{"id":1645,"date":"2007-06-20T14:46:17","date_gmt":"2007-06-20T12:46:17","guid":{"rendered":"http:\/\/textundblog.de\/?p=1645"},"modified":"2008-11-24T11:21:19","modified_gmt":"2008-11-24T10:21:19","slug":"enrique-dans-geteilte-aufmerksamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/textundblog.de\/?p=1645","title":{"rendered":"Enrique Dans: Geteilte Aufmerksamkeit"},"content":{"rendered":"<p class=\"bildrechts\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/textundblog.de\/wp-content\/uhrwerk.jpg?resize=292%2C140&#038;ssl=1\" width=\"292\" height=\"140\" alt=\"Was symbolisiert die Zeit besser als ein Uhrwerk?\" title=\"Was symbolisiert die Zeit besser als ein Uhrwerk?\"  \/><br \/>\n<cite>Foto: <a href=\"http:\/\/www.sxc.hu\/photo\/523083\">xtrapink<\/a><\/cite><\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.enriquedans.com\/\">Enrique Dans<\/a> hat auf Libertad Digital einen ganz hervorragenden Artikel \u00fcber das Ph\u00e4nomen der geteilten Aufmerksamkeit ver\u00f6ffentlicht. Wir alle sehen uns immer st\u00e4rker einem st\u00e4ndig wachsenden Informationsfluss gegen\u00fcber, wollen alles aufnehmen, m\u00fcssen zwangsweise selektieren und ertappen uns doch dabei, wichtige Themen nur an der Oberfl\u00e4che begleiten zu k\u00f6nnen. Kurzum: \u00ab<strong>Zu viel anzuschauen in zu wenig Zeit<\/strong>\u00bb. <\/p>\n<p>So lautet auch der Titel meiner \u00dcbersetzung des Artikels \u00ab<a href=\"http:\/\/www.libertaddigital.com\/index.php?action=desaopi&#038;cpn=37852\">Demasiado que ver y muy poco tiempo<\/a>\u00bb zu diesem Thema. Ich habe Enrique gebeten, diesen wichtigen Text, der vor ein paar Tagen auf <a href=\"http:\/\/www.libertaddigital.com\/\">Libertad Digital<\/a> erschienen ist, ins Deutsche \u00fcbersetzen zu d\u00fcrfen und ihn hier zu pr\u00e4sentieren. Er hat zugestimmt und ich habe mich gleich an die Arbeit gemacht.<\/p>\n<p>Obwohl ich mir nat\u00fcrlich alle M\u00fche gegeben habe, diesen Artikel korrekt und unter weitestgehender Wahrung des lesenswerten Stils des spanischen Informationsexperten zu \u00fcbersetzen (schlie\u00dflich ist das mein Beruf), empfehle ich denen, die Spanisch k\u00f6nnen, ausdr\u00fccklich die Lekt\u00fcre des spanischen Originals. Allen anderen lege ich die deutsche \u00dcbersetzung ans Herz, die gerne auch hier als <a href=\"https:\/\/textundblog.de\/doc\/enrique-dans-geteilte-aufmerksamkeit.pdf\">PDF<\/a> (2 S., 49 KB) heruntergeladen werden kann. <\/p>\n<p>Ein Zitat zur Einstimmung auf den interessanten Text:<\/p>\n<blockquote><p>In Blogs und Zeitungen wird jeder Artikel entweder in vergleichbarer Zeit gelesen oder durch schnelles \u00dcberfliegen quergelesen, um den Inhalt gerade soweit zu erfassen, dass man mitbekommt &#8222;um was es geht&#8220;. Auf meiner Website geben Besucher oft Kommentare ab, die deutlich zeigen, dass sie den Text nicht vollst\u00e4ndig gelesen haben, dass sie einen schnellen, oberfl\u00e4chlichen Blick auf den Text geworfen haben, ohne den Text in seiner G\u00e4nze zu erfassen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der komplette Text auf spanisch bei <a href=\"http:\/\/www.libertaddigital.com\/index.php?action=desaopi&#038;cpn=37852\">Libertad Digital<\/a> oder hier im Blog nach dem Klick auf (Mehr&#8230;)<!