Wer immer noch nicht begriffen hat, wie grundlegend sich das Internet durch Real-Time-Dienste wie Twitter oder Facebook verändert hat, sollte sich unbedingt die neueste Folge des Elektrischen Reporters anschauen. Auch wenn es lediglich so scheint, dass die Menschen in diesen Diensten nur schreiben, was sie gerade tun, ist es doch viel mehr als das, was kommuniziert wird. Für die Echtzeitsuche sind hier in den vergangenen drei Jahren so mächtige Strukturen entstanden, dass es allerhöchste Zeit auch für all jene ist, die glauben, es handele sich hier um Kaffeehausgeplauder oder Infomüll. Filter- und Recherchedienste machen das Real Time Web (Echtzeitnetz) zu einem nicht mehr wegzudiskutierenden Informationsfaktor. Wer sie aus Unverständnis ignoriert – sei es auf der Seite der Informationsanbieter, der Vermittler (Medien, Journalisten) oder der Rezipienten – begeht einen großen Irrtum.
Die Aufmerksamkeit im Web bewegt sich fort von den statischen Webseiten und hin zu einem dynamischen und unaufhörlich fließenden Nachrichten- und Ereignisstrom, den die Nutzer selbst über Twitter oder ihre Facebook-Statusmeldungen erzeugen: Gedanken, Ideen, Emotionen, Nachrichten, Bilder und Videos – alles landet im Augenblick des Entstehens im neuen Echtzeitweb.
Neue Debatten entstehen in null-komm-nichts und Trends werden offenbar. Ein Vielzahl neuer Anwendungen nutzt die so entstehenden Inhalte als eigenen Rohstoff, den sie filtern, auswerten und damit beherrschbar machen. Den Medien dagegen bleibt selbst kaum noch Zeit auf das Geschehen in der Welt zu reagieren, beim Kampf um die Nachrichtenhoheit haben sie einen weiteren Konkurrenten: Den twitternden Nutzer am Ort des Geschehen. Kritiker sehen als Ergebnis dieser Beschleunigung am Ende den totalen Stillstand, weil die Nutzer schlicht überfordert werden. Der Elektrische Reporter begibt sich hinein ins Realtime Web und geht den neuen Phänomenen dort auf den Grund.
Jan Schmidt hat eben auf Twitter einen wertvollen Link verbreitet, den ich unbedingt auch im Blog vorstellen möchte. Weil hier ein Werk frei zum Download angeboten wird, dass für alle interessant sein dürfte, die sich mit Web 2.0 bzw. mit Social Media befassen. Es geht um virtuelle Gemeinschaften und soziale Netzwerke im Internet. Gezeigt wird etwa im Kapitel «Anwendungs-beispiele» Literatur zur Partizipation zwischen Facebook, YouTube und Xing. Im Vorwort zum freien e-Book heißt es:
Vor mehr als 30 Jahren saß Angela Merkel das letzte Mal als Studentin auf einer der harten Sitzflächen in einem Hörsaal, um auf ihren akademischen Abschluss hinzuarbeiten. Seitdem ist viel Zeit vergangen, und die diplomierte Physikerin hat einen äußerst erfolgreichen Weg von der Studentin zur Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland absolviert. Dennoch erscheint ihr Konterfei auf einer eigenen Profilseite, sobald man ihren Namen über die Studentenplattform „StudiVZ“ im Internet sucht.
So kurios der Auftritt der deutschen Bundeskanzlerin in einem Sozialen Netzwerk für Studenten auf den ersten Blick erscheinen mag, gibt es doch niemanden, der sich darüber wundert. Mehr noch – gäbe es die persönliche Seite der Kanzlerin nicht, würde dies als schweres Versäumnis ihres PR-Managements eingestuft.
