{"id":1814,"date":"2007-09-12T14:58:47","date_gmt":"2007-09-12T12:58:47","guid":{"rendered":"http:\/\/textundblog.de\/?p=1814"},"modified":"2007-09-13T09:49:57","modified_gmt":"2007-09-13T07:49:57","slug":"almodovar-das-gesetz-der-begierde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/textundblog.de\/?p=1814","title":{"rendered":"Almod\u00f3var: Das Gesetz der Begierde"},"content":{"rendered":"<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/textundblog.de\/wp-content\/laleydeldeseo.jpg?resize=280%2C418&#038;ssl=1\" width=\"280\" height=\"418\" alt=\"La Ley del Deseo - Das Gesetz der Begierde\" title=\"La Ley del Deseo - Das Gesetz der Begierde\" class=\"bildlinks\"\/> Ich habe <a href=\"https:\/\/textundblog.de\/?p=1808\">vorgestern<\/a> schon auf die <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/film\/Almodovar--Pedro\/1649840.html\">Almod\u00f3var-Reihe<\/a> auf arte hingewiesen. Heute Nacht (23:10 Uhr) l\u00e4uft ein weiterer Streifen des spanischen Regisseurs, \u00ab<a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/film\/1649614.html\">Das Gesetz der Begierde<\/a>\u00bb (1986), auf dem deutsch-franz\u00f6sischen Kulturkanal, der viel zu wenig Zuschauer hat, weil viele lieber seichte Kost auf den anderen TV-Stationen konsumieren. Auch ich werde das mit ein paar Blogartikeln nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen, aber ich kann zumindest die Menschen, die bei mir mitlesen, auf gute Programmangebote hinweisen, was ich ja auch ab und an tue.<\/p>\n<p>Ich hatte ja schon angek\u00fcndigt, dass ich auf diesen Film noch besonders hinweisen w\u00fcrde, da er auch in meiner Magisterarbeit behandelt wurde. Meine Arbeit, von der es weiter unten einen Auszug zu lesen geben wird und mit der ich mein Studium der Hispanistik, Germanistik und Komparatistik an der Uni Saarbr\u00fccken 1993 beendet hatte, drehte sich um das Thema <em>Film im Film<\/em> bei Almod\u00f3var, also inwieweit das Filmeschaffen in den Filmen selbst behandelt wird. Dazu passte nat\u00fcrlich ganz hervorragend der Film \u00abDas Gesetz der Begierde\u00bb, denn die Hauptperson des Films, Pablo Quintero (gespielt von <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0690303\/\">Eusebio Poncela<\/a>) ist ein Regisseur.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nMeine Magisterarbeit habe ich damals noch auf einem Atari ST geschrieben, das hei\u00dft sie liegt mir nur als Neun-Nadel-Ausdruck (!) vor, leider nicht elektronisch. Ich habe jetzt mal zwei Seiten eingescannt und per <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Texterkennung\">OCR<\/a> ins Textformat umgewandelt. Wer sich daf\u00fcr interessiert, kann hier lesen, was es mit den Filmanf\u00e4ngen bei Almod\u00f3var auf sich hat, hier auszugsweise eben bei \u00abLa Ley del deseo\u00bb. Ich w\u00fcrde heute kein Kapitel einer wissenschaftlichen Arbeit mehr mit der etwas unbeholfenen anmutenden Formulierung  &#8222;Eine beliebte Spielregel vieler Cineasten besagt\u2026&#8220; beginnen, aber 1993 war ich offensichtlich noch nicht so weit. \ud83d\ude09 Ich bitte auch um Verst\u00e4ndnis, dass ich aus Zeitmangel die spanischsprachigen Passagen des Textauszuges hier nicht \u00fcbersetzen kann. Den kurzen Dialog h\u00f6rt man sowieso heute Nacht im Film (<em>follar<\/em> ist \u00fcbrigens das F-Wort im Spanischen), und das Almod\u00f3var-Zitat werde ich noch nachtr\u00e4glich in den Kommentaren \u00fcbersetzen und die Quelle f\u00fcr das Zitat angeben.<\/p>\n<p>Et voil\u00e1, ein Blick in die Magisterarbeit des fr\u00fchen Filmwissenschaftlers:<\/p>\n<p><strong>Kap. V.4 Bedeutung der ersten Sequenz f\u00fcr den Film:<\/strong><\/p>\n<p>Eine beliebte Spielregel vieler Cineasten besagt, da\u00df die erste Sequenz eines Filmes bereits in das Thema des Filmes einf\u00fchren soll. Dieser Regel folgt auch Almod\u00f3var in fast all seinen Filmen, auch wenn er immer wieder behauptet, kein &#8218;cineasta&#8216; zu sein.<\/p>\n<p>Schon bei &#8218;Matador&#8216; f\u00fchrt die erste Sequenz in das Themenfeld des Films ein: Man sieht den Stierkampflehrer Diego Montes, der sich beim Anschauen eines Horror-Videos, in dem Frauen umgebracht werden, selbstbefriedigt. Damit ist schon die Verbindung von Sexualit\u00e4t und Tod gegeben, die f\u00fcr den ganzen Film bestimmend sein wird.