{"id":3404,"date":"2010-02-27T01:27:20","date_gmt":"2010-02-27T00:27:20","guid":{"rendered":"http:\/\/textundblog.de\/?p=3404"},"modified":"2024-09-08T06:18:52","modified_gmt":"2024-09-08T04:18:52","slug":"berlinale-bericht-2010-%e2%80%93-what-remains","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/textundblog.de\/?p=3404","title":{"rendered":"Berlinale-Bericht 2010 \u2013 What remains"},"content":{"rendered":"<p>Etwas versp\u00e4tet mein Berlinale-Bericht. Und leider nicht nur versp\u00e4tet, sondern auch unvollst\u00e4ndig. Aber ehe ich aus Zeitmangel \u00fcberhaupt nichts zu meinem &#8211; wie <a href=\"https:\/\/textundblog.de\/?p=3391\">berichtet<\/a> &#8211; 15. Festivalaufenthalt an der Spree schreibe, hier das, was ich zeitlich schaffe (evtl. zu einem sp\u00e4terem Zeitpunkt mehr, keine Ahnung, ob mir das noch gelingen wird).<\/p>\n<p>Die Kritik ist in diesem Jahr mit der Berlinale besonders hart zu Gericht gegangen. Gr\u00f6\u00dftenteils zurecht, es gab schon bessere Filmjahrg\u00e4nge, das stimmt. Wer aber die Auswahl der auf der Berlinale gezeigten Filme kritisiert, muss erst mal die Filme nennen, die statt der ausgew\u00e4hlten h\u00e4tten gezeigt werden m\u00fcssen. Und bei manchen Kritikern hat man den Eindruck, sie denken, Filme w\u00fcrden f\u00fcr die Filmkritik gemacht. Werden sie aber nicht, sie werden f\u00fcr die Zuschauer gemacht. Wer also schreibt, es g\u00e4be kein mutiges Kino, es w\u00fcrden keine Experimente gewagt, untersch\u00e4tzt wom\u00f6glich, dass das normale Publikum vielleicht einfach nur gut unterhalten oder informiert werden m\u00f6chte.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nApropos Publikum, das gut informiert werden m\u00f6chte: zum 5. Mal in Folge wurde der Panorama-Publikumspreis von einem Dokumentarfilm gewonnen: Dieser war gleichzeitig auch mein 50. Film auf dem Festival (ja, ich habe in den 10 Tagen tats\u00e4chlich 50 Filme gesehen, im Schnitt also 5 pro Tag, und immer \u2013 wie ebenso <a href=\"https:\/\/textundblog.de\/?p=3393\">berichtet<\/a> \u2013 1 Stunde am Vortag daf\u00fcr angestanden): <a href=\"http:\/\/www.rbb-online.de\/themen\/dossiers\/berlinale\/news\/news_teaser_2010\/publikumspreis_geht.html\">Waste Land<\/a> von britischen Filmemacherin Lucy Walker (die damit als erste Regisseurin \u00fcberhaupt den Publikumspreis zwei Mal gewonnen hat, denn 2007 war sie schon der Publikumsliebling mit der Dokumentation &laquo;<a href=\"http:\/\/www.festivalblog.com\/archives\/2007\/02\/bergsteiger_der.php5\">Blindsight<\/a>&raquo;). Waste Land ist ein sehr beeindruckender Film, der die &laquo;Catadores&raquo; (M\u00fcllsammler) bei ihrer Arbeit zeigt und ein wirklich abgefahrenes Kunstprojekt vorstellt, das die N\u00e4he zum Sozialkitsch, genau wie der Film selbst, geschickt vermeidet: der brasilianische K\u00fcnstlers <a href=\"http:\/\/www.vikmuniz.net\/\">Vik Muniz<\/a> schafft zusammen mit den M\u00fcllsammlern der M\u00fcllkippe in Rio de Janeiro Kunstwerke der besonderen Art. Ber\u00fchmte Gem\u00e4lde werden nachgestellt oder Portr\u00e4taufnahmen gemacht, die im Anschluss als vergr\u00f6\u00dfertes Bild aufgezogen und mit M\u00fcll &#8222;dekoriert&#8220; werden. Etwa so:<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/textundblog.de\/wp-content\/marat-wasteland.jpg?resize=400%2C300&#038;ssl=1\" width=\"400\" height=\"300\" alt=\"Catador als Marat, Szenenbild aus Waste Land\" title=\"Catador als Marat, Szenenbild aus Waste Land\" \/><\/p>\n<p>Dieses Beispiel basiert auf dem nachgestellten Gem\u00e4lde: &laquo;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Tod_des_Marat\">Der Tod des Marat<\/a>&raquo; von Jacques-Louis David (1793), mit einem der Catadores fotografiert. Wer den Protagonisten des Motivs im Anschluss auf der Auktion in London in Tr\u00e4nen ausbrechen sieht, als dieses mit ihm geschaffene &#8222;Kunstwerk&#8220; dort f\u00fcr \u00fcber 50.000 Pfund \u00fcber den Tisch geht (wie abgefahren!), kann eigene Tr\u00e4nen kaum zur\u00fcckhalten.<\/p>\n<p>Ich schaue ja gew\u00f6hnlich auf den Festivals alle spanischsprachigen Filme (Auflistung der Filme mit spanischer Beteiligung siehe Artikel der Spanischen Botschaft im <a href=\"http:\/\/blog.cibera.de\/2010\/02\/03\/spanische-filme-auf-der-berlinale-2010\/\">ciberaBlog<\/a>). Bis auf einige Kurzfilme ist mir das auch dieses Jahr auf der Berlinale wieder gelungen. Zwei Beispiele guter Filme m\u00f6chte ich hier stellvertretend f\u00fcr die guten Filme in spanischer Sprache zeigen, einer aus dem Wettbewerb, einer aus der Reihe Spezial.