Wolfsburg - ein Volksbank-Zeppelin kreist durch die Arena

Wir haben heute ein großes Spiel unserer Mannschaft gesehen, bis zur 88. Minute waren wir dem mehr als verdienten Sieg auch sehr nah. Doch es sollte am Ende nicht sein (2:2). Was ich heute gelernt habe: eine Bundesliga-Atmosphäre wie in Wolfsburg, das geht gar nicht. Da fliegt ein lächerlicher Werbezeppelin durchs Stadion, wirbt für die Volksbank. Sprüche auf dem Weg zum Stadion sollen die Wolfsburg-Fans auf etwas einschwören, wozu man eigentlich Fans gar nicht erst einschwören muss («Wir stehen zusammen»). Davon war dann im Stadion nichts zu spüren. Und diese Fans verhöhnen ihre Mannschaft nach dem Spiel mit Gesängen wie «Wir sind Wölfe und ihr nicht». Nein, so eine Bundesliga braucht kein Mensch. Wolfsburg war extrem schwach. Von ihren Fans angetrieben oder unterstützt wurden sie nicht.

Die Boys in Brown haben dagegen bravourös gekämpft und uns ein Spiel geliefert, bei dem von Anfang an zu spüren war, dass diese Mannschaft lebt. Sollte dieses Leben sich nicht auf die erste Liga beziehen, haben wir heute in der lächerlichen Plastik-Atmosphäre des Wolfsburger Stadions eine eindrückliche Vorführung bekommen, dass dieses Leben auch prima (und vielleicht sogar aufrichtiger) in der Zweiten Liga fortgeführt werden kann. Als das 2:1 fiel, habe ich – total überwältigt von den Gefühlen – geweint. Ich schäme mich meiner Tränen nicht. Diese Mannschaft hat heute ein großartiges Match geliefert. Und dass sie das auch eine Etage tiefer wird tun können, wissen wir. So oder so freue ich mich auf das, was kommen mag. Danke und Forza FC St. Pauli!

18 Gedanken zu “Danke FC St. Pauli für ein großes Spiel in Wolfsburg

  1. du hast heino in der halbzeit vergessen.

    wolfsburg hat meine schlimmsten befürchtungen übertroffen, was kommerz, langweile etc pp betrifft.

    das hat mit fußball nichts zu tun.

  2. @Jöran: danke.

    @sparschaeler: Oh Schreck, das Niedersachsenlied, mit Pathos-Overkill von Heino vorgetragen. Das hatte ich schon wieder verdrängt. ja, grausam.

  3. @sparschaeler: Die Bahnfarce vor Uelzen (“Wir öffnen aus Eigenschutz nur 3 Türen weil 500 Fußballfans von St. Pauli und H96 auf den Bahnsteigen stehen”) gehört in der Tat zu den skurrileren Bahnerlebnissen bisher.

    @westernworld: Ich finde ja, dass der FC St. Pauli diesen Spagat zwischen Authentizität und Kommerz bis dato ganz gut hin bekommen hat. Und noch sind wir nicht abgestiegen. 😉

  4. Da habt ihr ja eine kuriose Tour nach WOB hinter euch. Schade, dass es dann mit einem Sieg am Schluss doch nicht geklappt hat. Fiebere aber den Rest der Saison noch mit euch mit, dass St. Pauli nicht absteigt.

  5. Gerade das Spiel gestern hat mir wieder einmal gezeigt, warum ich für und mit dem FC St. Pauli gehe.

    Das ist eine Mannschaft!
    Das sind Fans!
    Das ist Fussball!

    Also weiter gehen und die Liga noch ein weiteres Jahr rocken oder nächstes Jahr wieder in unserer Liga für Begeisterung sorgen. So oder so gilt: St. Pauli ist die einzige Möglichkeit.

  6. @Elke: Wenn wir in den verbleibenden 4 Spielen so stark spielen wie gestern und WOB weiterhin so lust- und kraftlos auftritt, werden wir am Ende auf jeden Fall vor denen stehen. Ob das dann reicht, wird man sehen. Danke für’s Mitfiebern.

    @remaklation: Die Gänsehaut beim “You never walk alone”, als die Mannschaft gstern zu uns in die Gästekurve kam, wurde durch den Kontrast zur Plastikatmosphäre der Wölfe nochmal erheblich gesteigert. Das ist einzigartig und echt.

  7. Diese Werbefluggeräte gibts ja nun leider nicht nur in Wolfsburg.. Ich meine, dass es in Dortmund auch so eins gab/gibt..
    Du hast definitiv recht, diese künstliche Atmosphäre ist furchtbar..
    Es war aber wirklich nett, dich mal wiederzusehen, auch wenns nur recht kurz war 🙂

  8. @Bucanero1910: Ja, ging mir auch so. Und eins bleibt festzuhalten: Wenn Foxxibaer, Sparschaeler Du und ich auf ein Auswärtsspiel fahren, geht der FCSP nicht leer aus. 4 (gefühlte 6) Punkte aus 2 Spielen – Freiburg & Wolfsburg – können sich sehen lassen.

  9. Ihr Bericht deckt sich mit dem, was man als Stream- und AFM-Radio-Zuhausebleiber erlebt hat.

    Ich war zwar traurig, dass es zuletzt nicht zum Sieg gereicht hat, aber für alles andere hat es mehr als nur gereicht. Das war großartig.

  10. @Jekylla: Ich habe gestern meine Position bestätigt gesehen, dass unser FC St. Pauli längst noch nicht Gefahr läuft, in die Kommerzfalle zu tappen. Doch wenn es eines abschreckenden Erlebnisses bedurfte, warum wir so etwas am Millerntor nicht haben wollen, und hoffentlich nie haben werden, dann kam dieses Wolfsburg-Erlebnis gerade zur rechten Zeit. Auf der einen Seite eine tote Mannschaft in einer Plastik-Arena vs. auf der anderen Seite eine lediglich finanziell minderbemittelte, aber in sportlich-kämpferischer Hinsicht durchgehend überlegene Mannschaft. Ganz zu schweigen von den entsprechenden Kontrasten der jeweiligen Fans: verwöhntes Anspruchsdenken vs. bedingungslose Unterstützung.

    St. Pauli ist die einzige Möglichkeit.

  11. Es heisst ja immer “Wehret den Anfängen…”

    Aber jetzt wissen Sie bestimmt die Initiative der Sozialromantiker besser einzuschätzen, denn sowas wollen wir nie, nie, nie.

    Und ja, St. Pauli ist die einzige Möglichkeit!

  12. @Jekylla: Ich sah mich, wie gesagt, in meiner Position bestätigt, dass es bei uns eben nicht so ist wie bei den herzlosen Plastik-Kommerz-Vereinen. Aber die Sozialromantiker haben recht, wenn sie sagen “Wehret den Anfängen”. Das sehe ich auch so.

  13. Dafür sind solche Ausflüge in andere Stadien der Bundesliga ganz nützlich: man weiss dann wieder ganz deutlich, was man hat. Und was man nicht haben will.

    Freue mich schon auf nächste Woche. Endlich wieder da, wo ich am liebsten bin 🙂

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