Es gibt immer noch Menschen, die übersetzte Literatur lesen, ohne daran zu denken, dass sie jene Literatur gar nicht – oder nur unter erschwerten Umständen – wahrnehmen könnten, wenn diese nicht in ihre Muttersprache übertragen worden wäre.
Der Verein zur Förderung literarischer Übersetzungen aus slawischen Sprachen Südosteuropas e.V. – kurz SO_Übersetzen – hat einen wunderbaren kurzen Film gedreht, der deutlich macht, welche kulturelle Leistung in diesem wichtigen Prozess der Sprachübertragung über die Grenzen hinweg steckt. Das Video entstand im Rahmen des Symposiums “Übersetzer als interkulturelle Vermittler – Literatur finden, übersetzen, verbreiten”, das im November 2009 in Zagreb statt fand.
Von Schauspielern und Übersetzern… war hier schon einmal die Rede. Und der Vergleich soll heute noch mal zur Sprache gebracht werden.
Christoph Waltz ist ohne Zweifel ein großer Schauspieler. Er hat heute Nacht vollkommen zurecht für seine Darstellung eines “kultivierten” Nazis in Tarantinos «Inglorious Basterds» den Oscar bekommen. Und ganz nebenbei zeigt er in obigem Interview, dass das Spiel eines Schauspielers auch in Interviews weitergehen muss und kann.
Dass auch Übersetzer eine künstlerische Leistung vollbringen, die mit der eines Schauspielers zu vergleichen ist, mag nur auf den ersten Blick erstaunen. Beide interpretieren einen Text. Beide bringen ihre ganze Erfahrung in diesen Prozess ein – wenn sie gut sind. Die Analogie von Schausetzern und Überspielern erklärt meine Übersetzer-Kollegin Isabel Bogdan in ihrem Auftaktartikel zum Beginn einer – welch geniale Idee! – Übersetzungskolumne im Titel Magazin:
Der Text, den ein Schauspieler spricht, steht fest, er ist vorgegeben, er kann ihn nicht verändern. Er muss in eine Rolle schlüpfen, sich mit Haut und Haar in jemanden hinein versetzen, denken wie er, fühlen wie er, sprechen wie er – dabei aber dennoch aufrichtig bleiben, er selbst bleiben. Er kann kein anderer werden, weil er kein anderer ist. Er muss vielmehr seine Persönlichkeit in die Rolle einbringen, und dabei ebenso sehr sich selbst wie der Rolle treu bleiben. Dazu muss er das Stück natürlich verstanden haben, es richtig und vollständig durchdrungen haben, er muss den Gesamttext begreifen, die Geschichte, den Hintergrund, die Figur und jedes Detail. Wenn er etwas nicht verstanden hat, funktioniert es nicht, dann wird er seine Rolle unbeholfen spielen.
Da mein Vertrag in der Stabi Hamburg zum 30.04.2010 endgültig ausläuft und leider nach Ende der DFG-Förderung für cibera und dem Fehlen einer freien festen Stelle in der Bibliothek zu meinem großen Bedauern nicht mehr verlängert werden kann, bin ich, wie Ihr wisst (s.Impressum), auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung spätestens ab Mai 2010.
Im Rahmen meiner Bewerbungen bzw. Kontaktaufnahmen, was meine zukünftige Beschäftigung anbelangt, kann ich zum Glück auf eine nicht ganz unerfolgreiche Tätigkeit für die Stabi Hamburg und im Besonderen für die Virtuelle Fachbibliothek cibera hinweisen: Das ciberaBlog (siehe Screenshot rechts) und das cibera ForscherWiki sind ein voller Erfolg. Aber natürlich verweise ich dabei auch auf meine freiberufliche Tätigkeit als Webdesigner. In den letzten Jahren beschränkte sich diese – neben der Gestaltung der Bibliotheksdienste, an deren Einführung ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter beteiligt war, und der Realisierung der aufwendigen zweisprachigen Virtuellen Ausstellung der Linga-Bibliothek – aber größtenteils auf die Betreuung meiner Bestandskunden aus der Zeit vor cibera) und als Übersetzer aus dem Spanischen (vor allem für arte).
