Erzwungener Fan-Boykott im Rostock-Spiel am Millerntor: Ultras treten Fanrechte mit Füßen

Beklemmende Sitaution am von den Ultras blockierten Eingang zur Südkurve

Wir haben heute in einem wichtigen Spiel gegen Hansa Rostock 2:0 gewonnen. Das war das Positive, was wir heute als Fans des FC St. Pauli erfahren durften. Dem ging aber etwas voraus, was so ungeheuerlich ist, dass ich immer noch nicht glauben kann, dass Fans eines Vereines so dermaßen respektlos mit anderen Fans (des gleichen!) Vereines umgehen, wie es heute die Ultras in der Südkurve gemacht haben. Man kann von Glück sagen, dass die mit diktatorischer Selbstherrlichkeit unterdrückte Mehrheit der Fans, die ihre Plätze in der Südkurve einnehmen wollten, so besonnen waren, eine aufkommende Panik zu vermeiden.

Was war geschehen?

Die Ultras beschlossen, dass die ganze Südkurve aus Protest gegen die Beschränkung des Kartenkontingentes für die Rostock-Fans
die Stehplätze auf der Süd während der ersten fünf Minuten leer lässt und erst dann die Süd betritt. Viele Fans, und dazu gehörte auch ich, fanden diese Aktion nicht zielführend und auch nicht unterstützenswert. Ich vertrete die Meinung, wer einen solchen Protest machen möchte, der soll das tun, aber die anderen, die sich diesem Protest nicht anschließen möchten, dürfen nicht gewaltsam davon abgehalten werden, ihre Stehplätze in dem Moment einzunehmen, in dem sie es für richtig halten.
Unverantwortlicherweise haben einige wenige (gut vorbereite und früher ins Stadion hinein gelassene) Ultras dann innerhalb des Stadions die Zugänge blockiert. Wir standen in dem Bereich, der auf obigem Foto zu sehen ist, und wurden nicht durchgelassen.

Ich hatte wirklich die große Befürchtung, wenn der Druck der dahinter liegenden Menschenmenge (immerhin einige Hundert) zu groß werden würde, dass es zu einer Panik kommen könnte. Wir haben die Sicherheitskräfte auf diese Gefahr angesprochen und die meinten nur, sie hätten die Info weitergegeben und könnten ansonsten nichts tun. Man mag vermuten, dass weder von der Polizei noch von den Ordnern eingegriffen wurde, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Da vorne vor der ins Stadion drängenden Masse zu stehen, die sich lauthals gegen diese ungerechtfertigte Anmaßung von Hausrechten, die die Ultras gar nicht haben, zu wehren, war jedenfalls alles andere als ein gutes Gefühl.

Was für eine widersprüchliche Situation: Die Ultras wollen sich wegen der Beschränkung der Karten für Rostock-Fans für Fan-Rechte einsetzen und beschränken den eigenen Fans des FC St. Pauli den Zutritt zum Spiel zu dem Zeitpunkt, den diese gute finden. Sie beschränken somit unsere Fanrechte. Absolut unverantwortlich. Heute ist sehr viel an Fan-Kultur kaputt gegangen und die Ultras haben für mich jegliche Legitimation verloren, diese Aktion als eine gemeinsame Aktion der Südkurve zu verkaufen. Es war ein 5-minütiger Boykott, der nur unter Zwang und passiver Gewalt entstanden ist, und der letztlich nur durch unsere besonne Art nicht dazu geführt hatte, dass es zu nicht zu Schlimmerem gekommen war. Der Spieltag hat für mich zwei Verlierer: den FC Hansa Rostock und die Ultras.

Erik, der von dieser schlimmen Entwicklung heute genau so geschockt war wie die meisten in der Südkurve, hat ebenfalls deutliche Worte für dieses die Fankultur mit Füßen tretende Verhalten der Ultras gefunden: Stadionschutz Ultra Sankt Pauli.

Update I, 23:45 Uhr – MoPo: Krieg der St. Pauli-Fans.

Update II, 29.3.10, 16:40 Uhr – Spiegel Online: Blockade statt Boykott auf St. Pauli –Wie weit dürfen Ultras gehen?

Update III, 29.3.10, 17:15 Uhr – Santa Pauli:

Was nach außen wie eine solidarisch leere Südkurve aussah, war innen eine Zwangssolidarisierung übelster Sorte.

Auch Jekylla hat deutliche Worte gefunden und beschreibt nachvollziehbar, welchen Schaden die USP angerichtet haben: Fanrechte: die Freiheit der Andersdenken und USP.

Update IV, 29.3.10, 19:45 Uhr – ZEIT online:

Weil sie andere Fans zum Boykott zwangen, haben die St.Pauli-Ultras weiteren Kredit verspielt.

St.Pauli-Ultras – Wie männliche Cheerleader.

Update V, 30.3.10, 13:00 Uhr – 11 Freunde:

Am Sonntag protestierten Ultras des FC St. Paulis gegen die Beschneidung von Fanrechten – indem sie Fanrechte beschnitten. Die Aktion zeigt vor allem eines: In keinem Stadion wirken die Ultras so deplatziert wie am Millerntor.

Ultramoderne am Millerntor & Interview mit Sven Brux: Wie St.Pauli-Fans die Blockade sehen: »Eine Gratwanderung«.

