Mord in der Militärdiktatur & NSA-Abhörskandal – fortgesetzte Tatenlosigkeit deutscher Politik

dasmaedchen
Das Mädchen – Was geschah mit Elisabeth K.? | Video verfügbar bis 12.06.2014

Argentinien, 1977. Das Land wird von einer Militärdiktatur unterdrückt. Regimekritiker werden zu Tausenden verschleppt, gefoltert, getötet. Auch die in der Hauptstadt Buenos Aires lebende deutsche Studentin Elisabeth Käsemann verschwindet im März unter mysteriösen Umständen.

«Dies ist die Geschichte einer verpassten Chance, ein Menschenleben zu retten.» Das ist der erste Satz der Dokumentation «Das Mädchen» von Eric Friedler. Und der sitzt. Ab diesem Moment kommt man 75 Minuten lang aus dem Staunen nicht mehr heraus. Man denkt ständig, wie war es möglich, dass nichts, aber auch absolut gar nichts unternommen wurde, das Leben dieser engagierten jungen Frau zu retten, die in der Militärdiktatur Menschen zur Flucht geholfen und die dann selbst von den Verbrechern der argentinischen Militätdiktatur umgebracht wurde? Eine Besprechung der Doku gibt es bei der SZ.

Auch wenn der Vergleich hinkt, da alle Vergleiche hinken, ich musste beim Betrachten der Doku immer daran denken, dass ich genau so fassungslos der aktuellen Haltung der Bundesregierung in Sachen NSA-Abhörskandal gegenüberstehe. Wie ist es möglich, dass die Bundesregierung sich erdreistet, nicht, aber auch gar nichts zur Wahrung der in der Verfassung garantierten Privatspähre zu unternehmen, und einen Generalstaatsanswalt Range vorschickt, der allen Ernstes behauptet, es läge kein Anlass zu Ermittlungen in der Angelegenheit der illegalen Ausspähung aller Bundesbürger durch die NSA und andere Geheimdienste vor (siehe dazu den SZ-Artikel «An der Aufklärung vorbeigemogelt»). Vielleicht wird es in 37 Jahren auch eine Doku dazu geben. Da Merkel die Hauptschuldige dieser unsäglichen Ignoranz der Bundesregierung ist, kann es beim Titel «Das Mädchen» bleiben.

Jan Böhmermanns kleiner Medien-Coup

Jan Böhmermann und seinem jungen Team ist in dieser Woche nicht nur wieder mal eine originelle Ausgabe seiner Sendung Neo Magazin gelungen, sondern er hat einen erfolgsverwöhnten Menschen aus deutschen TV-Landen sowas von vorgeführt.

Überhaupt ist Böhmermann einer, den man sich im Fernsehen wirklich noch ansehen kann, ohne gelangweilten Stillstand im Unterhaltungs-TV ertragen zu müssen. Viel besser als ich, hat das in dieser Woche Stefan Niggemeier beschrieben, daher bitte dort lesen, warum Böhmermann ein Guter ist:

Er nutzt die Möglichkeiten, auf ZDFneo Fernsehen zu machen, das nicht auf Bedenken, Konventionen und die Erwartungen eines Massenpublikums Rücksicht nehmen muss. Gleichzeitig plagt ihn die Sorge, dass die Leute denken, dass er nur sowas könnte. Dass er nicht wüsste, dass die Sendung anders sein müsste, wenn sie in einem größeren Rahmen stattfände, und dass er das nicht auch könnte. Er sagt: „Wir machen nur Independent-Fernsehen, weil wir es müssen.“

Weiter bei @niggi:
«Jan Böhmermanns Traum und Mühe: Ein Besuch beim „Neo Magazin“»

Ansonsten bleibt mir nur noch das SZ-Magazin zu zitieren:

Der Moderator Jan Böhmermann macht großartiges Fernsehen – für ein verschwindend kleines Publikum.

Auf dass es größer werde. Und Böhmermann so gut bleibe, wie er ist.

Die Saatgut-Retter

Es gleicht einem Kampf von David gegen Goliath, wenn man in dieser klug recherchierten Doku sieht, wie kleine Biosaat-Kooperativen im Interesse von uns Verbrauchern versuchen, gegen die Übermacht der Ernährungs-Giganten aus der Chemiebranche vorzugehen. Alles, was es bräuchte, diesen Davids — und damit uns allen — zu helfen, wäre eine Änderung der EU-Gesetze. Wer da wohl die bessere Lobby hat? Kann die Öffentlichkeit noch den Druck erzeugen, den es offenbar ganz dringend braucht, damit die Politik hier aktiv wird?

Aus der ARTE-Info zur Doku, dort auch mit gutem Dossier:

In nur 100 Jahren gingen aufgrund von Monokulturen über 75 Prozent der biologischen Vielfalt verloren. So liegen in allen Supermärkten dieselben Obst- und Gemüsesorten in den Regalen. Die Saatgut-Konzerne züchten Sorten, die die Landwirte nach jeder Ernte neu hinzukaufen müssen. Doch Landwirte und Wissenschaftler kämpfen europaweit um den Erhalt von biologischer Vielfalt.