Doch mit der Webpräsenz dieser freiberuflichen Tätigkeit (siehe Screenshot oben) bin ich mittlerweile alles andere als zufrieden. Die im Jahr 2003 eingerichtete Website Text & Web ist in ihrem siebten Jahr natürlich mehr als in die Jahre gekommen und bedarf dringend einer Auffrischung. Gestalterisch und technisch, versteht sich. Deshalb arbeite ich zur (in der wenigen mir zur Verfügung stehenden) Zeit am Redesign dieser Site. Ich werde sie in eine mit WordPress als CMS realiserte Webpräsenz mit einem von mir komplett umgestalteten Magazin-Theme umbauen.
Als kleinen Vorgeschmack darauf hier der momentane Entwurf des zukünftigen Text & Web-Logos. Und wer noch ein bisschen über meine in die Jahre gekommene Website schmunzeln möchte, der schaue sie sich an, solange sie im alten, schlichten Gewand noch unter textundweb.com zu erreichen ist. ;-)
Die vergangenen Jahre waren die Dokumentarfilme über Lateinamerika, die ich für arte aus dem Spanischen übersetzt habe (siehe Text & Web), immer sehr hart. Damit meine ich, sie hatten stets sehr ernste Themen. Das trifft auch auf den Film zu, den ich gerade aktuell übersetze: «Un si long voyage» (Der lange Weg der Hoffnung, Maha Productions, 2009, 84 min.). Darin beschreibt die französische Regisseurin Stéphanie Lamorre den gefährlichen, beschwerlichen Weg von Ecuadorianern auf ihrer illegalen Einwanderung in die USA.
Es ist unglaublich, was die Menschen auf sich nehmen, um der Not ihrer Existenz zu entfliehen. Um das vermeintlich gelobte Land USA zu erreichen. Im Wesentlichen im Film gezeigt am Beispiel der 34-jährigen Mutter Fatima, die ihre vier Kinder in Ecuador zurück lässt und sich auf das Wagnis einlässt, den langen, gefährlichen Weg nach New York auf sich zu nehmen, um ihre Familie zu retten. Die Regisseurin hat Fatima und eine Gruppe von verzweifelten Flüchtlingen auf diesem Weg begleitet: Mehr als 6.000 km haben sie zurück gelegt, neun nationale Grenzen dabei überquert.
Ich übersetze die spanischsprachigen Passagen aus dem Film (die etwa drei Viertel des gesamten Manuskriptes ausmachen), da er – wie es für einen Dokumentarfilm normal ist – aus sehr vielen O-Tönen besteht. Falls sich jemand für die Dokumentation interessiert: Ich geb’ Euch rechtzeitig Bescheid, wann er auf 2010 auf arte ausgestrahlt wird.
Neulich hatte ich ja schon berichtet, dass Google Translate jetzt auch Live-Übersetzung anbietet. Nun hat Google auch ein Wörterbuch, erreichbar unter der Adresse google.com/dictionary. Die Familie der G-Services wird also um Google Dictionary erweitert.
Suchergebnisse können wie immer per URL weitergegeben werden. Dies ist zum Beispiel der URL der Abfrage Spansisch-Englisch nach censura, die auch im Screenshot oben zu sehen ist. Verwandte Ausdrücke und Definitionen werden auch mit angezeigt, je nach Sprache gibt’s auch Aussprache-Hilfen. Für die deutsche Sprache gibt’s bisher nur die Übersetzungen Dt./Engl. und umgekehrt. Vom Englischen aus oder ins Englische gibt es zahlreiche Sprachkombinationen, siehe Screenshot rechts.