70 Gedanken zu “Erzwungener Fan-Boykott im Rostock-Spiel am Millerntor: Ultras treten Fanrechte mit Füßen

  1. Das ist echt ein Witz was sie Ultras sich erlauben, da muss Pauli durchgreifen. Was dann sicher leider wieder die falschen trifft. Erst die Sache der Ultras in Berlin die ihrem Verein geschadet haben jetzt die Ultras vom fcsp die den eigenen Fans schaden. Nur gut das ihr “normalen” Fans relativ glimpflich weggekommen seit. Man mag sich nicht vorstellen was bei einer Massenpanik hätte passieren können.

  2. @Martin: Du kennst mich als besonnenen Menschen. Wenn ich schon so weit gehe, die Polizei anzurufen, muss es sich in der Tat um eine brenzlige Situation gehandelt haben. Zum Glück ist nichts passiert. Was bleibt, ist der Schaden, den die Ultras heute den Fanrechten zugefügt haben.

  3. Also zuerst mal, kann ich die Situation, so nicht mitverfolgen, da ich nicht im Stadion zugegen war.

    1.) Zum ersten mal den positiven Aspekt. ich finde es gut, das sich die Fans über solche Sachen Gedanken machen, wie man zeigen kann, das man mit etwas nicht zufrieden ist. Das sich sogar die USP auf Rostock Seite geschlagen hat, zeugt eigentlich davon, das es hier um die Fankultur an sich geht und nicht um Politik, oder sonstiges.

    Leider kann man und das ist das, was ich in keinster Weise tolleriere, leute, die sich nicht beteiligen WOLLEN, dazu zwingen, etwas mitzumachen, was man gar nicht will. Das ist ein absolutes NO GO. Die USP versuchte quasi gegen den Willen, Leute zum Eintritt ins Stadion abzuhalten. rechtlich eine sehr sehr schwere Sache. Bin mal gespannt, wieviele Anwälte die nächsten tage, damit in Konflikt geraten werden.

    2.) Wenn man so eine Aktion macht, ist das Jubelverhalten eines Herrn Ebbers, eine absoulte Aktion, die auch NICHT geht und kommt indem fall fast an den Torjubel an Deniz Naki heran. Das Verhalten von Ebbers kann man in keinster Weise akzeptieren und sollte auch vom Verein bestraft werden.

    3.) Ich bin der Meinung, das der Protest eine sehr gute Idee war aber leider versucht worde, falsch durchzusetzen. #

    Gruss Patrick

  4. «Der Spieltag hat für mich zwei Verlierer: den FC Hansa Rostock und die Ultras.»

    Ob USP verliert, wird sich erst noch zeigen. Verloren hat heute unsere Fanszene als Ganzes.

    Was sich USP (plus beteiligte Gruppierungen) heute geleistet hat, spottet jeder Beschreibung. Das so etwas bei uns überhaupt möglich ist, entsetzt mich, macht mich unendlich traurig.

    USP hat den Graben heute tiefer gemacht.

    Meine Hoffnung ist, dass die Enttäuschung (Ent-Täuschung) von heute auch eine Chance für morgen bedeutet, Dinge aufzuarbeiten, ins Gespräch zu kommen, Dinge neu auszuloten, richtig zu rücken.

    Nicht USP ist St. Pauli. Wir alle sind St. Pauli. Vielleicht begreifen USPler das jetzt.

    Wir haben heute gewonnen. Gegen Sch**ß Hansa Rostock. Und trotzdem kann ich mich heute, trotz Jubels zu den Toren, nicht richtig freuen. Heute ist ein trauriger Tag.

  5. @Patrick:

    Die USP versuchte quasi gegen den Willen, Leute zum Eintritt ins Stadion abzuhalten. rechtlich eine sehr sehr schwere Sache.

    Genau. Ich bin mal gespannt, wie Juristen diese Aktion beurteilen.

    @Piet:

    Nicht USP ist St. Pauli. Wir alle sind St. Pauli. Vielleicht begreifen USPler das jetzt.

    Das werden sie wahrscheinlich nicht verstehen wollen, aber das müssen sie begreifen. Die Ultras haben heute mit ihrer fragwürdigen und überaus umstrittenen Aktion nach außen nichts erreicht und nach innen vieles kaputt gemacht.

  6. Liebe Fans des FC St. Pauli,
    was heute vor dem Spiel gegen Rostock vor der Tribüne der Südkurve passiert ist, das ist so ungeheuerlich, dass eine Selbstregulierung seitens des Vereins nicht ausreichen wird. Selbsternannte Sheriffs und schräge Philosophen eines bizarren Verständnisses von Fußballkultur aus dem Ultra Bereich hinderten mit Gewalt rund 1000 Fc St. Pauli Fans daran, das Stadion zu betreten. Etwas Derartiges habe ich in vielen Jahrzehnten als Fußballer und Fan noch nicht erlebt. Nicht in Rostock, nicht in Cottbus, nirgendwo sonst! In erdrückender Enge wurden Kinder und ältere Menschen gequetscht; es war ein Wunder dass keine Panik ausbrach.
    Die Leute, die das verursacht haben, gehören zur Rechenschaft gezogen. Es ist eine Schande, dass solche Gewalttäter in unseren Reihen womöglich mit Billigung des Clubs auch noch über den Zugang zu Dauerkarten verfügen. Es gibt auch im Fußball kein Recht auf Randale, Klamauk und scheinpolitische, kraftmeierische Selbstinszenierungen! Beim Fc St. Pauli hat Gewalt nichts zu suchen. Freiheit schließt immer die Freiheit des Andersdenkenden ein: Die Leute, die diesen Auftritt zu verantworten haben, sollten zukünftig dem Fußball fernbleiben. So wird unser Verein kaputt gemacht.

