Seminar auf Twitter

Tweet der Woche Twitter ist – genau wie gute Literatur – immer auch ein Stück Lebensberatung. Wir nehmen hier ständig Geschichten wahr und können immer im Abgleich mit dem Gedanken «Wie würde ich in dieser Situation handeln?» eine Haltung zum Gelesenen einnehmen. Wie es eben auch, im besten Falle, mit guter Literatur geschieht. Twitter kann sogar den Ersatz für ein komplettes Seminar bedeuten, obwohl dies naturgemäß in 140 Zeichen schwer zu bewerkstelligen ist. @UteWeber ist das in dieser Woche aber auf begrenztem Raum gelungen, daher mein Tweet der Woche:

uteweber-tdw042015

Hier geht’s zu den vergangenen Tweets der Woche.

Calexico: «Edge Of The Sun», vielleicht ihr mexikanischstes Album

calexico-edgeofthesun Vor neun Jahren, also vor urewigen Zeiten, als dieses Blog noch Artikel mit putzigen, lediglich dreistelligen IDs hervorbrachte, hatte ich mal über Calexico gebloggt, weil ich auf einen interessanten Artikel über die Entstehung des Covers zum damaligen Album «Garden Ruin» gestoßen war. Auch dazwischen war ein paar mal von Calexico die Rede. Und anlässlich ihres neuen Albums möchte ich sie wieder mal erwähnen. «Edge of the sun» ist für mich bisher das beste Album des Jahres und es hat gute Chancen das zu bleiben, so oft höre ich es momentan hoch und runter.

Und ja, es ist was dran an der Aussage der Rezension auf BR, dass die Zusammenarbeit der beiden Calexico-Masterminds Joey Burns und John Convertino eine kongeniale ist:

Man spricht ja dialektischen Konstellationen von jeher etwas Geniales zu wie beispielsweise den Philosophen Marx und Engels oder Horkheimer und Adorno. Aber auch in der Musik gelten und galten Künstlerkombinationen wie die von John Lennon und Paul McCartney oder von Mick Jagger und Keith Richards als zutiefst befruchtend. Bei Freunden der Mariachi-Musik und des Alternative-Country-Rocks betrachtet man die Zusammenarbeit der beiden Calexico-Masterminds Joey Burns und John Convertino als kongenial.

Mein Lieblingslied auf der Platte ist «Volviendo», mit diesem wunderbaren in schönstem mexikanischen gesprochenen Intro (auf Deezer kann man in alle Titel kurz reinhören). Und «Coyoacán», dem man vielleicht wie keinem anderen Stück anmerkt, dass die Platte komplett in Mexiko-Stadt aufgenommen wurde. Für mich ist es jedenfalls ihr mexikanischstes Album bis dato. Zur Entstehung von «Edge Of The Sun» gibt es auch – da sind sie ganz die Marketingprofis – ein nettes und gut gemachtes Making Of:
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BibCamp 8 in Leipzig: Diskussionen ohne Selbstdarstellung

Leipzig

Gestern Abend bin ich aus Leipzig zurückgekommen. Die zwei Tage BibCamp haben sich wieder mal gelohnt, auch wenn so etwas am Ende einer Arbeitswoche zusätzlichen Stress und den Verzicht auf das halbe Wochenende bedeutet. Gegenüber normalen Fachkongressen, wo die Vorträge auf Monate hinaus im Vorhinein geplant werden, leben BarCamps, und nichts anderes sind ja die BibCamps, von der spontanen Themenfindung und der Tatsache, dass nicht eine/r vorträgt und alle anderen zuhören und kaum diskutieren. Hier werden die Themen gemeinsam angegangen. Das ist natürlich immer ein bisschen weniger zielführend, nicht geplant und gerade deshalb führt das zu einem offenen Meinungsaustausch ohne Selbstdarstellung und Eigenwerbung in Sachen Vorzeigeprojekten. Oder wie ich es heute Morgen in einem Tweet zum Ausdruck gebracht habe:
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Hitchcocks nie gezeigte KZ-Doku – Night Will Fall