--more--><\/p>\n<h2>Zu viel anzuschauen in zu wenig Zeit<\/h2>\n<p><strong>Enrique Dans <\/strong><br \/>\n(Artikel ersch. in \u00ab<a href=\"http:\/\/www.libertaddigital.com\/index.php?action=desaopi&#038;cpn=37852\">Libertad Digital<\/a>\u00bb; \u00fcbers. aus dem Spanischen von Markus Trapp) <\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit der informellen Hypertrophie. Inhalte str\u00f6men wie Lawinen von \u00fcberall her auf uns ein, \u00fcberw\u00e4ltigen uns, umgeben uns, wir versinken in ihnen&#8230; mit einem Klick springen wir von einer Seite der Welt auf die andere, von einer Nachricht zu einem Foto, zu einem Video, zu einem Blog, zu einem Podcast. Informationen h\u00e4ufen sich an in unserem Eingangsordner, in unserem Newsreader, in den Kommentaren unseres Blogs, in unseren abonnierten Feeds&#8230; sie verdoppeln sich und reagieren aufeinander, vermischen sich, verkn\u00fcpfen sich und wiederholen sich: wir leben ohne Zweifel im Zeitalter der <em>Infoxikation<\/em>, der informatorischen \u00dcberdosis, des \u201eirgendwo hab ich das doch schon mal gelesen\u201c. Nie zuvor stand dem Menschen durch einen Klick seines Fingers auf so ein schlichtes Ger\u00e4t wie eine Maus eine so \u00fcberw\u00e4ltigende F\u00fclle an Informationen zur Verf\u00fcgung. Wir haben schlichtweg keine Zeit all jene Informationen aufzunehmen, die uns interessieren k\u00f6nnten: wir k\u00f6nnen weder <em>mit<\/em> soviel Information leben, noch wollen wir auf gar keinen Fall <em>ohne<\/em> diese leben. <\/p>\n<p>Wie begegnen wir der informationellen \u00dcberflutung, der Informationslawine, dem Wandel unserer Gewohnheiten, der sich aus dem Konsum von Informationen so zahlreicher Art und unterschiedlicher Herkunft ergibt? Bedenken wir, dass wir mit einer Reihe von Klicks von einem Blog zu einer Zeitung, zu einem Video bei YouTube und zur Startseite von Men\u00e9ame gelangen [Anmerkung des \u00dcbersetzers: <a href=\"http:\/\/meneame.net\">meneame.net<\/a> ist eine spanische Variante von <a href=\"http:\/\/digg.com\">digg.com<\/a>]. Unsere Aufmerksamkeit wandelt sich in ein Model des zerstreuten Aufsaugens. Dieser Welle von Informationen ausgesetzt, kommt es darauf an, jeden Teil auf ein verwertbares Appetith\u00e4ppchen zu reduzieren, das mit einem Bissen aufgenommen werden kann: YouTube erfordert unsere Aufmerksamkeit im Schnitt f\u00fcr zwei Minuten. Auf Men\u00e9ame schnappen wir jede Nachricht in einigen wenigen Zeilen auf, die gleichzeitig eine Klassifizierung oder Bewertung beinhalten, die es uns erm\u00f6glichen Priorit\u00e4ten zu setzen.<\/p>\n<p>In Blogs und Zeitungen wird jeder Artikel entweder in vergleichbarer Zeit gelesen oder durch schnelles \u00dcberfliegen quer gelesen, um den Inhalt gerade soweit zu erfassen, dass man mitbekommt &#8222;um was es geht&#8220;. Auf meiner Website geben Besucher oft Kommentare ab, die deutlich zeigen, dass sie den Text nicht vollst\u00e4ndig gelesen haben, dass sie einen schnellen, oberfl\u00e4chlichen Blick auf den Text geworfen haben, ohne den Text in seiner G\u00e4nze zu erfassen. Dies passiert vor allem bei l\u00e4ngeren Beitr\u00e4gen. Ausf\u00fchrlich schreiben bedeutet, sich mit einem Bruchteil der Aufmerksamkeit abfinden zu m\u00fcssen. Medienproduzenten werden sich dessen immer mehr bewusst: bei einer Generation, die ihre Aufmerksamkeit mit der Pipette verteilt, m\u00fcssen die Inhalte regelrecht in Pillenform dargeboten werden, sodass sie in einem spontanen Moment konsumiert werden k\u00f6nnen, w\u00e4hrend einer Wartezeit, im Taxi, im Aufzug. Mundgerechte Informations-<em>Snacks<\/em> sind hier gefragt, ein Schl\u00fcckchen statt eines Glases, eine Vorspeise statt des Hauptgerichtes.