<\/p>\n<p>Das gleiche gilt f\u00fcr die erste Sequenz bei &#8218;La ley del deseo&#8216;, dieses Mal geht es dem Autor jedoch um mehr, als um blo\u00dfe Einf\u00fchrung in den Film:<br \/>\nEin junger Mann betritt einen Raum und erh\u00e4lt Anweisungen, von einer Person, die zun\u00e4chst im Bild nicht zu sehen ist. Er soll sich langsam ausziehen. sich im Spiegel betrachten,und sich streicheln. Alles wirkt wie Probeaufnahmen f\u00fcr einen pornografischen Film. Dabei wird folgender Dialog gesprochen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8211; Ahora p\u00eddeme que te folle. No me mires. No estoy aqu\u00ed, sino a tu lado y quieres que te folle. Vamos, d\u00edmelo.<br \/>\n&#8211; Pero no hab\u00edamos quedado &#8230;<br \/>\n&#8211; Lo que quiero es que me lo digas. Vamos, no tengas miedo. Es solounapalabra.<br \/>\n&#8211; F\u00f3llame, f\u00f3llame, f\u00f3llame.<br \/>\n&#8211; Quiero que me sientas dentro de t. Solo quiero que goces, Sigue. Sigue y dime cu\u00e1ndo te vas a correr. Me sientes dentro.<br \/>\n&#8211; S\u00ed s\u00ed. Creo que me voy a correr.<br \/>\n&#8211; Yo tambi\u00e9n. Lo has hecho muy bien, despues de ducharte puedes irte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Inwieweit diese Szene in das Thema des Films einf\u00fchrt, liegt auf der Hand; wiederum geht es um Sexualit\u00e4t, um Begierde, dieses Mal jedoch um die gleichgeschlechtliche. Dar\u00fcber hinaus ist die Sequenz im Bereich Film angesiedelt, das hei\u00dft wir sehen einen Darsteller und h\u00f6ren die Anweisungen eines Regisseurs. Dies ist somit ein Hinweis auf Pabo Quintero, den Protagonisten des Films, der auch der Regisseur ist.<\/p>\n<p>Der Verweis auf Pablo Quintero wird durch den \u00dcbergang von der ersten Sequenz zur eigentlichen Filmshandlung noch verst\u00e4rkt: Nach der letzten Einstellung der beschriebenen Sequenz h\u00f6rt man die Anweisung eines Regisseurs &#8222;Bild einfrieren und Ende!&#8220;, ein Leinwandvorhang schlie\u00dft sich, und dem Zuschauer wird klar, da\u00df es sich bei der ersten Sequenz von &#8218;La Ley del deseo&#8216; gleichzeitig um die Schlu\u00dfszene des neuesten Films von Pablo Quintero handelt, den dieser gerade im Kino vorgestellt hat.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus geht es AImod\u00f3var bei diesem Filmbeginn um die Verbalisierung von Sexualit\u00e4t &#8211; hier speziell der homosexuellen &#8211; und er ist sich der Tatsache, da\u00df er damit beim Zuschauer eine eher absto\u00dfende Wirkung erzeugt, bewu\u00dft, ja er provoziert sie sogar ausdr\u00fccklich:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Creo que la primera sequencia es la m\u00e1s dura de soportar por un concepto cultural. Aun partiendo de que no sientes homofobia,hay una cosa que culturalmente no se acepta nunca un hombre, que sabe que puede ser penetrado, lo verbaliza. Que lo diga en voz alta es algo que no se soporta o\u00edr, por un prejuicio que todos tenemos y a todos nos resulta incomod\u00edsimo. [\u2026] Es un problema del macho como especie. [\u2026] De hecho, me invent\u00e9 lo de los dobladores simplemente para quitarle dureza, hacer una pirueta, decir lo que quer\u00eda decir pero no con una tensi\u00f3n inaguantable. El espectador, no importa ni de que tendenc\u00eda ni de que sexo, admite que alguien pague a otro para follar, pero le resulta infinitamente m\u00e1s doloroso y m\u00e1s pat\u00e9tico que alguien pague a otro para decirle que lo folle, en detinitiva para decirle que lo desea. Eso resulta escalofriante.&#8220; [25]<\/p><\/blockquote>\n<p>Womit wir wieder beim Thema der Begierde w\u00e4ren. Mit dieser Eingangsszene ist es Almod\u00f3var gelungen, in das Thema seines Filmes einzuf\u00fchren und gleichzeitig eine gewisse Skandal- bzw. Schockwirkung beim Zuschauer hervorzurufen. Dies hat jedoch auch Schwierigkeiten f\u00fcr den internationalen Vertrieb des Filmes mit sich gebracht. In vielen L\u00e4ndern &#8211; so z.B. In Argentinien und Italien (vgl.hierzu [26]) wollte man die ersten f\u00fcnf Minuten des Filmes zensieren. Die Vertriebe bef\u00fcrchteten einen nichtamerikanischen Film mit einem solchen Beginn, nicht an Fernsehanstalten weiterverkaufen zu k\u00f6nnen. Es ist bezeichnend, da\u00df &#8218;La Ley del deseo&#8220; auch mit dieser provokanten Eingangssequenz im &#8222;modernen&#8220; Spanien, nach Jahrzehnten strengster Zensur unter Franco, ohne Probleme gezeigt werden konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe vorgestern schon auf die Almod\u00f3var-Reihe auf arte hingewiesen. 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