Arte zeigt wieder «Der lange Weg der Hoffnung»

Zur Zeit gibt es auf Arte wieder mal einen von mir aus dem Spanischen übersetzten Film zu sehen, über den ich schon zur Erstausstrahlung gebloggt hatte: «Der lange Weg der Hoffnung». Und genau wie damals, war es auch dieses Mal Christian Hauschke, der mich in den Kommentaren hier im Blog auf die Ausstrahlung hinwies. Er scheint Arte im Dauerbetrieb zu schauen. Kann ich gut verstehen, bei der Qualität des Senders. wink

In der Nacht der Ausstrahlung gab es vorgestern auch nettes Feedback auf Twitter, über das ich mich natürlich sehr gefreut habe:

Eine schöne Erinnerung an meine Zeit als Freiberufler, die ja in diesem Monat mit Antritt meiner Vollzeitstelle und des Studiums zu Ende gegangen ist. Zurück bleibt eine Website, die ich aus archivarischen Gründen natürlich im Netz stehen lasse: Text & Web.

Wer obigen Film nicht in der Mediathek, sondern am TV sehen möchte, hat am Donnerstag, den 25.10. um 14:25 Uhr, oder am Samstag, den 3.11. um 12:30 Uhr, Gelegenheit dies zu tun oder ihn aufzuzeichnen. Ein harter Film, den es aber lohnt, sich anzuschauen.

Tweet der Woche: Uebersetzer-Aufopferung

Tweet der Woche Bisher ist es mir noch nie so leicht gefallen, gegen Ende der Woche den «Tweet der Woche» zu bestimmen. Und ich mache das, seit dem Darniederliegen von Twitkrit, immerhin auch schon wieder seit einem Dreivierteljahr. Der ausgewählte Tweet steht dabei exemplarisch für eine ganze Tweet-Serie, mit der die Autorin tagelang und in geradezu aufopfernder Weise ihre kostbare Zeit – und, wie man dem gleich vorgestellten Tweet entnehmen kann, auch Nerven – opfert, damit die am Thema Interessierten Abläufe und Zusammenhänge erfahren, die sie durch fehlende Sprachkenntnis nicht selbst verfolgen oder herstellen können.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich danke meiner Übersetzer-Kollegin Gabriele Zöttl aka @uebersetzer für ihre Tweet-Berichterstattung zu #PussyRiot. Symbolisch ausgewählter «Tweet der Woche», der zeigt, dass auch die Berichterstattung über diese unsägliche Farce von Prozess nicht spur- und kommentarlos an der Autorin vorbei geht:

Tweet der Woche von @uebersetzer

Update: Gabriele Zöttl schildert das Ganze auch in ihrem Blog:
«Pussy Riot vertwittern – eine ungewohnte Erfahrung».

Die vergangenen Tweets der Woche findet ihr hier.

«Die Kunst des Übersetzens» – Podcast von SWR2

Thomas Groh hat mich heute Morgen auf Facebook auf einen wunderbaren Podcast aufmerksam gemacht, den ich gerne hier im Blog vorstelle, weil er ein Thema behandelt, das mir sehr am Herzen liegt:

Katharina Teutsch: SWR2 – Wissen: «Die Kunst des Übersetzens»:

Die Arbeit von Literatur-Übersetzern ist schlecht bezahlt und wird in der Öffentlichkeit oft nicht angemessen gewürdigt. Doch die Übersetzung literarischer Texte ist eine hohe Kunst, auch und gerade wenn es um die Neuübertragung von Klassikern geht. In der Flut der Neuerscheinungen stehen sie für kulturelle Kontinuität und verändern sich doch mit jeder Bearbeitung. War es im 19. Jahrhundert noch üblich, das Original den moralischen Vorstellungen der Zeit anzupassen, herrscht heute eher philologische Strenge. Nach dieser Vorgabe wurden in den letzten Jahren etwa Tolstois “Anna Karenina” und “Krieg und Frieden” neu interpretiert, ebenso die großen Werke Dostojewskis und Mark Twains “Tom Sawyer und Huckleberry Finn”. Doch was unterscheidet diese Übersetzungen von den Vorherigen? Und wird es jemals eine Übersetzung geben, die nicht mehr zu übertreffen ist? Um das herauszufinden, müssten wir lernen, vergleichend zu lesen.