<\/p>\n<p>Alles leidet unter einer anhaltenden Tendenz zur Reduktion. Ein Nachrichten\u00fcberblick wird auf wenige Minuten reduziert, wir m\u00fcssen ihn in seine Einzelbestandteile zerlegen k\u00f6nnen, damit wir uns einige wenige Nachrichten aussuchen k\u00f6nnen, damit wir schnell \u00fcber sie hinwegscrollen k\u00f6nnen, und damit wir sie gar auf den winzigen und unbequemen Displays unserer Handys lesen k\u00f6nnen. Ein <em>Podcast<\/em>, eine <em>Webisode<\/em>, ein Online-Spielchen, ein Twitter-<em>Update<\/em> in 140 Zeichen, das dir einen Verweis erteilt, wenn du alle 140 benutzt&#8230; dies alles im Nu, unsere Aufmerksamkeit verschlingt den Inhalt, \u00fcbergibt ihn an die Fresszellen und verdaut ihn, ehe wir zum n\u00e4chsten Inhalt \u00fcbergehen.<\/p>\n<p>Jede M\u00f6glichkeit, die uns hilft, Inhalte anhand gewisser Kriterien auszuw\u00e4hlen, wird gerne genutzt, manchmal mit einer Popularit\u00e4t, die jegliche bisher bekannte Aufmerksamkeitsdynamik \u00fcbersteigt: Was macht die sozialen Filter wie Digg oder Men\u00e9ame so popul\u00e4r? Weshalb erzeugen sie einen solch hohen Traffic? Einfach durch ihre Wechselseitigkeit: auf einen Blick k\u00f6nnen 90 % der Benutzer auf die Auswahl an Nachrichten, die gerade einmal  10 % der Benutzer durch ihre Bewertungen und Kommentare getroffen hat, zur\u00fcckgreifen. Die Zahl der <em>tumblelogs<\/em> steigt st\u00e4ndig: Seiten, auf denen ein Nutzer eine Reihe von Nachrichten oder Themen vorstellt, die ihm aufgefallen sind, manchmal mit einem kurzen Kommentar versehen, wobei es dem Urteil des Lesers \u00fcberlassen bleibt, ob er den Link anklickt oder es bei der einfachen Erw\u00e4hnung bel\u00e4sst.<\/p>\n<p>M\u00fcssen wir uns wirklich mit einem System der geteilten Aufmerksamkeit begn\u00fcgen? Mit einem vollkommen oberfl\u00e4chlichen Informationskonsum? Mit einem unaufhaltsamen und herumwandernden Geschw\u00e4tz? Ich wei\u00df es ehrlich gesagt nicht, aber eine Tendenz in diese Richtung ist zu erkennen. Die kommende Generation scheint sich mehr und mehr diesem Konsumtypus anzun\u00e4hern, hin zu einem Modell der Momentaufnahme, bei dem die Lekt\u00fcre eines Textes von mehr als zehn Zeilen zum Querlesen verpflichtet. S\u00e4tze, die auf ein T-Shirt passen, Abk\u00fcrzungen in SMS&#8230; andere Medien, andere Inhalte, andere Denkschemata um Informationen in Intervallen zwischen drei\u00dfig Sekunden und f\u00fcnfzehn Minuten zu verarbeiten, mehr nicht. Mehr Zeit aufzuwenden, ein l\u00e4ngeres Intervall zur Verf\u00fcgung zu haben, wird ein echter Luxus sein. Bereiten wir uns auf ein Modell der geteilten Aufmerksamkeit vor, denn das wird das \u00c4u\u00dferste sein, was wir erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"right\">Das Original des Artikels von Enrique Dans<br \/>\n (<a href=\"http:\/\/enriquedans.com\">enriquedans.com<\/a>) ist am 6. Juni 2007 unter dem Titel<br \/>\n\u201eDemasiado que ver y muy poco tiempo\u201c auf Libertad Digital erschienen.<br \/>\nURL: <a href=\"http:\/\/www.libertaddigital.com\/index.php?action=desaopi&#038;cpn=37852\">http:\/\/www.libertaddigital.com\/index.php?action=desaopi&#038;cpn=37852<\/a><br \/>\n\u00dcbersetzung und Verbreitung mit freundlicher Genehmigung des Autors.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: xtrapink Enrique Dans hat auf Libertad Digital einen ganz hervorragenden Artikel \u00fcber das Ph\u00e4nomen der geteilten Aufmerksamkeit ver\u00f6ffentlicht. Wir alle sehen uns immer st\u00e4rker einem st\u00e4ndig wachsenden Informationsfluss gegen\u00fcber, wollen alles aufnehmen, m\u00fcssen zwangsweise selektieren und ertappen uns doch dabei, wichtige Themen nur an der Oberfl\u00e4che begleiten zu k\u00f6nnen. 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