  7. Es wäre viel einfacher gewesen wenn die USP 5 min vor Abpfiff aus d Stadion raus gegangen wären… Aber denken ist manchmal Glückssache.

  8. Als Hanseat unterstütze ich das Verhalten der USP grundsätzlich, sich für die Rechte der (Auswärts-)Fans allgemein einzusetzen. Heute Hansa, morgen auch St. Pauli. Langfristig betrachtet sind derartige Proteste unumgänglich. Auswärts reisende Fans aller Vereine werden schon jetzt enorm drangsaliert und es wird noch schlimmer werden, wenn in der Öffentlichkeit keine Aufmerksamkeit für dieses Thema generiert wird. Erzwungene Bereitschaft darf jedoch nicht toleriert werden, ähnlich erging es Rostocker NichtUltras beim Spiel gegen Union Berlin.
    Trotzdem muss es heißen: getrennt in den Farben, vereint im Kampf gegen Repressionen!

  9. @Atze: Auch ich finde einen Einsatz für die Rechte der Fans immer gut (und auch ich war gegen die Beschränkung des Karten-Kontingentes für die Rostock-Fans). Gerade das macht ja diese gescheiterte Aktion der Ultras so tragisch, denn es waren eben genau die Fanrechte, die gestern gelitten haben und die uns von den Ultras ohne jegliche Legitimation beschnitten wurden: die Rechte der St. Pauli-Fans ein wichtiges Fußballspiel von Anfang an zu sehen und die emotionale Einstimmung darauf in der Südkurve zu erleben. Kontraproduktiver als das, was die Ultras gestern unter Androhung von Gewalt (O-Ton Ultras Eingang S3: “Ihr kommt hier nicht rein… wir lassen hier niemanden durch”) kann eine Fan-Vereinigung nicht gegen die Fans des eigenen Vereins vorgehen.

  10. Nötigung? Wohl eher nein. Bei einem fünfminütigen Zeitraum gehen die Gerichte überwiegend von einer geringfügigen Zwangseinwirkung aus, im Rahmen der Zweckmittelrelation dann nicht verwerflich.

    Versteh aber nicht, warum das nicht eher von den Ordnern bemerkt wurde. So ein Unsinn, das.

  11. Moin Markus,
    ich folge Deinen Beiträgen auf Twitter sehr gerne, aber zu dem Blog-Beitrag hier kann ich einfach nicht zustimmen.
    Es war allen, die sich wenigstens drei Minuten pro Tag mit dem FC St.Pauli beschäftigen, vorher klar, dass USP zum Boykott aufgerufen hatte. Wer dann also keinen Streß haben möchte, kann kurz gucken, ob man trotzdem reinkommt, und wenn dem nicht so ist, bleibt man eben zurück. So standen hunderte Fans völlig entspannt an der Treppe von der GG zu Süd und konnt sich wunderbar unterhalten, ohne auch nur den geringsten Streß zu haben.
    Du hast vor Wochen bei der Süd-DK Geschichte noch behauptet, das “Südkurven Konzept” von Anfang an mitgetragen zu haben… oder verwechsel ich das?
    Wenn dem so ist, wäre es gestern ein Zeichen gewesen, den Boykott 5 Minuten mit zu tragen, auch wenn man selbst der Meinung war, dass er nicht zielführend sei. Diese fünf Minuten hätten (und haben) niemandem weh getan und sind eben eine Folgeerscheinung, wenn man die Kurve zur “selbstverwalteten Fankurve” deklariert. Und das passiert ja nicht nur, weil USP das so will, sondern auch, weil sich der Verein gerne damit brüstet, so cool und anders und “non established” zu sein.
    Beste Grüße,
    Frodo

  12. @Frodo: Von friedlichem Mittragen des von USP beschlossenen Boykott-Aufrufes kann nun wirklich keine Rede sein. Wir haben lautstark dagegen protestiert und auf die Frage, woher die Ultras sich das Recht herausnehmen, Fans am Betreten der Südkurve zu hindern, haben wir auch keine Antwort bekommen (da sie natürlich auch wussten, dass sie dieses Recht gar nicht haben).

    Falls Du das Video noch nicht gesehen hast, wie sich die St. Pauli-Fans gegen die zwanghaft und unter Androhung von Gewalt durchgesetzte Blockade artikuliert haben, kannst Du – und können alle Mitlesenden – sich hier einen Eindruck davon verschaffen:


    Direktlink YouTube

  13. Das meine ich ja… ich hätte von allen, die “das Konzept Süd” mittragen, erwartet, dass sie auch diese fünf Minuten Boykott mitzutragen bereit sind.
    Es waren viele dazu bereit, viele eben auch nicht… und das Kind zu dieser Eskalation liegt nicht erst seit gestern im Brunnen, sondern schon sehr viel länger, mindestens seit der Süd-DK Aktion. Nur die Schuldfrage sehe ich etwas anders verteilt als Du, bzw. kann sie nicht so einseitig bei USP sehen.

