Online-Inkompetenz des Main-Rheiner

Main-Rheiner - Auszug Artikel über IKEA Hacker Wieder ein nahezu fassungslos machendes Beispiel der Online-Inkompetenz von manchen Zeitungen. Dieses Mal der Main-Rheiner bzw. die dort zuliefernde Idsteiner Zeitung: Die weisen doch tatsächlich vorgestern (14. August), also zwei Wochen (!) nach Schließung des Blogs IKEA Hacker noch in einem ausführlichen Artikel auf selbiges hin: «Skurrile Entwürfe aus Billi & Co.»

Verfremdete Ikea-Produkte auf Website / Idsteiner mit viel Phantasie

IDSTEIN Sie sind skurril, sie sind witzig, manchmal auch praktisch: Was sich an Neuem aus Ikea-Produkten basteln lässt, zeigt eine neue Internet-Seite des Idsteiners Thomas Meyer.

Ganz zu schweigen, dass im CMS der Link nicht richtig eingegeben wurde, die Leser, die es schaffen, das Komma da händisch aus dem Link heraus zu friemeln, stoßen ja selbst bei Aufruf der korrekten Adresse ikeahacker.de auch nur noch auf den Hinweis, dass das Blog geschlossen wurde. Davon steht in dem Artikel jedoch kein Wort. Wäre es denn nicht ein minimaler journalistischer Anspruch, wenn man denn schon die Schließung und die Debatte über das Blog in den Idfelder Redaktionsstuben komplett verpasst hatte, einfach mal den Link in dem zu veröffentlichenden Artikel (der offensichtlich schon seit Wochen in der Pipeline war) anzuklicken und auf Funktionstüchtigkeit zu überprüfen? Und dabei eben zu bemerken, dass es das Blog gar nicht mehr gibt. Der Redakteur hätte der Zeitung die Peinlichkeit und seinen Lesern den Frust erspart.

Main-Rheiner ist laut Impressum ein gemeinsames Angebot von Tageszeitungen der Verlagsgruppe Rhein Main, Mainz. Na Herzlichen Glückwunsch, lieber Main-Rheiner und liebe Idfelder Zeitung zu diesem leserfreundlichen und brandaktuellen Online-Artikel!

[Update 11.10.07: Am 1. Oktober hat die Idsteiner Zeitung nachgelegt und die Fakten nachgetragen: «Wie die IZ erst jetzt erfuhr…». Sehr spät und sehr schlecht bescheiden geschrieben. Ikea-Kunden sind also sogenannte Ikea-Hacker. Aha.]

16 Gedanken zu “Online-Inkompetenz des Main-Rheiner

  1. Und die Erde ist eine Scheibe, die Mauer ist gefallen und – ganz aktuell – endlich war der erste Mensch auf dem Mond.

    Ist doch besser, als hinter dem Mond, denn da stehen ja schon die ganzen Main-Rheiner “Journalisten”…

  2. Steffen, ich habe bei diesem Posting sogar an dich als Experten auf dem Gebiet der Analyse der Online-Aktivitäten von (Regional-)Zeitungen gedacht und vermutete bereits, dass solch ein Phänomen für dich nichts Neues darstellt.

    Ich habe selbst drei Jahre als freiberuflicher Journalist für die Saarbrücker Zeitung gearbeitet und weiß aus Erfahrung sehr gut, dass man im Alltagsgeschäft der regionalen Berichterstattung nicht bei jedem Thema immer gleich fit ist, über das man für die Zeitung berichten muss oder darf. Aber eine gewisse Minimalbeschäftigung mit dem, worüber man schreibt, sollte man auch im Regionaljournalismus erwarten dürfen.

  3. Das Problem ist ja nicht mal, dass sie erst jetzt das Ikea-Blog gefunden haben, sondern dass sie nicht in der Lage sind, ein Update zu machen. Garantiert lag die Story ne Zeitlang in der Schublade.

  4. @Matthias: Provinziell muss ja nicht automatisch rückständig heißen. Im Gegenteil: Das Internet ist gerade auch in der Provinz eine große Chance für die Regionalzeitungen. Der direkte Draht zu den Lesern vor Ort.

    @Jekylla: Das glaub ich Ihnen gern. Ich sag ja auch nix gegen Idfeld. 😉
    Mal sehen, wie langsam die Uhren ticken, sprich: wie lange dieser Artikel unkorrigiert im Netz stehen bleibt. Ich fürchte lange…

  5. Ich prophezeie mal, dass nur dann etwas passiert, wenn jemand so gnaedig ist, den Main-Rheiner bezueglich des Faux-pas aufzuklaeren..

    Idfeld hat ein tolles Jazzfestival! 😉

  6. Für unser hr-Hörfunkprogramm suchen wir einen IKEAHacker aus Hessen (!), der in einem kurzen Interview (ca. 20 min.) über seine Ideen und Sinn und Unsinn des “IKEAHackens” spricht. Aus diesem Interview würden kurze Sequenzen (ca. 3x 15 sec.) herausgeschnitten, um sie in einem Hörfunkbeitrag zu verarbeiten. Der Beitrag soll das Phänomen des IKEAHackens darstellen und kurz erklären, wie es geht. Wer hat Lust und/oder hätte dafür Zeit? Der Reporter würde zu euch kommen. Der Termin wäre nicht mit Kosten für euch verbunden.
    Bitte kontaktiert bei Interesse die hr-HessenPlanung unter 069/155-5024 oder ab Mo, den 3.9. – 5023. Herzlichen Dank!!

  7. Lieber Markus, danke für diesen Eintrag, für meine Lizentiatsarbeit analysiere ich unter anderem den “Fall ikeahacker.de” (Diskussionsverlauf in der Blogosphäre und Reaktionen in den Leitmedien). Dabei bin ich auf besagten Artikel gestossen und war ebenfalls furchtbar verwirrt ab datum und inhalt… Auf meine Leserbriefanfrage bei der Zeitung, ob sie diesen Artikel vor dem 1.8. in der Printausgabe veröffentlicht hätten, kam bis jetzt keine Reaktion. Nun, jetzt weiss ichs ja und kanns auch schön korrekt codieren und auswerten…;)
    Gruss aus Zürich
    Corina

  8. Corinna: da hast du dir ja ein interessantes Thema ausgesucht. Überrascht mich nicht, dass der Main-Rheiner sich nicht auf deine Anfrage gemeldet hat, überrascht bin ich jedoch, dass du ihn als “Leitmedium” in deine Untersuchung mit einbeziehst.

  9. neee, als leitmedium untersuch ich den main-rheiner nicht! da ich auch eine chronologie der posts und printartikel mach und fr-online ja schrieb, dass einige zeitungen und tvs schon über ikeahacker.de berichteten, dachte ich, main-rheiner hät den eben schon vorher veröffentlicht und ikea hat den auch gesehen. aber da jetzt ja klar ist, dass die im vollen ernst am 14.8. so einen artikel ohne ein wort zur schliessung bringen, ist der jetzt aus der analyse raus (gibt vielleicht eine randbemerkung so von wegen aktualität und relevanz im journalismus….)

  10. gibt vielleicht eine randbemerkung so von wegen aktualität und relevanz im journalismus…

    Auch als Randbemerkung sicher eine Bereicherung für die Arbeit. 😉

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