Festivalbericht Havanna 2016

Das Internationale Filmfestival des Lateinamerikanischen Kinos ist ein richtig großes Festival. Vom 8.-18. Dezember 2016 sind in mehreren über Havanna verteilten Kinos 400 Filme und Dokumentationen gezeigt worden. In 10 Tagen habe ich 45 davon gesehen, also viereinhalb pro Tag. Der übliche Filmmarathon, wie ich ihn schon von der Berlinale und von San Sebastián gewohnt bin. Dieses Mal unter etwas erschwerten Bedingungen, da alles im Wechselspiel zwischen großer karibischer Hitze und auf Kühlschranktemperaturen herunter gekühlten Kinos statt gefunden hat. Ein Wunder, dass ich nicht krank geworden bin.

Die erste Filmschiene begann morgens um 10 Uhr, die letzten Streifen wurden abends ab 22:30 Uhr gezeigt. Bis auf einige wenige Pannen war das Festival wirklich sehr gut organisiert. Die Atmosphäre in den kubanischen Kinos ist immer eine ganz besondere. Wenn das Handy klingelt, wird das Gespräch auch schon mal angenommen und dem Anrufenden wird für eine gut hörbar erläutert, dass man gerade im Kino sei. Und wenn einem etwas auf der Leinwand nicht passt, wird es auch schon mal einfach so vom Publikum entsprechend laut kommentiert. Das kann schon nerven, es war auf jeden Fall eine ganz neue Kinoerfahrung.

Vor jedem Film wurde der Festivaltrailer gezeigt, die Melodie des Filmchens begleitete uns als Ohrwurm durch die Festivaltage in Havanna:

Hier nun die TOP 10 der sehenswerten Filme aus meiner persönlichen Sicht, in chronologischer Reihenfolge, wie ich sie sah; die Reihenfolge stellt also keine Wertung dar:
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Festivalbericht San Sebastián 2016

Ehe ich über die dieses Jahr gesehenen Filme berichte, vorneweg mein Fotoalbum San Sebastián 2016. Die Bilder gibt’s dort auch zum Betrachten in groß:

Fotoalbum San Sebastián 2016

Und nun zum gesehen Kino: Im Fokus vieler Filme beim internationalen Filmfestival San Sebastián 2016 stand das Thema Gewalt unter bzw. von Jugendlichen oder jungen Menschen. Am härtesten zu erfahren in dem polnischen Wettbewerbsbeitrag «Playground» (das auf der Leinwand Gezeigte – zwei Zwölfjährige töten einen zweijährigen Jungen – war für manche so unerträglich, dass sie das Kino verließen; treffende Rezension von Jonathan Romney) und dem chilenischen Wettbewerbsfilm «Jesús» (Rezension Variety, Trailer). Auch zwei der zehn Filme, die ich am besten fand, bearbeiten das Thema. Doch das Spektrum ist natürlich viel größer. Wie immer habe ich auch dieses Jahr etwas darunter gelitten, mit 5 bis 6 Filmen pro Tag sehr dicht getaktet mit Themen konfrontiert zu werden, die einem nahe gehen und für die natürlich in den knappen Pausen zwischen den Filmen keine Zeit bleibt, sie zu verarbeiten. Das hab ich aber alles in den vergangenen 7 Tagen nachgeholt und kann nun meine traditionelle TOP 10 präsentieren. Wie immer mit nur wenigen Worten, einem Trailer und im Titel per Link auf die englischsprachige Filmbeschreibung auf der Festivalwebsite:
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San Sebastián dieses Mal sehr entspannt

Während ich im Juli noch schrieb: «So langsam steigt die Vorfreude auf San Sebastián», kann ich nun sagen: Morgen geht’s los. Und dieses Jahr reise ich wesentlich entspannter zu meinem Lieblingsfilmfestival als in den beiden Vorjahren. Vor zwei Jahren schloss ich einen Tag vor Abreise mein Masterstudium mit der mündlichen Prüfung ab und musste direkt im Anschluß an San Sebastián auf zwei Dienstreisen (Europeana-Workshop an der British Library in London und Vorstellung der Weltbrand-App der Stabi auf der Jahrestagung der Bundeswehr-Bibliotheken in Köln). Tja, und letztes Jahr bin ich vor dem Filmfestival nach Wien geflogen und habe auf dem Österreichischen Bibliothekartag einen Vortrag über Social Media in Bibliotheken gehalten, um von dort nach San Sebastián weiter zu fliegen.

sansebposter2016 Und dieses Jahr? Alles herrlich entspannt, seit heute Urlaub (gestern die Arbeit in der Bibliothek zurückgelassen), kein Vortrag, keine Prüfung, keine Dienstreise, weder unmittelbar vor noch nach San Sebastián.

Auf das Festival bin ich schon sehr gespannt. Meine 22. Teilnahme in Folge, doch das ist alles andere als langweilig. Jedes Jahr ist einzigartig und wartet nicht nur durch die neuen Filme mit Überraschungen auf. Die wirklich gut vorbereiteten und kuratierten Retrospektiven lassen das Cineasten-Herz höher schlagen. Dieses Jahr freue ich mich besonders auf die Retro, sie ist dem französischen Regisseur Jacques Becker gewidmet:
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Armand Amar – »Bab’Aziz«

Bin gerade sehr angetan von dieser Musik. Armand Amar ist ein französischer Komponist, der in Jerusalem geboren und in Marokko aufgewachsen ist. Muss gestehen, dass ich den Film »Bab’Aziz« (Der Prinz, der seine Seele betrachtete) von Nacer Khemir, zu dem Amar 2005 den Soundtrack geschrieben hat, gar nicht kenne. Aber ich höre mich gerade in das komplette Album ein und bin wirklich begeistert. Denke, da gibt es noch Einiges zu entdecken. Wer Lust auf diese Musik hat, kann ja mal reinhören. Weiter lesen

San Sebastián, ich freu mich auf Dich

San Sebastián - Kochen für den Widerstand

So langsam steigt die Vorfreude auf San Sebastián. Im September werde ich, wie jedes Jahr seit 1995, auf dem dortigen Filmfestival sein. Am Sonntag lief auf 3sat eine gute Doku über die Stadt, in der auch die cofradías (siehe 2. Bild unten) vorgestellt werden: Kochgemeinschaften, die in der Zeit von Francos Unterdrückung des Baskischen als geheime politische Zusammenkünfte eine Form der „Opposition am Herd“ darstellten. Das die Küche von Donostia (so heißt San Sebastián auf baskisch) eine besondere ist, weiß jeder, der mal dort war. Die Doku steht nur noch zwei Tage in der Mediathek zur Verfügung, also unbedingt bald anschauen:
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