  14. @Frodo: Unabhängig davon, ob man die Boykott-Aktion der Ultras gut oder schlecht findet, ist die Art der Durchsetzung uneingeschränkt zu kritisieren. Das, was gestern zumindest im Bereich S3 geschah (und nur für den blockierten Eingang kann ich sprechen, denn ich war dort), ist absolut unakzeptabel. Man darf diese von der USP einseitig beschlossene Maßnahme nicht mit Gewalt durchsetzen. Man darf um Teilnahme werben, auf die Fansolidarität hinweisen, darf aber Fans die – wie ich – der Ansicht sind, dass dieser Boykott nichts bringt, nicht unter Androhung von Gewalt daran hindern ins Stadion zu gehen. Hier haben die Ultras sehr viel Kredit verspielt und Vertrauen verloren. Wie ich gestern schon auf Twitter schrieb: mit der Aktion haben USP nach außen nichts, aber auch wirklich gar nichts erreicht, aber nach innen, im Zusammenspiel aller Fans von St. Pauli, sehr viel kaputt gemacht.

  15. @Markus: Okay, dann sind wir da unterschiedlicher Meinung, ich bin schon der Meinung, dass USP das Recht hat, die Stehplatzkurve frei zu halten, zumindest für fünf Minuten, wenn es um ein höheres Ziel geht. Dafür ist es eben eine “selbstverwaltete Ultra/Fankurve”, und nicht ne 08/15 Tribüne in einem beliebigen Stadion.

  16. Für höhere Ziele wurde schon vieles…

    Auf dem Flyer der Südzecken stand eindeutig: Wir bitten, wir wollen, … da stand nicht: Wir setzen durch, bestimmen, hindern!

    Gegen Repressionen von Bullen, acab, und aber Repressionen nach innen, Bullengleich, eigentlich schlimmer, da ohne rechtliche Handhabe: Da liegt der Knochen vergraben.

  17. Die Aktion der Ultras ist ein perfektes Beispiel für die Problematik, die zwangsläufig beim Aufrechnen individueller Freiheiten entsteht. Kann man sie gegeneinander aufrechnen? Welche Freiheit wiegt schwerer: Die von mehreren hundert Fans gestern oder jene von allen potentiellen Auswärtsfans in der Zukunft? Und: Sind diese Fans überhaupt die gleichen? Gibt es vielleicht solche, die in Ruhe ihr Heimspiel in der Süd sehen wollen und ansonsten mit Auswärtsspielen nix am Hut haben? Und denen daher auch die Problematik am ***** vorbei geht?

    Das sind alles relevante Fragen, die aber (wie oben auch schon angemerkt worden ist), mit dem Unbill der DK-Vergabe verquickt sind, unauflösbar in ‘nem Blogartikelkommentarstrang.

    Mein Punkt ist der: Manchmal muss unter Inkaufnahme von Freiheitsverzicht heute die Freiheiten von morgen ermöglichen. So hat zum Beispiel seinerzeit Immanuel Kant argumentiert. Da sind die Ultras dann doch in ziemlich guter Gesellschaft (oder in wesentlich besser zumindest, als ihnen andernorts nachgesagt wird). Naja. Und statt über die eigentliche Problematik zu diskutieren wird jetzt das “wir” (also die “normalen” Fans) und “die”-Schema aufgemacht und munter von der Presse ausgeschlachtet. Schade, alles.

  18. 1. Dann müssten wir uns noch einmal unterhalten, wie wir denn „Fan-Rechte“ definieren, das ist nämlich bis heute nicht klar. Mir sind, wie gesagt, die Fan-Rechte der Schwächeren, derjenigen, die Opfer von Hooligans werden, die sich nicht mehr ins Stadion trauen, u.s.w. wichtiger als das der Fans, die die Gewalt mehr lieben als den Fußball. Darum auch meine absichtlich vorenthaltene Solidarität am gestrigen Tage: Rostocker, die sich ihre Beschränkungen im Wortsinne tapfer erkämpft haben und jetzt von Fan-Rechten reden, sind aus meiner Sicht Heuchler!

    2. Selbst wenn eine Beschränkung von Rechten heute für zukünftige Rechten von Belang sein könnten, lasse ich mir diese nicht von einer kleiner Gruppe nichtlegitimierter Besserfans vorschreiben! Das Argument, man werde den Ultras noch einmal dankbar sein, ist das von Eltern gegenüber ihren uneinsichtigen Kindern! Davon mal abgesehen, dass man das auch umdrehen kann (die Ultras werden uns für unsere Aufregung noch mal dankbar sein): Wir sind alle Erwachsene, und für die Kinder sind ihre Eltern verantwortlich! Was bilden sich diese Machismo-verliebten Jungbullen eigentlich ein, mir Vorschriften machen zu wollen!

  19. @Piet:

    1) Es ging und geht bei der gestirgen Aktion gar nicht um die Rostocker. Dass haben die USP’ler in ihrer Stellungnahme auch explizit betont. Das Problem der Beschränkung von Auswärtskartenkontingenten ist umgreifender.

    2) Dein zweiter Punkt ist schon wesentlich interessanter: Du lässt dir dein Recht auf Teilhabe am Spiel (als Zuschauer) nicht mit Verweis auf mögliche Nicht-Teilhaben in der Zukunft verbieten. Okay. Der “Machismo-verliebte Jungbulle” würde nun vermutlich argumentieren: Was bilden sich die Normalo-Fans ein, mit ihrem blöden Fußball-Konsumismus unsere Auswärtsfahrten zu verhindern (und sei es indirekt). Das meine ich doch: Das “die”/”wir”-Schema funktioniert bestens, um sich fortlaufend (schon bekannte) Argumente um die Ohren zu hauen.

