Wie berichtet, waren im Dezember mein Bruder und meine Schwägerin wieder mal zu Besuch in Hamburg. Ehe sie ins Saarland zurück fuhren, haben sie in meiner Wohnung eine Überraschung zu meinem Geburtstag versteckt, die ich per E-Mail-Hinweis unter meinem Plattenspieler fand: Einen Gutschein für den FCSP-Fanshop. Sehr praktisch, hegte ich doch seit langem den Wunsch, mir endlich mal eine schwarze FCSP-Kapuzenjacke zu gönnen. Heute war es dann soweit, ich fand den Weg ans Millerntor (dieses Mal – nicht wie letzten Samstag – ohne eine rote Spur hinter mir her zu ziehen. Eingekauft vom Gutschein hatte ich die besagte Kapuzenjacke.
Dann hatte ich da noch einen 5-€-Gutschein der AFM, legte noch ein paar Euronen drauf und kaufte noch ein schwarzes St.-Pauli-T-Shirt und – wie schon mit Foto getwittert – eine graue Mütze (im Saarland nennen wir sowas eine Batschkapp). Ja, ja, ich weiß, ich bin ein Modefan. Aber einer, der vor allem mit dem Herzen dabei ist. Und wenn es mehr als fünf Jahre gedauert hat, bis ich mal in den Fanshop zum Shoppen gegangen bin – zumal zur Einlösung eines mir geschenkten Gutscheines –, mögen mir das die Kommerz-Kritiker zugestehen. 😉
Das war kein Spiel wie jedes andere gestern am Millerntor. Wir haben gegen Freiburg endlich mal wieder 2 Stürmer-Tore bewundern dürfen (Ebbers und Asamoah haben getroffen), leider hatte Cissé was gegen den sich abzeichnenden Heimspielerfolg und streute mit seinem Doppelschlag Salz in die Magische Suppe. Endstand 2:2 (Spielbericht Spox).
Was jedoch für den Rest der Rückrunde positiv stimmt: der FC ST. Pauli hat stark gespielt gestern, hat die Fehler im Defensivbereich reduziert (auch wenn hier noch Arbeit bleibt), und hat immer an sich geglaubt, auch und gerade nach den zwischenzeitlichen Anschlusstreffern. Das war ein Unentschieden mit Moral. Respekt!
Aber das Beste: die Stimmung am Millerntor. Ganz im Gegensatz zu der misslungen Boykott-Aktion gegen Rostock, die ein kleiner Teil der Fanszene gegen den Rest der Fans als Zwangsmaßnahme durchgesetzt hat (siehe mein Bericht dazu vom März 2010: Erzwungener Fan-Boykott im Rostock-Spiel am Millerntor: Ultras treten Fanrechte mit Füßen), war die Stimmung bei der gestrigen Protestaktion der Sozialromantiker sehr gut. Ich habe dieser Aktion sehr distanziert gegenübergestanden, weil ich einige der Forderungen für übertrieben halte, aber ich fühlte mich gestern nicht bevormundet und als Fan ernst genommen, der diese Aktion eben nicht zu Hundert Prozent unterstützt.
Falls es jemanden interessiert: Was mich an der Aktion der Sozialromantiker stört: Ich finde, dem Verein gelingt es immer noch relativ gut, den schmalen Grat zwischen dem wirtschaftlichen Zwang in der 1. Liga die notwendigen Summen über das Marketing einzunehmen und trotzdem das Gesicht des alternativen Vereins nicht zu verlieren. Mir persönlich ist es egal, ob es 39 oder 29 Logen gibt, oder wer wann die Haupttribüne verlässt oder wieder betritt. Nicht, dass ich da falsch verstanden werde: mir gefällt das natürlich auch nicht, doch ich kann das ignorieren, weil es meine Fanrechte nicht tangiert. Solange diese Einnahmequellen nur einen kleinen Teil der Fans betreffen, zumal man darüber trefflich streiten kann, ob solche Leute, die in einem Spiel nur noch ein Event sehen, überhaupt als Fans bezeichnet werden können. Doch diese Leute sind mir ehrlich gesagt egal. Ganz davon abgesehen, werden durch solche Maßnahmen die günstigen Stehplätze für die übergroße Zahl der Fans mit quer finanziert.
Aber nochmal: ich sehe die Aktionen der Sozialromantiker trotz meiner persönlichen Zurückhaltung durchaus mit Sympathie. Vielleicht war das gestern auch ein wichtiges Zeichen an die Vereinsführung, dass in Sachen Kommerz gewisse Grenzen erreicht sind und dass sich über die Köpfe der Fans doch eben nicht alles realisieren lässt. Und dass Entscheidungen der Vereinsführung transparent kommuniziert werden müssen.
