Tweet der Woche: Das Rätsel hinter der Autokorrektur

Ich muss schon sagen, @der_handwerk versteht sein selbiges. Seine Tweets bereiten – nicht nur mir – häufig eine besondere Freude. Diese Woche hat er einen publiziert, den ich zum «Tweet der Woche» küren möchte: Vermeintlich ganze drei Wörter der getwitterten Kurznachricht stehen da so, wie er sie wohl gemeint haben könnte. Alle anderen wurden von Herrn @Formschubs Streber aus der 8b mehr oder weniger entstellt:

Tweet der Woche von @der_handwerk

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Tweet der Woche spricht Vielen aus der Seele

Es gibt wirklich viel Unbedachtes in der Vorberichterstattung des heutigen Viertelfinales zwischen Deutschland und Griechenland. Und damit meine ich nicht nur die strohdummen BILD-Schlagzeilen oder die schlechten Witze zum Verhältnis der beiden Länder. Nein, es werden schlimmste Dinge ohne jedes historische Feingefühl fabriziert und in weiten Teilen der Medien ersetzt eine regelrechte Kriegsberichterstattung die Information rund um die EM. In seinem satirischen Beitrag «Heimspiel in Danzig» schießt Henning Bornemann präventiv zurück. Doch ob des Zitierten vergeht einem das Lachen ganz schnell.

Einen besonders schlimmen Punkt des nationalen Chauvinismus’ spricht Maike aka @ruhepuls an, und so kommen wir auch schon zum «Tweet der Woche», der ihrer Tastatur entstammt und vielen von uns aus der Seele spricht:

Tweet der Woche von @ruhepuls

Freude über den Spielgewinn der Mannschaft, die man als Fan unterstützt, ist eine Sache. Ein unterschwelliger, übersteigerter Nationalismus ist die andere. Dazu passend eine aktuelle Lektüre-Empfehlung:

Farbe ins Gesicht, Trikot an und schon wird gegrölt. Seit 2006 ticken Deutsche bei WM oder EM aus. Doch um Party geht es vielen nicht, sie leben ihren Nationalismus aus.

Weiter im Artikel von Constantin Wißmann auf ZEIT Online:
«Meine gefährliche Liebe zu Deutschland».

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Tweet der Woche von Herrn @Buddenbohm

Als Kinder haben wir alle irgendwann auch mal “Arbeit” gespielt. Dabei wurden sicher die meisten von uns spielerisch noch nicht an die heutige Arbeit herangeführt, weil es die modernen IT-Arbeitsmittel zu jener Zeit entweder noch nicht gab, oder sie noch keine nennenswerte Verbreitung in unserem Alltag hatten. Heute ist das sicher anders. Die Welt der Kinder und die der arbeitenden Erwachsenen ist irgendwie gar nicht mehr so weit von einander entfernt. Trefflich beobachtet im «Tweet der Woche» von Herrn @Buddenbohm:

Tweet der Woche von @Buddenbohm

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Tweet der Woche: Kurz = gut (oder schlecht?)

Ob die Kommunikation auf Kanälen mit beschränkter Textlänge – also etwa via SMS (160 Zeichen) oder auf Twitter (140 Zeichen) – tatsächlich den Wortschatz der beteiligten Kommunikatoren vermindert, ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht worden. Eines steht jedoch fest: der Nachrichtenaustausch auf Twitter erfordert in der Regel diszipliniertes Kurzfassen der Autoren. Bei manch ausschweifend formuliertem Pamphlet – hier ist @steffenmeier unumwunden zuzustimmen – wünscht man sich die Kurzform in 140 Zeichen. Im «Tweet der Woche» formuliert es @assenassenov so:

Tweet der Woche von @assenassenov

Es bleibt dahin gestellt, ob er damit selbstironisch einen Verlust an Wortschatz-Varietät konstatiert, oder ob er die Disziplinierung zur Redundanz-Vermeidung in den Vordergrund stellt.

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Tweet der Woche: Vergesst Mörike

In dieser Jahreszeit wird gerne von Gefühlen gesprochen. Das Blut – und anderes – ist aller Orten in Wallung. Eizellen locken – zugegeben nicht nur im Frühling – Spermien. Frühlingsgefühle führen laut Wikipedia dazu, dass man sich besonders leicht zu anderen Menschen hingezogen fühlt. Eduard Mörike drückte es vor einhundertachtzig Jahren anno 1832 in seinem berühmten Gedicht «Er ist’s» (hier auch als Video-Collage) so aus:

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

In einer besonders kurzen Form hat sich auch ein Twitterer der Frühlingsgefühle angenommen. Ihm ist meines Erachtens damit der «Tweet der Woche» gelungen. Es war @Agent_Dexter, der in diesen Tagen Mörikes blaues Frühlingsband zu folgender Kurzprosa verdichtete:

Tweet der Woche von @Agent_Dexter

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Tweet der Woche: Es gibt noch mehr Urheber

Auf die Gefahr hin, dass manche es nicht mehr hören können: es geht auch beim «Tweet der Woche» um das Urheberrecht. Konkret um den mehr als ärgerlichen gestern gestarteten “Wir sind die Urheber!”-Aufruf, indem namhafte Kulturvertreter sich vor den Karren der Verwertungsindustrie haben spannen lassen. Ich glaube, ihr wisst alle, worum es geht, und dass sich bereits heftigster Protest dagegen formiert. Falls nicht, hier der Verweis auf die c’t-Meldung dazu: Kritik an Künstleraufruf. Doch selbst wenn man den Unterzeichnern dieses Aufrufes unterstellen würde, sie seien gut informiert und sie glaubten in der Tat an das, was sie in ihrem Text manifestierten, ist genau ein Wörtchen zu viel in diesem Aufruf. Darauf hinzuweisen, ist auch die besondere Leistung von Stefan Niggemeier aka @niggi, deshalb ist dies für mich der «Tweet der Woche»:

Tweet der Woche von @niggi

Die Gegenaufrufe sind hier zu sehen, beide kann man im Falle, die Überzeugung zu teilen, unterstützen (ich habe es bereits getan):

Ebenfalls lesenswert zum Thema:

Update 13.5.2012: Heute hat Frank Schirrmacher in der FAS einen guten Vorschlag zur Abrüstung in der Urheberrechtsdebatte veröffentlicht, «Schluss mit dem Hass»:

Wie kommt es, dass die Produzenten und so viele Rezipienten von Werken der Kunst so aufeinander losgehen? Ein Vorschlag zur Abrüstung.

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

Seite 44 von 47
1 42 43 44 45 46 47