    3) Zurück zur Freiheit bzw. den Fan-Rechten: Nein, die USP’ler hatten nicht das Recht, dir den Weg zu versperren. Aber sie haben Recht auf Protest. Mit der gleichen Argumentation ließen sich Proteste gegen Kernkraftwerke (Gefahren in der Zukunft!), Gentechnik (und wogegen der sich linksalternativ gerierende Sankt Pauli-Fan sonst so auf die Straße zu gehen pflegt) delegitimieren.

    Fazit (vorläufiges): Die Sankt Pauli-Supporter müssen (wieder) miteinander statt übereinander reden. Am allerwenigsten helfen polemisierende Blogartikel und Netz-Trollerei. Es gilt, einen für alle beteiligten Weg legitimen Protestierens zu finden. Das erfordert vermutlich (von beiden “Seiten”) ein “Schwamm drüber” über alte Differenzen.

  20. Wir drehen uns im Kreis, denn bzgl. der möglichen Deligitimierung von Auswärtsfahrten, Stehplätzen, u.s.w. sind wir uns ja einig in unserem Protest. Aber eine Protestform, in der sich die einen über die anderen erheben (Besserfans, ich bleibe dabei), wenn also die einen sich als Elite fühlend über die Anderen erheben, und zwar mittels Repressionen, gegen die sie angeblich kämpfen, geht etwas gewaltig daneben.

    Auch das Argument bzgl. „Keine Solidarität mit HRO“ stimmt nicht. Bundesweite Proteste (weil es alle angeht) standen zur Disposition und waren angedacht, wurden aber abgebügelt zu Gunsten des gestrigen Termins und in Reaktion auf die Kartenrückgabe der Rostocker, also sehr wohl in Reaktion und Solidarität mit diesen.

    Und letztens haste schon wieder das Problem der Hooligans umschifft: Mit diesen habe ich keine gemeinsame Basis, Null, Zero! Fan-Rechte? Nein, diese haben ihre verwirkt, diese machen mir meinen Fußball kaputt und das will ich nicht zulassen. Auch das ein Grund, warum ich den gestrigen, sehr symbolträchtigen, Termin abgelehnt habe. Mit Hools keine Solidarität, weder direkt noch symbolisch! Wenn man von Fan-Rechten spricht, muss man sich darüber im Klaren sein, dass es möglicherweise Gruppen gibt, die sich gegenseitig ausschließen, selbst wenn man für ein breites Spektrum eintritt. Und dann bin ich für den Schutz des Rechts des Schwächeren, nicht das des Stärkeren.

    Aber das sind verschiedene Problem-Ebenen: Die eine: Welche Protestform, welche konkreten Ziele — dies wurde im Vorwege zwar tagelang, aber vielleicht dennoch nicht ausreichend diskutiert. Die nächste Ebene, dass Fanladen/Sprecherrat/diverse Fanclubs weitestgehende Solidarität und das Mittragen der Proteste im Stadion annahmen und damit eklatant und meilenweit danebenlagen (und das m.E. auch hätte wissen können). Und letztens, wie man sich gegenüber einer Gruppe positioniert, die als Minderheit und nicht legitimierten Gruppe Macht über andere ausübt.

    Ultràs sind ohnehin umstritten. Auch bei uns. Dennoch lässt man sie weitgehend gewähren, eben weil man einem möglichst breiten Spektrum „ihr“ Fan-Sein belassen möchte, also auch den Ultràs. Das ist im Falle von USP schon nicht immer einfach, weil sie das „Klima“ im Stadion (s. gestrige Gesänge, die ohne USP ganz anders funktionieren) natürlich recht stark beeinflussen. Dennoch sieht man (und sehe ich) auch die Verdienste, völlig klar.

    Mit ihrer gestrigen Geschichte als vermeintlich Bestimmende über andere Fangruppen, als vermeintliche Elite, als vermeintliche Ordnungsmacht sind sie aber eindeutig zu weit gegangen. Das ist nicht meins, macht mir mein St. Pauli kaputt.

    Ich würde gerne wieder einen gemeinsamen Weg finden (Gespräche, selbstverständlich; die hoffentlich dann auch nicht (wieder) verweigert werden), aber nicht mit Schwamm drüber, dafür war das Missverhalten (welches keinen Ausrutscher darstellt, sonder den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung) viel zu eklatant. Ich glaube, einigen USPlern ist noch immer nicht klar, wie groß der Scherbenhaufen tatsächlich ist, den sie gestern zurückgelassen haben.

  21. Piet sagte (#25):

    “[…] eine Protestform, in der sich die einen über die anderen erheben (Besserfans, ich bleibe dabei), wenn also die einen sich als Elite fühlend über die Anderen erheben, und zwar mittels Repressionen, gegen die sie angeblich kämpfen, geht etwas gewaltig daneben.”

    Ja, die Aktion war paradox. Da gebe ich dir ja Recht. Aber, und das schrieb ich oben (#22), sowas lässt sich manchmal nicht vermeiden. Für Bezeichnungen wie “Besser-” oder “Normalofans” braucht man übrigens immer zwei Parteien: Eine, die das Spiel eröffnet und eine, die es mitspielt.