<\/p>\n<p>Der argentinische Wettbewerbsbeitrag &laquo;<a href=\"http:\/\/www.rbb-online.de\/themen\/dossiers\/berlinale\/filme\/wettbewerb_2010\/rompecabezas.html\">Rompecabezas<\/a>&raquo; (Puzzle) von <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0807023\/\">Natalia Smirnoff<\/a> hat mir zum Beispiel sehr gut gefallen. Von manchen als banal fehl interpretiert, zeigt dieser Film eine kleine Geschichte aus dem Alltag einer Frau, die zum 50. Geburtstag ein Puzzle geschenkt bekommt und ihre Faszination f\u00fcr diese (gern bel\u00e4chelte) Freizeitbesch\u00e4ftigung entdeckt, bis hin zur Turnierteilnahme in Buenos Aires, verbunden mit dem Traum als Gewinner mit ihrem Puzzle-Partner (gespielt von dem gro\u00dfartigen Schauspieler <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0324496\/\">Arturo Goetz<\/a>, der bei der Premiere in Berlin anwesend war) an einem internationalen Turnier in Deutschland teilzunehmen. Ein kleiner, feiner Film. Eine kleine Geschichte, einf\u00fchlsam und gut (und ja: konventionell) erz\u00e4hlt. Auf dem Youtube-Account der Regisseurin kann man den Trailer sehen:<\/p>\n<p><span class=\"video\"><object type=\"application\/x-shockwave-flash\" style=\"width:425px; height:344px\" data=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/2KZNj4-iggM\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/2KZNj4-iggM\" \/><\/object> <br \/> <cite>Direktlink <a href=\"http:\/\/de.youtube.com\/watch?v=2KZNj4-iggM\">YouTube<\/a><\/cite><\/span><\/p>\n<p>Meine zweite Empfehlung aus dem Reigen der spanischsprachigen Filme kommt ebenso aus Lateinamerika. Mexiko wartet in seinem Jubil\u00e4umsjahr der Mexikanischen Revolution (1910-2010) mit einem Gemeinschaftswerk von zehn Regisseuren (darunter auch die Schauspieler Gael Garc\u00eda Bernal und Diego Luna) auf: &laquo;<a href=\"http:\/\/www.critic.de\/filme\/detail\/film\/revoluci%E3%B3n-2063.html\">Revoluci\u00f3n<\/a>&raquo;.<\/p>\n<p><span class=\"video\"><object type=\"application\/x-shockwave-flash\" style=\"width:425px; height:344px\" data=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/G0tCdbq4QZ4\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/G0tCdbq4QZ4\" \/><\/object> <br \/> <cite>Direktlink <a href=\"http:\/\/de.youtube.com\/watch?v=G0tCdbq4QZ4\">YouTube<\/a><\/cite><\/span><\/p>\n<p>In den weiteren Episoden f\u00fchrten Regie: Rodrigo Pl\u00e1, Amat Escalante, Carlos Reygadas, Mariana Chenillo, Patricia Riggen, Gerardo Naranjo, Rodrigo Garc\u00eda und Fernando Eimbcke. Ausf\u00fchrliche Infos zum Film in der Berlinale-Info (<a href=\"http:\/\/www.berlinale.de\/external\/de\/filmarchiv\/doku_pdf\/20101276.pdf\">PDF<\/a>).<\/p>\n<p>Ansonsten darf ich noch berichten, dass ich <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0024622\/\">Alejandro Amen\u00e1bar<\/a> wieder getroffen habe (in dem leider nicht so guten &laquo;El Mal Ajeno&raquo; von Oscar Santos, den er produziert hat. Alejandro fragte mich im Zoo Palast, wo ich ihn unmittelbar nach der Vorstellung von &laquo;El Mal Ajeno&raquo; ansprach, was mit meinen Haaren passiert sei (als wir uns vor 12 Jahren zum letzten Mal sahen, hatte ich noch lange Haare). Und er erinnerte sich noch sehr gut daran, dass ich der erste Mensch in seinem Leben war, mit dem er ins Internet ging, als wir 1996 zusammen in Saarbr\u00fccken f\u00fcr &laquo;Abre los Ojos&raquo; recherchierten (Original des sp\u00e4teren Remakes Vanilla Sky, beides Mal mit Pen\u00e9lope Cruz in der Hauptrolle). Zugegeben, so eine gro\u00dfartige Entdeckung wie den genialen Film &laquo;Tesis&raquo;, den ich auf der Berlinale 1996 entdeckte, als ich Amen\u00e1bar kennen lernte und nach Deutschland einlud, ist mir dieses Mal nicht gelungen, aber das kann auch nicht jedes Jahr passieren. Insgesamt war ich \u2013 auch beim 15. Mal \u2013 froh, auf der Berlinale gewesen zu sein. Wenn&#8217;s zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt mal passt, geb ich noch weitere Tipps. Sp\u00e4testens, wenn die Filme bei uns ins Kino kommen. Die wenigsten werden das allerdings schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwas versp\u00e4tet mein Berlinale-Bericht. Und leider nicht nur versp\u00e4tet, sondern auch unvollst\u00e4ndig. Aber ehe ich aus Zeitmangel \u00fcberhaupt nichts zu meinem &#8211; wie berichtet &#8211; 15. Festivalaufenthalt an der Spree schreibe, hier das, was ich zeitlich schaffe (evtl. zu einem sp\u00e4terem Zeitpunkt mehr, keine Ahnung, ob mir das noch gelingen wird). 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