Medium: MP3
Link: MP3

Spannend ist die Frage, wie die Übersetzer bei den Neuübersetzungen mit den bisherigen Übersetzungen umgehen sollen. Ganz ignorieren? Auf ihnen aufbauen? Nur die Fehler korrigieren? Der Beitrag (Dauer 28 Min.) gibt spannende Antworten darauf. Es kommen u.a. meine Übersetzer-Kollegen Rosemarie Tietze («Anna Karenina») und Christian Hansen (Roberto Bolaño: «2666») zu Wort, die auch auf der Website des VdÜ anlässlich ihrer Nominierungen zum Preis der Leipziger Buchmesse 2010 in der Kategorie Übersetzung porträtiert wurden.

Google Übersetzer erkennt jetzt auch Sprachen

Google Übersetzer versucht sich am Saarländischen

Wie ich eben bei Markus auf hackr.de im Artikel «Detect» gelesen habe, kann Google Übersetzer jetzt auch Sprachen erkennen, die man zum Übersetzen eingibt. Hab mal was auf Saarländisch eingegeben und er ordnet es der deutschen Sprache zu. Soweit wenig verwunderlich, wenn auch nicht ganz korrekt. Lustig wird es allerdings, wenn man sich das Übersetzte dann vorlesen lässt. Hab’s gerade mit dem frei erfundenen Satz probiert:

Ich han die Freck*, do kannssche nix mache. Awer morje bin isch beschdimmt widder gesund.
(*Freck heißt Erkältung)

Macht sicher auch mit anderen Dialekten Spaß. Ihr könnt’s ja mal ausprobieren. (Nach Texteingabe könnt Ihr die Links Eurer Versuche aus dem Adressfeld des Browsers kopieren, und – wenn Ihr wollt – gerne in den Kommentaren mitteilen.)

«Der lange Weg der Hoffnung» auf arte

«Der lange Weg der Hoffnung» - Abspann mit Nennung der Übersetzer

Wie Christian Hauschke mir gestern Abend in den Kommentaren mitteilte, lief der von mir übersetzte Film «Der lange Weg der Hoffnung» auf arte. Die Wiederholung ist zu sehen am Donnerstag, den 30.09.2010 um 10:50 Uhr oder in der arte Mediathek. Drei kurze Videoausschnitte gibt es auch bei arte.

Ich empfehle Euch diesen Film nicht, weil ich ihn übersetzt habe, sondern weil er wirklich gut ist. Er wurde mittlerweile auch auf dem Internationalen Latino-Filmfestival in New York (NYILFF) mit dem Preis des besten Dokumentarfilms im Jahr 2010 ausgezeichnet. Ein sehr harter Dokumentarfilm, der zeigt, was eine junge Frau alles riskiert und auf sich nimmt, die Mann und vier Kinder in Ecuador zurück lässt und den mehr als beschwerlichen Weg quer durch Süd-, Mittel- und Nordamerika in die USA auf sich nimmt, wo sie versucht, das Überleben der Familie zu sichern. Mehr zum Inhalt des Films in meinem Artikel Aktuelle Übersetzung: Der lange Weg der Hoffnung. Hatte damals versprochen, dass ich Euch drauf hinweise, wenn er im Fernsehen läuft, aber dadurch dass es nun so lange dauerte, bis er ausgestrahlt wurde und ich so kurz vor der morgigen Abreise nach Spanien sehr wenig Zeit habe, wusste ich es selbst nicht, dass er kam. Gut, dass im Abspann mein Name angezeigt wurde (siehe Screenshot) und sowohl Blogleser als auch Twitterer entsprechende Hinweise gaben. wink

Jonathan Safran Foer: ‘Tiere essen’

Mein Exemplar von Jonathan Safran Foer: 'Tiere essen' Der Verlag Kiepenheuer & Witsch hat mir kürzlich das neue Buch von Safran Foer «Tiere Essen» geschickt und mich zur Teilnahme an der Lesecommunity eingeladen, die nächste Woche startet. Ich denke nicht, dass ich nun gleich zum Vegetarier werde, wenn ich das Buch lese. Aber den Konsum von Fleisch zu überdenken, kann sicher nichts schaden. Dass Vegetarier länger leben, liegt auch nicht daran, dass sie kein Fleisch essen, sondern dass sie generell gesünder leben, wie in der Rubrik Stimmt’s heute auf ZEIT Online klar gestellt wurde: Leben Vegetarier länger als Fleischesser?.