    “Und letztens, wie man sich gegenüber einer Gruppe positioniert, die als Minderheit und nicht legitimierten Gruppe Macht über andere ausübt.”

    Jep: Zirkel (“Ihr übt Macht über uns aus!! – “Nein, ihr übt Macht über uns aus!”). Das hilft nicht weiter, schhreib’ ich auch gerne noch mal.

    “Mit Hools keine Solidarität, weder direkt noch symbolisch! Wenn man von Fan-Rechten spricht, muss man sich darüber im Klaren sein, dass es möglicherweise Gruppen gibt, die sich gegenseitig ausschließen, selbst wenn man für ein breites Spektrum eintritt.”

    Auch hier gebe ich dir Recht. Trotzdem muss ein ein “aber” hinterherschieben: Wenn nun in der Beschäftigung mit den Hools ein wunderbares Repressionswerkzeug gefunden wird, dass auch dessen Anwendung sich auch im Umgang mit anderen Besuchern als praktisch erweist, – dann geht es um das Repressionswerkzeug, nicht um die Hools. Die HRO-Nasen können von mir aus bleiben, wo sie wollen (oder auch nicht, aber das ist eine ganz andere Geschichte), aber wie geht das weiter? Die ganze Reihe runter von Hools über Hooltras und Ultras und singende Fans und Fans und Zuschauer? Bis Fußball schön clean und vermarktungsgerecht für Pay TV-Sender XYZ vor ebenso friedlichen wie leeren Arenen ausgetragen wird?

    Das will doch keiner von uns. Lange Rede, kurzer Sinn: In Reaktion auf? Vielleicht. In Solidarität mit? Auf keinen Fall.

  22. Ähm, doch, das lässt sich vermeiden. Nicht machen (weil nämlich schlicht keine Mehrheit da ist, keine Mehrheit gwonnen werden konnte!), oder andere Protestform und Kompromisse finden, um Mehrheiten zu gewinnen. In den anderen Kurven hat das wunderbar funktioniert: Die einen haben sich (sichtbar, übrigens) am Protest beteiligt, die anderen nicht: Jedem sein Ding. Nur die Erhebung einer vermeintlichen Elite über andere hat zum massiven Protest (Sch* USP-Rufe, Pfiffe) geführt. Den Südlern meinen Respekt für ihr deeskalierendes Stillhalten drinnen — aber USP soll so einen Bockmist kein zweites mal probieren, denn das gäbe ernsthaften Ärger, dann sicher — da bin ich mir sicher — nicht nur verbal.

    Du machst einen Denkfehler, wenn du das „Machtausüben“ beidseitig auslegst. USP war zur Ausübung von Repressionen weder legitimiert, noch hatten sie eine Mehrheit hinter sich, weder von den Leuten her, noch bzgl. der Sache, um die es ging: Purer Egoismus, reine Selbstüberschätzung, sonst nichts!

    Und letztens: Wenn die kritisierten Werkzeuge die Einzigen sind, die dem Hooligans sowie der Verdrängung anderer Fankulturen und eines vielfältigen Fußballs, wie ich ihn liebe, Einhalt gebieten kann (s. Rostock, Berlin, Nürnberg, Köln), weil soetwas wie Selbstreinigung nicht oder nicht effektiv genug funktioniert, dann bin ich — so wenig ich diese Mittel mag — für ihre Anwendung, na klar. Beschränkung der Kontingente, Stadionverbote, etc. Und gehöre aber auch zu den ersten, die bei Missbrauch dieses Mittels Einspruch erhebt (und auch mehr als 5 Minuten draußen bleibt: Freiwillig!), genauso wie ich jetzt aber Einspruch gegen den Vertrauens- und Macht-Missbrauch seitens USPs erhebe.

  23. P.S.

    braucht man übrigens immer zwei Parteien: Eine, die das Spiel eröffnet und eine, die es mitspielt.

    Die andere Partei hat nicht mitgespielt. Sie hat in der Süd plus/minus eine Stunde ausgeharrt, weil alles andere eine unverantwortliche Eskalation bedeutet hätte, während sich der Outfall seit gestern artikuliert. Ich glaube tatsächlich, nachdem ich heute viele Stimmen gehört habe, die sich dahingehend äußern, dass Entsetzen bei Ihnen purer Wut gewichen ist, dass sich USP so etwas kein zweites mal erlauben darf.

  24. Lieber Piet,

    ich habe das Gefühl, dass wir haarscharf aneinander vorbeischreiben, insbesondere was die Konstruktion des “Anderen” (sei er Elite-Bulle oder Normalo-Konsument). Was ich eigentlich die ganze Zeit schon kommunizieren möchte (aber offenbar nicht die richtigen Worte fnde), ist: beide Zuschreibungen brauchen die andere Seite, das eint “USP!”- und “Sch* USP!”-Rufe. Solange man so denkt, kommt man aus den Zirkeln nicht raus.

