Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden

Wortwolke aus 'Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden'

Eine Germanistik-Dozentin1 an der Universität des Saarlandes meinte mal im Studium zu mir, ich hätte so was Kleist’sches in meiner Sprache. Es sei eine Freude, mir bei Vorträgen zuzuhören. Extrem geschmeichelt zwar von so einem vermessenen Vergleich, musste ich zur Enttäuschung der Lobsprecherin zugeben, bis dato außer Pflicht-Schullektüre nichts von Kleist gelesen zu haben. Das hat sich mittlerweile geändert. Ein Text von Kleist, den ich besonders mag, ist sein viel zitierter – aber wenig gelesener – Essay «Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden».

Gute Vortragende schaffen es übrigens einen Gedanken tatsächlich erst in der Rede spruchreif auszuformulieren. Doch das ist gar nicht so sehr das Thema von Kleists Text. Wie er vielmehr zu deuten ist, erläutert Axel Gampp in diesem SRF-Interview:

Der Kunsthistoriker Axel Gampp spricht über Kleists Essay «Von der allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Reden». Kleist verweist in der Schrift darauf, dass Gedanken aus der Sprechsituation heraus entstehen, und demonstriert das am Beispiel der berühmten Worte.

Der Schauspieler Patrick Güldenberg liest Kleists im Jahre 1805 verfassten Text (ab 14:25 im Audiofile). Beides, Interview und gelesener Text, ist nachzuhören auf der Website des SRF oder hier:

Medium: MP3
Link: MP3

Die diesen Blogartikel einleitende Wortwolke habe ich basierend auf den Wörtern aus Kleists Essay mit dem Visualisierungstool Voyeurtools erstellt, das ich gerade erst am Wochenende im Masterstudium in einer Vorlesung zum Thema Data Mining kennen gelernt habe. Gute Alternative zu Wordle.

  1. Karin Lorenz-Lindemann []

Egoismus in 140 Zeichen

Tweet der Woche Man kann Egoismus enzyklopädisch erklären, wie zum Beispiel die Wikipedia:

Egoismen sind Handlungsweisen, bei denen einzig der Handelnde selbst die Handlungsmaxime bestimmt. Dabei haben diese Handlungen zumeist uneingeschränkt den eigenen Vorteil des Handelnden zum Zweck.

Oder man erklärt Egoismus exemplarisch. So wie @Monostep im Tweet der Woche:

Hier geht’s zu den vergangenen Tweets der Woche.

Nicht nur im Wissenschaftsjournalismus: Aufmerksamkeit ist die Währung

Writing out of the box - Neue Erzählformen im Wissenschaftsjournalismus Interessantes Video der Robert Bosch-Stiftung zum Thema Wissenschaftsjournalismus. Vieles, was die Wissenschaftsjournalisten hier anführen, lässt sich generell auf das Publizieren von Artikeln und Neuigkeiten – egal ob gedruckt oder im Netz – anwenden. «Aufmerksamkeit ist die Währung», heißt es einmal sehr richtig. Es ist immer ein Kampf um Aufmerksamkeit. Mit jedem Tweet, jedem Facebook-Status-Update, mit jedem Blogartikel (ding dong!), mit jedem wissenschaftsjournalistischen Artikel buhlen die Verfasser um die Aufmerksamkeit ihrer Leser. Sollte ich eure Aufmerksamkeit geweckt haben, dann schaut euch mal das Video an. Knapp 12 Minuten ist der Preis, den ihr dafür zahlt. Das Video ist im Rahmen der "Masterclass – Zukunft des Wissenschaftsjournalismus" der Robert Bosch Stiftung und des Reporter-Forum entstanden:

Krautreporter: Waaaaahnsinn – An die Arbeit!

Für das journalistische Crowdfunding-Projekt Krautreporter, das ich genau heute vor einem Monat unterstützt und vorgestellt habe, mussten 15.000 Unterstützer zusammen kommen. Vor wenigen Tagen waren es erst 9.000 und es sah nicht so aus, dass das Ziel noch geschafft werden kann. Heute Nacht wäre die Unterstützungsfrist abgelaufen. Vor wenigen Stunden wurde das unmöglich Scheinende doch noch erreicht. Wie die @Krautreporter ihrer Freude darüber Ausdruck verliehen haben, zeigt unten stehende Kurznachricht. Wenn das kein Tweet der Woche ist:

Wir haben sie nicht hängen lassen. Toll, dass so viele bei diesem viel versprechenden Experiment dabei sein wollen. Glückwunsch an uns Unterstützerinnen und Unterstützer und natürlich an die Krautreporter. Nun fängt deren Arbeit erst richtig an. Doch das wissen die selbst.

Vorfreude & Kritik: Kunst & Nachdenkliches zur WM

Wer’s bis heute Abend nicht aushalten kann, schaue sich dieses wunderbare Fußball-Kunstwerk an, das ich bei den 11 Freunden gefunden habe.

Ansonsten möchte ich darauf hinweisen, was ich vorgestern schon im Stabi-Blog und im ciberaBlog geschrieben habe:

Bei aller Vorfreude auf möglichst interessante Fußballspiele, sollte man in diesen Tagen aber nicht nur einen landeskundlichen, sondern vor allem auch einen kritischen Blick auf Brasilien als Austragungsort der 20. Fußball-Weltmeisterschaft werfen. Hierzu haben wir im Blog der Virtuellen Fachbibliothek cibera einige Lese-, Seh- und Hör-Empfehlungen zu Brasilien zusammengestellt.

Kritische Wandbemalung zur WM - Ausschnitt aus Doku zum Maracana-Stadion

Voller Stolz im Mexiko-Trikot Für mich wird die WM ja erst morgen um 18 Uhr richtig los gehen, denn dann spielt Mexiko zum ersten Mal. Ich werde mir die Partie Mexiko – Kamerun, mit meinem Mexiko-Trikot am fußballbegeisterten Körper, in der Stabi anschauen, wo wir ja insgesamt 34 der 64 WM-Spiele zeigen werden (also alle Spiele, die garantiert vor Mitternacht entschieden sein werden, denn die Stabi schließt ja um Mitternacht).

Ach ja, und die spätestens im 2-4 Jahresrhythmus in dieser Zeit immer wieder laut jammernden Fußball-Hasserinnen und -Hasser können ja für die nächsten 4 Wochen diesen Service einer Kölner Privatklinik in Anspruch nehmen. ;)