Ob die Kanzlerin jetzt in StudiVZ ist, oder nicht, ist mir eigentlich egal. Aber jenes Werk, das mit diesen Worten eingeleitet wird, macht einen sehr guten Eindruck. Das «Recherche spezial» mit dem Titel «Web 2.0 – Alle machen mit!» wurde von Christian Kolle bearbeitet und vom GESIS, dem Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, im Januar 2010 herausgegeben. Die 93 Seiten voller Literaturtipps zum Thema Web 2.0 werden als kostenloses PDF zum Download angeboten. Weitere Infos auf den Seiten der Virtuellen Fachbibliothek Sowiport: «Web 2.0 – Alle machen mit!». Runterladen und lesen, lautet meine Empfehlung.
Michael Nentwich ist Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und hat gemeinsam mit seinen Kollegen im Rahmen des Projekts «Interactive Science – Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien» Wikis, Weblogs und Microblogging-Sites in ihrer Bedeutung für die Wissenschaft untersucht:
Im Foyer der Stabi Hamburg hängt ein Infoscreen (siehe Foto rechts), auf dem wir unsere Nutzer darüber informieren, was es Neues in der Stabi gibt. Da die Stabi unter dem Account @stabihh auch twittert, wurde heute eine entsprechende Folie in diesem Screen (dessen Dezember-Version man sich auch online anschauen kann) freigeschaltet. Alle Hamburger und Hamburgerinnen, die gerne über Bibliotheks- und Literaturcontent aus der Hansestadt informiert werden möchten, sind herzlich eingeladen, dem Stabi-Gezwitscher zu folgen. ;)
Das in den letzten Tagen – und vor allem heute – bei den Twitter-Nutzern neu eingeführte Listen-Feature (von @germanstudent in nettem Screencast auf BlogGezwitscher erklärt) ist eine Bereicherung des Dienstes.
Neben den Tweets zu den Vorteilen, die ich heute tagsüber veröffentlichte (siehe Abbildungen oben), habe ich dem Thema auch heute Abend eine Twitkrit gewidmet: Thema des Tages: Twitter-Listen.
Übersichten zu Listen gibt es bei Listorious. Weitere Überblicks- und Infoseiten werden sicher folgen. Man kann ja über Listen denken, was man möchte, jedenfalls beschäftigt es die Tweeps heute sehr. ;)
Update 31.10.09: Wie ich eben auf Twitter schon geschrieben habe, gibt es nun auch einen Service, mit dem man Twitter-Listen in einen RSS-Feed umwandeln kann und so bestimmte Gruppen per Feed abonnieren kann: Twitter Lists 2 RSS.
Um Missverständnissen vorzubeugen: nicht die Twitter-Liste (Beispiel @textundblog/bib) in dem Tool eintragen, sondern die Listorious-Adresse. Ich habe zum Beispiel meine Listorious-Liste von bibliothekarischen Twitter-Feeds (listorious.com/textundblog/bib) so in einen RSS-Feed umgewandelt. Sehr praktisch das Tool.
Vascoda ist ein Verbund der Virtuellen Fachbibliotheken in Deutschland. Gemeinsam mit Vascoda habe ich für die Stabi Hamburg in dieser Woche einen Workshop in den Räumen der ZBW Hamburg mit organisiert und – was den Web-2.0-Block anbelangt – gehalten. In dem von mir verantworteten vierstündigen Block ging es darum zu zeigen, wie Fachportale noch näher an die Nutzer rücken können, indem sie Web-2.0-Module in ihr Angebot integrieren. Dies sind die Folien, anhand deren ich das für den Fall von cibera gezeigt habe und anhand deren wir gemeinsam mit etwas mehr als 30 Teilnehmern aus ganz Deutschland über das Thema Web 2.0 in den ViFas diskutiert haben:
Ich finde, da hat Mister Wong wirklich mal ‘ne gute Idee gehabt: sie bieten an, dass man seinen Twitter-Account mit Mister Wong verbinden kann (ohne ihnen die Zugangsdaten geben zu müssen) und dass man im Anschluss in seiner Lesezeichenverwaltung einen neuen Reiter mit dem Namen Twitter hat, der einem die getwitterten Links seiner Follower (und/oder der eigenen) anzeigt. Das kann ganz praktisch sein, wenn man längere Zeit (also ein paar Stunden ;-) nicht in Twitter reingeschaut hat und sich mal eben einen schnellen Überblick anzeigen lassen möchte, was in der Zwischenzeit so verlinkt wurde.