Eines vorneweg: Google Translate ist lediglich ein Tool, das einem bei Übersetzungen helfen kann, wenn es darum geht den Sinn eines fremdländischen Textes zu erfassen. Es liefert keine guten Übersetzungen, aber es kann ab und an schon sehr praktisch sein1. Seit gestern hat Google Übersetzer ein paar Neuerungen, die mich durchaus beeindruckt haben, und die ich Euch kurz vorstellen möchte.
Das interessanteste der neuen Features ist zweifellos die Live-Übersetzung: während man einen Text eintippt, wird er übersetzt. Das ist je nach Texteingabe ganz lustig zu beobachten. Lässt man ins Englische Übersetzen, bekommt man gleich die korrekte Aussprache der Übersetzung mit angezeigt.
Und übersetzt man in Sprachen mit nicht-lateinischem Alphabet (chinesisch, japanisch, russisch, arabisch ect.) liefert Google auf Wunsch zusätzlich zur Übersetzung eine lateinische Umschrift. Nicht neu, aber jetzt erst entdeckt habe ich das Feature: Sprache erkennen. Auch dieses – und das ist neu – funktioniert jetzt schon während der Eingabe und erkennt die Sprache live.
Die neuen Features ändern nichts an der Tatsache, dass die Übersetzungen in einem professionellen Kontext natürlich nicht zu gebrauchen sind, aber für das eben mal rasch Nachschlagen einer Übersetzung ist es brauchbar und mit dem neuen Feature der Live-Übersetzung auch attraktiver geworden.
Ich schicke zum Beispiel in E-Mails an spanischsprachige Freunde, die kein Deutsch können, Blogartikel in automatisierter Übersetzung, weil ich keine Zeit habe, diese extra noch ins Spanische zu übersetzen. Wie etwa neulich meinen von Google ins Spanische übersetzten Blogartikel zum Mauerfall, weil sich viele Freunde bei mir meldeten, die den Fall der Mauer damals mit mir in Mexiko erlebten. [↩]
Es ist eine Schande, wie schlecht literarische Übersetzungen in Deutschland bezahlt sind. Beredtes Zeugnis davon legt dieser taz-Artikel über die deutsche Übersetzung von Walt Whitman durch den Übersetzer Jürgen Brôcan ab:
“Man lebt einfach sehr, sehr bescheiden, auf geringstem Niveau”, knurrt er. “Tja, und es gibt Monate, wo man froh ist, wenn man den Hartz-IV-Satz erreicht.”
Das gilt für viele Übersetzer. Nirgendwo werden so viele Bücher übersetzt wie in Deutschland, der Qualitätsstandard ist hoch. Ohne Idealismus und Selbstausbeutung ist in diesem Metier wenig zu machen. Brôcan ist nur ein Beispiel. Ulrich Blumenbach, der gefeierte Übersetzer von David Foster Wallace’ 1.500-Seiten-Roman “Unendlicher Spaß”, hat im Vorspann der deutschen Ausgabe den Satz geschrieben: “Der Übersetzer dankt dem Deutschen Übersetzerfonds, der diese Arbeit mit zwei umfangreichen Stipendien gefördert hat, sowie seinem Vater Arnold Blumenbach, ohne dessen mäzenatische Zuwendungen er die Übersetzung nicht hätte abschließen können.”
Brôcan hat keinen Mäzen. Er besorgt sich Sekundärliteratur, ein paar antiquarische Bücher aus Amerika, Whitmann-Biografien, Whitmann-Briefe, er kauft nicht zu viel ein. Er muss das alles selber bezahlen. Er war noch nie in Amerika, er würde gerne mal hinfahren, schließlich übersetzt er gerade einen der wichtigsten amerikanischen Lyriker. Aber für so eine Reise reicht sein Budget nicht.
Vor wenigen Minuten wurde das mit Spannung erwartete Urteil des Bundesgerichtshofes veröffentlicht. Übersetzern steht demnach eine Erfolgsbeteiligung zu:
Der für das Urheberrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass Übersetzer literarischer Werke grundsätzlich einen Anspruch auf angemessene Vergütung in Form einer prozentualen Beteiligung am Erlös der verkauften Bücher haben.
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