Wer heute Nacht nicht bis Null Uhr aufbleiben möchte oder kann, bis der NDR die äußerst sehenswerte Doku „Night will fall“ zeigt, kann sie auch auf YouTube sehen:

Diese Bilder und die Rolle, die Hitchcock bei ihrer Verarbeitung spielte, stehen im Zentrum der Dokumentation Night will fall von André Singer. 70 Jahre nach ihrer Erstellung werden die Aufnahmen der Alliierten am 26. Januar 2015 weltweit erstmals gleichzeitig in mehreren Sendern zu sehen sein: Von den USA (HBO) und Großbritannien (Channel 4) über Polen und die Niederlande sowie Dänemark und Norwegen bis hin zu Israel und Deutschland (ARD).

Zitiert aus ZEIT online: «Hitchcock und der Holocaust»

Dieser Film hat mich bei der Erstausstrahlung schon sehr schockiert und extrem betroffen gemacht. Ein wichtiges Zeitdokument, das man sich unbedingt anschauen sollte:

Night Will Fall

Katharine Viner über Journalismus – und was Bibliotheken daraus lernen können

Katharine Viner - Journalism in the age of the open web

Wenn ich auf zum Nachdenken anregende Texte stoße, bin ich begeistert. Wenn ich dann noch Ideen für meine Arbeit daraus ziehen kann, bin ich noch ein ganzes Stück mehr begeistert. So ist es mir über Ostern gegangen, als ich einen Text von Katharine Viner, Chefredakteurin des Guardian, gelesen habe. In «Der Aufstieg des Lesers» – eine Kurzform von und basierend auf Viners bereits im Oktober 2013 gehaltenem Vortrag «Journalism in the age of the open web» – sagt sie Einiges zu den neuen Herausforderungen des Journalismus, was man auch sehr gut auf die Anforderung von Bibliotheken im Zeitalter des Digitalen beziehen kann:
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Kurzfilm Sundays – starke Bilder zum Thema Überwachung

Brian Petsos in der Hauptrolle von Sundays

Wenn aus einem Kickstarterprojekt so ein starker Film entsteht, ist es für alle Beteiligten ein Glücksfall. Nicht zuletzt für uns als Zuschauer. Erschreckende, verstörende Bilder einer vielleicht gar nicht so fernen Zukunft. Gedreht in Mexiko-Stadt, thematisch nah dran am gestrigen Tweet der Woche. Das Thema Überwachung in schaurig schöne Bilder gebannt, unbedingt ansehen:

SUNDAYS from PostPanic

In der Hauptrolle der us-amerikanische Schauspieler Brian Petsos. Regie führte Mischa Rozema, 1978 in den Niederlanden geboren. Mehr zum Projekt:

Mischa Rozema and PostPanic Pictures debut film project SUNDAYS completes a first step towards its Feature Film goal with the release of the ambitious proof-of-concept short. Much-anticipated and widely-supported by the international creative community (over 50K US Dollars was donated on Kickstarter alone for the live action filming part in Mexico City), SUNDAYS is directed by Mischa Rozema.

Set in Mexico City sometime in the future and starring US actor Brian Petsos and Mexican actress Sofia Sisniega, SUNDAYS is a philosophical science-fiction proof-of-concept short.

The end of the world seems like a nightmare to Ben. A memory of a past life that doesn’t belong to him. When Ben starts to remember Isabelle, the only love he’s ever known, he realises she’s missing in his life. An existential descent into confusion and the desperate need to find out the truth begins. This reality depicts a stunning, surprising and dark world. A world that is clearly not his.

Wirklich ein sehr starker Kurzfilm. Kein Wunder, dass Warner Bros. sich sogleich die Rechte an einem Langfilm zu Sundays gesichert hat (s. Moviepilot).

[via @Stephentwoodman, dem ich immer wieder dankbar bin für seine großartigen Tweets mit Bezug zu Mexiko]