Wiederholungen auf Arte:
So, 16.03. um 10:20 Uhr
Fr, 28.03. um 10:15 Uhr

In der Arte-Mediathek steht der Film noch 6 Tage bereit. Oder einfach während dieser Zeit zum selbstbestimmten späteren Anschauen über dieses hilfreiche Tool den Film auf den eigenen Rechner laden:
Arte+7 video downloader.

Warum haben wir keine Zeit? Florian Opitz’ Doku ruft auf zur Entschleunigung

Hund in Bhutan - hat viel Zeit

«Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt», sang einst Barry Ryan. Mit der Zeit – bzw. mit dem gefühlten und tatsächlichen Mangel an Zeit – befasst sich auch Florian Opitz in seinem Dokumentarfilm «SPEED – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit». Darin fragt er sich und uns, wieso wir eigentlich nie genug Zeit haben. Wie oft hören wir diese Antwort von anderen oder müssen den schlimmen Satz auch selbst aussprechen: «Ich habe keine Zeit». Die Lösung für jenes Dilemma könnte darin liegen, sich anzuschauen, warum die Menschen in Bhutan so glücklich sind. Denn im Land des Bruttonationalglücks – kurz BNG – hat das Verfügen über seine eigene Zeit einen hohen Stellenwert. Die Lösung könnte auch in einer anderen Abkürzung mit drei Buchstaben, dem BGE, liegen, doch dazu später mehr.

Hier erst mal der Trailer des Filmes, der gerade auf ARTE ausgestrahlt wurde und der mich extrem beeindruckt hat:

SPEED – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit TRAILER HD DEUTSCH from Camino Filmverleih on Vimeo.

In seinem Kinodokumentarfilm begibt sich der Filmemacher und Autor Florian Opitz auf die Suche nach der verlorenen Zeit. Er geht der Frage nach, wo all die Zeit geblieben ist, die wir mühsam mit neuesten Technologien und Effizienzmodellen glaubten, eingespart zu haben. Dabei trifft er auf Menschen, die die ständige Beschleunigung unseres Lebens vorantreiben und solche, die sich trauen, Alternativen zur allgegenwärtigen Rastlosigkeit zu leben.

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Experte Heinz Strunk zum “Gefahrengebiet”

Das Ausrufen des letzten “Gefahrengebiets” kam für die meisten Hamburger noch überraschend. Damit beim nächsten Mal alle vorbereitet sind, ein paar Fakten und Tipps von unserem Experten.

Also mein lieber Herr Strunk: ein guter Komiker lacht nie, wirklich nie, über sich selbst. Damit zerstört er doch die ganze Komik. Und dann noch bei einer Thematik, die überhaupt nicht zum Lachen ist. Aber, da sein Auftritt bei extra3 trotzdem eine tolle Nummer ist, sei er hier zur Ansicht empfohlen. Dass der Heinzer in der Expertenrolle auch durchaus ernst – und für uns damit um so lustiger – bleiben kann, hat er schon bei seinen «5 Schritten zum Erfolg» gezeigt.

Zurück zum Lachen über das “Gefahrengebiet”: Über wen wir in Hamburg momentan absolut gar nicht mehr lachen können, ist der Regierende Bürgermeister, “Gefahrengebieter” Olaf Scholz, dem die ganze Geschichte vollends entglitten ist, oder wie formschub es ausdrückt:

WDR-Beitrag: Pirat in schwerer See

Ein guter, und – wie ich finde – ausgewogener Bericht über die politische Arbeit von Lukas Lamla (30, auf Twitter: @maltis), der für die Piratenpartei im Landtag in in Nordrhein-Westfalen sitzt. Der ehemalige Berufsfeuerwehrmann gibt einen Einblick in seine politische Arbeit.

Die “WDR Hier und heute“-Reportage (verantwortlicher Redakteur: Jörg Laaks) spannt den Bogen von der Feierstimmung mit 7,8 % bei den Landtagswahlen im Mai 2012 in NRW über die Ernüchterung der stark zurückgegangenen Umfragewerte bis hin zum Wahlkampf für die Europawahl im Mai diesen Jahres, wo sich zeigen wird, ob die Arbeit von Menschen wie Lukas Lumla dazu führen wird, wieder das Vertrauen in die Piraten zu stärken.

Neue Folgen Tatortreiniger

Gute Nachricht: es gibt wieder neue Folgen vom Tatortreiniger. Vom 7. – 9. Januar 2014 (Di-Do) zeigt der NDR jeden Abend jeweils eine Wiederholung um 22:00 Uhr und eine neue Folge um 22:30 Uhr. Die Folge Angehörige mit Florian Lukas gibt’s vorneweg schon mal online:

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Schotty trifft in der Wohnung eines verstorbenen Zauberers auf dessen schwulen Freund. Dieser hat mit der Leiche so seine Pläne. Die achte Tatortreiniger-Folge vorab online.