Man kann auch die Twitter-Links anderer Teilnehmer (und deren Follower) anschauen (Beispiel Jörg Marx, aka @PBBMarx), wenn diese das praktische neue Tool nutzen. Vor allem das Konzept von Mister Wong zur Twitter-Integration und die individuellen Anpassungsmöglichkeiten (nachles- und einsehbar in der FAQ) überzeugen mich. So kann man etwa einzelne Follower von diesen automatisch generierten Linklisten ausschließen, oder umgekehrt erstmal alle Follower ausschließen und nur vereinzelte Qualitätscontent-Lieferanten aufnehmen (Qualität in Bezug auf Link-Tipps auf Twitter, wohlgemerkt). Gut durchdacht und praktisch, wie ich finde. Was meine Follower gerade so empfehlen, seht ihr hier (wird von MW automatisch fortlaufend aktualisiert).
Wer schon bei dem Online Lesezeichen-Verwaltungsdienst Mister Wong angemeldet ist, kann den Import hier starten. Wer sich erst näher informieren möchte, findet weitere Infos dazu bei construktiv: Mister Wong wird zur Social Media-Zentrale zum Speichern von Links.
Wer seine RSS-Feeds mit dem Google-Reader liest, wird sich über diese Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten freuen: Seit heute kann man im Google Reader, sofern man ihn in englischer Sprache nutzt, interessante Artikel direkt an andere Dienste schicken. Zum Beispiel an Facebook, Twitter oder Delicious. Und das Beste: es lassen sich auch Artikel oder Feed-Einträge an Dienste schicken, die dort standardmäßig gar nicht aufgeführt werden. Bei mir ist das zum Beispiel mit Mister Wong der Fall, dem Bookmarking-Dienst, den ich viel häufiger und konsequenter nutze als Delicious, und den ich in der Vorauswahl im Google-Reader gleich vermisst habe.
Wie die neue Funktion mit dem schicken Send-to-Link unterhalb jedes Feed-Eintrages eingerichtet werden kann und wie ein neuer Dienst zusätzlich in die Liste der Send-to-Links kommt, zeige ich hier:
Grundvoraussetzung: falls noch nicht geschehen, die Sprache in Einstellungen auf englisch umstellen. Dort das Menü “Send to” anklicken und auf dem angezeigten Bildschirm die gewünschten Dienste auswählen:
Einen neuen Dienst fügt man über den Button Create a custom link zu. Im folgenden Dialog werden eigentlich schon alle weiteren Infos mitgegeben:
Die einzige Schwierigkeit ist, wie man genau an den mittleren der drei Einträge, den im Feld URL, kommt. Ich bin dabei so vorgegangen: Ich habe die URL, die Mister Wong beim Aufnahme-Prozess eines neuen Bookmarks erzeugt, als Vorlage genommen und habe die konkreten Inhalte wie URL und Titel des Bookmarks durch die im Google Reader angegebenen Platzhalter ersetzt. Das ergibt für Mister Wong folgende URL:
Und so schaut das Ganze dann am Ende im Google-Reader aus: unten rechts unterhalb jedes Feed-Eintrages gibt es einen Link “Send to”, der auf Klick die Liste der ausgewählten Dienste anzeigt:
Und ab geht’s mit der Empfehlung an Facebook, Twitter, Delicious oder eben an Mister Wong. Wirklich kinderleicht einzurichten und eine enorme Erleichterung beim Weitergeben von Tipps in den Web-Kanälen der eigenen Wahl.