Gestern war es jedenfalls eine großartige Stimmung am Millerntor und die Sozialromantiker haben gezeigt, dass Kritik an der Vereinsführung mit einem bedingungslosen Support der Mannschaft (die ja auch gar nicht kritisiert wird) durchaus vereinbar ist. Wie gut die Stimmung war, und wie toll das Millerntor in rote Farben getaucht aussah, wird beim Betrachten der Bilder in der MoPo («Millerntor in Rouge: Die größte Protest-Aktion aller Zeiten») [Update: bei Stefan Groenveld, dessen Server jetzt wieder online ist)] und beim Anschauen dieses Videos deutlich:
Ironie der Geschichte: wie als sollte mein solidarischer Beitrag zur Protestaktion der Sozialromantiker doch noch eingefordert werden, musste ich das gesamte gestrige Spiel (und die darauf folgenden Abendstunden) mit einem fortwährenden Blutverlust durch Nasenbluten absolvieren. Es ging schon los mit einem riesigen Schrecken am Morgen: Ich wachte bereits in roter, da blutgetränkter, Bettwäsche auf und im Verlauf des ganzen Tages waren rot gefärbte Küchen- und Papiertaschentücher mein roter Beitrag wider Willen (natürlich gab es jede Menge Anspielungen darauf, wie zum Beispiel vom Modefotografen). Auch ich habe nicht am Support gespart, ging trotz der misslichen nasalen Umstände ans Millerntor und habe dort – auch tapfer singend – durchgehalten. Rechtzeitig zur Nacht, nachdem ich schon überlegt hatte, den Notarzt zu rufen, aus Angst in den kommenden Stunden womöglich zu verbluten, hatte die Blutung gestoppt. Alles wurde gut. Das Herzblut für die Kiezkicker bleibt. Gestern war wahrlich ein besonderer Tag: Forza FC St. Pauli!
Auch wenn solche Tipps keinen Einfluss auf das tatsächliche Ergebnis haben, würde ich mich doch sehr freuen, wenn Köster und Kirschneck von 11Freunde, dem sportlichen, fachlichen, sympathischen usw. Magazin am Rande der Datenautobahn, mit ihrem Tipp für das Spiel FCSP-Freiburg recht behielten.
Vor allem freue ich mich darauf, dass morgen die Winterpause auch am Millerntor vorbei ist und wir dort wieder Fußball sehen können. Der Auftakt zur Rückrunde (gerne denke ich zurück an den Magischen Auftakt beim Auswärtssieg des FC St. Pauli in Freiburg) findet zwar nicht bei so gutem Wetter wie der Saisonauftakt im Breisgau statt, doch das Spiel ist mindestens genau so wichtig. Vor allem bin ich froh, dass es ab morgen wieder um Fußball gehen wird beim FC St. Pauli. Alles andere geht mir nämlich zur Zeit tierisch auf die Nerven.
In dieser Woche lohnt es sich für Fans des Magischen FCs von Montag bis Freitag morgens um 8:25 Uhr das ARD-Morgenmagazin (oder ab 11 Uhr den jeweiligen Beitrag in der ARD-Mediathek) zu schauen. Die MoMa-Redaktion ist beim FC St. Pauli zu Gast.
Heute gab’s zum Auftakt der Reihe ein Interview mit Pressesprecher und Team-Manager Christian Bönig (hier nach zu schauen), morgen wird Stani vor’s frühe Morgen-Mikrofon von Sportredakteur Peter Großmann treten. Herausgestellt wird die Tatsache, dass es sich beim FC um einen Stadtteilclub handelt. Zum Glück wird gegen den Begriff Kultclub von Bönig opponiert. Weiteres Thema unter der Woche: Kritik der Fans und deren Protest gegen den Kommerz. Man darf gespannt sein…
Ich bin vollkommen fassungslos und meinem Blogwichtel (Hintergrund) unendlich dankbar für diesen großartigen Artikel:
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Vor einhundert Jahren begann die Geschichte des FC St. Pauli, und im Jubiläumsjahr findet sich der Traditionsclub in der obersten Fußball-Liga wieder. Selbst zu Zeiten der zweiten Liga waren die „Weltpokalsiegerbesieger“ in ganz Deutschland bekannt, die Totenkopf-Flagge der Fans ist ein Symbol von hohem Wiedererkennungswert. Die Hamburger sind einfach Kult.
Auch andere Vereine werden von ihren Fans abgöttisch verehrt, und erfolgreiche Clubs wie Bayern München sind europaweit bekannt. Doch St. Pauli gewinnt die Herzen der Menschen, genießt auch ohne Titelgewinne Anerkennung weit über die Grenzen des Landes hinaus. Selbst die Fans wirken entspannter: Mit Menschen, die ein Pauli-Sweatshirt tragen, kommt man immer gut zurecht.
St. Pauli – schon im Namen schwingt Fernweh und Sehnsucht mit. Unweigerlich denkt man an die Reeperbahn, die grosse Freiheit und Hans Albers, an Seebären und andere Vergnügungssüchtige, die durch den zwielichtigen Rotlichtbezirk ziehen und Spass suchen. Man hat Bilder von leichten Mädchen und wilden Schießereien im Kopf, wenn man an St. Pauli denkt.