Meine Kollegin Isabel Bogdan, neben Brigitte Jakobeit und Ingo Herzke eine der drei Übersetzer von «Tiere Essen», hat auf ihrer Website ein Interview mit mir selbst zu Jonathan Safran Foers „Tiere essen“ veröffentlicht und dankenswerterweise auch eine Rezensionsübersicht erstellt.

Am 29. September lesen die drei Übersetzer aus dem Buch in dem wunderbaren Restaurant Trific hier in Hamburg. Dort wird es auch ein dreigängiges veganes Überrasschungsmenü dazu geben. Hab mich heute dafür angemeldet und freu mich schon sehr darauf. Das Trific ist nicht so groß. Wer da noch hin möchte, sollte sich beeilen und rasch reservieren. Alle Infos zur Restaurant-Lesung der besonderen Art bei Isa, dieses mal in ihrem Blog: TIERE ESSEN. Übersetzer lesen Foer.

Was ist die Kunst des Übersetzens? Ein Film von SO_Übersetzen


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Es gibt immer noch Menschen, die übersetzte Literatur lesen, ohne daran zu denken, dass sie jene Literatur gar nicht – oder nur unter erschwerten Umständen – wahrnehmen könnten, wenn diese nicht in ihre Muttersprache übertragen worden wäre.

Der Verein zur Förderung literarischer Übersetzungen aus slawischen Sprachen Südosteuropas e.V. – kurz SO_Übersetzen – hat einen wunderbaren kurzen Film gedreht, der deutlich macht, welche kulturelle Leistung in diesem wichtigen Prozess der Sprachübertragung über die Grenzen hinweg steckt. Das Video entstand im Rahmen des Symposiums “Übersetzer als interkulturelle Vermittler – Literatur finden, übersetzen, verbreiten”, das im November 2009 in Zagreb statt fand.

Ansonsten gilt, was Isa sagt:

Ein Buch zu schreiben, ist eine Kunst. Es zu übersetzen, ist eine andere, ganz eigene Kunst.

[via feuilleton.literaturuebersetzer.de]

Von Schauspielern und Übersetzern…


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Von Schauspielern und Übersetzern… war hier schon einmal die Rede. Und der Vergleich soll heute noch mal zur Sprache gebracht werden.

Christoph Waltz ist ohne Zweifel ein großer Schauspieler. Er hat heute Nacht vollkommen zurecht für seine Darstellung eines “kultivierten” Nazis in Tarantinos «Inglorious Basterds» den Oscar bekommen. Und ganz nebenbei zeigt er in obigem Interview, dass das Spiel eines Schauspielers auch in Interviews weitergehen muss und kann.

Dass auch Übersetzer eine künstlerische Leistung vollbringen, die mit der eines Schauspielers zu vergleichen ist, mag nur auf den ersten Blick erstaunen. Beide interpretieren einen Text. Beide bringen ihre ganze Erfahrung in diesen Prozess ein – wenn sie gut sind. Die Analogie von Schausetzern und Überspielern erklärt meine Übersetzer-Kollegin Isabel Bogdan in ihrem Auftaktartikel zum Beginn einer – welch geniale Idee! – Übersetzungskolumne im Titel Magazin:

Der Text, den ein Schauspieler spricht, steht fest, er ist vorgegeben, er kann ihn nicht verändern. Er muss in eine Rolle schlüpfen, sich mit Haut und Haar in jemanden hinein versetzen, denken wie er, fühlen wie er, sprechen wie er – dabei aber dennoch aufrichtig bleiben, er selbst bleiben. Er kann kein anderer werden, weil er kein anderer ist. Er muss vielmehr seine Persönlichkeit in die Rolle einbringen, und dabei ebenso sehr sich selbst wie der Rolle treu bleiben. Dazu muss er das Stück natürlich verstanden haben, es richtig und vollständig durchdrungen haben, er muss den Gesamttext begreifen, die Geschichte, den Hintergrund, die Figur und jedes Detail. Wenn er etwas nicht verstanden hat, funktioniert es nicht, dann wird er seine Rolle unbeholfen spielen.

Weiter im Titel Magazin: «Übersetzen ist eine darstellende Kunst».