    Zweitens, nochmal zur Macht: Im direkten Anschluss an den gerade ausgeführten Gedanken möchte ich wiederholt betonen: Die Machtausübung ist beidseitig. Ich maße mir an, das beurteilen zu können, gerade weil ich mich weder zu “den einen” noch zu “den anderen” zähle. Solange man die gestrigen Geschehnisse aus der Perspektive einer der “verfeindeten” Gruppen betrachtet, sieht man natürlich nur die Machtausübung der anderen Gruppe. Das ist doch der Trick von Konflikten, so entstehen Kriege! (und für sowas gibt es Vermittler)

    Und drittens: Die Selbstreinigung. Ich bin überzeugt, dass für die Probleme gar nichts anderes in Frage kommt, als Selbstreinigung. Dass hier heute ausgiebig diskutiert wird (und an weiteren Orten, digital und analog), ist ein gutes Zeichen. Deswegen müssen (!) externe Repressionswerkzeuge scheitern.

  25. Eigentlich ordne ich mich auch keiner der beiden Gruppen zu (zumal die Nicht-USP-Gruppe ja für sich gar keine ist ;-)).

    Aber es mag angehen, dass wir scharf aneinander vorbeireden, deswegen an dieser Stelle kein Kontra, sondern Nachdenken (auch über die rein theoretische (!) Überlegung, was die doppelseitige Machtgeschichte anginge, wenn zum nächsten Heimspiel USP von den gestern Blockierten blockiert würde. ;-))

    Ich schrieb es an anderer Stelle schon (#5): Vielleicht bedeutet die Krise jetzt eine Chance für die Zukunft.

    (einen Nachsatz dennoch: Wenn die Sicht auf die Kritiker der gestrigen Aktion die ist, dass Kritiker = angepasste Konsumenten und Repressionsbefürforter seien, dann haben diejenigen aber ein gewaltiges Wahrnehmungsproblem.)

  26. “[…] deswegen an dieser Stelle kein Kontra, sondern Nachdenken […]”

    Jepp. Ich ergänze noch: Das Gedankenspiel zur Revanche-Blockade ist spannend. Wenn es nachvollziehbar begründet wird, wäre das ein spannedes Experiment. An Begründung wird es aber wohl scheitern. Apropos: Ja (#5). Scheitern ist immer auch eine Chance. Bleibt der Südkurve, dem Stadion, allen aktiven Fans (und meinetwegen auch den passiven, wenn es sie in irgendeiner Form berührt) zu wünschen, dass auf Basis der gestrigen Ereignisse stumpfes Kategoriendenken (auch) am Millerntor weniger wird. Schließlich reden wir vom magischen FC…

    Ein Nachsatz zum Nachsatz: Ich wollte die Kritiker der gestrigen Aktion keineswegs zu angepassten Konsumenten oder Repressionsbefürwortern stilisieren. Das war nur der Versuch, einen Perspektivwechsel zu skizzieren. Nix für ungut!

  27. Die charmante Idee einer “Gegenblockade” scheitert bei mir zu mindestens an der nicht unbegründeten Angst vor physischer Gewaltanwendung. Es tut mir leid, aber aus häufiger Auswärtsfahrer bin ich mit dem Aggressionspotential untereinander bei harmlosen Vergehen wie versehentlich bei den 20 Schweigeminuten mitsingen, weil man es nicht weiß zum Beispiel, durchaus vertraut.

    Es ist eine bittere Erkenntnis für mich, dass mir beim Gedanken an die nächste Auswärtsfahrt die Nähe zu USP im Gästeblock ein ausgesprochen mulmiges Gefühl beschert.
    DAS ist für mich unterm Strich die bitterste Erkenntnis.

    Und auch ich bleibe dabei: Solidarität DARF NICHT mit passiver Gewalt erzwungen werden. Das bleibt für mich indiskutabel.

  28. @Jekylla: Wie bitter. Wenn Sie das – als einer der engagiertesten Fans von St. Pauli, die ich bisher kennengelernt habe, schon sagen…

    Das mulmige Gefühl der Nähe zu USP durften wir ja gestern sogar im eigenen Stadion schon erfahren. Mir war jedenfalls nicht wohl dabei, mit den Leuten, die mich gegen meinen ausdrücklichen und deutlich formulierten Willen bei der Blockade mit St. Pauli-Fangesängen nieder sangen und am Betreten der Südkurve hinderten, anschließend, so als wäre nichts geschehen, gemeinsam St. Pauli zu supporten. Natürlich haben wir dann trotzdem unsere Mannschaft unterstützt, denn die kann ja nichts für den unsinnigen Stursinn der Ultras. Aber verdammt schwer gefallen ist es einem schon, sich überhaupt auf das sportliche Geschehen zu konzentrieren. Und teilweise ist es mir auch nicht gelungen, das zu tun.

    Und wie Sie bei sich im Blog schon schreiben: auch im Nachhinein geben sich die Ultras nun uneinsichtig und verteidigen sogar ihre Aktion, die so viel kaputt gemacht hat, noch als eine korrekte und berechtigte. Ja, das ist bitter.

  29. Engagierter Fan? Ich? Nun übertreiben Sie aber. Wie ich ja gestern von den USP-Blockadesprechern gelernt habe, bin ich ja kein aktiver Fan, weil ich kein organisierter Fan bin.

    Was ich ja eigentlich durch die Zugehörigkeit der Netpirates-Gruppe sehr wohl bin, aber an diesen Marginalien ist ja keiner weiter interessiert. Wozu auch? Es würde ja bedeuten, dass man sich mit Widerstand aus der angeblichen zu 100% hinter der Aktion stehen AKTIVEN Fanszene auseinandersetzen muss.
    Geht ja überhaupt nicht.