Natürlich sind die wilden Zeiten längst vorbei. Die Seefahrt ist längst ein knallhartes Termingeschäft ohne Romantik, an den Landungsbrücken legen lange schon keine Transatlantik-Dampfer mehr an. Jede größere Stadt hat einen Straßenstrich, und die ersten Auftritte der Beatles im Star-Club sind auch schon 50 Jahre her.
Doch noch immer spürt man bei einem Hamburg-Besuch den besonderen Flair. Mit einem Astra am Elbstrand sitzend den Containerschiffen nachschauen bringt einen immer noch zum Träumen. Die Davidwache mit ihrem 80er Jahre Charme weckt Erinnerungen an die Serie Grosstadtrevier, und die Kunstszene der Hansestadt ist nach wie vor stilbildend.
St. Pauli hat eine spannende Geschichte. Der Club schafft es, ein Underdog-Image mit den Besonderheiten Hamburgs zu verbinden. In der von Marketing dominierten Welt von heute wirkt St. Pauli erfrischend authentisch und sympathisch. Es fällt leicht, St. Pauli zu mögen.
Rechts zu sehen die Kamera von Herrn @Foxxibaer, der ein Video von Hells Bells aufnimmt.
Vierte Niederlage in Folge. Und vor allem schon wieder am Millerntor verloren. Hätte nicht sein müssen. Leverkusen war in Hälfte eins besser, wir in Hälfte zwei. Wäre Asamoahs Schuss in Halbzeit zwei nicht an den Pfosten, sondern rein gegangen, wäre die Partie womöglich 1:1 geendet. Das wäre eine gerechte Punkteteilung gewesen. Hätte, wäre, wenn… Nutzt aber nichts, wir hatten kein Glück. Leverkusen hat gewonnen. Wir müssen woanders die Punkte holen. Daß das möglich ist, war zu sehen. Was jetzt wichtig ist, hat Erik schon geschrieben: Walk on!.
Obiges Foto zeigt die leckeren FCSP-Plätzchen, die @TantePolly gebacken hatte. Die waren wirklich gut, wie das ganze Drumherum um’s Spiel, der Support, der Bezugsgruppen-Talk und das Feiern und sich nicht die Laune verderben lassen trotz Niederlage.
Morgen fahre ich nach Bremen und sehe den 1. FC Saarbrücken endlich wieder mal live. Hoffe mein Ex-Club aus der saarländischen Heimat macht es gegen die Bremer Amateure (Vorbericht zum Spiel) besser als heute der Magische FC.
Den bereits gestern Morgen hier angekündigten Heimsieg des FCSP konnten wir dann alle am Nachmittag live am Millerntor bestaunen. Wichtig war er, knapp war er, aber auch verdient.
Asamoah zum ersten mal von Anfang an, mit dem ersten Heimspiel-Tor, seinem 2. überhaupt für den FCSP. Auch wenn er gestern ansonsten nicht gerade überragend gespielt hatte und auch nur bis zur 74. Minute dabei blieb, war das ein wichtiger Erfolg. Auch für unseren prominenten Neuzugang, der sich so wunderbar in diese Mannschaft integriert hat und an dem wir noch viel Freude haben werden. Er schätzt unseren aktuellen Höhenflug in der Tabelle (gleich nach dem Spiel waren wir 4. – das muss man sich mal überlegen: Vierter! -) richtig ein: „Wir gehören da eigentlich nicht hin“.
Dieser Tweet von Herrn Sparschaeler sagt alles zum Spiel des FC St. Pauli in Köln, und wer ein wenig mehr lesen möchte, dem empfehle ich den Spielbericht von Frau Jekylla. Außer Spesen nix gewesen? – Ein klares und entschiedenes Nein! Es war trotzdem ein sehr schönes Wochenende in Köln. Herr Gesundbrunnen hat sich als fabelhafter Gastgeber erwiesen. Ich habe in kurzer Zeit viel gesehen und erlebt. Und der FC St. Pauli wird auch wieder Punkte einfahren. Statt langer Worte noch ein paar Fotos aus Köln:
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(v.l.n.r: Moderator Alexander Bommes, ich, @Sparschaeler, @KonBon)
Es war wirklich interessant, mal die Produktion einer Sportsendung live im Studio zu erleben. Gestern saß ich ja, wie berichtet, mit Herrn @sparschaeler im Publikum der NDR-Sendung Sportclub. Aufgenommen wurde direkt im Anschluss an die live von 21:45 – 22:00 Uhr gezeigte die Sendung «Sportclub-Bundesliga» von 22:00-22:45 Uhr. Die Live-Aufzeichnung wurde dann um eine halbe Stunde zeitversetzt zwischen 23:15 und 00:00 Uhr ausgestrahlt.
Alle Fotos im Überblick gibt’s auf Flickr, der Blick hinter die Kulissen mit ein paar Kommentaren zu den Fotos hier im Blog: …