    Der Übersteiger-Artikel ist für mich der Nachweis der weiterhin bestehenden ignoranten, arroganten Uneinsichtigkeit bezüglich des Ablaufs und ein Indiz für das Scheitern eventueller Selbstreinigungsversuche – sofern die von der Vereinsführung überhaupt noch als probates Mittel erachtet werden nach gestern.

    Aber auch diese Meinung muss ich tolerieren.

  30. @Jekylla: Also diese Kritik müssen Sie sich von mir nun gefallen lassen, ob Sie wollen oder nicht: Ihre Qualifikation zum Schnarchnasen-Fan ist nicht vorhanden. 😉 Sie sind für mich ein engagierter Fan, auf dem Platz und im Web. Ein überaus aktiver im besten und wahrsten Sinne des Wortes. Ich glaube in Deutschland lebt kaum ein Mensch (oder jedenfalls nur wenige), die Monat für Monat so viele Kilometer für St. Pauli zurücklegen, die so sehr mit Herz und Seele mitleiden und sich mit freuen über braun-weiße Höhen und Tiefen, da müssen Einige Ultras noch ein paar Jahre Auswärtsfahrten hinlegen, um sich nochmal mit Ihnen darüber zu unterhalten, was oder wer hier ein aktiver Fan ist.

  31. Interessante Aussagen!
    Nur aus der Ferne betrachtet gebe ich meinem Bruder recht. Es ist ein Fußballspiel. Im Stadion. Zum Anschauen. Zum Jubeln. Zum Weglaufen (wenns dann mal ganz schlimm kommt).
    Aber niemals um irgend jemanden zu zwingen etwas zu tun was er nicht möchte. Ein Kommentar ist mir besonders aufgefallen:

    Wir sind alle Erwachsene, und für die Kinder sind ihre Eltern verantwortlich!

    Noch was zum Spiel:
    Ich sitze hier im Saarland und zittere und jubele und ärgere mich mit dem FC St. Pauli. Am letzten Sonntag habe ich mich sehr über das Endergebnis gefreut.
    Ich wünsche diesem Verein von ganzem Herzen den Aufstieg.

  32. @Thomas: Danke Bruderherz für die Unterstützung aus der Heimat. Das ist mit das Schlimmste an der ganzen aktuellen Auseinandersetzung: dass der Fußball total in den Hintergrund gerät. Und darum geht es doch: wir gehen ins Stadion, um (bestenfalls) guten (aber wenigstens kämpferischen) Fußball zu sehen, und um die Mannschaft beim Spiel zu unterstützen. Jeder Fan, wie er das will und auf die Art, in der er das will. Am besten mit den anderen Fans gemeinsam, aber nie unter Zwang.

  33. @ring2: Danke, Erik, für den lesenswerten Text. “Dummerweise ist St. Pauli nicht so, wie es sein soll.” – Da ist was dran. Habe ihn gerade kommentiert.

  34. Was seid ihr fürn chaoitscher Haufen, dass ihr die Schuld allein auf USP schiebt? Wie kann es sein, dass keiner das Hausrecht anspricht, dass von den Sicherheitskräften in keinster Weise durchgesetzt worden ist? Man sollte mal überlegen, ob eine Räumung der Blockade wirklich zu der befürchteten Eskalation geführt hätte, hinter der sich die Vereinsführung versteckt…

  35. @Arms79: Die Situation hätte auch von den Sicherheitskräften (gleich zu Beginn der Blockade) anders angegangen werden können (indem sie diese gar nicht zulassen). Da gebe ich Dir sogar recht. Aber das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass es USP war, der die Blockade eingerichtet hat und für sie verantwortlich ist.

  36. @Arms79
    Da nun mal die Sicherheitskräfte auf Anweisung nicht eingeschritten sind, was hätten wir also tun sollen? Blockade stürmen?

    Bei all den sentimental-kuscheligen Gefühlen zwischen Ordnern, Polizei und Fanlagern scheint mir eine Öffnung durch diese Kräfte in der Tat nach wie vor eskalierend zu sein.

    Wie Markus schon sagt: Blockade gar nicht erst zulassen. Aber wer weiß, wer überhauptet damit rechnete, dass es eine BLOCKADE werden würde?

  37. Das ist unbestritten! Aber wenn man als Paulianer so gegen USP wettert und davon überzeugt ist, dass der Haufen dem Verein mehr schadet als hilft, dann sollte man es vielleicht mal auf’ne Eskalation ankommen lassen. Ausschreitungen in diesem Zusammenhang hätten wahrscheinlich ein Stadionverbot für ganze Bande nach sich gezogen…

  38. Auf eine Eskalation, die unter Umständen zu Verletzten hätte führen können, wollte es von denen, die reinwollten, keiner ankommen lassen. Was ich sehr befürworte. Ob es umgekehrt genauso gewesen wäre…?

    Eskaliert ist es ohnehin. Auf andere Weise eben.

  39. Seh ich ein wenig anders…

    Man muss auch mal für seinen Club in’s Gewühle springen wenn man der Meinung ist, dass eine Gruppierung dem Ansehen des vereins schadet. Und das USP den gesamten FC.St.Pauli mit dieser Aktion zu einer absoluten Lachnummer gemacht hat, ist wohl unbestritten…

  40. @Arms79: “für seinen Club in’s Gewühle springen” und Ausbruch einer Panik lagen vorgestern ziemlich nah beisammen. Wir haben uns für Sprungzurückhaltung entschieden. Und das war auch gut so.

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